Weimar International

Stummfilm ohne Grenzen aus Berlin und Babelsberg, 1918-1929

Das Weimarer Kino war das Goldene Zeitalter des deutschen Films. Nie wieder war der deutsche Film so international wie in den Zwanzigerjahren, nie wieder hatte er eine solche Ausstrahlung. Nach Berlin und Babelsberg kamen Filmkünstlerinnen und Filmkünstler aus aller Welt; einige der beliebtesten Stars stammten aus Rom, Wien und Warschau, aus Kopenhagen, Budapest und Moskau. Die künstlerische Vision und das Können entschieden über Chancen und Karrieren der Filmschaffenden, nicht die Muttersprache oder der Akzent. Im Zeitalter des Stummfilms brauchte die Sprache der Augen, die Mimik und Gestik der Schauspielerinnen und Schauspieler keine Übersetzung. Sie konnten überall verstanden werden.

Einerseits entstanden damals die Klassiker des Weimarer Kinos, in denen es nur so wimmelt von Albtraumgestalten, Doppelgängern und innerlich Zerrissenen, von Vampiren, Tyrannen und Weltverbesserern. Auf der anderen Seite feierte das Kino das Hier und Jetzt: Die Filme tanzten Jazz, liebten die Komödie, verkündeten Aufbruch. Und sie probten moderne Geschlechterrollen und Vorbilder für eine Generation, die nach einem jahrelangen Krieg endlich leben wollte. Übermütig, turbulent, auf der Suche nach Abenteuer und Abwechslung.

Die Kuratoren von Weimar International, Philipp Stiasny und Frederik Lang, laden ein zu einer Reise ohne bestimmtes Ziel, denn die Reise ist Ziel und Zweck genug. Spannung und reichlich Action, Melodram und Humor liegen hier dicht beisammen, von Indien geht es nach Grönland, von Südamerika nach Nordafrika. Populäres Kino trifft auf avantgardistische Experimente im Vorprogramm, Animationsfilm auf kurze Expeditions- und Kulturfilme. Dem weit verbreiteten Nationalismus sagen die Filme adieu und umarmen stattdessen die Welt.

1924/25 ist auch der junge Alfred Hitchcock in Berlin und arbeitet an mehreren deutsch-britischen Koproduktionen mit, nur wenige Jahre, nachdem sich junge Männer aus beiden Ländern auf den Schlachtfeldern Europas noch zu Hundertausenden umgebracht haben. Besonders fasziniert ist Hitchcock von F.W. Murnau, der gerade Der letzte Mann dreht. Er bewundert Murnaus Ideal: Filme ohne Worte, Esperanto für die Augen!

Zwar kommen die Filme von Weimar International nicht ohne Zwischentitel aus, aber der Wunsch, eine allgemeinverständliche Filmsprache zu entwickeln, steckt auch in ihnen. Ebenso wollen wir Esperanto für die Ohren bieten: 15 Musikerinnen und Musiker aus Deutschland, Italien, England, Kanada und den Niederlanden werden den Filmen Flügel verleihen; zweimal ist das Metropolis Orchester Berlin zu Gast und wird das Zeughauskino in einen Kinokonzertsaal verwandeln.

Weimar International wird vom Hauptstadtkulturfonds gefördert und von CineGraph Babelsberg e.V. sowie der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung unterstützt.

Hier finden sich Informationspapiere zu den einzelnen Programmen. 

Sehr geehrte Nutzerinnen und Nutzer,

die Webseite des Deutschen Historischen Museums soll noch besser werden! Daher bitten wir Sie, uns ein paar Fragen zu beantworten. Die Beantwortung wird etwa fünf Minuten in Anspruch nehmen. Ihre Angaben werden anonymisiert nach den deutschen Datenschutzrichtlinien ausgewertet.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

> Zur Umfrage