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Kurz nach dem zehnten Hochzeitstag gerät das bürgerliche Familienidyll von Gustl und Gerda Wagner in die Krise. Beim Frühlingskonzert des Kaufhauses, in dem Gustl arbeitet, entdeckt der italienischstämmige Schlagerstar Fabiani das Talent der kurzfristig als Sängerin eingesprungenen Gerda, die in der Vergangenheit eine Musikkarriere für Heim und Kinder an den Nagel gehangen hatte. Fabiani verschafft Gerda ein Engagement am Berliner Varieté Tivoli, wo sie zum gefeierten Star aufsteigt. Ihr Ehemann allerdings ist vom Erfolg seiner Frau alles andere als begeistert und fürchtet lüsterne Zuschauerblicke, die Verwahrlosung der gemeinsamen Kinder und dass er zukünftig seine Socken selbst stopfen muss. Bevor sich Gustl in den letzten Filmsekunden doch noch mit dem titelgebenden Schicksal arrangieren kann, stolpert er unter anderem während eines von Gerdas Auftritten betrunken auf die Bühne und bandelt mit der Chanteuse Daisy an.

Meine Frau macht Musik war der erste Revuefilm der DDR, ein Subgenre, das in den 1930ern vor allem mit Warner-Bros.-Produktionen von Busby Berkeley populär wurde und auch im deutschen Kino der Nazi-Zeit eine beachtliche Rolle spielte. 1958, als Musikfilme in den USA und Westdeutschland vor allem als storyreduzierte Pop- und Schlagerstar-Vehikel produziert wurden, ließ die DEFA das Revuekino noch einmal nahezu prototypisch aufleben: Die Gesangs- und Tanznummern sind nur lose in eine komödiantisch eingefasste, beschwingt vorgetragene Showbiz-Handlung um ein romantisches Paar integriert, in deren Verlauf ein Wertekonflikt letztlich durch die Kraft der Musik egalisiert wird. Die Kritik an konservativen Geschlechterrollenbildern bleibt dabei harmlos und bis zum abrupten Ende etwas unentschlossen. Von den Zensoren zurückgehalten wurde der Film zunächst trotzdem – allerdings, weil die Junge Welt kurz vor der geplanten Veröffentlichung in einer Kampagne gegen „westliche Musik“ aufgedeckt hatte, dass Komponist Siegfried Wegener beim Rundfunk des amerikanischen Sektors angestellt war. Für eine Freigabe mussten schließlich sämtliche Wegener-Nummern aus Meine Frau macht Musik entfernt und durch neugeschriebene Songs und Texte ersetzt werden, die nachträglich über das bereits gedrehte Filmmaterial gelegt wurden. (Christian Lenz)