• [Exponat: Gemälde: Am Morgen nach der Schlacht von Waterloo am 19. Juni 1815]

Am Morgen nach der Schlacht von Waterloo am 19. Juni 1815

John Heaviside Clark und Matthew Dubourg
England (?), um 1816
Öl/Leinwand
118,5 x 149 cm
Inv.-Nr.: 1990/425

Nach den Niederlagen in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und bei der Eroberung von Paris Ende März 1814 musste Napoleon im April abdanken. Von seinem Exil auf der Insel Elba gelang ihm kaum ein Jahr später die Flucht. Am 1. März 1815 kehrte er aufs Festland zurück, erreichte Paris und regierte noch einmal 136 Tage. Die Siegermächte, die auf dem Wiener Kongress 1814/15 tagten, entschlossen sich zur militärischen Intervention. Napoleon marschierte ihnen sofort in Richtung der Niederlande entgegen. Bei Ligny schlug er die preußischen Truppen unter dem Generalfeldmarschall Gerhard Leberecht von Blücher (1742-1819) und traf am 18. Juni bei Waterloo auf das englische Heer, das unter dem Kommando des Feldmarschalls Arthur Wellesley, Herzog von Wellington stand. "Ich wünschte es würde Nacht, oder die Preußen kämen", soll Wellington, angesichts der Schwierigkeiten, dem Ansturm der Franzosen standzuhalten, ausgerufen haben. Am späten Nachmittag kam Blücher mit dem verbliebenen Rest der Armee des Niederrheins nach Eilmärschen den bedrängten Engländern zur Hilfe.
Die Kämpfe dauerten einen ganzen Tag und waren auf allen Seiten verlustreich. Der englische Soldat Rees Howell Gronow (1794-1865) berichtete von der Schlacht: "Als uns die Kavallerie attackierte, erging der Befehl, niedrig zu feuern, so dass nach der ersten Gewehrsalve der Boden von gestürzten Pferden und Reitern bedeckt war, was das Vorrücken der nächsten Linie behinderte [...]. Wir erstickten fast am Rauch und Geruch der verschossenen Kartuschen. Es war unmöglich, sich auch nur ein Yard zu bewegen, ohne auf einen verwundeten Kameraden oder auf Tote zu treten, und das laute Stöhnen der Verwundeten und Sterbenden war schrecklich." Napoleon musste sich am Abend des 18. Juni 1815 geschlagen geben.
Der schottisch-belgische Maler und Kupferstecher John Heaviside Clark (1771-1863) hatte am Morgen nach der Schlacht den Ort aufgesucht und Skizzen angefertigt. Sein ungewöhnliches Gemälde schildert auf drastische Weise die Szenerie. Mit über 53 000 Toten, die die Schlacht gefordert hatte, war die Landschaft bei Waterloo am nächsten Morgen übersät mit den Leichen und Verwundeten. Grausamkeit und Geschäftigkeit stoßen in der Darstellung aufeinander: Frauen mit ihren Kindern suchen unter den Körpern nach ihren Männern oder Verwandten, Soldaten bergen Verletzte, Gräber werden ausgehoben. Im Hintergrund liegen Leichen, denen die Uniform vom Leib gezogen wurde. Leichenfledderer suchen nach brauchbaren Überresten. Selbst Zähne wurden den Toten für die Anfertigung von Zahnprothesen herausgebrochen. Zwei tote Soldaten im Vordergrund, ein Engländer und ein Franzose, haben sich gegenseitig im Bajonettkampf erstochen.
John Heaviside Clark lebte von 1802 bis 1832 in London. Hier fertigte er Gemälde unterschiedlichen Genres, die er gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Matthew Dubourg (erwähnt 1806-1838) auch als Kupferstiche herausgab. Seinen Beinamen "Waterloo-Clark" verdankte der Maler einer Reihe von kolorierten Aquatintablättern mit Ansichten des Schlachtfeldes. Zu den Grafiken zählt auch eine handkolorierte Aquatinta Dubourgs, die am 18. April 1816 von dem Verleger Edward Orme in hoher Auflage publiziert wurde. Sie entstand nach einem Gemälde Dubourgs, das in einigen Szenen mit dem unsrigen identisch ist. Diese bildliche Kriegsberichterstattung stieß beim Publikum auf großes Interesse.

Dieses Objekt ist eingebunden in folgende LeMO-Seite:
Die Schlacht bei Waterloo

Exponat: Am Morgen nach der Schlacht von Waterloo am 19. Juni 1815© Deutsches Historisches Museum, Berlin Inv. Nr.: 1990/425

Anfragen wegen Bildvorlagen bitte unter Angabe des Verwendungszwecks an: bildarchiv@dhm.de

lo