Aus dem Fernseharchiv

Drehbuch: Dieter Meichsner

In den Archiven der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Deutschlands liegt ein kaum bekannter Schatz: Spielfilme teils prominenter Regisseure und/oder Drehbuchautoren, entstanden hauptsächlich in den sechziger und siebziger Jahren, als die Rundfunkanstalten zugleich ein Übungs- und Experimentierfeld auch für Nachwuchsfilmemacher waren. Reine TV-Produktionen, die in aller Regel auch nur im Fernsehen gezeigt wurden, dort allerdings ein Millionenpublikum erreichten. Auf diesen weitgehend vergessenen Teil der deutschen Filmgeschichte möchte die von Jan Gympel initiierte und mitkuratierte Reihe Aus dem Fernseharchiv hinweisen: Monatlich wird ein Fernsehspielfilm – seit diesem Jahr aus dem Bestand der Sammlung Fernsehen der Deutschen Kinemathek – präsentiert.

Im 4. Quartal 2018 zeigen wir drei bemerkenswerte Arbeiten von Dieter Meichsner (1928-2010). Als Leiter der dortigen Fernsehspielabteilung hatte Egon Monk den Norddeutschen Rundfunk ab 1960 zur aufregendsten und ambitioniertesten Fernsehfilmschmiede der Bundesrepublik gemacht. Als Monk den Sender 1968 verließ, trat der ebenfalls aus Berlin stammende Dieter Meichsner seine Nachfolge an, im gleichen zeit- und gesellschaftskritischen Geist wie Monk, der Meichsner erst 1966 als Chefdramaturgen zum NDR geholt hatte, doch mit eigenen Akzenten. Meichsner setzte diese nicht nur als Produzent, sondern auch mit Drehbüchern, die zu schreiben zu seinen Aufgaben gehörte. Schon 1958 hatte er mit dem Fernsehfilm Besuch aus der Zone, einer Adaption seines zwei Jahre älteren Hörspiels, für Aufregung gesorgt, weil er darin die zunehmende Entfremdung von Ost- und Westdeutschen ebenso behandelt hatte wie die Gründe dafür, die DDR nicht zu verlassen. In der Folgezeit hatte sich der mehrfach ausgezeichnete Autor immer stärker der Arbeit fürs Fernsehen zugewandt.

Aus dem Fernseharchiv ist eine Kooperation mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.

Der Eintritt ist frei.