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  KUNST DES DOKUMENTS – BAUEN UND WOHNEN

 

KUNST DES DOKUMENTS – BAUEN UND WOHNEN

Wenngleich es schwer fällt, dem Thema „Bauen und Wohnen“ eine Gruppe zentraler, wegweisender Dokumentarfilme zuzuweisen, liegt es doch auf der Hand, dass die Visualisierung architektonischer und städtebaulicher Konzepte ein wichtiges Thema der Dokumentarfilmgeschichte ist und ganz unterschiedliche Erzähl- und Gestaltungsformen provoziert hat. Im Deutschland der 1920er und frühen 1930er Jahre entstanden zum Beispiel eine Reihe von Arbeiten, die sich den Prinzipien des „Neuen Bauens“ verpflichtet fühlten. Die Filme kritisieren entweder die schlechten Wohnverhältnisse in den Berliner Mietskasernen aus der Gründerzeit oder sie bewerben explizit diejenigen Bau- und Wohnprojekte, die den Ideen des Funktionalismus und Rationalismus folgen und der lebensreformerischen Forderung nach „Licht, Luft und Sonne“ huldigen. Diese beiden Strömungen eines gesellschaftskritischen und visionären Dokumentarfilms prägen die Filmgeschichte insgesamt. KUNST DES DOKUMENTS – BAUEN UND WOHNEN präsentiert 23 dokumentarische Arbeiten rund um das Thema „Architektur, Stadtplanung, Bauen und Wohnen“.

 

KUNST DES DOKUMENTS – BAUEN UND WOHNEN
Rubljovka – Straße zur Glückseligkeit
D 2007, R: Irene Langemann, 94’

Eine Straße als Spiegelbild der sowjetischen Gesellschaft. Die Rubljovka verbindet Moskau mit der russischen Provinz. Die Gegend um die Rubljovka zog in allen Zeiten die herrschende Elite an. Auch das heutige Staatsoberhaupt Putin wohnt hier. Rubljovka ist Synonym für Reichtum, gesellschaftlichen Aufschwung und dekadente Lebensart – ein streng überwachter Hochsicherheitstrakt, wo vieles verschwiegen und verheimlicht wird. Jetzt ist der Krieg um die wenigen noch vorhandenen Fleckchen Boden ausgebrochen.
Rubljovka – Straße zur Glückseligkeit begleitet Verlierer und Profiteure, Reiche und Arme, die Mächtigen und ihre Marionetten in ihrem Alltag; vieles wurde mit versteckter Kamera gedreht. „Vor siebzehn Jahren hatte ich Russland wegen seines menschenverachtenden Systems verlassen. Unter Jelzin war das Riesenreich auf halbem Wege zur Demokratie, heute ist die Staatsordnung autoritärer als in den letzten Jahrzehnten der Sowjetära. Wie damals, werden Menschen wie Marionetten behandelt und als Individuen nicht geachtet. Ein durch und durch korruptes System beherrscht den Alltag. Auf der Rubljovka, wo Superlative üblich sind, ist all dies ums Vielfache multipliziert vorhanden.“ (Irene Langemann) Die Filmmusik stammt von Michael Langemann, dem Sohn der Regisseurin. Sie entstand bereits im Vorfeld des Schnitts als eine Art Tonchoreographie aus Musik und der Kakophonie der Straßengeräusche: „Sie ist ein selbständiges künstlerisches Element des Films, das das Dämonische, was die Rubljovka ausstrahlt, noch mehr verstärkt.“

am 4.9.2008 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – BAUEN UND WOHNEN
Zeitprobleme. Wie der Arbeiter wohnt
D 1930, R: Slatan Dudow, 13’

Misère au Borinage
B 1933, R: Joris Ivens, Henri Storck, 43’ engl. ZT

Housing Problems
GB 1935, R: Arthur Elton, Edgar Anstey, 13’  OF

Les maisons de la misère
B 1937, R: Henri Storck, 30’ OmeU, Digi Beta

Als dringendes Zeitproblem zeigt 1930 Slatan Dudow die elenden Wohnungsbedingungen der Berliner Arbeiter. 1935 drehen die britischen Dokumentaristen Arthur Elton und Edgar Anstey einen Werbefilm über den Einsatz von Gas in neuen Wohnungen. Um die Modernität von Gas besser zu veranschaulichen, sollen sie zum Vergleich auch überholte Wohnverhältnisse darstellen. Mit der Tonkamera begeben sie sich in die Slums von East London. Entstanden ist ein eindringliches Dokument, in dem die Betroffenen zum ersten Mal selbst, in ihren eigenen Worten ihre Not schildern.
„1932. Krise des Kapitalismus. Fabriken werden geschlossen, aufgegeben. Millionen Proletarier hungern.“ So beginnt die von Joris Ivens und Henri Storck im Borinage, dem belgischen Kohlerevier, gedrehte politische Reportage über einen von den Unternehmern und der Polizei brutal unterdrückten Generalstreik der Kohlearbeiter: Bilder eines unvorstellbaren Elends, stumpfe Blicke aus ausgemergelten Gesichtern, Wohnbaracken fast ohne Möbel, Hunger und Obdachlosigkeit, aber auch Revolte und Kampf um elementare Rechte.
1937 widmet sich Henri Storck erneut einem sozialen Thema. Les maisons de la misère entsteht als Auftragsfilm einer belgischen Gesellschaft für preiswerten Wohnungsbau. Im Vorspann heißt es: „Ziel dieses Films ist es, den Krebsschaden der Elendsquartiere in seiner bitteren Wahrheit aufzuzeigen. Alle Szenen wurden nach authentischen Fakten in ihrer wirklichen Umgebung aufgenommen.“ In einem wallonischen Elendsviertel rekonstruiert Storck mit den Bewohnern typische Szenen ihres Alltags. So entsteht ein Film wie ein Pamphlet, der mit der Aussicht auf menschenwürdigere Wohnungen in blühenden Gartenstädten schließt.
Housing Problems zeigen wir mit freundlicher Unterstützung von National Grid Plc (National Gas Archive)

Klavierbegleitung: Eunice Martins

am 11.9.2008 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – BAUEN UND WOHNEN
Zeitprobleme. Wie der Arbeiter wohnt
D 1930, R: Slatan Dudow, 13’  

Was wir schufen. Ein Film von sozialistischer Arbeit in Stadt und Land
D 1928, R: Hans Fuhrmann, ca. 34’

Die Stadt von Morgen. Ein Film vom Städtebau
D 1930, R: Maximilian von Goldbeck, Erich Kotzer, P: Atelier Svend Noldan, 33’ Beta SP

Film als Instrument der gesellschaftlichen Auseinandersetzung: 1930 klagt Slatan Dudow das Wohnungselend in den Mietskasernen und Kellerwohnungen an. Die Aufnahmen entstehen „inmitten der Wirklichkeit“ und geben ein schonungslos-realistisches Bild der Lebensbedingungen im proletarischen Berliner Norden.
Film als Propaganda im Wahlkampf: für die Reichstagswahlen vom 20. Mai 1928 listet Hans Fuhrmann in Was wir schufen die Leistungen sozialdemokratisch geführter Gemeinden auf, wie der Bau von Säuglings- und Jugendheimen, neuen Schulen (etwa in Neukölln) und modernen Siedlungen.
Film als Werbemittel für den modernen Städtebau: Der Stadtplaner Maximilian von Goldbeck und Regierungsbaumeister a.D. Erich Kotzer tun sich mit dem auf grafische Trickzeichnungen spezialisierten Svend Noldan zusammen, um in einem Lehrfilm die Idealplanung einer neuen Stadt durchzuspielen – die Kinoleinwand als Reißbrett und der Film als Blaupause für modernes und neuzeitliches Planen. Bewußte Gestaltung schafft organisches Stadtgebilde: „Hier kann der Mensch in sonnigen und luftigen Wohnungen ein gesundes Leben führen, in ummittelbarem Zusammenhang mit der Natur.“ Um dies zu erreichen, fordert der Film neue Gesetze, aber auch „die freiwillige Unterordnung Aller unter den Planungswillen.“
Klavierbegleitung: Eunice Martins

Einführung: Jeanpaul Goergen

am 18.9.2008 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – BAUEN UND WOHNEN
Die Frankfurter Kleinstwohnung

D 1928, R: Paul Wolff, 6’

Die Frankfurter Küche
D 1927, R: Paul Wolff, K: Rolf von Botescu, 8’

Die Häuserfabrik der Stadt Frankfurt am Main
D 1928, R: Paul Wolff, K: Rolf von Botescu, 11’

Die neue Wohnung
D/CH 1930, R: Hans Richter, 28’

Abbruch und Aufbau. Eine Reportage vom Bauplatz
D 1932, R: Wilfried Basse, ca. 54’

Neue Architektur und Neues Wohnen gehören zu den großen Sozialprojekten der Weimarer Republik, die einerseits den Zwängen der Rationalisierung folgen, andererseits aber auch der lebensreformerischen Forderung nach „Licht, Luft und Sonne“ huldigen. Die zeitgenössischen Filme über das Neue Bauen der Zwanziger Jahre sind durchweg Werbefilme in eigener Sache: Die Frankfurter Kleinstwohnung (1928) demonstriert, wie mit variablen Raumelementen auch kleine Wohnungen multifunktional einzurichten sind. Der Grundriss der „Frankfurter Küche“ ist darauf angelegt, die Arbeitsschritte und -wege der Hausfrau so funktional wie nur möglich zu gestalten: Hausarbeit nach den Prinzipien von Fließbandarbeit. Häuser lassen sich kostengünstiger und schneller aus vorgefertigten Bauelementen herstellen – der Weg zur Häuserfabrik ist vorgezeichnet. Aber auch in den Wohnungen selbst soll aufgeräumt werden. Hans Richters Film Die neue Wohnung entsteht 1930 im Auftrag des Schweizerischen Werkbundes. Mit Kitsch und überladenen Möbeln voll gepfropfte Wohnungen werden mit hellen, lichtdurchfluteten und funktional eingerichteten Räumen kontrastiert. 1932 begibt sich Wilfried Basse mit der Handkamera auf einen Bauplatz an der Berliner Inselbrücke, „gibt Niederreißen eines Bauwerks und die Entstehung eines neuen Komplexes wieder. Symphonie der Arbeit? Romantisches Hochgefühl beim Zusehen? Keine Spur.“ (Hans Feld, Film-Kurier, 12.1.1932) Die Reportage als sachlicher Informationsfilm über die moderne Betonbauweise.
Mit freundlicher Unterstützung des Medienzentrums Frankfurt am Main

Klavierbegleitung: Eunice Martins
Einführung: Jeanpaul Goergen

am 25.9.2008 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – BAUEN UND WOHNEN
The City

USA 1939, R: Ralph Steiner, Willard Van Dyke, M: Aaron Copland, 43’ OF

Halsted Street
USA 1934, P: Film and Photo League of Chicago, 11’ OF, stumm

Skyscraper
USA 1959, R: Willard Van Dyke, Shirley Clarke, 21’ OF

The City entsteht 1939 als Auftragsfilm für das American Institute of Planners: „Unsere Städte werden immer komplexer und ungeeigneter zum Leben. Die Zeit für einen Umbau ist gekommen. Wir müssen unsere alten Städte umwandeln und neue Siedlungen schaffen, die unseren Bedürfnissen besser angepaßt sind.“ Der Film stellt die Nervosität der überfüllten Metropolen der Weitläufigkeit und dem Komfort von planvoll angelegten Vorortsiedlungen gegenüber. „Dieses neue Zeitalter baut bessere Städte, wie früher wieder nah an der Scholle, unseren menschlichen Bedürfnissen so angepaßt wie Flugzeuge an die Geschwindigkeit. Neue Städte nehmen Form an – grüne Städte.“ Den Kommentar schrieb der Architekturkritiker Lewis Mumford.
Halsted Street (1934) gibt einen Querschnitt durch die soziale Topografie Chicagos. Die Kamera folgt einem Fußgänger auf der Halsted Street, die vom ländlichen Süden der Stadt bis zu den Vierteln der Reichen am Lake Michigan führt.
Skyscraper (1959) ist „eine musikalische Komödie über den Bau eines Wolkenkratzers“ (Shirley Clarke). Der experimentelle Dokumentarfilm zeigt den Bau des Tishmann Building, 666 Fifth Avenue, New York, aus der Sicht der Bauarbeiter. Der jazzige Soundtrack mischt beat-artige Gedichte und Songs sowie nachgesprochene Aussagen der Bauarbeiter zu einer einzigartigen Hommage an den Geist von New York.

am 2.10.2008 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – BAUEN UND WOHNEN
Ein Bild aus 100.000 Steinen

DDR 1958, R: Lutz Köhlert, K: Karl-Heinz Schlutter, 22’

Eisenhüttenstadt - Neue Stadt an der Oder
BRD 1967, R: Jost von Moor, Gisela Bienert, 45’ Beta SP

Wir haben schon eine ganze Stadt gebaut
DDR 1968, R: Volker Koepp, 5’

Wir haben eine ganze Stadt umgebaut
D 2005, R: Marcel Neudeck, 11’ Beta SP

Im Foyer des Hauses der Massenorganisationen in Eisenhüttenstadt entsteht 1958 das Wandmosaik „Unser neues Leben“ nach einem Entwurf von Walter Womacka. Mit 6 x 12 Meter ist es das bis dahin größte Wandmosaik der DDR.
Für die Westberliner Chronos-Film besuchen 1967 Jost von Moor und Gisela Bienert das nach sozialistischen Grundsätzen auf dem Reißbrett entworfene Eisenhüttenstadt. Funktionäre sowie Arbeiter und Angestellte kommen zu Wort.
1968 portraitiert Volker Koepp, damals Regiestudent an der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR, zusammen mit dem Kameramann Jürgen Lenz den Alltag der Plattenbau-Brigade „Hanns Eisler“ auf Großbaustellen in Ludwigsfelde. 2005 lässt sich Marcel Neudeck, Student der gleichen Hochschule, von diesem Film inspirieren und stellt mit seinem Kameramann Thomas Bergmann eine Baukolonne vor, die in Berlin-Ahrensfelde DDR-Plattenbauten demontiert. Es sind zum Teil dieselben Arbeiter, die diese Bauten in den 60er Jahren hochgezogen hatten und dabei von Volker Koepp beobachtet wurden.

am 9.10.2008 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – BAUEN UND WOHNEN
De l’autre côté du périph’ Jenseits des Stadtrings
F 1997, R: Bertrand und Nils Tavernier, K: Nils Tavernier, Eric Philbert, 150’ OmeU, Beta SP

Am 11. Februar 1997 unterzeichnen 66 französische Filmemacher, darunter auch Bertrand Tavernier, einen Aufruf zum zivilen Ungehorsam gegen die staatliche Einwanderungspolitik. Der damalige Minister für Stadt und Integration, Eric Raoult, antwortet: „Sehr geehrter Herr Tavernier, Sie haben ein Manifest unterzeichnet, das zum Ungehorsam gegenüber der Gesetzgebung aufruft, welche die Situation von Ausländern ohne Aufenthaltsgenehmigung regelt. Damit Sie die Tragweite der wirtschaftlichen und sozialen Probleme besser begreifen können, auf die unsere Landsleute und ihre Abgeordneten in jenen problematischen Vierteln stoßen, lade ich Sie ein, einen Monat lang im Viertel Grands Pêchers zu wohnen. So können Sie sich vielleicht Klarheit darüber verschaffen, dass die Integration eines Ausländers kein Kintopp ist.“ Bertrand und sein Sohn Nils Tavernier nehmen die Einladung an. Drei Monate lang filmen sie in der Pariser Vorort-Siedlung Grands Pêchers in Montreuil, „um eine Menge Klischees zu widerlegen, die es über die Vorstädte gibt. Wir haben nichts weggelassen, um auch zu zeigen, daß man die Situation dort nicht auf das Verhältnis zwischen Polizei und Delinquenten reduzieren kann. Denn in einem Viertel wie Grands Pêchers gibt es ein dichtes Netz an Solidarität, an gegenseitiger Hilfe, es werden politische Forderungen gestellt, Kämpfe ausgefochten.“

am 16.10.2008 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – BAUEN UND WOHNEN
Public Housing

USA 1997 R: Frederick Wiseman, K: John Davey, 195’ OF

Öffentliche Wohnbauten (public housing) für die arme Bevölkerungsschicht gibt es in amerikanischen Großstädten seit den 30er Jahren. Im Stil des „direct cinema“ verfolgt der bekannte Dokumentarfilmer Frederick Wiseman 1997 das soziale Leben in einer solchen Siedlung in Chicago. Die nach der schwarzen Sozialarbeiterin Ida B. Wells benannten Siedlungsbauten bestehen aus unterschiedlich hohen Häusern; hier leben überwiegend schwarze Menschen. Wiseman beobachtet die Arbeit der Siedlungs- und Stadtverwaltung, die Polizei und das Leben auf der Straße, besucht Programme zur Arbeitsbeschaffung und Drogenbekämpfung, hört jungen Müttern ebenso zu wie den älteren Bewohnern, und er dokumentiert die Aktivitäten, die die Gebäude in Schuss halten und das Leben in der Siedlung verbessern sollen. – „Ich hatte den Eindruck, dass dieses Thema gut für meine Technik geeignet war. Ich versuche soweit wie möglich in das Leben an einem Ort, über den ich vorher wenig weiß, einzutauchen; ich gehe nicht dorthin, um eine These zu beweisen oder zu widerlegen. Die Filmaufnahmen selbst sind die Recherche. Der fertige Film ist meine Antwort auf diese Erfahrung.“ (Frederick Wiseman im Interview mit Gerald Peary, 1998)

am 23.10.2008 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – BAUEN UND WOHNEN
Havanna – Die neue Kunst Ruinen zu bauen
D 2006 R: Matthias Hentschler, Florian Borchmeyer, 88’

Das Bild der kubanischen Hauptstadt Havanna ist von Ruinen und einsturzgefährdeten Gebäuden geprägt. In ihnen aber leben Menschen... In einem vollständig eingestürzten Theater hat der Obdachlose Reinaldo Unterschlupf gefunden. Die frühere Millionärsgattin Misleidys träumt im obersten Geschoss eines ehemaligen Luxushotels von vergangenen Zeiten. Der enteignete Großgrundbesitzer Nicanor kämpft gegen den Verfall seines Vaterhauses. Der Klempner Totico flüchtet aus seiner lärmenden Mietskaserne im Zentrum Havannas auf die Dachterrasse zu seiner Taubenzucht. Der Schriftsteller Antonio José Ponte entwickelt eine Philosophie der Ruine und macht sich so den allmählichen Einsturz der Stadt und des politischen Systems erklärbar und erträglich. Im Wechsel erzählen sie ihre Geschichte, die eng mit der Geschichte Havannas verbunden ist und die wie diese eine Chronik des Kampfes gegen den Verfall und gegen die Ruinenbildung ist. – „Die Idee zu diesem Film entstand, als wir 1997/98 in Havanna lebten: inmitten der verfallenden Altstadt, in der Hauseinstürze auf der Tagesordnung stehen und zahlreiche Nachbarn lebendig begraben. Wir betrachten die Bauten durch die Augen ihrer Bewohner. Ihre Erzählungen erst verleihen den Gebäuden Geschichte, Bedeutung und Einzigartigkeit. So wird die Geschichte der Architektur und ihrer Bewohner auch zur Geschichte des Scheiterns einer Utopie: der kubanischen Revolution und ihrer Ideale.“ (Die Filmemacher)

am 30.10.2008 um 20.00 Uhr

 

 

 
 
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