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Vor 75 Jahren, am 17.5.1946, wurde in der Sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Film Aktiengesellschaft, kurz DEFA, als erste große deutsche Nachkriegsfilmfirma gegründet. Bis 1993 das Abschiedswerk Novalis – Die blaue Blume von Herwig Kipping seine Premiere feierte, entstanden etwa 3700 Spiel-, Trick- und Dokumentarfilme, die das markante DEFA-Signet trugen.

Mit einem Prinzip der vertikalen Integration, das neben Produktion und Kopierwerken auch Synchronisation und den Verleih internationaler Filme koordinierte, ähnelte die DEFA strukturell Konzernen wie der Ufa und dem klassischen Hollywoodsystem ab den 1930er-Jahren – mit dem entscheidenden Unterschied, dass der Betrieb bis zum Untergang der DDR die einzige offizielle Kinoproduktionsstelle des Landes blieb und als solche strikter staatlicher Kontrolle unterlag.

Trotz dieser Zentralisierung ist der DEFA-Katalog vielschichtig und lässt sich analog zu anderen Nationalkinematografien durch Phasen, Moden und Konjunkturen kennzeichnen. Bis heute im Fokus der filmwissenschaftlichen Betrachtung geblieben sind vor allem stilistisch avancierte Autorenfilme und Literaturadaptionen, die sich kritisch mit der deutschen Geschichte und insbesondere dem Nationalsozialismus auseinandersetzen, sowie häufig von Zensureingriffen betroffene Gegenwartsdramen mit Problembewusstsein für soziale und politische Konflikte innerhalb der DDR.

Das DEFA-Repertoire umfasst aber auch zahlreiche Genre-Produktionen, Werke also, die auf konventionalisierte, international bewährte Formen und Muster des Populärkinos zurückgreifen und an tradierte Zuschauererwartungen anschließen. Diese Filme stießen bei den Regierungsverantwortlichen oft auf Skepsis und wurden von der zeitgenössischen Kritik eher zurückhaltend besprochen, waren aber an den Kinokassen mitunter enorm erfolgreich.

Wenig überraschend unterlag das Genrefilmschaffen in der DDR Grenzen: Tabu war, was allzu offensichtlich auf die Stimulierung negativ behafteter, „unsittlicher“ Affekte zielte, sodass man etwa nach lupenreinen Horror- oder Erotikproduktionen vergeblich sucht. Dennoch erschöpft sich das Genre-Segment des DDR-Kinos nicht in jenen Märchen- und Kinderfilmen, die aufgrund regelmäßiger Fernsehausstrahlungen bis heute vergleichsweise bekannt geblieben sind. Zu entdecken gibt es unter anderem mit sphärischen Science-Fiction-Abenteuern, sozialkritischen Apachen-Western und verschlungenem Spionagekino eine große Spannweite an Filmen, die auf genuine Weise Konvention und Innovation verbinden, die einerseits an Motivwelten und dramaturgische Formeln der zeitgenössischen westlichen Popkultur anschließen und gleichzeitig etablierte Genreregeln und Identifikationsangebote auf den Kopf stellen.

Zum diesjährigen DEFA-Jubiläum präsentiert das Zeughauskino gemeinsam mit der DEFA-Stiftung eine Auswahl von sieben besonders bemerkenswerten DDR-Genrefilmen sowie eine Dokumentation als kostenlose Online-Retrospektive. (Christian Lenz)

Die Filme

Jeden Montag ab 18:00 Uhr geht ein neuer Film online, der dann drei Wochen zum Streaming bereitsteht.

Eolomea

DDR 1972, R: Herrmann Zschoche

3. bis 24. Mai 2021

Ulzana

DDR 1974, R/B: Gottfried Kolditz

17. Mai bis 7. Juni 2021

Hatifa

DDR 1960, R: Siegfried Hartmann

7. bis 28. Juni 2021

Sehnsucht

DDR 1990, R/B/K: Jürgen Brauer

14. Juni bis 5. Juli 2021