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Im Kalten Krieg wurde auf politischer und kultureller Ebene mit harten Bandagen gekämpft. Dazu zählte auch die Zensur politisch unliebsamer Filme, obwohl eine politische Zensur in der Bundesrepublik offiziell untersagt war. Vor dem Hintergrund der ideologischen Auseinandersetzung mit dem Kommunismus schreckten aber auch Bonner Behörden nicht davor zurück, Filme aus dem Ostblock inhaltlich zu überprüfen, bevor sie für die westdeutschen Kinos freigegeben wurden. Zwischen 1954 und 1966 sichtete der „Interministerielle Ausschuss für Ost/West-Filmfragen“ mehr als 3.000 Filme aus der DDR, Polen, Ungarn, der CSSR, der Sowjetunion und anderen sozialistischen Ländern. In mehr als 150 Fällen – die meisten betrafen DEFA-Produktionen – untersagte der Ausschuss eine öffentliche Vorführung oder machte sie von Schnittauflagen abhängig. An die Öffentlichkeit drang diese Praxis nur bei einigen prominenten Zensurfällen wie Der Untertan von Wolfgang Staudte. Die meisten Entscheidungen des Ausschusses blieben unbekannt. Erst im Verlauf der 1960er Jahre hinterfragten linksliberale Journalisten die Kriterien der Zensur.

Die Filmreihe beleuchtet in sechs thematischen Programmen die Tätigkeit des Interministeriellen Ausschusses und die Motive der politischen Zensur in der Bundesrepublik. Warum wurden bestimmte Filme nicht oder nur eingeschränkt für eine Vorführung freigegeben? Dominierten dabei inhaltliche oder ästhetische Kriterien? Wie reagierten die betroffenen Verleihfirmen, Festivals und Produzenten auf die Entscheidungen?

Der Umfang der Einflussnahme war beträchtlich, wie sich am Beispiel einzelner Filme, deren Einfuhr durch den Ausschuss behindert wurde, zeigen lässt. Die involvierten Beamten stießen sich nicht nur an der filmischen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und der Darstellung von deutschen Kriegsverbrechen. Positive Darstellungen des Lebens in den sozialistischen Staaten stießen ebenso auf Vorbehalte wie ideologische Kritik an der westlichen Kultur. Auch bei politischen Konflikten wie dem Vietnamkrieg bemühte sich der Ausschuss darum, dass kritische Gegenpositionen gar nicht erst den Weg auf die Leinwand fanden. Eingeschränkt wurde auch die Verbreitung von Kinderfilmen mit politischen Untertönen. Eine kommunistische Beeinflussung des Publikums sollte verhindert werden.

Die Filmreihe „Der Bundeskanzler wünscht einen harten Kurs …“ Die Filmzensur des Interministeriellen Ausschusses für Ost/West-Filmfragen entsteht in Kooperation mit dem Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden.

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