Film

Der Eine und der Andere

Aus dem Fernseharchiv

Mittwoch, 05. Juli 2017, 20.00 Uhr

Zeughauskino

Der Eine und der Andere

BRD 1968, R: Tom Toelle, B: Eva Mieke, Benno Meyer-Wehlack, Tom Toelle, K: Michael Ballhaus, D: Vadim Glowna, Iskandar Morawiecz, Annemarie Schradiek, Joachim Wichmann, Barbara Morawiecz, Helga Ballhaus, 61’ · File

MI 05.07. um 20 Uhr + SA 08.07. um 19 Uhr · Einführung: Jan Gympel

Ivo kommt aus reichem, aber lieblosem Hause. Nachdem er daheim eine große Fensterscheibe zerschlagen hat, ist der stille kleine Junge ausgerückt. Am Hauptbahnhof von Frankfurt am Main gabelt ihn Rolf auf, ein junger, frustrierter Mann aus einfachen, zerrütteten Verhältnissen, der in ihm einen Schicksalsgefährten, einen ebenfalls „Verlorenen“ sieht. Die beiden suchen und finden aneinander Halt, innerhalb weniger Stunden entsteht eine fast brüderliche Beziehung, wenngleich der Ältere immer wieder Anstalten macht, für den Jüngeren einen „Finderlohn“ einzufordern.

Tom Toelle (1931-2006, Die Witwen, Das Millionenspiel) inszenierte den ersten Film von Eva Mieke, die später vor allem für vielbeachtete Serien wie Beate S. oder Jauche und Levkojen die Drehbücher schrieb. Die Photographie des über weite Strecken abends und nachts spielenden Films verantwortete der junge Michael Ballhaus.

Die Welt vom 2.11.1968 meinte zu der im Großstadtalltag angesiedelten Mischung aus Psycho- und Sozialstudie, die am Reformationstag 1968 erstgesendet wurde: „Regie und Drehbuch machten daraus einen gefühligen Schmarrn, der nur in einem konsequent blieb: Kein Gemeinplatz war zu schäbig, als daß er nicht die matte Fernsehkunst beleben durfte.“ Dagegen urteilte Ernst Johann in der Frankfurter Allgemeinen vom 4.11.1968, der Film „kommt auf leisen Sohlen daher und verdient doch die größte Aufmerksamkeit. Hier wird ein gegenwärtiger Stoff mit gegenwärtigen Mitteln behandelt und vorgestellt. Eine Sozialreportage ist auf eine so zurückhaltende und gescheite Art in Handlung umgesetzt, daß das Spiel den Ernst nicht stört. Zwar haben wir diese Mischung schon gehabt, erinnert sei an die sogenannte ‚Hamburger Schule’, doch fehlte dort nie der kritische Zeigefinger, während hier auf alles verzichtet wird, was wie direkte Anklage klingt.“ (gym)

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