Mit dem Museumsverein auf Reisen

Geschichte im europäischen Kontext

Jedes Jahr lädt der Museumsverein seine Mitglieder zu einer viertätigen Studienreise ein. Unser Ziel ist über eine nationale Geschichtsschreibung hinauszublicken, Geschichte im europäischen (internationalen) Kontext zu betrachten und historische Orte zu befahren. 2018 haben wir zum Beispiel das Beaumont-Hamel-Newfoundland-Memorial in Frankreich besucht. Auf diesem Schlachtfeld des Ersten Weltkrieges ist 1916 der Großteil des Ersten Neufundländischen Battalions gefallen. Die Überreste der Schützengräben lassen sich über 100 Jahre später immer noch erkennen.

Derzeit arbeiten wir an unserer Reise 2020. Bleiben Sie gespannt!

Siebenbürgen – Geschichte und Gegenwart eines historischen Grenzraumes

Eine Reise des Museumsvereins nach Rumänien

18. – 21. September 2019

Hintergrund unserer Reisen ist das Interesse, „auf deutschen Spuren“ europäische und transnationale Geschichte zu erkunden und andere Länder und Blickwinkel kennenzulernen. Die Frage, warum der Museumsverein des Deutschen Historischen Museums 2019 Siebenbürgen als Ziel der viertätigen Auslandsreise gewählt hat, ist leicht zu beantworten. In Siebenbürgen erwartete uns mehr als Spuren, es gibt eine deutschsprachige Minderheit und die Verbindungen der rumänischen Region zur Bundesrepublik werden jedes Jahr enger.

2007 war Hermannstadt europäische Kulturhauptstadt. © Bayer/Museumsverein

Urkunden des 13. Jahrhunderts zeugen von der langen Geschichte der deutschen Siedlerinnen und Siedler in Siebenbürgen. Aus ihnen geht auch die Rolle der Siedelnden hervor: Sie waren hospites – Gäste oder besser noch Eingeladene. Die ungarischen Könige hatten sie ab dem 11. Jahrhundert herbeigerufen, um das Gebiet – eine häufig umkämpfte Grenzregion – zu sichern und zu bewirtschaften. Jahrhundertelang machten die Siebenbürger Sachsen, wie die deutschen Einwanderinnen und Einwanderer wie ihre Nachkommen später genannt wurden, einen beachtlichen Anteil der Gesamtbevölkerung aus. Woher die Deutschen kamen, warum sie auswanderten und wie der Siedlungsprozess ausgesehen haben mag – mit diesen Fragen beschäftigte sich die Reisegruppe bereits im Vorfeld der Reise. Maríon Bayer hielt einen Vortrag zum Ursprung der deutschen Besiedelung des Gebiets. Bei dem Vortrag der Mediävistin wurde deutlich, definitives zum Anwerbungsprozess lässt sich kaum sagen. Deutlich wurde dagegen, dass das deutschsprachige Erbe in Siebenbürgen vor allem deshalb über Jahrhundert bewahrt werden, da die deutschen Siedlerinnen und Siedler – egal, woher sie bzw. ihre Eltern und Großeltern aus den deutschen Landen stammten – von den ungarischen Königen als eine homogene Gruppe mit besonderen Rechten behandelt wurden.

Im 20. Jahrhundert brach die deutsche Bevölkerungsgruppe drastisch ein. 1945 wurden rund 70.000 Siebenbürger Sachsen in die Sowjetunion deportiert. Und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gingen viele der Verbliebenen in die Bundesrepublik. Inzwischen wird die deutsche Kultur in Siebenbürgen gefördert.