Der Schlüterhof

Der Schlüterhof diente zunächst als Paradehof zur Präsentation von Geschützen. Namensgeber ist der Bildhauer und Architekt Andreas Schlüter, der sowohl am Bau des barocken Zeughauses beteiligt war als auch die Köpfe der Giganten über den Rundbogenfenstern gestaltete. Zwischen 1877 und 1880 wurde dem Bau eine Freitreppe sowie eine Überdachung hinzugefügt. Letztere – im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört – wurde 2003 durch eine neue Überdachung nach Plänen des Architekten I.M. Pei ersetzt. Von Pei stammt auch der Entwurf der Ausstellungshalle, die über einen unterirdischen Gang mit Schlüterhof verbunden ist.

Die Masken von Andreas Schlüter

Die von Andreas Schlüter (1659–1714) für den Hof des Zeughauses geschaffenen berühmten 22 Reliefe mit den Köpfen sterbender Giganten entgingen der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Sie sind noch heute an ihrem ursprünglichen Ort zu sehen.

In der antiken Mythologie erhebt sich das Riesengeschlecht der Giganten – Söhne der Urmutter Gaia, von der alle Götter abstammen – gegen die Götter, um diese vom Olymp zu vertreiben. Mit Hilfe von Herkules gelingt es jedoch, die anstürmenden, mit Felsen werfenden Riesen zu besiegen. Sie werden enthauptet – und damit den letzten sterblichen Göttern ein Ende bereitet. Der Sieg der olympischen Götter gilt als Sieg von Ordnung und Gesetz über die chaotischen Elementarmächte. Das Giganten-Motiv wurde in der Kunst immer wieder als Sinnbild des „guten Herrschers“ dargestellt.

Ursprünglich war im Hof die Errichtung eines großen Standbilds von Kurfürst Friedrich III. (1657–1713) geplant. Um dieses Standbild herum und somit in deutlichem Bezug auf seine Person hätte sich das Bildprogramm entwickelt: Die Masken mit den Häuptern der sterbenden Giganten sollten so den Triumph des Herrschers über seine Widersacher versinnbildlichen.

Dies geschah aber nie: 1698 gegossen, war das Standbild 1701 bereits überholt, da es den Herrscher als „siegreichen“ Kurfürsten und nicht als König zeigte, der Friedrich seit 1701 war.

Umbau und Überdachung

Bei den neuen Planungen für den Umbau des Zeughauses und den Neubau der Ausstellungshalle (1998–2004) wurde die Entscheidung getroffen, den Schlüterhof wieder zu überdachen. Mit der Glas-Stahl-Konstruktion griff der Architekt Pei die historische Bausituation auf, denn bereits zwischen 1880 bis 1945 überspannte ein Glasdach den barocken Innenhof.

Der Schlüterhof bietet mit den Abmessungen von 40 mal 40 Metern nicht nur eine in Berlin einmalige Raumgröße. Er ist für Besucherinnen und Besucher ein idealer Treffpunkt und weiträumiger Ruheort; von hier aus erreichen sie über eine Rolltreppe auch unterirdisch die Ausstellungshalle.

Bilder vom Schlüterhof