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Kino im Zeughaus | Programm | Programmarchiv

 


  KUNST DES DOKUMENTS –
IN DEN BERGEN

 

KUNST DES DOKUMENTS – IN DEN BERGEN

Unter den natürlichen Settings übt die Bergwelt auf den Dokumentarfilm eine besondere Faszination aus. Sie ist Schauplatz abenteuerlicher, heldenhafter Besteigungen und kann selbst als eine Handelnde erscheinen, wo Urgewalten die Menschen in die Katastrophe stürzen; die steile Felswand fungiert in anderen Filmen aber auch als Wettkampfstätte waghalsiger Kletterer oder sie tritt auf der Leinwand als eine abstrakte Form in Erscheinung, die mit den Bildern schneebedeckter Hänge und steiler Fluchten ein dynamisches Spiel der Flächen und Bewegungen entfaltet. KUNST DES DOKUMENTS – IN DEN BERGEN stellt in fünf Programmen den dokumentarischen Bergfilm und verschiedene Möglichkeiten, alpine Orte zu erfassen, vor.

 

KUNST DES DOKUMENTS – IN DEN BERGEN
Kampf um den Himalaya
D 1938, R: Franz Schröder, K: Peter Müllritter, Günther Hepp, Fritz Bechtold, Ulrich Luft, 83’

Nach zwei tragisch fehlgeschlagenen Besteigungsversuchen galt der 8125 Meter hohe Nanga Parbat im westlichen Himalaya in den 1930er Jahren als der „Schicksalsberg der Deutschen“. Die gescheiterten Expeditionen von 1932 und 1934 hatten mehrere deutsche Bergsteiger das Leben gekostet. Für den Verband der deutschen Alpinisten ebenso wie für das nationalsozialistische Regime entwickelte sich die Besteigung des Nanga Parbat deshalb zu einem Prestigeprojekt, das mit erheblichem Planungsaufwand betrieben wurde und das die Propagandaabteilung geräuschvoll und mit klaren ideologischen Vorgaben orchestrierte. Nicht allein die „Eroberung“ des Gipfels war gefragt, sondern eine heroische Tat, für die es männlicher deutscher Tugenden wie Härte, Kampfbereitschaft und Mannschaftsgeist bedurfte, eine Tat, die der Jugend ein Vorbild sein und zugleich die Mission der toten „Helden“ von 1934 erfüllen sollte. Trotz genauer Vorbereitungen endete auch die Expedition von 1937 in einer Katastrophe: Eine Eislawine begrub sieben Bergsteiger und neun Sherpas unter sich. Selbst die Tragödie wurde propagandistisch verwertet. Der Film Kampf um den Himalaya wurde 1938 aus dem geretteten, beim Aufstieg gedrehten 16mm-Material montiert und mit dem Prädikat „staatspolitisch wertvoll“ ausgezeichnet. Er sollte, so die Presseinformation, ein „Dokument schlichten und in seinem letzten Opfer erschütterndsten sportlichen Heldenmutes“ sein und „als das unverlierbare Vermächtnis deutschen Tatenmutes zur ganzen Nation sprechen“.

Einführung: Jeanpaul Goergen

am 8.1.2009 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – IN DEN BERGEN
Der Blitz – Inferno am Montblanc
BRD 1972, R/K: Lothar Brandler, D: Milan Doubek, René Bartel, Andy Schlick, Pierre Mazeaud, 86’

1961 bricht eine internationale Seilschaft auf, bestehend aus sieben der weltbesten Bergsteiger, um erstmals den Frèney-Pfeiler am Montblanc zu erklimmen. Kurz vor dem Ziel kommt es jedoch zu einem plötzlichen Wetterumschwung, und vier Teilnehmer der Expedition werden durch Blitzschlag schwer verletzt. Inmitten eines furchtbaren Unwetters wird der Versuch unternommen, die Verletzten ins Tal zu transportieren. Doch einer nach dem anderen stirbt. Zehn Jahre später rekonstruiert Lothar Brandler, schon damals ein berühmter Bergfilmer und selbst ein hervorragender Kletterer, diese bald legendäre Katastrophe mit Hilfe spektakulärer dokumentarischer Aufnahmen und vor Ort nachgestellter Spielszenen. Bei den Außenaufnahmen verunglücken zwei Mitwirkende tödlich. „Brandler gestaltet seinen Film über dieses Inferno nach den tatsächlichen Ereignissen des Jahres 1961. Für die Authentizität bürgt vor allem einer der Teilnehmer des tragischen Unternehmens von damals, der die Katastrophe überlebte: Der Franzose Pierre Mazeaud, heute Abgeordneter im französischen Parlament, spielt in dem Film sich selbst...“ (Günther Menthen, Stuttgarter Zeitung, 24.12.1971)

am 15.1.2009 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – IN DEN BERGEN
Blindsight
USA/GB 2006, R: Lucy Walker, D: Sabriye Tenberken, Erik Weihenmayer, 104’ OmU  

Kann das gut gehen? Geleitet von der deutschen Sabriye Tenberken und dem erfahrenen amerikanischen Bergsteiger Erik Weihenmayer machen sich sechs tibetanische Jugendliche daran, den 7000 Meter hohen Nachbarberg des Mount Everest, den Lhakpa Ri, zu besteigen. Sie sind alle blind. Lucy Walkers Dokumentarfilm beobachtet die Vorbereitungen dieses beispiellosen Versuchs, der die in Tibet sozial geächteten blinden Jugendlichen in ihrem Selbstbewusstsein stärken soll. Den emotionalen Höhepunkt erreicht Blindsight während der Gipfelbesteigung, als unterschiedliche Philosophien aufeinander prallen: für Erik zählt der Erfolg des Ankommens, weshalb er den Teilnehmern viel abverlangt. Auch Sabriye, die in Tibet eine Blindenschule gegründet hat, fordert viel, doch quälen will sie die Jugendlichen nicht. „Die Expedition scheitert, aber eigentlich ist es ein schönes Scheitern. Zum einen, weil man auch als Nichtgeforderter mit Erleichterung zur Kenntnis nimmt, vielleicht doch nicht alles können zu müssen. Zum anderen, weil der Film eine Diskussionskultur dokumentiert, die heute selten geworden ist. [...] So kann man am Ende nicht anders, als sie zu bewundern: die Amerikaner für ihre Sportlichkeit, Sabriye Tenberken für ihr selbstloses Engagement und die Kinder für ihre Tapferkeit.“ (Barbara Schweizerhof, epd Film, Januar 2008)

am 22.1.2009 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – IN DEN BERGEN
Am Limit

D/A 2006, R: Pepe Danquart, D: Alexander Huber, Thomas Huber, 95’

Zum Bergfilm gehörte lange die Vorstellung von Mystik und Schicksal, vom Berg, der ruft, und dem Mann, der nicht anders kann, als dem Ruf zu folgen. Von alldem ist in Am Limit wenig zu spüren: dokumentiert wird der akribisch geplante Versuch der Brüder Huber, in Rekordzeit eine 1000 Meter hohe Granitwand im kalifornischen Yosemite Nationalpark zu besteigen oder besser: heraufzurennen. Nicht Kontemplation, sondern unbedingter Leistungswille und Disziplin stehen beim Speed Climbing im Zentrum: schneller, höher, besser. Daneben beleuchtet Pepe Danquarts Film die Beziehung zweier recht unterschiedlicher Charaktere: der eine ein pragmatischer Junggeselle, der andere ein etwas grüblerischer Familienvater. In breitem bayerischen Dialekt berichten sie von ihren Ängsten, von Gefahr und Ekstase. Ein Erlebnis wie ein Rausch, umtost von Musik, begleitet von meisterhaft gedrehten Kletterszenen: „Das sind die spektakulärsten und auch schönsten Bilder von Danquarts Film: wie die Brüder in der Senkrechten einen unglaublichen Tanz aufführen. Wenn Bergsteiger wie Reinhold Messner mit ihren Taten Epen schreiben, so verfassen die Huberbuam mit ihrem explosionsartigen Klettern quasi kinetische Gedichte am Rande des Abgrunds. Und Danquarts tapfere Kameraleute werden, ebenfalls in der Wand hängend, zu großartigen Kombattanten.“ (Hans Schifferle, epd Film, März 2007)

am 29.1.2009 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – IN DEN BERGEN
Das Wunder des Schneeschuhs

D 1920/1922, R: Arnold Fanck, 2 Teile, ca. 116

Als Alpinist, Regisseur, Produzent und Begründer eines eigenen Kamerastils hat Arnold Fanck den Bergfilm geprägt wie kein anderer. Aus seiner Schule stammen Luis Trenker, dessen Berg-Spielfilme ganze Generationen begleiteten, und Leni Riefenstahl, die im „Dritten Reich“ an Fancks Bildsprache und Montage im Genre der „heroischen Reportage“ anknüpfte. Mit Das Wunder des Schneeschuhs gelang Fanck 1920 der Durchbruch. Sein Film führt hinauf in die Welt der Berge und des Schnees, der waghalsigen Kletterer und Skifahrer. Doch Fanck lässt das bis dahin kaum bekannte Spektakel der Natur und die ebenso spektakulären Aktionen seiner Begleiter nicht einfach herunterkurbeln. Vielmehr zeigt sich schon hier sein Wille, dokumentarische Aufnahmen dramatisch zu gestalten, durch die Wahl bestimmter Kameraperspektiven ästhetische Wirkungen zu erzielen, das natürliche Licht kunstvoll, ja poetisch einzusetzen und durch die Montage einen ganz eigenen Rhythmus zu erzeugen.
Im zweiten Teil des enorm erfolgreichen Films verbindet Fanck die dokumentarischen Bilder mit einer knappen Spielhandlung. Voller Begeisterung notiert der Hochschullehrer, Zeitdiagnostiker und Kinofreund Victor Klemperer am 17. März 1921 in sein Tagebuch: „Am Montag im Kino Prinzeßtheater. Die glänzendsten Aufnahmen: Das Wunder des Schneeschuhs. Hochgebirge, Schnee, verschneiter Wald, u. immer die tolle Bewegung des Gleitens, Jagens, Springens, auch des mühseligen Kletterns. Ungemein interessant sind die Zeitlupenaufnahmen, wo sich Sprung in Schweben verwandelt, vom Publikum andächtig hingenommene Musik ‚Tiefland’. Wir mußten auf unseren 5 Mark-Plätzen den ganzen Abend stehen: so voll alles.“

Klavierbegleitung: Eunice Martins
Einführung: Jeanpaul Goergen

am 5.2.2009 um 20.00 Uhr

 

 
 
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