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Audio-Einführung von Christian Lenz

Ernst Rahn lebt eine triste Existenz als Wachtmeister in einem Münchener Innenstadtrevier und gesellschaftlicher Outcast. Auf dem Bahnhof verliebt er sich eines Tages in den frisch aus dem Gefängnis entlassenen Johann, den er dabei beobachtet, wie er sich auf der Toilette von einem anderen Mann befriedigen lässt. Der junge Gangster nutzt Rahns Zuneigung jedoch schnell aus, um den einsamen Polizisten gemeinsam mit einem Freund zur Mittäterschaft an Raubüberfällen zu erpressen. Nachdem ein Suizidversuch mit Schlaftabletten scheitert, versucht Rahn sich seiner Peiniger zu entledigen – mit fatalen Folgen für alle Beteiligten.

Der überwiegend in einer langen Rückblende erzählte Film war eigentlich unter dem Titel Tödlicher Poker mit Götz George in der Hauptrolle sowie Michael Ballhaus hinter der Kamera als Ulli Lommels erste Regiearbeit geplant. Wegen Geldmangel blieben Dreharbeiten 1970 in Berlin jedoch unvollendet; auch ein zweiter Realisierungsversuch, diesmal in München und auf kostengünstigem 16mm-Material, wurde aus finanziellen Gründen eingestellt.

Nachdem Wachmeister Rahn im dritten Anlauf fertiggestellt werden konnte, fand er zunächst keinen Verleiher, kam 1974 aber als Ein Mann dreht durch und nach dem später entstandenen Zärtlichkeit der Wölfe schließlich doch noch in die deutschen Kinos. Im Gegensatz zu Lommels Fritz Haarmann-Variation geriet die lakonische Außenseiterstudie allerdings zum Flop und schnell in Vergessenheit. Mittlerweile sind alle Vorführkopien zerstört und der Film ist nur noch auf VHS greifbar. Unter Kennern genießt Wachtmeister Rahn allerdings einen exzellenten Ruf als verstecktes Kleinod  in Lommels Filmographie. (Christian Lenz)