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German Historical Museum
 
  Kino im Zeughaus

 

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  FILM UND PROPAGANDA

 

FILM UND PROPAGANDA

Spätestens Anfang der 1930er Jahre gewinnen neue Rahmenbedingungen für das Gros des internationalen Filmschaffens eine prägende Kraft. Mit den politischen Karrieren des Faschismus in Deutschland, Italien und Japan und des Stalinismus in der Sowjetunion gerät die Filmproduktion zunehmend unter politische Obhut. Aber auch in den USA wachsen infolge der verheerenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise die Begehrlichkeiten der Politik, ehe mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die politische Indienstnahme der Filmproduktion international üblich und der Film wichtigstes Mittel zur Indoktrinierung und Mobilisierung der Massen wird. Begleitend zur Ausstellung KUNST UND PROPAGANDA präsentiert das Zeughauskino die internationale Filmreihe FILM UND PROPAGANDA, die einen Einblick in die verschiedenen Formen der politisch-propagandistischen Nutzung des Films gewährt. Neben deutschen, italienischen und sowjetischen Filmen sind auch US-amerikanische Filme der New Deal-Politik sowie britische und französische Produktionen zu sehen. Interessanterweise wählen die Filme, die unterschiedliche Nähen und Distanzen zur jeweiligen Regierungspolitik einnehmen, oft vergleichbare Strategien der Zuschauerlenkung.

 

Film und Propaganda
Olympia - Fest der Völker (Teil 1)
Olympia - Fest der Schönheit (Teil 2)
D 1938, R/B: Leni Riefenstahl, K: Hans Ertl, Walter Frentz, Wilfried Basse, Leo de Laforgue u.a., M: Herbert Windt, Teil 1: 126’, Teil 2: 100’

Angesichts der internationalen Kritik an der Diktatur, an Militarismus und Rassismus präsentiert die Olympiade 1936 ein modernes und weltoffenes Deutschland. Dieses Ereignis inszeniert Leni Riefenstahl im Auftrag des Propagandaministeriums in einem Dokumentarfilm, dessen Aufwand alle Dimensionen sprengt und dessen Bilderrausch bis heute fasziniert. Dutzende Aufnahmeteams mit den besten und kreativsten Kameraleuten stehen der Regisseurin zur Verfügung. Sie lässt 400 Kilometer Film belichten und montiert daraus in eineinhalbjähriger Arbeit zwei abendfüllende Filme, in denen das Dritte Reich als mythischer Nachfolger der Antike erscheint. Doch stilisiert Riefenstahl nicht allein ein nordisches Körperideal, sie feiert auch die Kraft und Anmut südländischer, asiatischer und schwarzer Athleten, unter ihnen der Star der Olympiade, Jesse Owens.
Was den Film so berühmt gemacht hat, sind die experimentierfreudigen, avantgardistischen Kameraeinstellungen, die Eleganz der Montage und die perfekte Balance zwischen Bild und Musik. Olympia wurde deshalb zugleich zum Vorbild einer „heroischen Reportage“ im Dritten Reich erhoben wie auch international als bester Sportfilm aller Zeiten gelobt. „Leni Riefenstahl erweist sich mit diesem Film nicht nur als Meisterin der sportlichen, sondern auch der erotischen Inszenierung und Mythisierung gestählter Körper und sportlicher Wettkämpfe. In ihren Augen haben sich vor allem die Männer als würdige Objekte ihres filmischen Schönheitskults zu bewahren. Dem gnadenlosen Blick dieser Domina eines ambivalenten Männlichkeitswahns geht es nicht um die Befreiung der Erotik, sondern um deren Steigerung durch sportliche und kämpferische Disziplinierung und Mythisierung der Körper.“ (Peter Zimmermann: Die Parteitagsfilme der NSDAP und Leni Riefenstahl, in: Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland, 2005)

Teil 1 am 26.01.2007und 03.02., jeweils um 18.30 Uhr
Teil 2 am 27.01.2007und 03.02., jeweils um 21.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Lenin w Oktjabre
Lenin im Oktober

SU 1937, R: Michail Romm, D: Boris Stschukin, S. Goldschtab, W. Pokrowski, OmU, 103’

Als Revolutionsheld und Gründer des Sowjetstaates erscheint Lenin bereits in Filmen von Sergej Eisenstein und Dziga Vertov. Sein Bild auf der Leinwand prägen aber vor allem die beiden Filme von Michail Romm Lenin im Oktober und Lenin im Jahr 1918 (Lenin v 1918 godu, 1939), in denen Boris Stschukin den Helden verkörpert. Ursprünglich sollte der zum 20. Jahrestag der Oktoberrevolution hergestellte Film Lenin im Oktober den Titel Aufstand tragen. Die Änderung verschiebt den Blick von den revolutionären Ereignissen des Jahres 1917 auf den Protagonisten Lenin, dessen Gestaltung sich hier an historischen Wochenschauaufnahmen orientiert.
Berichtet wird u.a. von Lenins Rückkehr aus dem Exil, seiner Kritik an Trotzki und seiner Bereitschaft zum Aufstand. Die Inszenierung verzichtet darauf, Lenin zu monumentalisieren. Stattdessen wird ein humorvoller, bodenständiger und volksverbundener Mann beschrieben. Bei seinem ersten Auftritt vor einer erwartungsvollen Menge von Zuhörern wird Lenin zunächst gar nicht erkannt. Der Führer und die Masse sind hier noch nicht getrennt. Das unterscheidet Lenin im Oktober von vielen späteren Filmen über Stalin. Dessen Bedeutung wird hier allerdings schon deutlich hervorgehoben: Immer wieder ist es Stalin, der an der Seite Lenins steht.

am 26.01.2007 um 21.00 Uhr, am 04.02.2007 um 19.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
The Grapes of Wrath
Früchte des Zorns

USA 1940, R: John Ford, D: Henry Fonda, Jane Darwell, John Carradine, OF, 128’

The Grapes of Wrath porträtiert Amerika im Zustand der schweren Krise. John Ford erzählt die Geschichte einer verarmten Familie von Farmern aus dem Mittleren Westen, deren Land sich in unfruchtbare Steppe verwandelt hat. Wie tausende anderer Farmer zieht die Familie in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Kalifornien, um dort als herumziehende Obstpflücker zu arbeiten. Doch Kalifornien entpuppt sich nicht als das gelobte Land. Die Familie stößt auf Verachtung, Korruption und Ausbeutung, auf Ungerechtigkeit, Elend, Tod und Gewalt. Den harten Realismus und vibrierenden Zorn, der John Steinbecks Romanvorlage auszeichnet, ersetzt der Film zwar durch Melancholie und die Aufforderung zur Anteilnahme. Doch zeichnen Ford und sein Kameramann Gregg Toland das düstere Bild eines Landes voller gesellschaftlicher Spannungen und ungelöster Konflikte, in dem nur das unerschütterliche Vertrauen auf die Macht der Familie einen Lichtblick bietet. „Toland und Ford schaffen in ihrer Arbeit ein sichtbares Gefühl des sterbenden Amerikas, reduzieren es auf das nackte Gerüst. (...) In der Stellung der Figuren, der Landschaft, und in der Bewegung von Menschen, Gegenständen und Licht vermittelt der Film eine Art amerikanische Gotik.“ (John Baxter: John Ford, 1980)

am 27.01.2007 um 18.30 Uhr, am 02.02.2007 um 21.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Wunschkonzert
D 1940, R: Eduard von Borsody, D: Ilse Werner, Carl Raddatz, Heinz Goedecke, 103’

Wunschkonzert beschwört die Treue der wartenden Frau und den unerschütterlichen Zusammenhalt von Front und Heimat. Während der Olympiade 1936 verliebt sich Inge in den Fliegerleutnant Herbert, der aber kurz vor ihrer Heirat in geheimer Mission zum Einsatz in der Legion Condor nach Spanien abkommandiert wird. Jahrelang empfängt Inge kein Lebenszeichen von Herbert, bis sie in der populären Radiosendung „Wunschkonzert“ ein von ihm gewünschtes Lied hört. So findet das Paar doch wieder zusammen.
Im Zentrum dieser Geschichte um Liebe und Krieg, Pflichterfüllung, Verzicht und glücklicher Wiedervereinigung steht das „Wunschkonzert“, das die Soldaten an den verschiedenen Kriegsfronten und die Zivilisten in Deutschland als Radiohörer miteinander vereint. Eingefügt in die Spielhandlung sind dokumentarische Szenen aus Riefenstahls Olympia-Film und verschiedenen Kriegswochenschauen sowie die Auftritte zahlreicher Unterhaltungskünstler im Rundfunkstudio. Mit 23 Millionen Zuschauern war Wunschkonzert der zweiterfolgreichste Film des Dritten Reichs. „Wunschkonzert ist ein Wunder der Integration von Gegensätzen und Polaritäten. Die Waffengattungen werden mit den Künsten versöhnt, die Intelligenzler mit den Beschränkten, die Preußen mit den Bayern. Der Film (...) schließt die Zuhörer und Zuschauer nach innen zusammen. Er mobilisiert eine Front der Gefühle. Die Homogenität des Volkes wird durch die Homogenisierung des Radio-Tons hergestellt.“ (Karsten Witte: Film im Nationalsozialismus, in: Geschichte des deutschen Films, 1993).

Einführung: Michael Wedel
am 28.01.2007 um 18.30 Uhr, am 04.02.2007 um 21.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
1860
I 1934, R: Alessandro Blasetti, OF, 81’

Die Einigung Italiens unter Garibaldi und die Befreiung Siziliens von der Herrschaft der Bourbonen im 19. Jahrhundert sind das Thema von 1860. Doch steht der Nationalheld Garibaldi nicht im Zentrum, was 1860 von vielen anderen Filmen unterscheidet, die Episoden aus der vaterländischen Geschichte in Analogie zur Gegenwart inszenieren. Der Regisseur Blasetti, der zuvor als scharfer Kritiker des führenden Studios Cines hervorgetreten war, wendet sich von einer herkömmlichen Erzählweise ab. Er löst die Schilderung der bourbonischen Herrschaft, der Reise eines sizilianischen Schafhirten und des Befreiungskampfes in pathetische Szenen und virtuose Bild- und Tonkollagen auf.
Das Gewicht der Außenaufnahmen in Sizilien, die Verwendung von Laiendarstellern und natürlichem, dialektgefärbtem Sprechton machen 1860 zu einem Vorläufer des Neorealismus. „Im Gegensatz zu den Mustern der Cines-Filme gibt es keinen Ansturm tausender Komparsen, keinen Tumult der Massen, keinen charismatischen Führer. Noch wichtiger ist, dass es auch keinen privilegierten Betrachterstandpunkt und nur wenige subjektive Blicke aus der Sicht von Nebendarstellern gibt. Was die Zuschauer sehen, ist das, was ihnen die Kamera zeigt, und nicht, was ein Protagonist beobachtet. (...) Blasetti behandelte hier eine heikle Periode der Geschichte und erneuerte die filmischen Ausdrucksmittel. Der eindrucksvolle und wichtige Film 1860 stellt eine Ausnahme dar; er ist ein Sonderfall in der Geschichte des Weltkinos.“ (Pierre Sorlin: Italian National Cinema, 1996).

Einführung: Bernhard Groß
mit freundlicher Unterstützung von Ripley’s Film, Rom und Cineteca Nazionale, Rom

am 28.01.2007 um 21.00 Uhr, am 21.02.2007 um 20.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Metall des Himmels
D 1935, R: Walter Ruttmann, 14’
Mannesmann. Ein Film der Mannesmannröhren-Werke
D 1937, R: Walter Ruttmann, 15
Deutsche Waffenschmieden
D 1940, R: Walter Ruttmann, 12’
Deutsche Panzer
D 1940, R: Walter Ruttmann, 13’

Avantgardistische Ästhetik, Produktwerbung und Propaganda für den nationalsozialistischen Staat bilden nach 1933 im Werk von Walter Ruttmann eine Einheit. Mit Metall des Himmels und Mannesmann dreht der Pionier des experimentellen Films für die Ufa zwei Kurzfilme über die Herstellung von Stahl, den Rhythmus der Maschinen und die Schönheit der Technik. Welchen Zweck diese Technik hat, zeigt sich dann in Filmen über die Produktion von Geschützen, Granaten und Panzern, die nach Kriegsbeginn entstehen und das Zusammenrücken von Front und Heimat veranschaulichen sollen.
Wie in seinen Filmen aus den 20er Jahren interessiert sich Ruttmann besonders für die Wirkungen der Montage, für geometrische Figuren und die Beziehung zwischen Bild und Musik, Technik und Emotion. Die Kommentare aus dem Off mit ihrem ideologischen Jargon fallen dagegen knapp aus. Über Mannesmann, der 1937 bei der Weltausstellung in Paris die höchste Auszeichnung erhält, schreibt Felix Henseleit: „Walter Ruttmann weiß das Wesentliche in knapper Form zu sagen: er bevorzugt eine präzis zeichnende Bildsprache, er zeigt nur das Notwendigste, und er weiß es in künstlerischer Harmonie zu vereinigen, so dass nicht nur ein Film über Stahlerzeugung entstand, sondern ein Film, der den Rhythmus, den Arbeitstakt, das Lebensgesetz dieser Welt der Arbeit kündet.“ (Lichtbild-Bühne, 19.4.1938).

am 20.02.2007 um 20.00 Uhr, am 25.02.2007 um 19.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Espoir - Sierra de Teruel
Hoffnung
F/E 1937-1940, R/B: André Malraux, D: José Sempere, Julio Pena, Pedro Codina, OmU, 76’

Espoir erzählt von den Freiwilligen aus aller Welt, die im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Republikaner kämpfen. Angelehnt an den gleichnamigen Roman des französischen Schriftstellers André Malraux vermittelt der Spielfilm ein Bild des Krieges, dessen fast dokumentarischer Stil und dessen emotionale Wirksamkeit vielfach gerühmt wurden. Die Dreharbeiten zu dem anfangs von der spanischen Regierung finanzierten Film fanden zunächst unweit der Kampfhandlungen in Barcelona statt und mussten später in Südfrankreich und Paris fortgesetzt werden. Die Uraufführung fand erst 1945 statt. „L’Espoir erweckt in seiner improvisierten Machart den Eindruck, die Kamera sei Zeuge realer Ereignisse gewesen: die Personen bleiben anonym. Malraux konzentriert die Dramatik des Krieges in flüchtig skizzierten Situationen: Ein Auto rast in den Schuß einer Kanone hinein; ein verwirrter Bauer dirigiert die Besatzung eines republikanischen Flugzeugs zu ihrem Ziel; ein langer Trauerzug windet sich durch eine felsige Berglandschaft. Plötzlicher Bildkontraste bediente sich Malraux, um die Tragik eines Augenblicks fühlbar zu machen: Im Moment des Sterbens fotografiert die Kamera für Sekunden auffliegende Vögel und eine weite Landschaft.“ (Ulrich Gregor / Enno Patalas: Geschichte des Films, 1962).

am 23.02.2007 um 19.00 Uhr, am 25.02.2007 um 21.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Kljatwa
Der Schwur

SU 1946, R: Michail Tschiaureli, D: Michail Gelowani, Sofia Giazintowa, OmU, 100’            Beta SP

Entstanden in der Hochphase des Stalinkultes nach dem Zweiten Weltkrieg, beschreibt Kljatwa die beiden Jahrzehnte zwischen Lenins Tod 1924 und dem entscheidenden Sieg der Roten Armee in der Schlacht von Stalingrad. Zwischen diesen Ereignissen liegen der Kampf gegen die Trotzkisten, die Industrialisierung des Landes, die Fünfjahrespläne und der Ausbruch des Weltkrieges. Der Titel des Films bezieht sich auf Stalins Versprechen, das Vermächtnis Lenins zu erfüllen. Seine Grundthese lautet: „Stalin ist Lenin heute.“ Während aber den kleingewachsenen Lenin etwa in Lenin im Oktober ein kleingewachsener Schauspieler verkörpert, hat der 1,60 Meter große Stalin in Kljatwa eine sehr stattliche Figur. Michail Gelowani, der wichtigste Stalin-Darsteller, präsentiert zudem durch seine verlangsamten Bewegungen und seine Sprechweise ein Gegenbild zu Lenin. Wsewolod Iwanow schreibt in einer zeitgenössischen Filmbesprechung: „Beim Anblick der Gestalt des Genossen Stalin in der hervorragenden Darstellung durch Michail Gelowani verspürst du eine Erregung, für die sich keine Worte finden lassen. Mitunter vergisst du, dass es Kunst ist. Verlierst den Zusammenhang zwischen Kunst und Realität, bist total von der inneren Kraft des Films vereinnahmt. (...) Das ist ein heroischer Film. Wie kann es auch anders sein! Wenn die Wirklichkeit, die die Kunst hervorbringt, heroisch ist, kann dann etwa die Kunst kleinlich bleiben?“ (Wsewolod Iwanow, Iswestija, 8.8.1946).

23.02.2007 um 21.00 Uhr, am 27.02.2007 um 20.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Detroit Workers News Special 1932: The Ford Massacre
USA 1932, P: Film and Photo League, stumm
Workers Newsreel Unemployment Special 1931
USA 1931, P: Film and Photo League, stumm
Hunger 1932
USA 1932, P: Film and Photo League, stumm
Pie in the Sky
USA 1935, P: Nykino, OF, 22’
Millions of Us - A Story of Today
USA 1934, R: Jack Smith, Slavko Vorkapich, Tina Taylor, OF, 15’

Die Weltwirtschaftskrise mit ihren katastrophalen Folgen für große Teile der Gesellschaft bewirkte in den USA das Erstarken einer radikalen Dokumentarfilm-Bewegung. Besonders aktiv war die Film and Photo League, die von der Kommunistischen Internationale gefördert wurde. Sie wollte ein Gegengewicht zum Eskapismus der Hollywoodfilme und zu den Wochenschaubildern der Studios bieten. Mit kleinen, mobilen Handkameras wurden Protestaktionen von Arbeitern, Streiks, Demonstrationszüge und gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei gefilmt. The Ford Massacre zeigt eine Massenversammlung in den Ford-Automobilwerken im Februar 1932, bei der das brutale Eingreifen der Polizei mehrere Todesopfer forderte und die weitere Demonstrationen nach sich zog. Das Workers Newsreel Unemployment Special und Hunger 1932 dokumentieren Massendemonstrationen gegen Hunger, Arbeitslosigkeit und falsche Versprechungen. Die Kamera nimmt dabei nicht die Perspektive von unbeteiligten Beobachtern ein, sondern die der Demonstranten.
Vom Hunger erzählt auch der halb dokumentarische, halb inszenierte Film Millions of Us, in dem ein Mann aus Verzweiflung beinahe zum Streikbrecher wird. Die New Yorker Gruppe Nykino, die sich 1934 von der Film and Photo League abgespalten hatte, wollte dagegen ein neues Agit-Prop-Kino schaffen. Mit Pie in the Sky wendet sich Nykino vom reinen Dokumentarismus ab und präsentiert mit Schauspielern des Group Theatre eine Satire über die Lügen von Kirchenvertretern und Politikern.

am 24.02.2007 um 19.00 Uhr, am 02.03.2007 um 21.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Confessions of a Nazi Spy
USA 1939, R: Anatole Litvak, D: Edward G. Robinson, George Sanders, Francis Lederer, OmU, 110’

Mit Confessions of a Nazi Spy beginnt in Hollywood die Produktion einer Reihe von Antinazifilmen, die die Gefahr einer faschistischen Unterwanderung der USA und die Bedrohung von Demokratie und Freiheit beschwören. Confessions of a Nazi Spy kreist um die geheimen Aktivitäten eines nationalsozialistischen Bundes in Amerika, der einen Spionagering aufbaut und militärische Informationen nach Deutschland übermittelt. Erst dem F.B.I.-Agenten Ed Renard (Edward G. Robinson) gelingt es, das Netzwerk zu sprengen und die Verschwörer vor Gericht zu bringen. Vor dem Hintergrund des Krieges stellt der Staatsanwalt am Ende fest: „Amerika ist nicht nur eine der verbleibenden Demokratien. Amerika ist Demokratie!“
Der Film präsentiert ein klischeehaftes Bild der Deutschen und trägt seine didaktische Botschaft dick auf. Dennoch stellt es ein kühnes Anliegen dar, in einem Thriller Stellung zur gegenwärtigen Weltpolitik zu nehmen. Die Kriegsvorbereitungen der deutschen Armee und ihren Einmarsch in die Nachbarländer illustriert der Regisseur Litvak mit Hilfe von einmontiertem Wochenschaumaterial. Für den großen Erfolg des Films an der Kinokasse sorgt auch sein starkes Schauspielerensemble. Das Warner-Studio macht mit Confessions of a Nazi Spy einen Schritt, dem die anderen großen Studios folgen. Danach packt Hollywood politische Stoffe an und gibt den bisherigen, wirtschaftlich begründeten Isolationismus auf.

am 24.02.2007 um 21.00 Uhr, am 28.02.2007 um 20.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Triumph des Willens
D 1935, R: Leni Riefenstahl, K: Sepp Allgeier, Karl Attenberger, Walter Frentz, Franz Weihmayr u.a., M: Herbert Windt, 114’

Triumph des Willens gleicht einer meisterhaft choreographierten Liebesgeschichte zwischen Hitler und den Massen seiner Gefolgsleute. Eine Huldigung und eine Selbstverpflichtung getreu der Parole „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“. Den Nürnberger Parteitag der NSDAP im September 1934 inszeniert Riefenstahls Dokumentarfilm mit einem beispiellosen Aufwand an Planung, Technik und ästhetischem Ausdruck. Die Anzahl der Kameraperspektiven und die schiere Menge des Filmmaterials ermöglichten es der Regisseurin, im Schneideraum ein Werk von damals einzigartiger Wirkung zu schaffen. Die kunstvolle, virtuos zwischen hoher Dynamik und getragenem Pathos wechselnde Montage harmoniert mit dem Rhythmus der sinfonischen Begleitmusik. Es entsteht ein von mythischer Aura umgebenes, völkisches Gemeinschaftserlebnis.
Triumph des Willens erhielt höchste Auszeichnungen in Deutschland, bei den Filmfestspielen in Venedig und bei der Pariser Weltausstellung 1937. „Riefenstahls Leistung bestand darin, im dokumentarischen Film mit den Mitteln des Spielfilms und dessen Formensprache zu arbeiten. Insofern ist die Rede von der ‚Hauptrolle’ Hitlers durchaus gerechtfertigt – auch mit der Konsequenz, dass Riefenstahl Hitlers Regisseurin war, also über ihn verfügte. Denn sie definierte sein Bild, die wirkungsbewussten Posen bildeten das Material, mit dem der Film hantierte. Grundlegende Voraussetzung für Riefenstahls besonderen‚ dokumentarischen Stil war die Emanzipation von den für Dokumentarfilme üblichen Beschränkungen.“ (Rainer Rother: Leni Riefenstahl, 2000)

Einführung: Rainer Rother
am 03.03.2007 um 18.30 Uhr, am 07.03.2007 um 20.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
The Great Dictator
Der große Diktator

USA 1940, R/B: Charlie Chaplin, D: C. Chaplin, Paulette Goddard, Jack Oakie, OmU, 126’

Von allen amerikanischen Antinazifilmen ist The Great Dictator der populärste und gewagteste Film. In einer Doppelrolle spielt Charlie Chaplin den nach Hitlers Vorbild gestalteten antisemitischen Diktator Hynkel und einen namenlosen jüdischen Friseur, der von Hynkels Schlägertruppen verfolgt wird. Während der ebenso cholerische wie selbstverliebte Diktator Hass und Zerstörung predigt und nach Weltherrschaft strebt, muss der Friseur um sein Überleben kämpfen. Am Ende kommt es zur Verwechslung der beiden Protagonisten. In einer bewegenden Ansprache an das Volk appelliert nun der jüdische Friseur, der für Hynkel gehalten wird, an die Werte der Nächstenliebe, der Freiheit und des Friedens. Der Komiker Chaplin, der sich als Tramp immer der kleinen Leute und der Unterdrückten angenommen hatte, tritt am Ende des Films heraus aus seiner Filmrolle und spricht als Humanist und Feind des Totalitarismus zum Publikum.

am 03.03.2007 um 21.00 Uhr, am 06.03.2007 um 20.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Spanien
SU 1939, R: Esfir Schub, DF, 85’

Zahlreiche linksstehende Regisseure wandten sich nach dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs dem Dokumentarfilm zu und versuchten so, die republikanische Seite zu unterstützen. Sie kamen aus Spanien, Frankreich, Großbritannien, den USA und der Sowjetunion. Material der russischen Kameramänner Roman Karmen und Boris Makassejew benutzt der abendfüllende Dokumentarfilm Ispanija; es wird durch Bilder aus spanischen Wochenschauen ergänzt. Esfir Schub, die herausragende Regisseurin im Bereich des Kompilationsfilms, montierte diese Aufnahmen nach einem Drehbuch von Wsewolod Wischnewski, der auch den Kommentar verfasste. Wichtig für die emotionale Wirkung ist die Musik von Gawril Popow, die volkstümliche Motive und Lieder aufgreift. Erst nach Francos Sieg konnte die Dokumentation fertiggestellt werden. „Für den Film ist der lakonische, sparsame Text charakteristisch. (...) Es gab weder Sprecher-Pathos noch Phrasendrescherei. Dem Zuschauer wurde volles Vertrauen entgegengebracht. Es gab den leidenschaftlichen Wunsch des Autors, den Zuschauer alles erkennen, merken und in seinem Gedächtnis und seinem Herzen all das, was sich auf der Leinwand abspielte, einnisten zu lassen.“ (Esfir Schub: In Großaufnahme, 1959).

am 04.03.2007 um 19.00 Uhr, am 10.03.2007 um 21.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
The Foreman Went to France
GB 1942, R: Charles Frend, D: Clifford Evans, Tommy Trinder, Constance Cummings, OF, 87’

Mit den Filmen des Ealing-Studios setzt sich in England ab 1942 eine Form des fiktionalen Kriegsfilms durch, dessen realistischer Blick auf die Nöte der einfachen Leute wegweisend ist. The Foreman Went to France ist hier das Schlüsselwerk: Nach Kriegsausbruch reist der Vorarbeiter einer britischen Rüstungsfabrik auf eigene Faust nach Frankreich, um dort eine kriegswichtige Maschine vor den Deutschen in Sicherheit zu bringen. Seine gefährliche Mission gelingt dank der Mithilfe selbstloser Soldaten und Zivilisten. Dagegen muss der Held immer wieder Konflikte mit Vertretern des Militärs, der Regierung und der Oberschicht austragen, die seine Initiative behindern. Auch wenn der Film glücklich mit einem Lob der britisch-französischen Solidarität ausklingt, so liefert Charles Frend doch eine eindringliche Schilderung der Kriegsschrecken und des Leids der französischen Bevölkerung beim deutschen Vormarsch. Neben der scharfen Kritik am Klassendenken der Entscheidungsträger steht dabei die Erkenntnis im Zentrum, dass es in diesem Krieg auf die gemeinsamen Anstrengungen von Front und Heimat, von Soldaten und Zivilisten ankommt.

am 04.03.2007 um 21.00 Uhr, am 10.03.2007 um 19.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Why We Fight: Prelude to War / The Nazi Strike / Divide and Conquer
USA 1942-45, P: Frank Capra, OF, 53’/42’/56’

Warum zieht Amerika in den Kampf und gegen wen? Was erwartet die Soldaten in Europa und Asien? Diese Fragen drängten sich auf, nachdem die USA in den Zweiten Weltkrieg eingetreten waren und die amerikanische Armeeführung Zehntausende neue Rekruten für einen Krieg mobilisierte, der fern der Heimat tobte. Der Film erschien als das beste Mittel, die zumeist ahnungslosen Soldaten über den Hintergrund ihres Einsatzes, die Feinde und die Bedrohung von Freiheit, Gleichheit und Sicherheit zu informieren. Vom Chef des Generalstabes George C. Marshall erhielt deshalb Colonel Frank Capra, einer der berühmtesten Hollywoodregisseure, den Auftrag, die Produktion für eine Serie von Dokumentarfilmen zu leiten. Als Mitarbeiter gewann er einige der fähigsten Leute der Branche, darunter den Regisseur Anatole Litvak, den Komponisten Dimitri Tiomkin sowie Walt Disney, der alle Tricksequenzen lieferte. Die Serie setzt auf emotionale Empörung und starke Kontraste: Die Führer der Achsenmächte erscheinen als Gangster, die Deutschen als brutale Automaten, die Japaner als blutrünstige Bestien. Gegen diese Mächte des Bösen beschwört die Serie den Wert der Freiheit und die Hoffnung auf eine bessere Welt. Dabei griff Capra nicht nur auf amerikanisches Filmmaterial zurück. Er bediente sich auch deutscher Filmaufnahmen. Bis Kriegsende erreichte die Serie mehr als 45 Millionen Soldaten und Zivilisten.

Prelude to War / The Nazi Strike am 09.3. und 17.03., jeweils um 19.00 Uhr
Divide and Conquer am 18.03.2007 um 21.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Heimkehr
D 1941, R: Gustav Ucicky, D: Paula Wessely, Peter Petersen, Attila Hörbiger, Carl Raddatz, 95’

Eine nachträgliche Rechtfertigung des deutschen Angriffs auf Polen im Herbst 1939 liefert Heimkehr. Der Film schildert das Schicksal der „Volksdeutschen“ aus Wolhynien, die in Polen für ihre Rechte kämpfen und deshalb unter Hass und Verfolgung leiden. Als sie am Tag des Kriegsbeginns dabei überrascht werden, wie sie einer Radioansprache Hitlers lauschen, kommen sie ins Gefängnis und sollen erschossen werden. Ein Angriff von Stukas treibt die Polen in die Flucht und rettet das Leben der gefangenen Deutschen. In einem Treck ziehen sie „heim ins Reich“.
Themen des Films sind das Elend der deutschen Minderheiten im Ausland und die Sehnsucht nach dem Vaterland. Während die Deutschen als Opfer der polnischen Willkür, ja als Märtyrer erscheinen, prägen rassistische Klischees das Bild der Polen: Sie treten als entfesselte Meute, als bestialische Mörder und Henker auf. Heimkehr erhielt die höchste Auszeichnung „Film der Nation“.

Einführung: Johannes von Moltke
am 09.03.2007 um 21.00 Uhr, am 11.03.2007 um 19.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
The City
USA 1939, R: Ralph Steiner, Willard Van Dyke, M: Aaron Copland, OF, 44’
Halsted Street
USA 1934, P: Film and Photo League of Chicago, OF, 11’

The City kontrastiert die miserablen Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Metropolen mit der Vision kleiner Planstädte, in denen ein Gleichgewicht von Mensch und Natur, Arbeit und Freizeit möglich sein soll. Damit nimmt der Dokumentarfilm, der nach einer Idee von Pare Lorentz im Auftrag des American Institute of Planners produziert wurde, den Zug in die Vorstädte vorweg, der nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzt. Auf humorvolle und lyrische Weise propagiert The City die urbane Erneuerung der USA im Rahmen der Reformpolitik und zeichnet zugleich das Bild einer homogenen Welt der weißen Mittelschicht mit klar definierten Geschlechterrollen. Dabei gebührt der Musik von Aaron Copland ein besonderer Anteil an der Wirkung des von der Presse gefeierten Films.
In der Tradition des unabhängig produzierten, linksgerichteten Dokumentarfilms, der die Regisseure von The City, Ralph Steiner und Willard Van Dyke, entstammten, steht auch Halsted Street. Die Kamera folgt hier einem Fußgänger auf der Halsted Street durch Chicago, die vom ländlichen Süden der Stadt bis zu den Vierteln der Reichen am Lake Michigan führt. Auf diese Weise präsentiert der Film eine soziale Topographie der Metropole.

am 11.03. und 16.03., jeweils um 21.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Das Wort aus Stein
D 1939, R: Kurt Rupli, 19’
Die Bauten Adolf Hitlers
D 1938, R: Walter Hege, 16’
Milizie della Civiltà
I 1940, R: Corrado D'Errico, OF, 16’
Littoria
I 1933, R: Raffaello Matarazzo, OF, 13’
Mussolinia di Sardegna

I 1933, R: Raffaello Matarazzo, OF, 13’

Die öffentliche Wahrnehmung und Selbstinszenierung totalitärer Regime geht auch auf die Lancierung ihrer monumentalen städtebaulichen Projekte zurück. In ihnen nimmt der Aufbruch in eine neue Zeit sichtbare Formen an. Dabei stellt der architektonische und urbanistische Rationalismus den zentralen Orientierungspunkt der italienischen Filme Littoria und Mussolinia di Sardegna dar. Angestrebt wird ein Ausgleich zwischen Natur und Stadt, Landschaft und moderner Technik. Von einem der ehrgeizigsten Bauprojekte, der E42, berichtet Milizie della Civiltà. Der Regisseur Corrado D’Errico, ein Protagonist des italienischen Experimentalfilms, beschreibt darin den Tagesablauf der Arbeiter. Walter Ruttmanns Berlin. Die Sinfonie der Großstadt ist als Vorbild deutlich erkennbar.
Während diese Filme vor allem mit Außenaufnahmen operieren, veranschaulicht Das Wort aus Stein die Pläne für eine nationalsozialistische Bautätigkeit am Beispiel von Modellen. Straßenzüge und Gebäude in Berlin und München werden mit Hilfe einer aufwendigen Tricktechnik so plastisch präsentiert, dass die Illusion entsteht, die Planungen seien bereits umgesetzt. Der Kulturfilm Die Bauten Adolf Hitlers liefert dagegen einen Überblick über bereits realisierte Bauprojekte im Dritten Reich.

Mit freundlicher Unterstützung von Cineteca Nazionale, Rom
Einführung: Bernhard Groß
am 13.03.2007 um 20.00 Uhr, am 17.03.2007 um 21.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Hitlerjunge Quex
D 1933, R: Hans Steinhoff, D: Heinrich George, Berta Drews, Claus Clausen, 95’

Der Märtyrertod eines Hitlerjungen im Jahr 1932 und die Bekehrung seines Vaters vom Kommunisten zum Nationalsozialisten sind die Themen von Hitlerjunge Quex. Vor dem Hintergrund von Wirtschaftskrise und Straßenkämpfen muss sich der junge Lehrling Heini Völker in einem Berliner Arbeiterbezirk zwischen der Mitgliedschaft in der lässig geführten Kommunistischen Jugend-Internationale und der straff organisierten, vom Geist der Kameradschaft getragenen Hitlerjugend entscheiden. Gegen den Willen des Vaters bekennt sich Heini zu den Idealen des Nationalsozialismus und wird als Abtrünniger von einem kommunistischen Rollkommando ermordet. Erst jetzt erkennt der Vater seinen Fehler.
Der Regisseur Hans Steinhoff erzählt die Geschichte spannend und effektvoll, wobei er neben den Symbolen des Dritten Reichs auch die Formeln des proletarischen Films geschickt aufgreift. Er untermauert so das Angebot des politischen Übergangs auch ästhetisch. „Zwar verbot Goebbels alte linke Filme im Kino, kam aber ohne deren Tradition nicht aus. Steinhoffs Film beginnt in der Machart eines sowjetischen Montagefilms und endet mit der Verherrlichung des Opfertodes: Völkers Leichnam von Fahnen und Sinfonik zugedeckt. Das Schlußbild ist kein Bild, es ist eine Summe aus Überblendungen vieler Bilder. Die Masse des entfesselten Materials marschiert, um an alle Sinne des Publikums zu appellieren.“ (Karsten Witte: Film im Nationalsozialismus, in: Geschichte des deutschen Films, 1993).

Einführung: Philipp Stiasny
am 18.03.2007 um 19.00 Uhr, am 21.03.2007 um 20.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Undergangens Arkitektur
Architektur des Untergangs

S 1989, R/B: Peter Cohen, Sprecher: Bruno Ganz, DF, 119’

Das Verhältnis von Ästhetik und Politik, von Schönheit und Zerstörung, Rassismus und Ausrottung sind die Themen von Architektur des Untergangs. Mit Bezug auf bislang unbekanntes dokumentarisches Filmmaterial untersucht der Schwede Peter Cohen die Aufgaben der nationalsozialistischen Propaganda, die Idee der Politik als Kunstwerk, den Zusammenhang zwischen Euthanasie und Rassenpflege, zwischen der Ermordung der Juden und der Ausstellung „Entartete Kunst“. Den Kult der Schönheit und Reinheit rückt Cohen in eine Perspektive mit den Bemühungen, brutales und rücksichtsloses Handeln als vorbildhaft auszugeben. Vermittelt werden sollte die Botschaft, dass Grausamkeit notwendig sei, um Schönheit zu erreichen. „Der Sehnsucht nach Klarheit und Größe in der verworrenen Welt des kleinen Mannes trägt die Nazi-Kunst Rechnung. Cohen weiß um dieses Faktum, gibt aber dem Zuschauer nicht die Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit. (...) Cohen hat die Wahl der Form getroffen, damit verbunden ist eine Einschätzung des Publikums. Und die ist nicht unbedingt ermutigend – aber wahrscheinlich auch nicht gänzlich abseits der Realität. So ist der Film nicht nur ein interessantes Dokument über sein Thema, sondern auch über den Bewußtseinszustand seiner Entstehungszeit und ihrer Menschen.“ (Olaf Möller, Film-Dienst, 20.8.1991).

am 20.03.2007 um 20.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
The Plow that Broke the Plains
USA 1936, R: Pare Lorentz, OF, 25’
The River
USA 1937, R: Pare Lorentz, OF, 32’
Power and the Land
USA 1940, R: Joris Ivens, OF, 38’

Um ihre New Deal-Politik zu propagieren, machte die Roosevelt-Administration auch vom Film Gebrauch. Den größten Einfluss hatte dabei die Gruppe um den ehemaligen Filmkritiker und Hollywood-Gegner Pare Lorentz. Die behördlich geförderten Dokumentarfilme von Lorentz verbinden die Liebe zum ländlichen Amerika mit der eindringlichen Warnung vor der Zerstörung der Natur und der Verelendung großer Gebiete. The Plow that Broke the Plains beschreibt die Siedlungsgeschichte der Great Plains im Mittleren Westen, wo durch die Umstellung auf den Getreideanbau immer mehr Land unter den Pflug kommt. Es folgen die Versteppung und der Massenexodus von Farmern in den Westen. The River präsentiert eine Chronik des Mississippi und der Überschwemmungskatastrophen, die durch die Abholzung von Wäldern bewirkt werden. In beiden Filmen versprechen die Maßnahmen der Regierung die Lösung der Probleme.
Was diese Filme berühmt gemacht hat, ist die wunderbare Einheit der Bilder, des lyrischen Textes und der Musik von Virgil Thomson. Die Kritiker und das Kinopublikum waren begeistert, und als erster amerikanischer Film gewann The River 1938 den Hauptpreis des Filmfestivals in Venedig. Im gleichen Jahr wurde Lorentz der Leiter des neu gegründeten US Film Service. Joris Ivens drehte für diese Regierungsbehörde Power and the Land, einen Film über die staatlich unterstützte Modernisierung der Stromversorgung auf dem Land.

am 23.03.2007 um 19.00 Uhr, am 25.03.2007 um 21.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Der gewöhnliche Faschismus
SU 1965, R: Michail Romm, DF, 120’

In seiner essayistisch angelegten Analyse des deutschen Faschismus geht Michail Romm der Frage nach, warum der einfache deutsche Soldat Hitler in den Krieg folgte. Virtuos kombiniert Romm in einem Klassiker des analytisch-didaktischen Dokumentarfilms vorher weitgehend unbekanntes dokumentarisches Filmmaterial mit einem sehr persönlichen, im Original von ihm selbst gesprochenen Kommentar. Im Bestreben, das Unbegreifliche begreiflich zu machen, seziert der Film das Wesen der Gemeinschaftsideologie, ihre Eigenschaft als Ersatzreligion und die Erziehung im Nationalsozialismus. Er verfolgt den Werdegang der Jugendlichen von der Hitlerjugend in die Armee und in den Krieg, wo sich Soldaten lachend neben erhängten Gegnern fotografieren lassen.
Trotz seiner eindeutigen Aussage stieß der Film bei den sowjetischen Behörden auf Vorbehalte, weil er nicht nur als Auseinandersetzung mit dem Faschismus, sondern auch mit totalitärer Macht im Allgemeinen begriffen werden konnte. „Der gewöhnliche Faschismus hat nichts von einer offiziellen Verlautbarung wie so viele Dokumentarfilme aus sozialistischen Ländern. Romm spricht jeden Zuschauer als einzelnen an. So ist Der gewöhnliche Faschismus eine Art filmischer Brief, er vertraut der Vernunft und der Empfindungsfähigkeit des Individuums. Das besagt schon viel über diesen Film, das ist nicht nur seine Methode, sondern sein Programm: Dem Faschismus wirft er ja gerade vor, daß er den Menschen nicht als Individuum verstehe, sondern als einen manipulierbaren Teil einer Masse.“ (Wilhelm Roth, Süddeutsche Zeitung, 21.7.1970).

am 23.03.2007 um 21.00 Uhr, am 27.03.2007 um 20.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Britain Can Take It
GB 1940, R: Humphrey Jennings, OF, 10’
Listen to Britain
GB 1942, R: Humphrey Jennings, OF, 20’
Diary for Timothy
GB 1946, R: Humphrey Jennings, OF, 40’

Mit dem Namen Humphrey Jennings verbindet sich eine der kreativsten Phasen des britischen Dokumentarfilmschaffens. Während des Krieges dreht der ehemalige Fotograf, Literaturkritiker, Maler und Dichter eine Reihe von Reportagen und Dokumentationen, die sich durch eine poetische Balance zwischen experimenteller Montage und gesprochenem Kommentar auszeichnen. Zugleich sind sie Ausdruck eines ebenso ungetrübten wie sympathischen Blicks auf das tägliche Leben der einfachen Leute, ihrer Verletzlichkeit und ihres entschlossenen Widerstandswillens.
Listen to Britain handelt von der Wehrhaftigkeit der Briten und dem Zusammenhalt von Soldaten und Zivilisten und Britain Can Take It von den deutschen Luftangriffen auf London und dem gemeinsamen Bemühen, die Zerstörungen zu beseitigen. In Form eines Tagesbuches, das das erste Lebensjahr eines Kindes dokumentiert, sieht Jennings schließlich in Diary for Timothy auf das letzte Jahr des Krieges zurück. „Es scheint, als hätte Jennings den Krieg nötig gehabt, um sein Talent entfalten zu können. Indessen war er weit davon entfernt, den Krieg zu verklären: die einfachen Feuerwehrleute und Tommys in seinen Filmen zwang er zur Verteidigung der eigenen Lebensart. Sie sind alle keine Kämpfernaturen. Jennings verlangte ihnen nie eine heroische Geste ab, vielmehr spürte er in ganz beiläufigen spontanen Äußerungen die Eigenschaften auf, die die Gefahr bei ihnen zum Vorschein gebracht hatte: den Sinn für Solidarität und die Selbstverständlichkeit, mit der einmal für richtig erkannte Dinge getan werden müssen.“ (Ulrich Gregor / Enno Patalas: Geschichte des Films, 1962).

Mit freundlicher Unterstützung von Film Images, London
am 24.03.2007 um 19.00 Uhr, am 30.03.2007 um 21.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
The Autobiography of a „Jeep“
USA 1943, R: Joseph Krumgold, Irving Lerner, OF, 10’
The Town
USA 1944, R: Joseph von Sternberg, OF, 13’
The Negro Soldier
USA 1944, R: Stuart Heisler, OF, 41’
The Cummington Story
USA 1945, R: Helen Grayson, Larry Madison, M: Aaron Copland, OF, 22’

Auch berühmte Hollywood-Regisseure wurden vom U.S. Office of War Information für Propagandafilme verpflichtet, wie The Town von Joseph von Sternberg verdeutlicht. Am Beispiel der Stadt Madison schildert der Film, wie europäische Einwanderer durch die Pflege ihres kulturellen Erbes die Gesellschaft bereichern und wie sie den demokratischen Institutionen begegnen. Die gleiche Behörde produzierte auch The Autobiography of a „Jeep“ und The Cummington Story. Der erste Film beschreibt aus der Perspektive eines Jeeps dessen unermüdlichen Einsatz im Krieg und preist das Fahrzeug als verlässlichen Kameraden der Soldaten. The Cummington Story handelt von der Integration einer Familie, die wegen des Krieges nach Amerika geflüchtet ist. Der Film diente dazu, in Übersee für amerikanisches Demokratieverständnis zu werben.
Unter den von Frank Capra für das Kriegsministerium produzierten Filmen ragt The Negro Soldier heraus. In den Blick gerückt werden der Beitrag von Schwarzen in der Geschichte Amerikas und ihr aufopferungsvoller Einsatz als Soldaten im Weltkrieg. Vor dem Hintergrund von rassistischem Denken in Teilen der Armee wendet sich The Negro Soldier an ein weißes wie an ein schwarzes Publikum, das aufgeklärt und ermutigt werden soll. Dabei zeichnet der Film, dessen Besuch für alle amerikanischen Soldaten verpflichtend war, ein geschöntes Bild der Probleme. Gleichwohl wurde sein Anliegen, Vorurteile abzubauen, auch von schwarzen Kritikern begrüßt.

am 24.03.2007 um 21.00 Uhr, am 30.03.2007 um 19.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
La vie est à nous
Das Leben gehört uns

F 1936, R: Jean Renoir, D: Jean Dasté, Jacques Brunius, Simone Guesin, Max Dalban, OmU, 62’

La vie est à nous markiert einen Höhepunkt in der Geschichte des kommunistischen Films. Entstanden als Wahlwerbung für die Kommunistische Partei Frankreichs zeichnet sich diese kollektive Filmproduktion unter der Leitung von Jean Renoir durch die Kombination inszenierter Szenen mit dokumentarischem Material und durch die Hoffnung auf die Volksfront aus. Drei Episoden stehen im Zentrum: Die erste handelt von einem alten Fabrikarbeiter, dem die Entlassung droht, die zweite vom Konflikt zwischen einem kommunistischen Genossen und einem Bauern und die dritte von einem jungen Arbeitslosen. Die unmissverständliche Botschaft lautet, dass Freundschaft, Hilfe und Hoffnung in der aktuellen Krise nicht von der faschistischen Bewegung „Croix de Feu“ zu erwarten sind, sondern nur von den Kommunisten. Den Schluss bildet die Beschwörung der revolutionären Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Trotz seiner Parteilichkeit ließen der unverbrauchte Blick und der Charme von La vie est à nous auch politisch anders denkende Kritiker jubeln. Eine Ironie besteht allerdings darin, dass die neu gewählte Koalition der Volksfront die öffentliche Vorführung des Films untersagte, weil die Kommunisten mittlerweile auf Konfrontationskurs zur Regierung gegangen waren.

Mit freundlicher Unterstützung der Ciné-Archives
am 25.03. und 31.03., jeweils um 19.00 Uhr

 

 

 

Film und Propaganda
Berlin
SU 1945, R: Juli Raisman, OmU, 65’

Der Dokumentarfilm Berlin, der sechs Wochen nach Kriegsende in Moskau Premiere hatte, zeigt die Schlacht um die deutsche Hauptstadt im Frühjahr 1945 und ihre Eroberung durch die Rote Armee. Aus 30 Kilometern Film, fotografiert von 38 sowjetischen Kameraleuten, und 20 Kilometern Film aus deutschen Wochenschauen montiert der Regisseur Juli Raisman ein Werk von epischer Wirkung. Es schlägt einen weiten Bogen von den Schlachtvorbereitungen über das Bombardement aus der Luft hin zum mühsamen Vorstoß der Truppen, dem erbitterten Kampf und schließlich der Kapitulation von General Keitel. Zunächst beschreibt der Film die Ruhe vor dem Sturm: Die Geschütze werden aufgebaut, und die Soldaten reinigen ihre Waffen. Dann aber, nach dem Beginn der Schlacht, wird der Betrachter überwältigt durch schnell geschnittene Sequenzen und hineingezogen in den Sog der Entwicklungen. „Es erübrigt sich, über den historischen Wert dieses hervorragenden Films zu urteilen. Er ist jedem klar. (...) Der Bericht von den großen historischen Ereignissen hat seine Vollendung in der klaren Filmkomposition, in der ausdrucksvollen, beredten Montage und den farbigen Abschnitten der wichtigsten Ereignisse gefunden.“ (Prawda, 27.6.1945).

am 28.03.2007 um 20.00 Uhr, am 31.03.2007 um 21.00 Uhr

 

 

 

 

 
 
Filmarchiv