Logo und Schriftzug des Deutschen Historischen Museums und eine Ansicht der neuen Ausstellungshalle von I.M.Pei neben dem Zeughaus
German Historical Museum
 
  Zeughauskino

 

Kino im Zeughaus | Programm | Programmarchiv

 


  DEUTSCHE UND POLEN

 

DEUTSCHE UND POLEN

Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann der von der nationalsozialistischen Führung seit langem geplante Krieg um „Lebensraum im Osten“. Gleich zu Beginn des Krieges wurden gegen die polnische Armee, die polnische Bevölkerung und die polnische Kultur erste Verbrechen begangen. Sie bildeten den Auftakt zur längsten, von Unterdrückung, Umsiedlung und Massenmorden geprägten Besatzungszeit, die ein Land durch das nationalsozialistische Deutschland erleiden musste. Aus Anlass des 70. Jahrestages des Überfalls auf Polen präsentiert das Zeughauskino die Filmreihe DEUTSCHE UND POLEN, die die gleichnamige Ausstellung des Deutschen Historischen Museums begleitet und die sich nicht ausschließlich für die Ereignisse der Jahre 1939 bis 1945 interessiert. Auf dem Spielplan stehen deutsche und polnische Produktionen, die eine mehr als sechshundertjährige Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen erzählen und ein wechselhaftes, immer facettenreicher werdendes Bild des jeweils Anderen zeichnen.
Eine Filmreihe in Zusammenarbeit mit dem Polnischen Institut in Berlin und mit freundlicher Unterstützung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin

Polnisches Institut Berlin 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Fremde Oder
Obca Odra
D 2001, R/B: Helke Misselwitz, K: Thomas Plenert u.a., 93’

Dokumentarfilm über das ehemals unzugängliche Grenzgebiet auf der polnischen Seite der Oder – fremdes Land mitten in Europa. Helke Misselwitz erkundet das Oderland zwischen Frankfurt und Szczecin auch als eine Reise zurück in die jüngste Geschichte. „Die Filmerin will nichts beweisen und auch nicht belehren, sie legt vielmehr Zeugnis ab von ihrer Einfühlsamkeit und Offenheit. Die von Thomas Plenert wunderbar aufgenommenen Landschaften verleihen dem Film, welcher aus verschiedenartig gefärbten Gedächtnisfragmenten in Deutsch, Russisch und Polnisch zusammengesetzt ist, einen tiefen Atem. Es wird eine Epoche lebendig, die geprägt ist von Zwangsauswanderung und Massendeportationen.“ (Dokumentarfilmfestival Nyon, 2001). Traditionen und Umbrüche: katholische Prozessionen und ukrainische Prostituierte, deutsche Freier und Touristen. Verschleppte und Vertriebene erzählen Geschichte; ein junger Mann sucht mit einem Geigerzähler nach den Überresten von Armeen, die hier durchzogen oder kämpften. „Die renommierte Autorin aus der ehemaligen DDR hat die Forderung in beispielhafter Weise erfüllt, die an den Dokumentarfilm gestellt wird: Erkundigungen anzustellen und mit der Kraft visueller Poesie darüber Mitteilung zu machen.“ (Rolf Niederer, Neue Zürcher Zeitung, 30.4.2001)

am 5.7.2009 um 18.30 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Wege in der Nacht
Drogi wśród nocy
BRD 1979, R: Krzysztof Zanussi, D: Mathieu Carrière, Maja Komorowska, Horst Frank, 97’ | DigiBeta

Herbst 1943. Im „Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete“ liegt eine deutsche Division in Ruhestellung. Der Literaturstudent und Offizier Friedrich verliebt sich in Elżbieta, die kunstsinnige und stolze Tochter eines polnischen Gutsbesitzers. Obschon sie Feinde sind, glaubt er daran, dass Kunst den Hass überwinden kann. Elżbieta nutzt seine romantische Liebe aus, um ihm ein militärisches Geheimnis zu entlocken und ihren als Partisan in Gefangenschaft geratenen Mann vor dem sicheren Todesurteil zu retten. Monate später treffen sich Friedrich und Elżbieta wieder. Ihr Mann ist an den Folgen der Verhöre gestorben, auch ihr Vater ist tot, das Gut niedergebrannt, der jüdische Hauslehrer erschossen. Friedrich hinterlässt ihr einen Brief, ein Buch und einen Siegelring. Jahre später bringt ein Reporter diese Gegenstände, darunter der ungeöffnete Brief, zu Friedrichs Tochter. Sie hat ihren Vater nie kennen gelernt, er fiel noch vor ihrer Geburt an der Ostfront; an den „alten“ Dingen hat sie kein Interesse... – „Im Mut zu heftigem, bis an die Grenzen des Kitsches gehendem Gefühl (...) ist dieser Film sehr polnisch. Er macht gerade deshalb, zwischen den albernen oder trocken didaktischen Sendungen, die bei uns die Regel sind, Eindruck und zwingt zum Nachdenken über das, was vor vierzig Jahren zwischen Deutschland und Polen geschehen ist.“ (Rolf Michaelis, Die Zeit, 7.9.1979)

am 5.7.2009 um 21.00 Uhr
am 26.7.2009 um 21.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Die Schlüssel
DDR 1972/74, R: Egon Günther, D: Jutta Hoffmann, Jaecki Schwarz, Magdalena Zawadzka, Jerzy Jogałła, 97’

Die Arbeiterin Ric und der Ingenieurstudent Klaus verbringen ihren ersten gemeinsamen Urlaub in Kraków. Ein polnisches Ehepaar überlässt den Unverheirateten großzügig die Schlüssel zu ihrer Wohnung: „Die Polen sind da eben... lockerer“, kommentiert Klaus. Von hier aus erkunden sie die ihnen fremde Stadt und stellen fest, wie verschieden sie auf ihre Umwelt reagieren. Die Zweifel an ihrer Beziehung wachsen... – Als „Gegenwartsfilm“ bewirbt der Progress-Filmverleih diese „Entdeckungsreise ins Nachbarland und zu sich selbst.“ Wie beiläufig lernen Ric und Klaus die Menschen und ihre Traditionen, aber auch die durch den Nationalsozialismus belastete deutsch-polnische Vergangenheit kennen. Egon Günther durchsetzt die Spielhandlung mit zahlreichen Ausschnitten aus Interviews und Reportagen. Der Eulenspiegel (März 1974) glaubt, streckenweise in einem Dokumentarfilm oder gar vor der Aktuellen Kamera zu sitzen. Die innovative Struktur des Films stößt auf starke Einwände; er kommt erst ein Jahr nach Fertigstellung Ende 1972 in die Kinos. „Es könnte jedenfalls sein“, mutmaßt Sibylle Wirsing in der F.A.Z., „daß die Aufgeschlossenheit der Polen, ihre Generosität und individuelle Freiheit, ihr Übermut im Umgang mit der Konvention nicht aus bloßem Freundschaftsgefühl so zärtlich geschildert werden. Womöglich ist der Kontrast zur DDR, dem herben Heimatland, wortlos-selbstkritisch mitgemeint.“ (4.3.1974)

am 10.7.2009 um 19.00 Uhr
am 12.7.2009 um 21.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Kanał
Der Kanal
PL 1957, R: Andrzej Wajda, D: Teresa Iżewska, Tadeusz Janczar, Wieńczysław Gliński, Tadeusz Gwiazdowski, 95’ | OmeU

Als größte militärische Widerstandsorganisation kämpft die polnische Heimatarmee „Armia Krajowa“ gegen die deutsche Besatzung. Während des Warschauer Aufstands von August bis Anfang Oktober 1944 wird die unzureichend bewaffnete Heimatarmee fast völlig aufgerieben. Die am anderen Ufer der Weichsel liegende Rote Armee greift nicht ein und überlässt die Aufständischen ihrem tragischen Schicksal. In den letzten Kampftagen versucht eine bunt zusammengewürfelte Gruppe Untergrundkämpfer, darunter einige Studentinnen, sich durch das Warschauer Kanalsystem zur Stadtmitte durchzuschlagen.
Kanał entsteht nach der gleichnamigen Erzählung von Jerzy Stefan Stawiński, der auch das Drehbuch schreibt: „Der Kanal ist ein brutaler Film. Er zeigt die Wahrheit ohne Retusche. Er ist keine bunte Erzählung über polnische Helden. Ich würde den Film ein Epos vergeudeten Heldentums bezeichnen. Junge Leute, die aus einer langjährigen Untergrundtätigkeit kommen, um für die Befreiung Warschaus zu kämpfen, hat man in eine Hölle hinabgestoßen. (...) Hier, im Kanal, stellt der Tod eine ungeheure Sinnlosigkeit dar.“ Denn alle Ausgänge sind von den Deutschen bewacht, vermint oder verschlossen. Panik bricht aus; einige werden verrückt oder verüben Selbstmord, lieben sich ein letztes Mal, andere irren umher, ertrinken in den stinkenden Abwässern – aus dem Kanalsystem gibt es keinen Ausweg...

am 11.7.2009 um 19.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Das Heimweh des Walerjan Wróbel
D 1991, R: Rolf Schübel, K: Rudolf Körösi, D: Artur Pontek, Michael Gwisdek, Peter Striebeck, 94’ | DVD

Sommer 1939. Unbeschwert genießt der sechszehnjährige Walerjan Wróbel das Leben auf dem elterlichen Bauernhof. Nach der Besetzung seiner Heimat durch deutsche Truppen wird er – wie zwei Millionen andere Polen – zur Zwangsarbeit ins „Reich“ verpflichtet. Von seinem Freund getrennt, wird Walerjan auf einen Hof nach Bremen gebracht. Von der Bäuerin und ihrer Tochter herumkommandiert, findet er allein bei dem Knecht Verständnis. Krank vor Heimweh, legt er in der Scheune ein kleines, bald gelöschtes Feuer – in der naiven Hoffnung, nach Hause zurückgeschickt zu werden. Nun setzt sich eine erbarmungslose Maschinerie in Bewegung: Die Bäuerin übergibt Walerjan der Polizei. Ein Arzt „diagnostiziert“ ihn als nicht „eindeutschungsfähig“ und weist ihn ins KZ Neuengamme ein. Ein Sondergericht bricht die eigenen (Unrechts-)Gesetze und verurteilt Walerjan wegen schwerer Brandstiftung und Schädigung der Widerstandskraft des deutschen Volkes am 8. Juli 1942 zum Tode; das Gnadengesuch wird abgelehnt. „Ein eindringlicher, erschütternder Film über den Leidensweg eines jungen Polen, der sterben mußte, weil niemand Mitleid mit ihm hatte. Nur wenige haben seinen Tod wirklich gewollt, aber keiner (...) hat irgendetwas dagegen getan.“ (Claudia Werfel, F.A.Z., 28.4.1992) Nach einer authentischen Geschichte, aufgezeichnet von dem Bremer Juristen Christoph U. Schminck-Gustavus (ergänzte Neuauflage 2007).

am 11.7.2009 um 21.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Jutro idziemy do kina
Morgen gehen wir ins Kino
PL 2007, R: Michał Kwieciński, D: Antoni Pawlicki, Mateusz Damięcki, Jakub Wesołowski, Anna Gzyra, 85’ | OmeU, DVD

Im Mai 1938 machen drei Freunde in Warschau ihr Abitur: Jerzy stammt aus einer wohlhabenden Familie, Wacek ist der Sohn eines einfachen Postangestellten und Andrzej kommt aus einer Familie mit militärischer Tradition. Sie glauben, dass ihr Leben etwas Besonderes ist und ihre Freundschaft ewig sein wird. Sie sehen auch die Mängel ihrer von den Vätern erkämpften polnischen Heimat. Trotz beunruhigender Nachrichten aus Europa sind sie aber vor allem mit ihren Herzensangelegenheiten beschäftigt. Jeder geht seinen Weg und langsam neigt sich der Sommer dem Ende entgegen... 20 Abiturienten auf dem Abschlussfoto von 1938 sterben während des Krieges, drei werden in der stalinistischen Ära ermordet. 23 überleben – und schaffen es doch nie, über die verlorenen Jahre hinwegzukommen.

am 12.7.2009 um 19.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Krzyżacy
Die Kreuzritter
PL 1960, R: Aleksander Ford, D: Mieczysław Kalenik, Aleksander Fogiel, Andrzej Szalawski, Grażyna Staniszewska, 174’ | DF

Polen, zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Die Ritter des Deutschen Ordens rauben das Land aus, brandschatzen und unterdrücken die Bevölkerung. Der polnische Adlige Jurand von Spychow wehrt sich dagegen, aber die Kreuzritter ermorden seine Frau, rauben seine Tochter Danusia, foltern und blenden ihn. Nach vielen Abenteuern gelingt es dem jungen Ritter Zbyszko, Danusia zu befreien; aber sie stirbt, von den Strapazen der Gefangenschaft geschwächt. Der neue Hochmeister des Kreuzritterordens rüstet zum Krieg: Am 15. Juli 1410 kommt es zur Schlacht bei Grunwald/Tannenberg. Die unter dem polnischen König Jagiełło vereinten polnischen und litauischen Heere schlagen die Ritter des Deutschen Ordens. „Das alles löst beim Zuschauer die richtigen Assoziationen aus, ohne daß der Film vordergründige Parallelen ziehen müßte. Er bleibt streng bei der historischen Wahrheit – auch in jedem äußeren Detail –, macht diese Wahrheit an Einzelschicksalen sinnfällig. Dabei stehen sich Freund und Feind sehr eindeutig gegenüber. Wandlungen der Hauptgestalten gibt es kaum.“ (Manfred Jelenski, Sonntag, 7.1.1962) – Monumentalfilm nach Motiven des gleichnamigen Romans von Henryk Sienkiewicz. Krzyżacy entsteht 1960 zur 1000-Jahr-Feier Polens und zum 550. Jahrestag der Schlacht von Grunwald – sein Thema ist der polnische Patriotismus, oder „nationale Medizin in allen Farben“, wie ein polnischer Kritiker spitz formulierte.

am 15.7.2009 um 20.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Ziemia obiecana
Das gelobte Land
PL 1975, R: Andrzej Wajda, D: Daniel Olbrychski, Wojciech Pszoniak, Andrzej Seweryn, 179’ | OmU

Ende des 19. Jahrhunderts wird die Textilstadt Łódź vom Gründungsfieber des Frühkapitalismus erfasst. Drei Freunde träumen vom großen Geld, vom „verheißenen Land“ des unbegrenzten Reichtums. Der polnische Adlige Karol, der Jude Moryc und der Deutsche Maks gründen eine Baumwollfabrik: Kaltentschlossen, hemmungslos und brutal gehen sie über Leichen, betrügen die eigene Familie und nehmen auch ihre seelische Verkrüppelung in Kauf. Das Elend der ausgebeuteten Arbeiter rührt sie nicht. „Der wohl genialste Film über den Kapitalismus überhaupt.“ (Frauke Hanck, Vorwärts, 28.8.1975). Wajda dreht an den Originalschauplätzen in Łódź, das sich Anfang der 1970er Jahre kaum veränderte hat. „Seine exzessiven Bilder der dekadenten Vergnügungen der reichen Lodzer Bürger, zu denen das Elend auf den Straßen und in den Fabriken mit recht schauerlichen Unfällen an den Webstühlen in extremem Gegensatz gezeigt wird, fügen sich zu einer geradezu apokalyptischen Vision zusammen.“ (Carla Rhode, Der Tagesspiegel, 29.9.1978) – Nach dem gleichnamigen Roman des polnischen Nobelpreisträgers Władysław Reymont von 1898. „Polnische Probleme sind natürlich allgemein verständliche Probleme. Sie wurden lediglich durch die Geschichte kompliziert, durch das XIX. Jahrhundert, als Polen auf der Landkarte nicht existierte. Da wurde unsere Problematik zum Mythos erhoben und durch diese Mythologisierung wurde alles noch komplizierter...“ (Andrzej Wajda)

am 21.7.2009 um 20.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Der Aufenthalt
DDR 1982, R: Frank Beyer, B: Wolfgang Kohlhaase, Bauten: Alfred Hirschmeier, D: Sylvester Groth, Fred Düren, Matthias Günther, Klaus Piontek, 102’

Winter 1945. Im Warschauer Bahnhof sind deutsche Soldaten auf dem Weg in die Kriegsgefangenschaft. Eine Polin glaubt, in dem 19jährigen Mark Niebuhr einen SS-Mann zu erkennen, der an einer Erschießung von Zivilisten in Lublin beteiligt war. Er wird verhaftet und in Einzelhaft gesperrt, immer wieder verhört und gequält. Niemand glaubt ihm seine Unschuldsbeteuerungen. Polnische Kleinkriminelle, zu denen er verlegt wird, schließen sich gegen ihn zusammen. Als er zu den wirklichen deutschen Kriegsverbrechern gesperrt wird, ist er als Unbeteiligter erneut Außeneiter... Schließlich stellt sich heraus, dass er tatsächlich nie in Lublin gewesen ist: „Sie werden nicht erwarten, dass wir uns bei ihnen entschuldigen“, sagt der polnische Vernehmungsoffizier bei seiner Entlassung. – „Beispielhafte, faire und gerechte und, bei aller Kargheit, ungemein suggestive Aufarbeitung eines immerhin schwierigen und heiklen Themas. Weder werden Polen und Deutsche denunziert, noch wird der ‚unschuldige‘ Mark, den auch seine Beteuerungen, nur der Wehrmacht, nicht aber der SS angehört zu haben, nicht von der Kollektivschuld befreien, plakativ als Identifikationsfigur angeboten.“ (Carla Rhode, Tagesspiegel, 17.5.1984). Auf Druck Polens wird der bereits zum Wettbewerb bei den Berliner Filmfestspielen 1983 angemeldete Film zurückgezogen. Nach dem gleichnamigen Roman von Hermann Kant.

am 22.7.2009 um 20.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Bartek zwycięzca
Bartek, der Sieger

PL 1923, R: Edward Puchalski, D: Władysław Pytlasiński, Eugenia Zasempianka, Roman Żelazowski, ca. 92’   polnische Zwischentitel (deutsch eingesprochen)

Verfilmung des gleichnamigen Romans von Henryk Sienkiewicz aus dem Jahr 1882. Die Titelrolle in diesem patriotischen Streifen spielt der berühmte polnische Ringer Władysław Pytlasiński. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wird Slowik Bartek, ein Bauer aus Poznań, mobilisiert und kämpft für Deutschland an der Front in Frankreich. In Lothringen nimmt er an der Schlacht von Gravelotte teil. Er schlägt sich tapfer und erobert sogar die französische Flagge, woraufhin ihm General Steinmetz sein eigenes Eisernes Kreuz überreicht. Wieder zu Hause, geht Bartek davon aus, dass seine Verdienste an der Seite der Deutschen anerkannt werden. Als aber eine deutsche Lehrerin seinen Sohn als „polnisches Schwein“ beschimpft, gerät Bartek außer sich und schlägt sie... Vor Gericht wird er zu drei Monaten Haft und einer hohen Geldstrafe verurteilt. Da er nicht genug Geld hat, muss er seinen bereits stark verschuldeten Hof an einen Deutschen verpfänden... Nach 1926 verschwinden diese deutschfeindlichen Filme aus den polnischen Kinos.

Klavierbegleitung: Peter Gotthardt

am 24.7.2009 um 19.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Ostatni etap
Die letzte Etappe

PL 1948, R: Wanda Jakubowska, D: Tatjana Górecka, Antonina Górecka, Wanda Bartówna, Aleksandra Śląska, 108’ | OmU

Einer der ersten Filme über die Shoah. Im Vorspann heißt es: „Dieser Film schildert authentische Ereignisse, die ein Bruchteil der Wahrheit des KZ-Lagers Auschwitz sind.“ Im Oktober 1942 wird die im polnischen Untergrund aktive Filmregisseurin Wanda Jakubowska verhaftet und ins Frauenlager Auschwitz-Birkenau gebracht. „Dem Wunsch, einen Film über das Lager in Auschwitz zu machen, verdanke ich höchstwahrscheinlich, dass ich überhaupt noch lebe. Er behütete mich davor, Auschwitz nur subjektiv zu erleben, und erlaubte mir später, alles, was mich damals umgab, als eine besondere Art von Dokumentation zu behandeln.“ Noch im Lager beginnt sie, die Umrisse für ihren Film zu entwickeln. Gedreht wird 1947/48 am Originalschauplatz in Birkenau. Künstler des Polnischen Theaters wirken ebenso mit wie Einwohner von Oświęcim (Auschwitz) und ehemalige Häftlinge, denn „[e]s darf nie wieder ein Auschwitz geben!“, wie die jüdische Dolmetscherin am Schluss des Films sagt. Die Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm führt zu ästhetischen Brüchen; viele der von Wanda Jakubowska gefundenen Filmbilder aber wirken bis heute nach: „Der Vernichtungsprozess wird lediglich durch das Auflodern von Flammen und qualmende Krematoriumsschornsteine verbildlicht. Diese Bilder waren es, die fast alle späteren Werke der Holocaust-Filmgeschichte beeinflussten und als Fundus kinematographischer Zitation dienten.“ (Stefanie Peter, F.A.Z., 17.4.2000)

am 24.7.2009 um 21.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Po-Lin. Okruchy pamięci
Po-Lin: Krümel der Erinnerung

D/PL 2008, R: Jolanta Dylewska, 82’  OmU

Dokumentarfilm über jüdisches Leben in polnischen Kleinstädten der 1930er Jahre, nacherzählt anhand von zeitgenössischen Amateurfilmen und Erkundigungen vor Ort. Fast zehn Jahre lang hat die polnische Regisseurin diese Privataufnahmen gesammelt; es sind Bilder einer Welt, die im Holocaust untergegangen ist. „Eigentlich wollte ich in diesem Film das Thema Holocaust nicht berühren. Vielleicht bis auf ganz wenige Bemerkungen, wie die, dass manchen Menschen nur noch zehn Jahre Lebenszeit bleiben. Doch heutzutage wird schnell vergessen, was damals passierte. Und viele junge Menschen in Europa wissen schon nicht mehr, was ein Konzentrationslager war.“ In ihrem Film lässt Jolanta Dylewska die Welt des osteuropäischen Schtetl wieder auferstehen: Das geschäftige Treiben auf den Märkten, wo die Bauern ihr Vieh verkaufen; das Leben auf der Straße; einfache Holzhäuser; freundlich-offene Blicke in die Schmalfilmkamera des einst nach Amerika ausgewanderten Verwandten, der nun als Millionär die alte Heimat besucht. – Einer alten jüdischen Legende nach bedeutet das hebräische Wort „po lin“ soviel wie „hier sollst du ruhen“: „Heute ist ‚Po-Lin’ die Chiffre für die erwachende Erinnerung an sieben Jahrhunderte polnisch-jüdischen Zusammenlebens und jüdischer Kultur in der Region.“ (Gerhard Gnauck, Die Welt, 17.11.2008)

am 25.7.2009 um 19.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Zaungäste – Zza płotu
D/PL 2008, R/K: Leszek Dawid, Matl Findel, 81’ | DigiBeta

„Die erste Einstellung im Film zum Beispiel ist eine Totale von einer Kreuzung in einem kleinen Küstenstädtchen. Die fast drei Minuten sind ein unglaublicher Reigen an Auf- und Abtritten von Personen, wie ich’s so schön noch nicht mal in einem Peter Handke Stück gesehen habe. Womöglich, weil’s kein Irdischer inszeniert hat.“ (Matl Findel). Auf Anregung der Akademie der Künste dokumentieren der deutsche Filmemacher Matl Findel und sein polnischer Kollege Leszek Dawid zwei Sommer lang das Leben im Land des jeweils anderen. Beide arbeiten, wie in den Anfängen des Films, mit einer starren, unbewegten Kamera; ihre „lebenden Photographien“ zeichnen sie auf High Definition Video (HD) auf. „Herausgekommen ist ein filmischer deutsch-polnischer Dialog in 25 Bildpaaren, der quasi über den nachbarschaftlichen Zaun hinweg geplaudert wird. Es gibt keine Handlung, keine Geschichte, keine Protagonisten, dafür gibt es die Bühne des Lebens, die Komik und Poesie des Alltags und die Freiheit des Schauens. Denn die hoch aufgelösten Einstellungen sind zu einem doppelten Spiegel geworden, in dem man sich selbst durch die Augen des anderen und zugleich den anderen im Eigenen betrachten kann. Das klingt kompliziert, man muss aber einfach nur schauen.“ (Akademie der Künste, Berlin)

am 25.7.2009 um 21.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Heimkehr
D 1941, R: Gustav Ucicky, D: Paula Wessely, Peter Petersen, Attila Hörbiger, Ruth Hellberg, Berta Drews, 95’

Antipolnischer und antisemitischer Propagandafilm, mit den höchsten Prädikaten des NS-Staates ausgezeichnet. Die Handlung spielt 1939 in der polnischen Kreisstadt Luzk, in Wolhynien. Die hier seit dem 18. Jahrhundert lebende deutsche Minderheit – die sog. Wolhyniendeutschen – wird von den Polen immer stärker schikaniert und ihrer Rechte beraubt. Sie müssen ihre Schule aufgeben, bei einem brutalen Übergriff in einem Kino wird ein Deutscher erschlagen, ein Arzt wird aus dem Hinterhalt beschossen und erblindet, die Deutschen werden von ihren Höfen gejagt. Trotz eines Versammlungsverbots finden sich am 1. September 1939 200 Deutsche in einer Scheune ein, um im Radio Hitlers Rede vor dem Reichstag zu verfolgen. Sie werden von polnischen Soldaten verhaftet und eingekerkert; nur der deutsche Vormarsch rettet sie vor dem sicheren Erschießungstod. Im Treck ziehen die Wolhyniendeutschen schließlich „heim ins Reich“... tatsächlich aber wurden sie in die eroberten polnischen Westgebiete „umgesiedelt“. – Am Film Heimkehr wirken auch polnische Schauspieler mit – „die schlimmste Episode aus der Geschichte der Filmkollaboration“, wie der polnische Filmhistoriker Jerzy Toeplitz schreibt. Ihnen wird 1947 in Polen der Prozess gemacht.

Einführung: Johannes von Moltke

am 26.7.2009 um 18.30 Uhr

 

DEUTSCHE UND POLEN
Sól ziemi czarnej
Das Salz der schwarzen Erde

PL 1970, R: Kazimierz Kutz, D: Olgierd Łukaszewicz, Jan Englert, 100’ | OmeU

Zwischen 1918 und 1919 brechen in dem zum Deutschen Reich gehörenden Oberschlesien drei bewaffnete Aufstände aus. Ziel der aufständischen polnischen Bergarbeiter ist es, Oberschlesien an die Zweite Polnische Republik (1918-1945) anzuschließen. Diese, in einen Krieg mit Russland verwickelt, verweigert aber die offene militärische Unterstützung. An den Kämpfen nehmen auch die Söhne eines alten Bergarbeiters teil, der schließlich sogar seinen jüngsten, noch minderjährigen Sohn Gabriel ziehen lassen muss. Aus dessen Perspektive wird der sechstägige bewaffnete Aufstand für Polen geschildert... – „Der Film selbst ist eine Helden-Ballade; er schwankt zwischen naiver Liebespoesie und rustikalen Kampfszenen.“ (Die Welt, 1.12.1970) Regisseur Kazimierz Kutz stammt selbst aus einer oberschlesischen Arbeiterfamilie: „Mein Film erzählt die Geschichte einer dieser drei Aufstände, die damals den Willen der Schlesier offenbarten, erneut zu Polen, von dem sie sechs Jahrhunderte getrennt waren, zu gehören. Dieser Kampf ähnelte einer ‚Massenschizophrenie‘ und sein populärer Charakter erinnerte an die großen Bauernaufstände der Renaissance.“ Peter W. Jansen macht in dem Film Muster des Italo-Westerns und „Reizwerte des blutigen Scherzes“ aus, sieht aber nur wenig Politik: „Im Vordergrund stehen Aktion, Schauwert, Unterhaltungswert.“ (Frankfurter Rundschau, 15.8.1970)

am 28.7.2009 um 20.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Pasażerka
Die Passagierin

PL 1963, R: Andrzej Munk, Wietold Lesiewicz, D: Aleksandra Śląska, Anna Ciepielewska, 62’ | OmeU

Die ehemalige SS-Oberaufseherin Liza glaubt, unter den Passagieren eines Überseedampfers die polnische Jüdin Marta wiederzuerkennen. In zwei langen Rückblenden erinnert sich die heute gutsituierte Liza an Auschwitz. Ihrem Mann gegenüber stellt sie sich als edelmütige und mitfühlende Samariterin dar. Sich selbst erzählt sie die andere Wahrheit als kühl berechnende Funktionärin und Opportunistin, die ihre Machtstellung ausnutzt, um mit der jungen Marta ein makabres „Spiel“ zu beginnen... Ihren Mann kann sie täuschen, aber wie lebt es sich mit dieser Lebenslüge? – Der Regisseur Andrzej Munk stirbt 1961 während der Dreharbeiten, sein Film bleibt unvollendet. Die nicht fertig gestellte Rahmenhandlung wird von Munks Assistenten mit Hilfe von Standfotos nacherzählt. „Munk will nicht anklagen. Er will das Nachdenken aktivieren und durch Erschütterung Erkenntnis und dadurch Prophylaxe stimulieren. Ihm geht es weniger um die Vergangenheit als um die Gegenwart, in der die Zukunft angelegt wird.“ (Hilmar Hoffmann, Christ und Welt, 12.6.1964) In der stilisierten Rekonstruktion des Vernichtungslagers kommt Munk auch zu einer damals neuen und ungewöhnlichen Darstellung von Auschwitz. Zwei Tage vor seinem Tod sagte er in einem Interview: „Die Hauptprobleme meines Films? Der Konflikt der Verantwortlichkeit des Gewissens und das Problem der Grenze dessen, was den Menschen zugemutet werden kann.“

am 29.7.2009 um 20.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Stawka większa niż życie: Wielka wsypa
Sekunden entscheiden: Die große Panne

PL 1967, R: Janusz Morgenstern, D: Stanisław Mikulski, 53’ | OmeU, DVD

Stawka większa niż życie: Edyta
Sekunden entscheiden: Edith

PL 1967, R: Andrzej Konic D: Stanisław Mikulski, 58’ | OmeU, DVD

Zwei Folgen der polnischen Fernsehserie aus den sechziger Jahren. In den Ländern des ehemaligen Ostblocks ist die 18teilige Serie ein großer Publikumserfolg, im DDR-Fernsehen läuft sie unter dem Titel Sekunden entscheiden. Held ist der polnische Abwehroffizier „Janek 23“, der als Oberleutnant Kloß getarnt während des Zweiten Weltkriegs für den sowjetischen Geheimdienst arbeitet. Somit auch politisch korrekt als russisch-polnischer Offizier ausgewiesen, spioniert er die deutsche Abwehr aus. Dabei muss er äußerst gefahrenvolle Situationen überstehen und jeden Augenblick mit seiner Enttarnung rechnen. Denn der polnische Kundschafter ist zwar hervorragend ausgebildet, jedoch ohne praktische Erfahrung. Aber er kämpft weiter, immer bereit, den Faschisten das Leben schwer zu machen. – In der 8. Episode „Die große Panne“ geht es um die Bombardierung einer Waffenfabrik, in der Kloß für die Sicherheit der Konstrukteure verantwortlich ist. Die 14. Episode „Edith“ spielt zu Sylvester 1944/45. Bis zum 7. Januar muss eine Brücke, die wichtigste Verbindung zur Front in diesem Abschnitt, gesprengt sein. Aber auch der zweite Sprengversuch misslingt... Noch eine andere Gefahr kommt auf Kloß zu: eine Cousine jenes Mannes, dessen Namen er angenommen hat, ist in die Stadt versetzt worden. Und sie erinnert sich gerne an ihren Vetter, der ihr einst seine Liebe gestand! Wie soll er sich verhalten, um nicht aufzufliegen?

am 31.7.2009 um 18.30 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Wesele
Die Hochzeit

PL 1972, R: Andrzej Wajda, D: Marek Walczewski, Izabella Olszewska, Ewa Ziętek, Daniel Olbrychski, 105’ | OmU

1901, als der Dichter und Maler Stanisław Wyspiański das Nationaldrama Die Hochzeit verfasst, ist Polen unter den benachbarten Großmächten Preußen, Russland und Österreich aufgeteilt. In Krakau, dem geistigen Zentrum des Landes, wendet sich die neoromantische Gruppe „Junges Polen“ den Traditionen der Landbevölkerung zu. Ein Dichter heiratet die Tochter eines Bauern, und die turbulente Dorfhochzeit vereint alle Klassen und Schichten. „Die Personen der Hochzeit sind Urbilder von Polen, das sind wir selbst...“ (Andrzej Wajda). In die ausgelassenen Tänze mischen sich Geister und Visionen, heroische Gestalten und Schlüsselereignisse der polnischen Geschichte. Aus der Vergangenheit ertönt der Ruf, Polen neu erstehen zu lassen. Aber die Journalisten, Maler und Schriftsteller lassen die kampfbereiten Bauern im Stich... – „Die verschiedenen Varianten der Flucht vor der Wirklichkeit, der Unfähigkeit besonders der Intellektuellen der damaligen Zeit, sich der Geschichte zu stellen, kritisiert Wajda mit bloßlegender Schärfe, Satire, Ironie, aber auch Humor. Für den Schmerz, den seine Gestalten fühlen, für ihre Liebe zur Heimat hat er aufrichtige Sympathie. Uns (...) entgeht eine Reihe von historischen Anspielungen, manches Detail, aber dennoch ist dieser Film eine ungewöhnliche, beeindruckende Begegnung mit einer Episode der polnischen Geschichte und Kunst.“ (Rolf Richter, Neues Deutschland, 25.7.1974)

am 31.7.2009 um 21.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Die erste Polka
BRD 1979, R: Klaus Emmerich, K: Michael Ballhaus, D: Maria Schell, Erland Josephson, Guido Wieland, Ernst Stankovski, 100’ | DigiBeta

31. August 1939, Gleiwitz in Oberschlesien. Die Stadt ist bereits voller Soldaten; jeder kann die Vorzeichen erkennen. Dieser Tag läutet auch das Ende der großbürgerlichen Familie Piontek ein. Valeska ist das Oberhaupt der Familie. Ihr Mann liegt sterbenskrank im Bett, ihr Sohn entzieht sich ihr immer mehr, Tochter Irma verweigert die ersehnte Zuneigung. Trotzdem richtet Valeska ihr eine feudale Hochzeit aus. Während die Familie Piontek im Hotel „Haus Oberschlesien“ feiert und die Liebenden ihre „erste Polka“ tanzen, arbeitet im ersten Stock der Generalstab am Angriffsplan gegen Polen... Mitten in das ausgelassene Hochzeitsfest platzt die Nachricht vom „Überfall“ auf den Sender Gleiwitz. – „Uns scheint es wichtig, in diesem Film den Vorkriegs-Irrationalismus der deutschen Provinz zu beschreiben, am Beispiel Oberschlesiens – den deutschen Irrationalismus überhaupt, denn der war ja nicht nur in der Provinz zu Hause. Einerseits leben die Menschen in Angst vor dem Krieg, der neben ihnen ins Rollen kommt – andererseits hält das den Ablauf ihres normalen Lebens nicht im geringsten auf. Da wird Hochzeit gefeiert, wie es eine Familie vom Zuschnitt der Pionteks ihrem Ansehen schuldig ist, als sei man im tiefsten Frieden. Das ist für mich der typisch deutsche Gegenstand dieses Films.“ (Klaus Emmerich) Nach dem 1975 erschienenen gleichnamigen Roman des aus Gleiwitz stammenden Horst Bienek.

am 29.8.2009 um 19.00 Uhr

 

 

 

DEUTSCHE UND POLEN
Der Augenzeuge, Nr. 37
DDR 1969, 10’

Der Fall Gleiwitz
DDR 1961, R: Gerhard Klein, M: Kurt Schwaen, D: Hannjo Hasse, Herwart Grosse, Hilmar Thate, 69’

31. August 1939. Angehörige der SS überfallen in polnischen Uniformen die unmittelbar an der Grenze gelegene Sendestation Gleiwitz. Sie verlesen eine antideutsche Erklärung und lassen einen polnisch gekleideten KZ-Häftling erschossen zurück. Alles soll wie ein Überfall polnischer Freischärler auf deutschem Gebiet aussehen – es ist der propagandistische Vorwand für die deutsche Kriegserklärung gegen Polen. In seiner „Dokumentation mit künstlerischen Mitteln“ rekonstruiert Gerhard Klein den Ablauf der Ereignisse sachlich genau und spannend. Er stützt sich dabei auf die Aussagen des SS-Hauptsturmführers Alfred Naujocks bei den Nürnberger Prozessen. „Tatsächlich ist der von Wolfgang Kohlhaase und Günther Rücker geschriebene Film in einem ganz intellektuellen, kühl-dokumentarischen und dabei doch expressiven Stil gehalten. (...) Die Schöpfer dieses eindrucksvollen Werkes knüpften an den Stil Eisensteins und der attraktiven Bildmontage an. Seit Staudtes Untertan gelang ihnen damit der optisch stärkste, seit Konrad Wolfs Sterne der geschlossenste und überzeugendste Film der DEFA.“ (Heinz Kersten, Der Tagesspiegel, 31.8.1963)

Einführung: Günter Agde

am 29.8.2009 um 21.00 Uhr

 

 

 
 
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