Logo und Schriftzug des Deutschen Historischen Museums und eine Ansicht der neuen Ausstellungshalle von I.M.Pei neben dem Zeughaus
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Kino im Zeughaus | Programm | Programmarchiv

 


    FILMLAND ARGENTINIEN

 

FILMLAND ARGENTINIEN

Nur wenige lateinamerikanische Filmkulturen sind auf den internationalen Festivals und in den deutschen Kinos so präsent wie das „Nuevo Cine Argentino“, das neue argentinische Kino, das sich im Aufbruch befindet. Die Reihe FILMLAND ARGENTINIEN erinnert an die Filmgeschichte Argentiniens seit Mitte der 1970er Jahre. Sie präsentiert außergewöhnliche Spiel- und Dokumentarfilme, die in bisweilen rasch sich verändernden politischen und ökonomischen Verhältnissen entstanden sind und die sich einerseits mit der Geschichte Argentiniens, etwa der Zeit des Peronismus, auseinandersetzen und die andererseits von den Schwierigkeiten erzählen, denen Frauen in einer mitunter konservativen Gesellschaft ausgesetzt sind. Wir danken der Botschaft der Republik Argentinien, dem Organisationskomitee für die Teilnahme Argentiniens an der Frankfurter Buchmesse 2010 (Außenministerium der Republik Argentinien) und dem Nationalinstitut für Film und Audiovisuelle Medien für die wertvolle Zusammenarbeit und die freundliche Unterstützung.

 

FILMLAND ARGENTINIEN
La Patagonia rebelde
Rebellion in Patagonia

RA 1974, R: Héctor Olivera, D: Héctor Alterio, Luis Brandoni, Federico Luppi, Pepe Soriano, Pedro Aleandro, 103’ 35 mm, OmeU

1923: In Buenos Aires wird ein Offizier auf offener Straße erschossen. Die Filmhandlung springt drei Jahre zurück. Auf den britischen Schaffarmen in Patagonien haben anarchistische und sozialistische Gruppen einen Streik ausgerufen, sie kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen. Coronel Zavala soll den Aufstand niederschlagen. Aber er ergreift für die Streikenden Partei und erwirkt ein Abkommen zwischen den Arbeitern und Gutsbesitzern. Die Gutsbesitzer sehen diesen Kompromiss als Niederlage und halten sich nicht an die geschlossenen Verträge. Ein erneuter Aufstand der Arbeiter wird vom Militär auf Befehl von Zavala blutig niedergeschlagen, der sich endgültig auf die Seite der Mächtigen stellt. Osvaldo Bayer, ein argentinischer Historiker deutscher Abstammung, dokumentierte die Ereignisse in vier Bänden und verfasste gemeinsam mit Regisseur Héctor Olivera das Drehbuch. 1974 erhielt La Patagonia rebelde in Berlin den „Silbernen Bären". Néstor Kirchner, Argentiniens ehemaliger Staatspräsident und Ehemann der jetzigen Präsidentin, wirkte in La Patagonia rebelde als Komparse mit.
Einführung am 18.5.: Wolfgang Martin Hamdorf

am 18.5.2010 um 20.00 Uhr
am 21.5.2010 um 21.00 Uhr

 

 

FILMLAND ARGENTINIEN
Asesinato en el senado de la Nación
Murder in the Senate

RA 1984, R: Juan José Jusid, D: José Soriano, Miguel Ángel Solá, Oscar Martínez, Alberto Segado, Marta Bianchi, 95’ 35 mm, OmeU

Asesinato en el senado de la Nación ist ein historischer Politthriller über das Attentat auf den regierungskritischen Abgeordneten Lisandro de la Torre und zugleich eine Parabel auf politische Macht und Gewalt. Er führt in die bewegten Jahre der Präsidentschaft von Agustín Pedro Justo (1932 – 1938), die durch Wahlbetrug, politische Unterdrückung und Korruption gekennzeichnet waren. Nachdem der Abgeordnete Lisandro de la Torre eine Untersuchung gegen die Korruption zweier Minister im Zusammenhang mit dem Export argentinischen Rindfleischs begonnen hat, wird während einer Plenarsitzung ein Mordanschlag auf den streitbaren Linksdemokraten verübt. Ein unbeteiligter Abgeordneter kommt dabei ums Leben. Parallel zur historischen Figur Lisandro de la Torre erzählt der Film die Entwicklung des rechtskonservativen Attentäters Ramón Valdez Cora, eines Leibwächters des Ministers und ehemaligen Polizisten, der wegen Korruption aus dem Dienst entlassen worden war.

am 19.5.2010 um 20.00 Uhr
am 22.5.2010 um 19.00 Uhr

 

 

FILMLAND ARGENTINIEN
Quebracho
RA 1974, R: Ricardo Wullicher, D: Héctor Alterio, Lautaro Murúa, Juan Carlos Gené, Osvaldo Bonnet, Cipe Lincovsky, Luis Medina Castro, 95’ 35 mm, OmeU

Quebracho ist ein hartes, teures Holz. Der gleichnamige Film erzählt die Geschichte der britischen Holzverarbeitungsfirma „La Forestal“, die von 1900 bis 1963 in Argentinien das weltweit begehrte Holz und den darin enthaltenen Gerbstoff Tannin abbaute. Im Zentrum der Erzählung stehen die Holzfäller, die von den englischen Unternehmern gnadenlos ausgebeutet wurden und in sklavenähnlichen Verhältnissen lebten. Die Provinz- und Zentralregierung war auf Seiten der Unternehmer, die örtliche Polizei sowie paramilitärische Betriebstruppen schüchterten die Arbeiter ein und unterdrückten sie. Die weltweiten Veränderungen in Folge des Ersten Weltkriegs und der Sieg der Kommunisten in Russland führten auch in Argentinien zu einer Stärkung der Arbeiterbewegung. In dieser Zeit kommen die Gewerkschaftsführer noch aus der Arbeiterschaft selbst. Später, in den 1940er Jahren, bildet sich ein neuer Typus heraus, der Parteifunktionär, der im Schatten der Arbeiterbewegung seine eigenen politischen Interessen durchsetzt. Quebracho ist ein Film über die brutale Ausbeutung des Menschen und der Natur sowie über die Evolution des politischen Kampfes.

am 21.5.2010 um 19.00 Uhr
am 23.5.2010 um 21.00 Uhr

 

 

FILMLAND ARGENTINIEN
Camila
RA/E 1984, R: María Luisa Bemberg, D: Susú Pecoraro, Imanol Arias, Héctor Alterio, Elena Tasisto, 107’ 35 mm, OmeU

In Camila erzählt María Luisa Bemberg von einer jungen Frau, die um ihre Selbstverwirklichung kämpft. Der Film beruht auf einer historischen Episode: der leidenschaftlichen Liebe zwischen der Bürgerstochter Camila O'Gorman (Susú Pecoraro) und dem jungen Jesuiten Ladislao Gutiérrez (Imanol Arias) während der Diktatur Juan Manuel de Rosas’, der von 1829 bis 1852 regierte und der für seine Härte und Intoleranz bekannt war. Die unerlaubte Liebe fällt in eine Zeit der politischen und moralischen Unterdrückung, so dass den Liebenden nur der Ausweg in die Flucht bleibt. Im Norden des Landes leben sie als Lehrer unbehelligt unter falschem Namen, bis sie von einem Priester aus Buenos Aires entdeckt werden. Camila und Ladislao werden verhaftet und zum Tode verurteilt. Das Urteil wird vollstreckt, obwohl die Geschichte der beiden Liebenden inzwischen weit über das Land hinaus bekannt ist.

am 22.5.2010 um 21.00 Uhr
am 23.5.2010 um 18.30 Uhr

 

 

FILMLAND ARGENTINIEN
Gatica, el Mono
RA 1993, R: Leonardo Favio, D: Edgardo Nieva, Horacio Taicher, Juan Costa, Kika Child, 136´ 35 mm, OmeU

Gatica, el Mono erzählt vom Leben des argentinischen Boxer-Idols José María Gatica, genannt Gatica el mono (Gatica, der Affe), dem populärsten argentinischen Boxer der 1940er Jahre. Der Erzählbogen spannt sich von dessen Kindheit in Buenos Aires über seine großen Erfolge bis zu seinem Niedergang und tragischen Tod 1963. Es ist die Geschichte eines ausgehungerten Jungen aus den Slums der Großstadt und seines Aufstiegs in den 1940er Jahren, als auch General Perón seine Erfolge feiert. In einer Szene steigt der General selbst in den Ring, um den siegreichen Boxer zu beglückwünschen. Mit dem Sturz des Peronismus beginnt auch der soziale Abstieg des einstigen Idols. Am Ende tritt er nur noch in grotesken Schaukämpfen auf Jahrmärkten auf. Er ist wieder im Elend seiner Kindheit angekommen.

am 25.5.2010 um 20.00 Uhr
am 30.5.2010 um 18.00 Uhr

 

 

FILMLAND ARGENTINIEN
Gerónima
RA 1986, R: Raúl Alberto Tosso, D: Luisa Calcumil, Patricio Contreras, Mario Luciano, 96’ 35 mm, OmeU

Das ergreifende Drama Gerónima basiert auf dem gleichnamigen Buch des Arztes Jorge Pellegrini und erzählt von einem tragischen Zusammenstoß der Kulturen, von einer Frau aus dem Volk der Mapuches, die sich nicht assimilieren will. Die Geschichte führt in das Jahr 1976. Gerónima lebt mit ihren vier Kindern in sehr armen Verhältnissen und ohne ärztliche Versorgung an einem abgeschiedenen Ort in der Provinz Río Negro. Eines Tages weist die Polizei die ganze Familie ins Krankenhaus ein, mit der Begründung, sie lebe unter menschenunwürdigen Bedingungen. Gerónima wird von ihren Kindern getrennt und verzweifelt: „Ich will nicht, dass sie mir eine Hand reichen, ich will nur, dass sie ihre Hände von mir lassen“. Die Ärzte lassen die Familie wieder in ihr ursprüngliches Lebensumfeld zurückkehren. Aber schon wenig später müssen Gerónima und ihre vier Kinder wieder ins Krankenhaus. Drei der Kinder sterben an einer Infektion, die sie sich beim vorherigen Krankenhausbesuch zugezogen haben. Gerónima verliert den Verstand.

am 26.5.2010 um 20.00 Uhr
am 29.5.2010 um 19.00 Uhr

 

 

FILMLAND ARGENTINIEN
Evita, quien quiera oír que oiga
RA 1984, R: Eduardo Mignogna, D: Flavia Palmiero, 90’ 35 mm, OmeU

Eine blutjunge Eva Duarte verlässt ihre Heimatstadt und macht sich mit dem Zug nach Buenos Aires auf. Dort findet sie ihr Glück: sie wird als Gattin von General Perón die mächtigste Frau im Land, gleichermaßen populär bei den Rechten und Linken. Regisseur Eduardo Mignogna erzählt in seinem Dokumentarfilm die widersprüchliche Geschichte dieser Ikone des Peronismus. Er arbeitet mit fiktiven und dokumentarischen Rückblenden und verbindet Spielszenen mit Flavia Palmiero als Eva Perón mit Archivmaterialien der 1940er und 1950er Jahre sowie mit Aussagen von Personen, die Evita Perón noch gekannt haben. Dabei kommen ganz unterschiedliche Facetten der sicherlich einflussreichsten Frau der argentinischen Politik zu Tage, die wie keine andere abgrundtief gehasst oder abgöttisch geliebt wurde. Evita, quien quiera oír que oiga ist in stilistischer Hinsicht einer der ungewöhnlichsten Filme des argentinischen Erfolgsregisseurs Eduardo Mignogna.

am 28.5.2010 um 19.00 Uhr
am 30.5.2010 um 21.00 Uhr

 

 

FILMLAND ARGENTINIEN
Yo, la peor de todas
I, the Worst of All

RA 1990, R: María Luisa Bemberg, D: Assumpta Serna, Dominique Sanda, Héctor Alterio, Lautaro Murúa, Graciela Arauio, 100’ 35 mm, OmeU

Über Jahrzehnte hinweg war die Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin María Luisa Bemberg (14.4.1922 – 7.5.1995) die einzige argentinische Filmemacherin. In Yo, la peor de todas erzählt sie aus feministischer Perspektive die Geschichte von Sor Juana Inés de la Cruz, einer der bedeutendsten spanischsprachigen Dichterinnen des 16. Jahrhunderts. Der Film führt nach Mexiko, ins spanische Kolonialreich zur Zeit der Gegenreformation, der härtesten kirchlichen Orthodoxie. Die Nonne Juana Inés kämpft gegen verkrustete patriarchalische und klerikale Strukturen. Am Anfang steht sie noch unter dem Schutz der Vizekönige, aber nach deren Fortgang wird sie zum Spielball der Intrigen im bischöflichen Palast. In der Hauptrolle ist die spanische Schauspielerin Assumpta Serna zu sehen, neben ihr als Vizekönig und Vizekönigin Héctor Alterio und Dominique Sanda, bekannt aus Il conformista und  Novecento.

am 28.5.2010 um 21.00 Uhr

 

 

FILMLAND ARGENTINIEN
1973, un grito de corazón
RA 2008, R: Liliana Mazure, 106´ 35 mm, OmeU

Die heutige Präsidentin des argentinischen Filminstituts Liliana Mazure erzählt in ihrem Dokumentarfilm 1973, un grito de corazón die Geschichte des revolutionären Peronismus und der Montoneros. Es ist ein Erzählbogen, der über vierzig Jahre an argentinischer Zeitgeschichte zwischen den 1930er und 1970er Jahren umfasst. Es erinnern sich ehemalige Kämpfer des peronistischen Widerstandes, Gewerkschaftler der alten Schule und junge Marxisten, katholische Nationalisten, Schüler und Studenten, jugendliche Abenteurer, Mönche und Nonnen, Offiziere und Soldaten der Streitkräfte, Intellektuelle und linke Nationalisten, Musiker, Dichter, Christdemokraten und Anarchisten. Die Zeitzeugen wechseln mit Aufnahmen aus der Gegenwart, Archivbildern und nachgestellten Szenen der Vergangenheit. Liliana Mazure erzählt die Geschichte einer Generation, die von Che Guevara, dem Mai 1968 und dem Algerien-Krieg geprägt wurde.

am 29.5.2010 um 21.00 Uhr

 

 

 
 
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