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Mit Erzählungen um grenzenlose Weiten, Freiheitsvisionen und rebellische Drifter im Widerstand gegen die Gesellschaft erscheint das prototypisch US-amerikanische Genre des Roadmovies nicht gerade als prädestinierter Referenzrahmen für DEFA-Produktionen. Tatsächlich entstanden im letzten Jahrzehnt der DDR aber diverse Filme, die sich mäandernden Landstraßen-Trips meist jugendlicher Charaktere annehmen und deren Reise- und Aufbruchsambitionen zumindest ambivalent gegenüberstehen.

In Und nächstes Jahr am Balaton, dem zweiten Hermann-Zschoche-Film unserer Retrospektive, entscheidet sich der störrische Teenager Jonas trotz Bedenken mit der Familie seiner Freundin Ines nach Bulgarien in den Urlaub zu fahren. Als Ines Spießereltern aber schon auf der Hinfahrt die Verlobungsringe auspacken, nimmt Jonas Reißaus und springt kurzerhand aus dem Zug. Durch Pannen und Missverständnisse dividiert sich nur kurze Zeit später auch die restliche Reisegruppe auseinander; der episodenhaft und in tiefentspanntem Tempo erzählte Film bleibt aber vor allem an Jonas haften, der nach diversen Umwegen und neuen Bekanntschaften letztlich doch noch in Bulgarien ankommt.

Wie schon in einigen seiner vorherigen Werke arbeitete Zschoche auch in Und nächstes Jahr am Balaton vor allem mit Laiendarstellern. Seit 1982 wurde der Film auch im Westfernsehen diverse Male ausgestrahlt, aus Sendeplatzerfordernissen aber oft nur in einer um 15 Minuten gekürzten Fassung. (Christian Lenz)