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Paul Thomaschki: Veränderungen in den Lebensumständen, Entwicklung der Preise

Auszüge aus dem Kriegstagebuch von Paul Thomaschki (1861-1934), Pfarrer an der Burgkirche zu Königsberg/Ostpreußen.

Das Tagebuch bezieht sich nicht nur auf den privaten Bereich, den kirchlichen Alltag, die Kriegsereignisse sowie um Verluste aus der Gemeinde, dem Corps und von Bekannten sondern reflektiert auch die persönliche Meinung zu den vielfältigen Ereignissen. Teilweise wurden auch die Kopien der Todesanzeigen aus der Zeitung eingefügt. Die nachfolgenden Auszüge reflektieren Szenarien der einzelnen Zeitabschnitte und stellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der Informationen dar. Ein ganz besonderer Dank gilt der Sütterlinstube in Hamburg, die das 720 Seiten umfassende Original in mehr als 500 Stunden durch ehrenamtliche Mitarbeiter in die lateinische Schrift transliterierte. Dabei wurde die zum damaligen Zeitpunkt verwendete Grammatik, Ausdruckweise und Rechtschreibung im Wesentlichen beibehalten.
J. Frank, September 2017


04. August 1914

Die Preise schnellen natürlich in die Höhe. Und dabei will niemand Papiergeld nehmen. Geld ist da wie Heu. Aber dabei kann man, auf Tausenderscheinen verhungern.
Die Lebensmittelpreise gehen weiter in die Höhe: Kartoffeln 6,50 M pro Ztr, Salz 40 Pf. pro Pfund, Mehl  nicht mehr zu haben. Die 50 Pf. Brote sind um die Hälfte kleiner geworden. –


10. Oktober 1914

Hinweis auf die erste Einquartierung von 5 Menschen und deren Verpflegung.


30. Mai 1915

Preise der Lebensmittel: Schweinefleisch 1,70;  Schinken 1,75;Bauchstück  1,75;  Karbonnade  1,90;  Butter  2,00;  Eier  1,80; Kalbfleisch 1,80;  Rindfleisch 1,60;   Cervelatwurst 2,40
Beginn des zweiten Kriegsjahres
Es wurde vermerkt für:

13. 10. Nichtrauchertag. Klägliches Ergebnis 400 M.

21. 10.  500 jähriges Hohenzollern-Jubiläum. Enthüllung des Eisernen Wehrmanns

22. 10. Geburtstag der Kaiserin – Marmeladentag


23. Oktober 1915

Gas geht aus, Petroleumlampe
Butter auf 3,00 M gestiegen; Eier pro Mandel 2,80 M.
am 25., 10. weiter auf 3,20 M, Eier auf 3,00 M und Milch kostet der Liter 0,34 M.


01.November 1915

Das Metallschiff, das unsere abgelieferten Kupfer-und Nickelsachen nach Kiel bringen sollte, soll unterwegs torpediert worden sein.


21. November 1915

Die fleischlosen Tage haben sich gut eingeführt. Dienstag und Freitag haben wir meistens Bratflunder.
Schweinefleisch wird von den Landwirten, Kartoffeln von den Händlern in Erwartung höherer Preise zurückbehalten.


30. November 1915

Heute erbärmliche Kälte, 8°R. Morgens im Zimmer 9°. Die Finger verklammen. Aber nun die draußen im Feld!


04. Februar 1916

Bekleidungsgeschäfte dürfen nicht mehr als 900 Meter eines Stoffes auf Lager haben. Nähgarn kostet jetzt 63 Pfennige gegenüber früher 21. Eiersatz kostet nur 11 ½ Pfennige pro Ei. Mit Cigarren wird es auch immer schlimmer und kaum zu erhalten. Genießbare kosten nicht unter 10 Pfennige.


23. Februar 1916

Der Zentner Schweinefleisch kostet 105 – 106 Mark. Früher waren es 30 Mark, dann 45 Mark, die schon als Wucherpreis angesehen wurden.

Vom 5. März werden Butterkarten eingeführt, 1/4 Pfund pro Person und Woche.


01. März 1916

Morgen liefern wir unser Kupfer und Messing ab.


14. April 1916

Es wird alles knapper. Milch haben wir bereits 8 Tage  nicht mehr und behelfen uns mit künstlicher. Jetzt soll es auch nicht mehr Zucker geben. Butter gibt es nur 125 gr pro Person.

Die Kartoffelkarte wird ab dem 15. eingeführt; 10 Pfd. Für 12 Tage pro Person. Ab dem 1.05. werden Fettkarten eingeführt – 125 Gramm pro Person.

Auch Seifenkarten sollen eingeführt werden. Ab dem 15.05. werden Fleischkarten eingeführt, 600 gr. die Woche inklusive Aufschnitt.


30. September 1916

Die Preise sind kollossal: 1 Pfd. Nudeln 4,50 Mark früher 1,20, die billigste Chokolade 3,60 früher 1,10, 1 Ltr. Rum 7 – 9 Mark, früher 15,50 – 2,00; Marmelade gibt es nicht mehr.


21. Februar 1917

Kohlen sind in der ganzen Stadt nicht zu haben.

Die Polizeistunde ist auf ½ 11 festgesetzt. Museen, Konzertsäle, Versammlungssäle, Kinos und Theater sind geschlossen.

Sämtlicher Fische aus der Ostsee, dem kurischen und frischem Haff sind von der Militärbehörde beschlagnahmt.

Desweiteren dürfen alte Kleider, Wäschestücke und Schuhzeug nicht mehr privat verkauft werden. Auch Zinndeckel müssen eingeliefert werden.


11. März 1917

Nun soll das Aluminium beschlagnahmt werden. Das dann notwendige Email-Geschirr wird zunehmend teurer.


28. Dezember 1917

Die Heizung - u Beleuchtungsverbote sind kollossal verschärft. Die Elektrische geht nur bis 1 Uhr, an Sonn - u Feiertagen überh. nicht. In Theatern, Kinos, Versammlungsräumen (also auch Kirchen, Konfirmandenräumen) dürfen nach 2 Uhr keine Veranstaltungen stattfinden (mit Ausnahme der Feiertage). Von 2-8 Uhr müssen Restaurants geschlossen sein. Die Schaufensterbeleuchtung ist verboten.


10. Februar 1918 bis 03. März

Der Kriegszustand mit Nordrußland aufgehoben; ebenso mit der Ukraine.

Aber drei Tage später wird über die Fortsetzung des Krieges mit Rußland berichtet. Am 20.d.M. folgte dann ein neues Friedensangebot der Bolschewiki.

Am 5. März wurde der Friede mit Rußland unterzeichnet.


06. Juni 1918

Den Anzug an der Ablieferungsstelle abgegen und dafür 15,00 Mark erhalten!


19. Juni 1918

Trauringabgabe: Augenblicklich tagt die Gold- u. Juwelenopfer-Woche. Die Abnahmestelle ist das Eckzimmer des Schlosses, links hinter d. Uhrportal, 1 Teppe. Vor dem Portal stehen 2 Posten in friedericianischer Uniform. Auf d. Schloßhof spielt die Mil.-Kapelle, der Eingang ist bekränzt, d. Zimmer schlicht und. würdig mit seinen Tiefen.

Es war mir doch sehr wehmütig ums Herz, nicht wegen des Trauringes. Gold gehört dem Vaterland. Aber daß das Vaterland in solcher Not ist, u. daß solche Opfer erforderlich sind.


24. September 1918

Die Grippe grassiert wieder unheimlich und ist sehr bösartig, oft mit Lungenentzündung im Gefolge. Auch die Ruhr ist sehr verbreitet.


13. Dezember 1918

Feine Zustände! Das Wasser ist stundenlang am Tage, Nacht über immer gesperrt. Gestern u. heute versagte auch das elektr. Licht. Die Elektrischen stehen still.  

 

 

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