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Was war
der Kalte Krieg?

(von Wilfried Loth)

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Amerikanischer Anstoß

  

40 Jahre Oktoberrevolution, 1957            

Die USA haben die Chance für die Schaffung einer kooperativen Nachkriegsordnung, die in der pragmatisch-vorsichtigen, auf Kooperation mit den Westmächten setzenden Nachkriegspolitik Stalins steckte, freilich nicht genutzt. Außenpolitisch wenig erfahren und auf die Vereinfachung komplizierter internationaler Sachverhalte gegenüber einem idealistisch gesonnenen Publikum angewiesen, mißdeuteten die amerikanischen Verantwortlichen die Repressionen im Machtbereich der Roten Armee als Ausdruck eines grundsätzlichen sowjetischen Eroberungswillens, der an den bei Kriegsende gezogenen Demarkationslinien nicht halt machen würde. Den Linksruck im politischen Kräftefeld des kriegszerstörten Europa betrachteten sie in ziemlicher Verkennung der europäischen Realitäten als Auftakt zur Sowjetisierung des ganzen alten Kontinents: Wie die Weltwirtschaftkrise den Triumpf des Nationalsozialismus ermöglicht hatte, so schien nun die Nachkriegs-Wirtschaftkrise im befreiten Europa dem Sieg des Sowjetkommunismus den Weg zu bereiten.

   

Im Streit um den undemokratischen Charakter der osteuropäischen Regime versäumte es die Truman-Regierung 1945/46, die Sowjetunion mit einer Wiederaufbauhilfe - die unter Roosevelt schon in Aussicht gestellt worden war - auf den Weg der Entstalinisierung zu bringen. Ebenso ließ sie die Chance für eine Internationalisierung der Atomwaffe verstreichen. Als sie dann 1946/47 auch noch ein Programm zur "Eindämmung" der sowjetischen Expansion entwickelte, verwies sie die Sowjetunion vollends auf den Weg der Abschließung und der dogmatischen Verhärtung: In sowjetischer Sicht erschien das Programm, das so gar nicht zum amerikanisch-sowjetischen Kräfteverhältnis und zur komministischen Praxis im westlichen Europa paßte, fast notwendigerweise als Ausdruck amerikanischen Dominanzstrebens, dem man am besten mit der Abschottung des eigenen Lagers begegnete.

    

Insofern waren es tatsächlich die USA, die den ersten und entscheidenen Anstoß zur Entwicklung das Kalten Krieges gaben. Soviel bleibt von der "revisionistischen" Interpretation des Kalten Krieges, die die traditionelle westliche Selbstinterpretation in den Jahren der 68er Bewegung erschütterte. Sie taten es freilich nicht aus einer politikbestimmenden ökonomischen Notwendigkeit heraus; und sie waren auch keineswegs allein für diese Enwicklung verantwortlich.

   

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