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Erich Landzettel: Rußland 1942/43

Aufzeichnungen aus dem Kriegstagebuch von Hauptmann Erich Landzettel aus Münster, Kompanieführer im 414. Bau-Pionier Bataillon (DHM-Bestand)


23.-28.3.1942

Am Morgen kam eine SS-Formation, um uns mit LKW abzutransportieren. Sie fuhr uns bis Weschki. Von da mußten wir zu Fuß nach unserem Waldlager, ich meine den gestern angewiesenen Platz. In Weschki lagen in einem Schuppen die Leichen von gefallenen deutschen Soldaten aufgestapelt, weil man sie in der gefrorenen Erde nicht bestatten konnte. Einer der Sanitäter wollte nun renomieren und zeigte meinen Leuten den Haufen kalt und steif gefrorener Leichen. Das war allerdings kein Anblick für Anfänger. Ich fand das unglaublich und habe es leider zu spät erfahren, sonst hätte ich den Sanitäter schwer angeschissen. Die Leute, die z.T. noch nie vorm Feind waren und denen alle Eindrücke neu und fremd waren, mußten ganz allmählich in das Milieu eingeführt werden. Bei diesem Anblick wurde ihr seelisches Gleichgewicht schwer erschüttert.

Gleich hinter Weschki begrüßte uns der Russe mit Artillerie-Feuer. Aber das Feuer lag zu kurz. Es war das 1. Feuer, das wir in Rußland erhielten. Wir marschierten nun an den Platz, räumten den Schnee weg und bauten die Zelte auf. Ich selbst konnte in einer niedrigen Bretterbude unterkommen. Mittags wurden wir schon zur Arbeit angesetzt auf den vereisten Wegen. Der Pionier Schaberg wurde gleich verwundet durch Flak-Splitter an Kopf und Knie.

Es ist hier genau wie im Caures-Wald 1916 vor Verdun. Überall liegen die Leichen im Schnee: Deutsche und Russen. Wie hier die Lage ist, erfährt man nicht. Vorne irgendwo ist die "Linie". Es soll hier ein großer "Kessel" sein, in dem die Russen sitzen. Aber wir konnten den Kessel noch nicht eindrücken. Es ist furchtbar kalt. Alle Tage passiert etwas anderes. Die 4. Kompanie ist viel weiter vorne eingesetzt, auch in Zelten. Die Infanterie-Geschosse von vorne kommen bei Ihnen dauernd angezwittschert. An einem Tage mußten wir eine Schneise anlegen, in dem tief verschneiten Wald. Das war eine Quälerei mit dem Kompass.

Von den Pionieren wurden uns Minensucher zugeteilt. Aber das war ja lächerlich. Mit spitzen Eisenstäben tasteten sie den Boden ab durch den Schnee. Aber was konnte da schon viel herauskommen! Wir mußten voran machen und konnten auf das Stochern nicht warten., bei dem doch kaum etwas herauskam.

Der Minensucher-Uffz. ging mit mir hinauf. Er zeigte mir die vielen russischen Minen, die neben uns am Wege lagen, durch weißen Anstrich getarnt. Man führte diesen Weg also neben dieser Minen-Bahn her. Er nahm eine Mine auf und nahm sie im Handumdrehen auseinander. Es war eine kleine Kastenmine. Mir war es ungemütlich und unheimlich zu Mute, wie dieser Unteroffizier so schnell und unvorsichtig hantierte. Mittags schoß ich mir mit der Leuchtpistole dieses Unteroffiziers beinahe in die Hand, da er mir nicht sagte sie sei geladen und da ich den Verschluß nicht kannte. Das Geschoß flog in den Schnee. Abends wollte der Unteroffizier wieder anderen Soldaten eine Mine vorführen, wieder in dem Bestreben, diesen Neulingen zu imponieren. Sie detonierte ihm in der Hand. Hand und Augenlicht verloren!


30.5.1942

Wenig Schlaf gehabt. 3.30 Uhr wecken. Marsch nach der Stellung. Wieder stürzte der "Goldfisch" und ich flog über seinen Kopf, ohne mich indessen zu verletzen, was mir natürlich gerade heute sehr peinlich gewesen wäre. Wir maschierten nach "Verladestelle-Nord" (ostwärts Semtitzy) an der Strecke nach Krutik, die gerade schweren Beschuß erhalten hatte, nahmen die Minen auf und brachten sie nach dem Muni-Lager "Semtitzy-Nord". Zurück i. d. Wald u. m. d. Bau einer Schneise begonnen. Um 11.20 Uhr fing der Angriff an: Stuka-Bomber, Ari, alles spielte auf. Wir hatten Ruhe, d. h. zuerst. Mittags warf der Russe schwere Brocken in den Wald. Eine Granate krepierte neben der Kompanie. Da alles nach dem Essen in der Pause auf der Erde lag ging der Splitter-Segen über die Köpfe hinweg. Nur die Uniform-Stücke und Gasmasken, die an den Bäumen hingen, bekamen Splitter. Wir mußten abends noch einen Zug abstellen, wieder zum Transport von Minen. Auf dem Rückweg kam der Zug in Infanterie-Feuer. Peter Cremer, der zuerst mein Krad gesteuert hatte, erhielt einen Bauchschuß und war sofort tot.Köster erhielt Bein- und Handschuß. Das I.G. [Infanteriegeschoß] war durch sein Seitengewehr geflogen! Brinkmann erhielt Granat-Splitter an die Brust. Wir glaubten beide I.G. waren mit Sprengstoff gefüllt. Solche teuflischen Geschosse hatten die Russen.


2.6.1942

Mit dem Krad nach oben. Zu Fuß an die Baustelle vorne. Ich ging mal weiter nach vorne, etwa an die Stelle, wo wir gestern im Dreck lagen. Die eigenen Panzer waren weg. Ich war seitlich im Wald wo 2 russische Hütten aus Tannenreisern dicht unter die hohen Fichten gebaut waren. Sie waren so gemütlich und unendlich romantisch und die Morgensonne schien so schön durch die grünen Fichtenäste - es war wie ein Bild aus einer romantischen Indianer-Geschichte. Aber die Russen lagen erschossen daneben. Mir taten die Kerls leid, die neben ihrem schönen Heim tot auf dem Gesicht lagen. Ihre Verpflegung lag auf der Erde und die Ameisen fielen über den Zucker her.

Als ich zur Kompanie zurückkam hörte ich, daß Uffz. Schröder verwundet sei: I.G.-Schuß von oben, also von irgend einem Flieger in die Wade: Steckschuß. Mittags saßen Startz, Wilk, Dr. Frey und ich vor unserem Gefechtsstand, einer Hütte aus Zweigen, als neben uns eine furchtbare Detonation erdröhnte. Eine Flammen-Wolke stand in der Luft, riesig, darüber stand noch eine und sank dann langsam in sich zusammen. Dazu eine riesige schwarze Qualm-Wolke. Wir hatten einen furchtbaren Schrecken. Ich dachte, der Feind hätte ein infernalisches Brand-Geschoß herübergeworfen und es kämen gleich noch mehr "Flammenwerfer", dachte ich. Irgend eine furchtbare Überraschung. Da sahen wir ein schweres motorisiertes Fahrzeug, das lichterloh brannte. Es war eine Zug-Maschine der Panzer-Truppe. Sie lag auf der Seite. Da ich noch weitere Explosionen für wahrscheinlich hielt, ließ ich niemanden an den brennenden Wagen. Aber als ich hörte, daß dort Menschen wären, lief ich sofort hin.

Da lag brennend ein Mann, der sich nicht mehr bewegte und mir noch langsam und bedächtig mit dem Kopf nickte - schauderhaft! Weiter weg lag ein zweiter, genauso. Ich warf die brennenden Körper mit Erde zu, um die Flammen zu ersticken und rief meine Männer herbei. Der Wagen selbst knisterte in den Flammen. Die Munition krepierte dauernd dadrin. Eine Riesen-Qualm-Wolke stieg weithin sichtbar in den Himmel. Ich ließ den Wagen mit Erde bewerfen. Wir erstickten das Feuer, aber es dauerte lange. Feindliches Feuer, wie ich befürchtet hatte, erhielten wir nicht. Wir sammelten die Privat-Sachen der Leute, z.T. waren sie verbrannt.

Wie war das passiert? Zweifellos durch Unachtsamkeit der beiden Leute, die nun tödlich verunglückt waren. An einem offenen Benzinbehälter neben dem Wagen lagen lose Cigaretten. Ich nehme an, daß einer rauchte und die Benzin-Dämpfe, die an den heißen Tagen besonders stark waren, entzündete. Die Maschine wurde dadurch umgekippt und alles mit dem brennenden Benzin übergossen, Ein Mann, der oben auf der Maschine saß, flog im Bogen heraus. Sein abgerissener Fuß steckte noch im Wagen am Bremsenhebel. Da kann man sich die Wucht denken, mit der der Körper weggeschleudert wurde! Es war tragisch. Einer der Männer hatte noch einen russischen Raketen-Fallschirm, der an einem Baum hing, abgemacht, um ihn seinem Jungen zu schicken.

Abends erst, es war 23.45 Uhr, kam ein Oberleutnant der Panzerwaffe, dem ich alles übergab. Er erklärte, der Wagen sei auf eine Mine gelaufen, das war vielleicht die beste "Erklärung" für den Papierkrieg und für die Hinterbliebenen. Mich ging es nichts an, wie ein stillstehender Wagen auf eine Mine laufen kann.


27.6.1942

Die Nacht war ruhig. Ich schlief in einem Bunker, d.h. Blockhaus, mit einer Zeltbahn zugedeckt. Morgens Befehl erhalten, den Zug Erfkamp rechts von Oberleutnant Schneider wegzuholen und bei Seufert einzusetzen. Wir sind nun 1. u. 2. Zug in der H.K.L. [Hauptkampflinie], 3. Zug in Reserve. Nachmittags die H.K.L. abgegangen. Meine Pioniere stehen zum Teil mit den Reitern der Schwadron Seufert zusammen auf Posten. Weiter rechts von uns, wo den Russen der Durchbruch gelungen war, besuchte ich heute die H.K.L. und einen vor die H.K.L. vorgeschobenen MG-Stand. Es war eine Hütte aus Kiefernzweigen. 5 tote Russen lagen bis ganz dicht an dem MG-Stand.

Dabei war ein junger Russe, ein schmaler Jüngling, bleich mit halboffenen gebrochenen Augen, die im Todeskampf verdreht waren. Er hatte die Hände über dem Leib gefaltet, der arme, arme Kerl. Welche Todesangst muß der Junge ausgestanden haben! Aber das Entsetzlichste war, daß dieser arme junge Mensch meinem Erich so ähnlich war, wenn er einen Anfall hat. Ich war bei diesem Anblick so erschüttert, daß ich den ganzen Tag und später, wenn ich in die Nähe kam, von Todesvorstellung meines Erich nicht mehr loskam.

Es waren überhaupt fürchtbare Bilder, die man da sah. Die Leichen in allen möglichen Lagen und Stellungen des Todeskampfes und furchtbare Verwundungen und Verstümmelungen - Zahlreiche Verwundete liegen noch in den Sumpfwäldern. Man hört dauernd ihre Schreie, aber keiner bemüht sich um sie und es ist auch so: wenn man von der Westschneise, da liegen wir vor, in die von Bombentrichtern und Granateinschlägen zerrissenen Geländestreifen rechts und links schaut, sieht man oft Minenladungen an den Bäumen, so in Kniehöhe angebracht. Man sieht sie, denn sie sind ohne Tarnung. Zwischen den Stämmen sind Drähte gespannt, die beim Berühren die Zünder freigeben und die Mine zur Detonation bringen. Die Sprengladungen sind mit kurzen Eisenstücken zusammengeschnürt, so recht, um einen in den Bauch zu fliegen. Die Minen ließen wir ja noch gelten, aber die Eisenstücke empfanden wir als eine Gehässigkeit. Ich gab jedenfalls keinem Mann den Auftrag, in dem Wald nach Verwundeten zu suchen.

Dauernd kommen verwundete und unverwundete Russen herüber. Die Verwundeten kriechen auf allen Vieren. Kein Russe bekümmert sich um seinen verwundeten Kameraden! Wir waren darüber empört. Aber man scheint das in Rußland gar nicht zu kennen. Die Unverwundeten waren ganz erstaunt, daß wir verlangten, sie sollten die anderen mitnehmen. Von selbst taten sie es nie. Jeder muß dort mit sich selbst fertig werden und wer verreckt wird nackend ausgezogen und seine Sachen werden verteilt.

Auch die eigenen hinteren Dienststellen sahen ungern, wenn Verwundete kamen. Ich erhielt telefonisch die Anweisung "Wir wollen keine Verwundeten und können keine gebrauchen!" Das war mir natürlich schnuppe. Aus dem telefonischen (nicht schriftlichen!) Befehl sollte also gefolgert werden, daß wir die Verwundeten erschießen sollten. So "anständig" war man noch, das nicht von uns befehlsmäßig zu verlangen. Ich dachte nicht daran, diesen Etappen-Säuen zu Liebe einen Verwundeten zu erschießen. Da zeigte sich das Eindringen der "NSDAP-Moral" oder "SS-Moral" in die Wehrmacht. Im kaiserlichen Deutschland wäre so etwas nie vorgekommen. Diese Verbrecher-Gesinnung drang leider oft durch in die Wehrmacht - und heute frißt es das deutsche Volk aus.


28.6.1942

In der Nacht Flieger-Besuch durch die Russen. Man sah die Flugzeuge sehr gut. Alles knallte mit der Knarre. Ich war kaum wieder im Blockhaus, als ein Russe brennend abstürzte. Morgens kam der Befehl, wonach die Schwadron Seufert abrücken mußte. Wir waren also nun allein, d.h. ohne die gut und modern ausgerüstete, aktive Truppe.

Ich war nachmittags in der West-Schneise (also bisher Russen-Kessel). Hauptmann Startz und Oberleutnant Wilk kamen nach. Wir gingen gemeinsam bis weit über die Erika-Schneise bis zum jenseitigen Waldrand, ohne eigne Leute zu sehen!! Viele tote Russen lagen da mit unzähligen blauen Fliegen bedeckt. Ein übler Leichengestank erfüllte die Luft. Verwundete Russen lagen in den Bunkern. Sie benutzten die verreckten Pferde als Nahrung. Ein Bild des Elends! Wer gibt sich mit den Verwundeten ab? Sie haben kein Essen und kein Wasser. Sie verkriechen sich wie die Tiere vor Angst und Not.

Ich sah heute also zum 1. Mal die berüchtigte Erika-Schneise. Nach dem Abendessen die H.K.L. erneut abgegangen. Später kam Hauptmann Startz und brachte die Nachricht von der Sonder-Meldung:"Kesselschlacht am Wolchow beendigt!" Wir sind nun Alleinherrscher in den Bunkern. Davor liegen die übergelaufenen und -gekrochenen, verwundeten Russen. Ich ließ durch gesunde Russen die verwundeten Russen wegtragen. Den verwundeten unglücklichen Russen gaben wir Brot. Nachts Flieger-Betrieb. Ich blieb aber auf dem Lager liegen.


29.6.1942

Vormittags mit Ionberg in der Erika-Schneise. Hier war ein Bild wie im 1. Weltkrieg im Westen bei Cerny 1914. Der Knüppeldamm ist besät mit Leichen, deren schwarze Köpfe von Maden wimmeln. Ich sah Köpfe von Leichen, die eine von weißen Maden kribbelnde über und über bedeckte Kugel darstellen. Dazwischen Waffen, Kanonen, Panzer, verreckte Gäule, LKW und Trichter neben Trichter. Die Bäume zu kahlen Stämmen und Stümpfen zerfleddert. Es war ein furchtbares Bild. Der Gestank dieser schwarzen Leichen war entsetzlich. Die Wolken von blauen Fliegen, die man aufscheuchte, erfüllten die Luft mit Rauschen.

Ich ging die Erika-Schneise weit hinauf, aber nicht bis an die H.K.L. Es war doch nur stets dasselbe Bild des Unglücks. Kein lebender Mensch war in dieser Stätte des Todes zu sehen. Aber es muß doch noch in den Wäldern rechts und links noch von versteckten und verkrochenen Russen wimmeln. Unsre Ari und Stuka haben hier bös gehaust.

Abends: Draußen ist Mondschein. Ein Lautsprecher ertönte die ganze Nacht: er bringt russische Musik und als "Einlage" in russischer Sprache die Aufforderung an die in den Wäldern hinter Weschki liegenden, versprengten Russen sie sollten herüberkommen und sich ergeben. Drüben am Wolchow kreist wieder stumm und unermüdlich der Russen-Scheinwerfer am nächtlichen Himmel. Ein seltsamer Krieg hier: hart und unerbittlich.


2.7.1942

In der Reiterklause gepennt. Die Nacht war ruhig. Vormittags herumgesessen und DAZ [Deutsche Allgemeine Zeitung] gelesen, Briefe geschrieben: Ruhetag. Mittags kamen 3 Offz. eines anderen Bau-Batl., die sich auch einquartieren sollten. Für diese hatte ich einen Spähtrupp an die Erika-Schneise gestellt seit gestern bis jetzt. Dort herrscht ein Jammer und Elend! Uffz. Bonkhofer sagte mir, daß er dort ein Kind gefunden habe, 5-6 Jahre alt, schwer verwundet, noch lebend. Er habe es erst gemerkt, daß es lebe, weil es seine Augen bewegte. Die Maden wären schon in den Wunden am Bein. Ein anderes kleines Kind in der Nähe sei schon tot. Ich sagte zu Bonkhofer, wir müßten das Kind holen, aber er meinte, es sei doch nicht mehr zu retten. Da sagte ich ihm, er solle es durch einen Schuß von seinen Qualen erlösen. Bonkhofer ging anderen Tags wieder hin, aber da war das Kind inzwischen tot.


8.8.1942

Um 18 Uhr kam Hauptmann Hasselkus. Die Kompanie trat in offenem Karrè an. Der Kommandeur hielt eine Ansprache und übergab mir die Päckchen mit den Bändern der Ost-Medaille. Mir selbst heftete er das Band an die Brust.

Mittags an der Baustelle begegnete mir ein russischer Civilist, den ich anhielt und nach seinen Papieren fragte. Er hatte einen Ausweis. Er war ein Kapitän z. See d. russischen Flotte namens X, der im Dienst der deutschen Wehrmacht stand. Er durfte sogar Pistole tragen! Was es hier alles gibt!


6.2.1943

In Richtung Kretschno eingesetzt. Ein langer Weg. Viel Arbeit. Wir mußten dort Schnee schaufeln, um den Weg frei zu halten. Die Erhaltung der Zugangswege für die Versorgung der vorne liegenden Truppe war ungeheuer wichtig, In Rußland war nur dies ständig unsere Arbeit. Einen anderen Einsatz hatten wir nicht. Der jetzige Einsatz war wegen der Kälte und des langen Hin- und Rückmarsches besonders anstrengend. Ich machte alles mit wie Kompanie selbst, wie stets bei der Wehrmacht. An der Baustelle blieb ich all die Stunden bei den Leuten im Freien. Nie ging ich 1 Minute in ein Haus, um mich aufzuwärmen. Wenn ich das getan hätte, dann hätten es die Feldwebel und Unteroffiziere auch getan und ich hätte nur noch herumlaufen können, um mein Aufsichtspersonal wieder herauszujagen auf die Straße, wo der Kumpel dauernd am Arbeiten war. Nein, das war bei der 3. Kompanie nicht üblich. So habe ich stets gehandelt. Immer war ich bei meinen Leuten und das wußte man beim Batl. Und schätzte es. Wenn ich so oft schreibe: "den ganzen Tag auf der Baustelle" dann zeigt das meine Auffassung über Führertum. Das andere war bequemer. Ich habe auch nie einen Angriff befohlen, ohne nicht selbst an der Spitze meiner Männer dabei zu sein.

lo