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Werner Mork: Deutsch-italienische "Waffenbrüderschaft" in Nordafrika

Dieser Eintrag stammt von Werner Mork (*1921) aus Kronach, Januar 2005:

Als Soldat in Nordafrika musste ich häufiger nach Derna. Was uns da unangenehm auffiel, das war das Gehabe der italienischen Etappenhengste. Das Erscheinungsbild dieser aufgeblasenen, wie Gockel herum stolzierenden Offiziere war ein krasser Gegensatz zu den Italienern, die als Waffenbrüder mit den Deutschen im Fronteinsatz waren. Die zur Schau getragene arrogante Überheblichkeit dieser Etappenleute wurde sogar von den zivilen Italienern, die zu den Ansiedlern gehörten, als sehr ungut empfunden. Und die Eingeborenen hatten durchweg nur Hohn und Spott für diese Typen übrig. Was das Verhältnis zu den Deutschen anging, so gab es sehr starke Spannungen, die bis in den Stab von Rommel reichten. Diese Spannungen waren oft so unerträglich, dass eine noch funktionierende Zusammenarbeit zwischen den deutsch-italienischen Stäben als kaum noch möglich erschien. Dabei mehrten sich auch die Gerüchte über Sabotage und Verrat, ausgeübt von den italienischen Stäben in der Etappe.

Über die Kampfeinheiten der Italiener gingen die Meinungen sehr auseinander. Dabei spielte aber auch die sehr arrogante deutsche Überheblichkeit eine Rolle, die noch immer genährt wurde von der negativen Einschätzung der Itaker im 1. Weltkrieg. Aber es gab auch Vorfälle, die diese Meinungen als leider doch richtig bestätigten, weil es viele Verbände gegeben hatte, die fast kampflos zu den Engländern übergelaufen waren. Das war für die deutschen Landser nicht nur unverständlich, sondern brachte sie auch in Wut darüber, dass sie ihre Köpfe hinhalten mussten für diese "Feiglinge". So war sie, die Sicht in der Zeit, die leider auch begreiflich war, wenn man an sich selber dachte. Besonders begreiflich, wenn es um das Verhalten der ital. Offiziere ging, das als miserabel angesehen wurde. Den schlechtesten Ruf hatten des "Königs Grenadiere", d. h. die Einheiten, die als königliche Truppen galten. Als Gegensatz dazu galten die Einheiten der Schwarzhemden von Mussolini und die Eliteeinheiten der Panzerdivisionen, die unter der Führung jüngerer Offiziere standen. Dazu gehörten auch Bersaglieries und Alpinis mit durchweg faschistischen Freiwilligen und die Panzerdivision Ariete.

Es ist dazu aber auch zu sagen, dass sich die Truppen des Königs in einem wirklich bemitleidenswerten Zustand befanden hinsichtlich Ausrüstung, Bekleidung und Bewaffnung. Nur die Herren Offiziere dieser Truppen, die liefen geschniegelt und gebügelt herum, auch da, wo eigentlich Kampfgebiet sein sollte. Diese Herren war dann immer die ersten, die abhauten und ihre Soldaten verließen, wenn es brenzlig wurde. Diese königlichen Soldaten waren wirklich arme Schweine, die konnten uns schon leid tun. Es war nicht richtig, diese armen Kerle einfach als Feiglinge abzuqualifizieren. In meiner Zeit in Afrika, habe ich manche ital. Soldaten als sehr gute Kameraden kennen gelernt, die auch den letzten Wassertropfen und die letzte Zigarette mit einem teilten. Und gerade Italienern verdanke ich mein Leben während eines englischen Fliegerangriffes auf den Hafen von Tobruk.

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