1903-1978
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Theo Lingen
Schauspieler, Regisseur
- 1903
- 10. Juni: Theo Lingen (eigtl. Franz Theodor Schmitz)
wird als Sohn des Justizrats Theodor Schmitz und dessen Frau Maria
Magdalena (geb. Overzier) in Hannover geboren.
- 1921
- Nach dem Abitur am Königlichen Goethe-Gymnasium
Hannover debütiert er an der "Schauburg" Hannover
als Darsteller ohne jegliche Bühnenausbildung. Lingen spielt
vor allem in expressionistischen Dramen mit.
- 1922-1924
- Zu Beginn seiner Karriere hat Lingen Bühnenengagements
in Hannover und Halberstadt. Am Residenztheater Hannover spielt
er u.a. den "Ferdinand" in "Kabale und Liebe"
(1922) von Friedrich Schiller (1759-1805) sowie den "Ritter"
in "Elga" (1922) von Gerhart Hauptmann.
- In dieser Zeit legt er sich den Künstlernamen "Lingen"
zu, nach der Geburtsstadt seines Vaters.
- 1924-1926
- Lingen spielt am Stadttheater Münster erstmals
komische Rollen, z.B. den "John Worthing" in "Bunbury"
(1925) von Oscar Wilde (1854-1900). Mit diesem Stück debütiert
er als Theaterregisseur.
- 1926-1929
- Engagement am Neuen Theater in Frankfurt/Main.
Anfänglich tritt er nur in kleineren Rollen auf und muß
daneben u.a. als Conférencier bei Modenschauen arbeiten.
- 1928
- Hochzeit mit Marianne Brecht (geb. Zoff). Sie war zuvor
mit Bertolt Brecht verheiratet. Aus der Ehe geht eine gemeinsame
Tochter hervor.
- ab 1929
- Lingen ist hauptsächlich in Berlin als Bühnendarsteller
tätig, z.B. im Theater am Schiffbauer Damm, im Staatstheater
und im Komödienhaus. Er hat großen Erfolg als "Mackie
Messer" in Brechts "Dreigroschenoper" (1929). Daraufhin
engagiert Brecht ihn für weitere Stücke, z.B. "Mann
ist Mann" (1931) oder "Die Mutter" (1932).
- 1930
- Anatole Litvak entdeckt Lingen für den Film. Seine
erste Rolle hat er als "Conny Coon" in der Komödie
"Dolly macht Karriere" (1930).
- 1931
- Lingen lernt Gustaf Gründgens kennen, der
sein komödiantisches Talent entdeckt. Beide verbindet fortan
eine enge künstlerische Freundschaft.
- 1933
- Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten
spielt Lingen mit dem Gedanken, ins Exil zu gehen. Da er für
sich jedoch kaum Möglichkeiten auf Arbeit im Ausland sieht,
bleibt er in Deutschland. In den folgenden Jahren übernimmt
er zumeist komische Rollen.
- 1936-1944
- Von Gründgens engagiert, ist Lingen Mitglied
am Preußischen Staatstheater.
- ab 1937
- Endgültiger künstlerischer Durchbruch mit
einer Reihe von Film-Komödien. Zusammen mit Hans Moser
steht er für "Die unruhigen Mädchen" (1937),
"Opernball" (1939), "Wiener Blut" (1942) sowie
weiteren Filmen vor der Kamera. Der nuschelnde Moser und Lingen
mit seiner prägnanten, näselnden Stimme sind beim Publikum
sehr beliebt. Die vielen Angebote übernimmt er auch, um seine
Familie zu schützen. Da Lingens Frau "Halbjüdin"
ist, kann er nur mit einer Sondergenehmigung von Joseph Goebbels
auftreten.
- 1939-1945
- Nach dem Debüt als Spielfilmregisseur mit
"Marguerite:3" (1939) folgen 18 weitere Filme, z.B.
die Operettenverfilmung "Frau Luna" (1941) oder "Hauptsache
glücklich" (1941) mit Heinz Rühmann. Zudem
hat sein eigenes Bühnenstück "Was wird hier gespielt?"
(1939) im Berliner Staatstheater Premiere. Ein weiterer Erfolg
ist das Stück "Johann" (1942).
- Während des Zweiten Weltkriegs intensiviert er seine
Arbeit, um einer Einberufung in die Wehrmacht zu entgehen.
Bis Kriegsende spielt er in über 100 Filmen mit.
- 1946
- Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft,
weil er einen Neuanfang in der deutschen Filmproduktion aufgrund
der wirtschaftliche Verhältnisse für schwierig hält.
Er wählt Wien als ständigen Hauptwohnsitz.
- ab 1948
- Mitglied im Ensemble des Wiener Burgtheaters. Daneben
nimmt er an Gastspielen auf deutschen Bühnen teil. Zu seinen
wichtigsten Theaterrollen zählen u.a. der "Wehrhahn"
in "Biberpelz" (1950) von Gerhart Hauptmann oder der
"Riccaut de la Marlinière" in "Minna von
Barnhelm" (1954) von Gottholt Ephraim Lessing (1729-1781).
- ab 1950
- Der im Privatleben als öffentlichkeitsscheu,
still und ernst charakterisierte Lingen dreht eine Vielzahl von
Filmkomödien, beispielsweise "Der Theodor im Fußballtor"
(1950), "Die Feuerzangenbowle" (1970), "Tante Trude
aus Buxtehude" (1971), "Immer Ärger mit Hochwürden"
(1972) und die siebenteilige Filmreihe "Die Lümmel von
der ersten Bank" (1967-1972).
- Er ist ein Star des deutschen Films. In seinen Filmen bricht
er nur selten aus dem gewohnten Rollenschema aus. Lingen spielt
unnahbare Charaktere mit den Allüren eines Großbürgers.
Mit seiner näselnde Stimme treibt er dabei die sogenannte
preußische Tugend auf die Spitze. Dem Publikum ist er hauptsächlich
als penibler Schuldirektor oder spießbürgerlicher Sonderling
bekannt. Anspruchsvollere Filmangebote bleiben aus.
- 1954
- Theatertournee in Buenos Aires. Er tritt mit seinen
Stücken "Johann" und "Theophanes" sowie
"Nicht zuhören meine Damen!" von Sacha Guitry (1885-1957)
am Teatro Alemán (Deutsches Theater) auf.
- Herbst: Gastspiel in New York.
- 1971
- An der Staatsoper Hamburg steht er als "Styx"
in "Orpheus aus der Unterwelt" von Jacques Offenbach
(1819-1880) zum letzen Mal auf der Bühne.
- 1978
- 10. November: Theo Lingen stirbt in Wien.
(sa)
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