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Nachdem eine Gruppe assyrischer Krieger ihr Heimatdorf zerstört und ihre Mutter getötet haben, muss die junge Hatifa als Sklavin in einem Steinbruch schuften. Eines Nachts gelingt ihr der Ausbruch und sie stößt bei der Flucht durch die Wüste auf eine Handelskarawane des bösartigen Geschäftsmanns Ganem, der auch Hodja, ein gleichaltriger Knecht, und der Traumdeuter Simsal angehören, mit denen Hatifa schnell Freundschaft schließt. Als sie erfährt, dass auf das Verstecken flüchtiger Sklavinnen die Todesstrafe steht, versucht sich das Mädchen schnell wieder von der Karawane abzusetzen, um ihre neugewonnenen Bekannten zu schützen. Dieses Mal scheitert der Fluchtversuch jedoch und Hatifa landet schließlich auf einer griechischen Sklavengaleere. Rettung aus der misslichen Lage versprechen neben Hodja und Simsal auch der mysteriöse Freibeuter Zadok, der das Menschenhändlerschiff schon ins Visier genommen hat.

1950 kam die von Paul Verhoeven verfilmte Wilhelm-Hauff-Erzählung Das kalte Herz in die Ostkinos, seitdem blieb der Output an märchenhaften, für ein junges Publikum konzipierten Stoffen bis zum Ende der DDR konstant hoch – auch in Zeiten, als entsprechende Filme in Westdeutschland nach pädagogischer Kritik und einer Jugendschutzänderung 1957 kaum noch produziert wurden. Für viele DEFA-Märchen ist charakteristisch, dass sie den sozialkritischen Gehalt der adaptierten Erzählungen vereindeutigen und klare Gut-Böse-Antagonismen entlang von Klassenunterschieden entwerfen – so auch in Hatifa, der mit einem erfolgreichen Aufstand der entrechteten Sklaven gegen ihre skrupellosen Unterdrücker endet.

Aus heutiger Sicht ist das Werk mit dauerpräsenten Themen wie Menschenhandel, brutaler Ausbeutung und einem finalen Bootskampf, der klar sichtbare Leichen produziert, als Kinderfilm nur noch schwer vorstellbar. Seine Premiere feierte Hatifa aber tatsächlich auf den Ersten Internationalen Kindertagen des Weltbundes der Demokratischen Jugend. (Christian Lenz)