Film

Saxophon-Susi

D 1928, R: Carl Lamac, 52'

Dienstag, 08. Januar 2019, 20.00 Uhr

Zeughauskino

Saxophon-Susi

D 1928, R: Carl Lamac, B: Bobby E. Lüthge, Tom Maro nach einem Bühnenstück von Hans H. Zerlett, K: Otto Heller, D: Anny Ondra, Mary Parker, Gaston Jacquet, Olga Limburg, Macolm Todd, Hans Albers, Margarete Kupfer, Paul Biensfeldt, Mira Doré, 52‘ · DCP, ital. ZT mit dt. UT

DI 08.01. um 20 Uhr · Einführung: Mila Ganeva · Am Flügel: David Schwarz

Vorprogramm

Pitje Backspier als Pelzjäger D 1928, 3‘ · 35mm

Bilder aus Grönland D 1929, 15‘ · 35mm

Die Zwanzigerjahre sind die große Zeit des Jazz. Von Amerika schwappen neue Klänge, Rhythmen und Tänze herüber nach Europa und halten Einzug im Theater, in Revue und Operette, in Kaffeehäusern und Hotels, schließlich sogar im Konzertsaal. Auch im Film tauchen allenthalben Jazzbands auf. Sie stehen für Aufbruch und Internationalität, Modernität und urbanes Leben. In Saxophon-Susi zeigt sich, dass der Jazz auch die Klassengrenzen überschreitet: Annie (Anny Ondra), eine verwöhnte Tochter aus adligem Hause, brennt durch und lernt die gleichaltrige Susi (Mary Parker) kennen, deren Eltern einfache Arbeiter sind. Susi soll in einem strengen Internat in London zur Revuekünstlerin ausgebildet werden. Kurzerhand tauschen die beiden jungen Frauen die Identität: Und so sorgt Annie unter dem Namen Susi im Internat für Chaos und Rebellion, legt – wie die B.Z. am Mittag schreibt – zum Klang bekannter Schlager „einen Affentrott, Charleston und andere moderne Schönheitstänze“ aufs Parkett und verdreht mit Schmollmund und schlankem Bein die Köpfe der arrogantesten Herren. Schließlich steht sie in Berlin mit den Tiller Girls auf der Bühne.

Alles in diesem Film ist auf Anny Ondra (1902-1987) zugeschnitten. Die tschechische Schauspielerin wurde zunächst in ihrem Heimatland zum Star, bevor sie Mitte der 1920er Jahre den Sprung nach Deutschland machte und hier meist unter der Regie ihres ersten Ehemanns Karel (Carl) Lama? arbeitete. Im Zeitalter der Flapper, It-Girls und Jazz Babes stand sie für Beweglichkeit, überschäumendes Temperament, auch Albernheit und selbstironischen Witz. Sie erinnert damit an Ossi Oswalda, die zehn Jahre zuvor ähnliche Qualitäten in den Komödien von Ernst Lubitsch offenbart hatte. „Karl Lamac erwies sich (…) als ein Regisseur von flottem Tempo, von Geschmack, Laune, Schmiß (…). Die Rolle gab Anny Ondra Gelegenheit die wahrscheinlich stärkste Seite ihres Talents zu zeigen. Anny Ondra ist grotesk-komisch. Für diese Komik hat der deutsche Film bisher eigentlich keine Vertreterin gehabt. Diese junge Schauspielerin ist aber so talentiert, daß sie sich nicht auf dieses Fach beschränken muß; man wird bei ihr noch manche Überraschung erleben.“ (Reichsfilmblatt, 3.11.1928) Wie wahr: Alfred Hitchcock holte Anny Ondra 1929 für zwei Filme nach England. (ps)

Wir zeigen eine digitale Kopie aus dem nationalen tschechischen Filmarchiv in Prag, die eigens für diese Filmreihe angefertigt wurde.

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