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Der Prager Frieden 1866

Mit dem Prager Frieden vom 23. August 1866 endete der Deutsche Krieg zwischen Preußen und Österreich. Den zuvor von der preußischen Armee in der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 gegen Österreich errungenen triumphalen Sieg hatten die europäischen Nachbarn, insbesondere der französische Kaiser Napoleon III., mit Misstrauen zur Kenntnis genommen. In dem Wissen, dass er seine politischen Forderungen nur mit Rückendeckung der europäischen Vormacht Frankreich durchsetzen konnte, verständigte sich der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck am 14. Juli mit Napoleon III. über die zentralen Punkte eines Friedensvertrags mit Österreich.

Der Vertrag sah weitreichende Annexionen Preußens in Norddeutschland, die Auflösung des Deutschen Bundes und Gründung eines von Preußen geführten Norddeutschen Bundes, das Recht der süddeutschen Staaten, einen Südbund zu bilden, sowie den Anschluss Venetiens an Italien vor. Damit erreichte Bismarck die von ihm angestrebte Machterweiterung Preußens. Napoleon III. hingegen wertete die Dreiteilung des ehemaligen Deutschen Bundes und die Beschränkung der preußischen Ausdehnung bis zur Mainlinie als strategische Sicherung französischer Interessen.

Auf Grundlage dieser Verständigung mit Frankreich gelang es Bismarck, seine Ziele im Vorfrieden von Nikolsburg vom 26. Juli 1866 gegenüber Österreich durchzusetzen. Weit schwieriger gestaltete sich für den preußischen Ministerpräsidenten, das Einverständnis der eigenen Staatsführung zu den mit Frankreich abgestimmten Plänen zu erhalten. Unterstützt von hochrangigen Militärs befürwortete der preußische König Wilhelm I. nämlich eine deutliche Demütigung des besiegten Österreich durch umfangreiche Gebietsabtretungen. Zugleich widerstrebte es seiner dynastischen Denkweise, Mitfürsten zu entthronen und ihre Länder zu annektieren. Nur mit Hilfe von Rücktrittsdrohungen und nach der ausdrücklichen Fürsprache des Kronprinzen Friedrich erhielt Bismarck die Zustimmung des preußischen Königs. Im Prager Frieden bestätigten Preußen und Österreich schließlich die Ergebnisse des Vorfriedens von Nikolsburg.

Johannes Leicht
23. Juni 2010

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