Rudolf Heß 1894-1987

NS-Politiker

  • 1894

    26. April: Rudolf Heß wird als Sohn eines deutschen Kaufmanns und dessen Frau in Alexandria (Ägypten) geboren.

  • 1908

    Für die Gymnasialausbildung besucht er ein evangelisches Internat in Bonn.

  • 1914

    Nach Beginn des Ersten Weltkriegs meldet er sich freiwillig zum Kriegsdienst und unterbricht seine auf Geheiß des Vaters begonnene kaufmännische Ausbildung in Hamburg.
    Er kämpft zunächst bei einem bayerischen Infanterieregiment und ist zuletzt Leutnant bei den Jagdfliegern.

  • 1919

    Nach Kriegsende nimmt er ein Studium der Volkswirtschaft, Geschichte und Geopolitik in München auf.
    Während seines Studiums findet er schnell Zugang zu völkisch-nationalistischen Kreisen und wird Mitglied der Thule-Gesellschaft. Um sich an der Niederschlagung der Münchener Räterepublik zu beteiligen, schließt er sich dem Freikorps von Franz Ritter von Epp an.

  • 1920

    Heß tritt mit der Mitgliedsnummer 16 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bei.
    Er ist Anführer der nationalsozialistischen Studentenhundertschaft und steht in enger Verbindung zu Adolf Hitler.

  • 1923

    8./9. November: Aktive Beteiligung am Hitler-Putsch.
    Nach dem Scheitern des Umsturzversuchs flieht Heß in die Schweiz.

  • 1924

    April: Freiwillig nach München zurückgekehrt, wird er für seine Teilnahme am Hitler-Putsch zu 15 Monaten Festungshaft verurteilt.
    In der Haft ist er Privatsekretär des ebenfalls in Landsberg/Lech einsitzenden Hitlers.
    Dezember: Nach der vorzeitigen Entlassung aus der Haft wird er kurzzeitig Assistent an der Universität München und tritt dann wieder als Privatsekretär in Hitlers Dienst. Er hat die Aufgabe, in parteiinternen personellen Konflikten zu vermitteln und den direkten Kontakt von Parteigenossen zu Hitler zu regeln. Heß wird zu einem der engsten Vertrauten Hitlers.

  • 1927

    Heirat mit Ilse Pröhl. Hitler ist Trauzeuge.

  • 1932

    Dezember: Im Zuge der Neugliederung der Parteispitze nach dem Parteiausschluß von Gregor Strasser ernennt Hitler Heß zum Vorsitzenden der neu gegründeten "Politischen Zentralkommission der NSDAP". Er ist jetzt verantwortlich für die Überwachung der nationalsozialistischen parlamentarischen Arbeit in den Ländern und Gemeinden sowie für die Kontrolle der Parteipresse.

  • 1933

    Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird Heß Reichsminister ohne Geschäftsbereich und Obergruppenführer der Schutzstaffel (SS).
    21. April: Ernennung zum "Stellvertreter des Führers".
    In dieser Funktion hat er die Aufgabe, Hitlers Standpunkt gegenüber staatlichen Institutionen und den Parteidienststellen zu vertreten. Mit seiner Forderung nach "kritikloser Gefolgschaft" Hitlers ist er am Aufbau des "Führerstaats" und "Führerkults" beteiligt.

  • 1934

    27. Juni: Durch eine Anordnung Hitlers wird Heß dazu berechtigt, "an allen Gesetzentwürfen sämtlicher Reichsressorts mitzuwirken".
    30. Juni: In der als Röhm-Putsch verdeckten Mordaktion entmachtet Hitler den nationalsozialistischen Wehrverband Sturmabteilung (SA). Heß hat Hitler bei diesem Vorgehen unterstützt, da er der SA mangelnde Loyalität zum Führer vorwirft.

  • 1935

    Heß erhält die Befugnis, bei Beamtenernennungen mitzuentscheiden.
    Trotz seines Handlungsspielraums als "Stellvertreter des Führers" tritt Heß nach der Konsolidierung der nationalsozialistischen Herrschaft allmählich in den Hintergrund. Er übernimmt vor allem repräsentative Aufgaben und überläßt die bürokratische Arbeit seinem Stabsleiter Martin Bormann.

  • 1938

    4. Februar: Er wird Mitglied des Geheimen Kabinettrats.

  • 1939

    30. August: Zwei Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wird Heß Mitglied des eingerichteten Ministerrats für Reichsverteidigung.
    Seit Kriegsbeginn sinkt sein politischer Einfluss weiter.

  • 1941

    10. Mai: Vor dem Beginn des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion unternimmt Heß einen geheimen Flug nach Glasgow (Schottland). Sein mutmaßliches Motiv ist, durch Vermittlung des Herzogs von Hamilton Friedensverhandlungen mit der britischen Regierung aufzunehmen.
    Er wird als Kriegsgefangener in London interniert.
    Hitler erklärt seinen Stellvertreter als Psychopathen und entlässt ihn aus allen Parteiämtern. Seine Parteifunktionen übernimmt Bormann.
    15. Oktober: Heß begeht in britischer Haft einen Selbstmordversuch.
    Er leidet in der Folgezeit an Nervenkrankheiten.

  • 1945

    Nach Kriegsende wird er in das alliierte Kriegsgefängnis in Nürnberg überführt.

  • 1946

    1. Oktober: In dem Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß wird Heß wegen "Planung eines Angriffkriegs" und "Verschwörung gegen den Weltfrieden" zu lebenslanger Haft verurteilt. In den Anklagepunkten "Kriegsverbrechen" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" wird er freigesprochen.
    Trotz Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit sitzt er seine Strafe mit sechs weiteren "Hauptkriegsverbrechern" im ehemaligen Militärgefängnis Berlin-Spandau ab. Dieses steht unter der gemeinsamen Kontrolle der vier Besatzungsmächte.

  • ab 1966

    30. September: Nach der Entlassung seiner Mithäftlinge bleibt er der einzige Gefangene im Militärgefängnis Spandau.
    Im Fall von Heß scheitern zahlreiche Gnadengesuche der Familie und verschiedener Politiker am Veto der Sowjetunion.

  • 1987

    17. August: Rudolf Heß stirbt durch Selbstmord im Gefängnis Spandau.
    Der erkennbare Zulauf von Neo- und Altnazis veranlasst die Behörden, die Beisetzung an einen zunächst unbekannten Ort zu verlegen.

Gabriel Eikenberg
10.07.2015
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