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Deutschland
im Kalten Krieg
- Vorwort zur Ausstellung
(von Dieter Vorsteher)

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Unerwartete Revision
der Nachkriegsordnung

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Vor drei Jahren konnte man davon ausgehen, daß die Nachkriegszeit zur Mitte der fünfziger Jahre beendet, daß der Kalte Krieg spätestens seit zwei Jahrzehnten vorbei gewesen sei. Seine bedrohlichen Szenarien hatte er zu Beginn der fünfziger Jahre entworfen. Die Epoche des Kalten Krieges besaß keine Aktualität, lediglich nostalgische Rückblenden auf die Gründungsphasen von Bundesrepublik wie DDR konnten dem Thema abgewonnen werden. Der politische Erdrutsch vom Herbst 1989 veränderte schlagartig die Perspektive.

Als die internationale Politik dann feststellte, der Kalte Krieg sei vorbei, wurde deutlich, in einer Epoche gelebt zu haben, die erst jetzt als eine vorübergehende Nachkriegsordnung zu Ende ging. Erst jetzt entstand eine verbindliche Friedensordnung für das Nachkriegseuropa. Innerhalb weniger Monate zerbarst die große gesellschaftliche Alternative des Sozialismus in den Staaten Osteuropas, verrauchte die so lange als bedrohlich empfundene Gefahr eines revolutionären Weltkommunismus gleich einem "Papiertiger". Die "Wende" in Osteuropa war nicht Aufbruch in einen neuen Sozialismus, sondern letzter Schritt eines lange währenden Zerfalls.

Die unerwartete Revision der Nachkriegsordnung war für die DDR folgenreich: Ihre staatsrechtliche Existenz hörte im Oktober 1990 auf. Zuvor durchlief sie innerhalb weniger Monate die Phasen ihrer Gründungsgeschichte von 1945 bis 1961 ein zweites Mal. Im Zeitraffer traten die Etappen der deutsch-deutschen Entzweiung, jetzt als "Rolle rückwärts" vor unsere Augen. Punkt für Punkt revidierte die DDR, was Herzstück ihrer staatlichen Substanz war. Das Einparteiensystem löste sich auf und freie Wahlen wurden durchgeführt. Die sowjetische Siegermacht hielt sich zurück, und die politische Öffentlichkeit ließ sich nicht mehr reglementieren. Eine Massenflucht, wie man sie aus den fünfziger Jahren kannte, setzte über Ungarn und die CSSR ein, die Mauer fiel, die Wirtschaft brach zusammen. Damit erhielten aufmerksame Beobachter einen Schnellkurs über die wesentlichen Elemente, die über 45 Jahre den Bestand der DDR gesichert hatten: Vereinigungsparteitag (1946), währungspolitische Abtrennung von Westeuropa/Berlin-Blockade (1948), Unterdrückung der politischen Öffentlichkeit (17. Juni 1953) und territoriale Abgrenzung bis zum Mauerbau 1961. Das Volk, so widersprüchlich seine Beweggründe im Jahre 1989 waren, mischte sich in die inneren und äußeren Angelegenheiten des DDR-Staates ein.

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