Erich Wolfgang Korngold

Komponieren für die Leinwand

„Ich sehe auf mein Leben zurück, und ich sehe drei Abschnitte: zuerst das Wunderkind, dann Opernkomponist in Europa, und nun Filmkomponist. Ich glaube, dass ich mich entscheiden muss, wenn ich nicht den Rest meines Lebens als Musiker in Hollywood verbringen will“, schrieb Erich Wolfgang Korngold nach dem Zweiten Weltkrieg in seinem Exil in Hollywood. Der überaus erfolgreiche Komponist musste aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1938 Österreich verlassen. Zuflucht fand er über Max Reinhardt beim Studio Warner Bros., mit denen er einen Exklusiv-Vertrag als Filmkomponist schloss. Seine spätromantische, hochexpressive Musiksprache begleitete zahlreiche Produktionen, zunächst Abenteuerfilme wie The Adventures of Robin Hood, später Melodramen. Dabei behauptete er seine künstlerische Autonomie, glaubte daran, dass seine Kompositionen auch jenseits der Leinwand bestehen könnten und hoffte sogar, seine Arbeit für Hollywood führe „möglicherweise zur Schaffung ganz moderner Opern für die Leinwand“. Doch nach über 15 Filmarbeiten verließ Korngold Hollywood, allerdings konnte er in der Musikwelt nicht mehr Fuß fassen. Sein Name war mit „Hollywood“ und „U-Kultur“ kontaminiert. Man warf ihm vor, seine überzeugt tonale, teilweise schwelgerische Musik klinge grundsätzlich wie Filmmusik. Aber ist es nicht eher anders herum? Klingt Hollywood nach Korngolds Wirken für das Kino nicht nach seinem Sound im Geiste der österreichischen Spätromantik?

Anlässlich der Neuproduktion von Korngolds magnus opum, der Oper Das Wunder der Heliane, an der Deutschen Oper präsentieren wir jene Filmarbeiten Korngolds, die seinem Anspruch, Filme wie „Opern ohne Gesang“ zu vertonen, am nächsten kommen. Es sind Melodramen, die eine musikalische Auslotung psychologischer Spannungsfelder verlangen. Die Reihe begleitet das Symposion Oper und Film, das vom 9. bis 11. März 2018 an der Deutschen Oper Berlin in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Zentrum für Literatur- und Kulturforschung stattfindet.