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Als sein Wagen nachts in einem sorbischen Bauerndorf liegen bleibt, findet der Wasseringenieur Siegbert Unterkunft im Gehöft von Ena und ihrem Verlobten Mathias. Später stellt sich heraus, dass der fremde Städter Untersuchungen für mögliche Berg- und Seebauvorhaben durchführt, die auf eine Komplettflutung des ruralen Lausitzgebietes hinauslaufen könnten. Bei der heimat- und naturverbundenen Ena stoßen diese Vorhaben auf Unverständnis, nach und nach findet sie aber trotzdem Gefallen an Siegbert und gerät in einen Gewissenskonflikt. Mathias bleibt die Zuneigung zwischen seiner Verlobten und dem Neuankömmling indes nicht lange verborgen…

Als sentimental überhöhte, auf die seelischen Kämpfe der leidenden Protagonistin fokussierte Dreiecksgeschichte ist Sehnsucht in vielerlei Hinsicht ein klassisches Melodram. Dazu passt auch die konservative Grundhaltung des zivilisationsskeptischen Werks, in dem Enas Emanzipation von Schicksal und Tradition letztlich scheitert. Nachdem sich der Handlungsort im letzten Filmdrittel nach Paris verlagert hat, erscheint die Rückkehr zur unberührten, naturmystisch aufgeladene Landidylle als Glücksversprechen.

Eigene Akzente setzt die dialogarme, mit Ulrike Krumbiegel und Ulrich Mühe prominent besetzte Regiearbeit von Jürgen Brauer vor allem durch das stark stilisierte Schauspiel und ihr Sorben-Setting. Sehnsucht ist der letzte einer Reihe von DEFA-Werken ab den 1970er-Jahren, die sich mit Bräuchen und Lebenswelten der einzigen in der DDR offiziell anerkannten ethnischen Minderheit auseinandersetzen. Im bereits wiedervereinten Deutschland ging die Veröffentlichung des Films unter; 2017 gelangte Sehnsucht mit Festival- und Reportoirekino-Screenings in Folge seiner Digitalisierung an eine breitere Öffentlichkeit. (Christian Lenz)