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Arizona am Ende des 19. Jahrhunderts, nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg: Die Mimbrenos-Apachen unter ihrem Häuptling Ulzana streben ein friedliches Auskommen mit den weißen Siedlern an. Um in einem kleinen zugeteilten Gebietsabschnitt überleben zu können, hat der Stamm eine Bewässerungsanlage gebaut und versucht sich mit Landwirtschaft und Handel größtmögliche Autarkie zu bewahren.

Profitgierigen Geschäftsleuten aus der angrenzenden Stadt Tucson ist dieses Anliegen ein Dorn im Auge. Sie sind darauf aus, die Ureinwohner weiterhin mit gammeligen Lebensmittel- und Kleiderlieferungen ausbeuten zu können und lassen kurzerhand das Bewässerungssystem der Mimbrenos wegsprengen. Als zusätzlich der Befehl aus Washington erfolgt, die Apachen in eine komplett unfruchtbare Reservation umzusiedeln, versucht der Stamm über die Grenze nach Mexiko zu fliehen. Doch dann gerät zu allem Überfluss Ulzanas Frau Leona in die Hände des schmierigen Kavallerie-Captains Burton, der mit den Tucsoner Aktionären unter einer Decke steckt…

Als erster DEFA-„Indianerfilm“ erschien 1966 Die Söhne der großen Bärin, eine Adaption der gleichnamigen Roman-Hexalogie von Liselotte Welskopf-Henrich; bis 1983 folgten 12 weitere, vom Publikum begeistert aufgenommene Werke, die sich mit dem Schicksal der nordamerikanischen Ureinwohner beschäftigen. In fast all diesen handlungstechnisch größtenteils nicht zusammenhängenden Filmen übernahm der deutsch-serbische Schauspieler Gojko Mitić die Hauptrolle, der im Laufe seiner Karriere zahlreiche Häuptlingscharaktere unterschiedlicher Stämme verkörperte; den hier titelgebenden Protagonisten Ulzana bereits ein Jahr zuvor in dem grimmigen, ebenfalls von Gottfried Kolditz inszenierten Apachen.

Obwohl Mitić als „Pierre Priece des Ostens“ galt und die DEFA-Produktionen oft an denselben jugoslawischen Locations entstanden wie die bekannten Winnetou-Adaptionen, unterschied sich der DDR-„Indianerfilm“ insbesondere der 1970er-Jahre stark von den naiv-harmlosen westdeutschen Karl May-Verfilmungen und auch vom klassischen Hollywood-Westernkino. Standartsituationen wie Kutschenverfolgungen und spektakuläre finale Shootouts finden sich auch hier, zum thematisch-topographischen Grundstoff des Genres nehmen die Filme allerdings eine durchweg pessimistische Haltung ein: Der Frontier Mythos, die sukzessive Erschließung und Besiedlung Amerikas von der Ost- an die Westküste, wird konsequent als Bewegung der Ausbeutung und blutigen Landnahme an den Indigenen beschrieben, wobei die grundsätzlich als Familienunterhaltung konzipierten Filme nicht vor drastischen Szenen und finsteren Schlussakten zurückschrecken – wie sich paradigmatisch am unvermittelt bitteren Ende von Ulzana erkennen lässt. (Christian Lenz)