Haß im Kopf

D 1994, R: Uwe Frießner, 94’

Dienstag, 28. Mai 2019, 20.00 Uhr

Zeughauskino

Haß im Kopf

D 1994, R/B: Uwe Frießner, K: Jörg Jeshel, M: Mario Lauer, D: Markus Johannsen, Gerhard Olschewski, Renate Geissler, Thomas Lawincki, Ulrike Panse, Andre Mewis, Carmen-Maja Antoni, 94’ · Digital SD

FR 24.05. um 21 Uhr + DI 28.05. um 20 Uhr · Einführung: Jan Gympel

Junge Rechtsradikale waren in den neunziger Jahren, zumal nach einigen spektakulären Fällen ausländerfeindlicher Gewalt, ein vieldiskutiertes Thema. Der Beitrag, den Uwe Frießner dazu nach jahrelangen Recherchen schuf, zeigt viele für ihn typische Motive: Der siebzehnjährige Fredy – ein stiller Junge, der unter seinem Vater, einem brutalen Alkoholiker, leidet – gerät in die neo-nazistischen Kreise seiner kleinen norddeutschen Heimatstadt. Ältere Rechtsradikale nutzen dort die Gewaltbereitschaft frustrierter und nicht selten alkoholisierter Jugendlicher für ihre fremden- und judenfeindlichen Zwecke. Als die Gewalt immer weiter eskaliert, trennt sich ein Mädchen, für das Fredy sich interessiert, von der Gruppe und gerät so selbst in Gefahr

Uraufgeführt zur besten Sendezeit auf Arte, wurde der Film im coproduzierenden ZDF einige Monate später nur am Sonntag um 23 Uhr gezeigt und kaum beachtet. „Dem Regisseur gelingt es, das heiße Thema ganz tief unten anzusiedeln; ohne verbrämte psychologische oder ideologische Symbolik“, hieß es in einer der wenigen Kritiken. „Das Reality-Movie bedrückt als kaum gefilterter Frontbericht – aber gerade durch die offengelegte Irrationalität macht es die Zuschauer nicht minder sprachlos als die Akteure.“ (Dieter Deul, Die Tageszeitung, 2.9.1994) Frießner selbst fand die Drastik der Handlung noch nicht ausreichend: „An mancher Stelle hätte ich die Dinge schon gern intensiver gezeigt, weil ich denke, es ist furchtbar, Opfer zu sein. Man sollte dem Opfer ins Gesicht sehen: das Furchtbare, das Leid miterleben, was es erfährt. Mit dem Opfer ist die Grausigkeit zu erleben, und das ist genau das, was man im Fernsehen am wenigsten zeigen will. Das ist an sich ja absurd: Die Gewalttätigkeit am Opfer wird immer rausgeschnitten, und übrig bleibt dann der Täter, weil er eigentlich nicht so sehr schockiert.“ (ZDF-Monatsjournal, März 1995) (gym)

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