Logo und Schriftzug des Deutschen Historischen Museums und eine Ansicht der neuen Ausstellungshalle von I.M.Pei neben dem Zeughaus
German Historical Museum
 
  Zeughauskino

 

Kino im Zeughaus | Programm | Programmarchiv

 


    KUNST DES DOKUMENTS –
KUNST UND KAPITAL

 

KUNST DES DOKUMENTS – KUNST UND KAPITAL

Begleitend zur Ausstellung MACHT ZEIGEN – KUNST ALS HERRSCHAFTSSTRATEGIE, die am 19. Februar im Deutschen Historischen Museum eröffnet wird, präsentiert das Zeughauskino fünf Dokumentarfilme, die den neuen Wertschätzungen moderner Kunst und den Gepflogenheiten des internationalen Kunstmarktes auf die Spur zu kommen trachten. Kunst als Spekulationsobjekt, als Statussymbol, als Liebhaberstück, als Revolte. Filme über Galerien, Auktionshäuser, Kunstmessen, Anlageberater, über Künstler und ihre Kunstwerke. KUNST DES DOKUMENTS – KUNST UND KAPITAL stellt überwiegend Filme zum aktuellen Geschehen auf dem Kunst- und Finanzmarkt vor.

 

KUNST DES DOKUMENTS – KUNST UND KAPITAL
The Great Contemporary Art Bubble
GB 2009, R: Ben Lewis, 90’ OF, DigiBeta

Parallel zur immer größer werdenden Blase an den internationalen Finanzmärkten steigen auch die Preise am Kunstmarkt. Nach der Finanzkrise im September 2008 fallen sie innerhalb weniger Monate zum Teil um die Hälfte. Am Tag, als in den USA das Bankhaus Lehman Brothers zusammenbricht, erzielt der britische Künstler Damien Hirst im Aktionshaus Sotheby's 111 Millionen Pfund für seine Werke... – Der Kunsthistoriker und Regisseur Ben Lewis ist bei dieser größten Kunstauktion aller Zeiten dabei. In seinem Film geht er der Frage nach, wie es zu den exorbitant hohen Kunstpreisen kam und warum die Kunst-Blase so schnell platzte. Er recherchiert weltweit sowohl in Auktionshäusern und Galerien als auch bei kunstliebenden Milliardären. Lewis interviewt führende Händler, Kunstsammler und -analysten und entdeckt eine außergewöhnliche Welt mit ungewöhnlichen Marktpraktiken und verschwiegenen Kunstliebhabern: „Ständig wurde ich von dem behindert, was ich nur als Omertà in der Welt der Kunst beschreiben kann. Dieses Gesetz des Schweigens hat drei Regeln. Erstens weigerten sich viele Menschen aus der Welt der Kunst, mit mir zu reden. Zweitens: Diejenigen, die mit mir sprachen, versuchten abzustreiten, dass das Kaufen und Verkaufen von Kunst ein Geschäft ist. Drittens halten sich diese Menschen an die unausgesprochene Regel, niemals einen Künstler oder den Markt zu kritisieren.“

am 25.2.2010 um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – KUNST UND KAPITAL
Super Art Market
D 2009, R: Zoran Solomun, 88’ Beta SP

Eine Expedition in das internationale Geschäft mit zeitgenössischer Kunst. Der an der Börse reich gewordene neue Geldadel giert auch nach Kunst, beginnt zu sammeln, investiert in Kunstwerke. Moderne Kunst wird Spekulationsobjekt. Auf den Kunstmessen steigen die Preise ins Unermessliche. Öffentlichkeitsscheue art dealers wirken im Hintergrund und „machen“ Künstler. Fünf erfolgreiche Galeristen – Leo Koenig (USA), Judy Lybke (Deutschland), Lorenz Helbling (China), Mihai Pop (Rumänien) und Laura Bartlett (England) – gewähren dem Regisseur Einblicke in ihr Geschäft: „Wer sind diese Macher? Wer sind sie, die die Strippen ziehen?“, fragt sich Regisseur Zoran Solomun, „Und dann habe ich Leute gefunden, die mit mir arbeiten wollten und offen genug waren. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Das sind auch Galeristen, die die ‚Blase’ auch – teilweise – kritisch beobachten. Und ich habe mit ihnen gedreht. Und dann habe ich gesehen, dass sie sich selber – auch zu Recht – nicht als Subjekte in diesem Geschehen sehen. Man sieht, dass sie die Mechanismen, die dazu geführt haben, dass dieser Boom zustande kommt, nicht verstehen. Oder, sie haben einen Teil davon verstanden, und haben natürlich versucht zu profitieren, aber verstanden haben sie das Ganze nicht. Sie sind auch Figuren auf einem Schachbrett, die irgendwie unscharf sehen, was da passiert.“ Zoran Solomun stellt seinem Film einen Satz von Andy Warhol voran: „Geld verdienen ist Kunst und Arbeiten ist Kunst und ein gutes Geschäft ist die beste Kunst.“

am 4.3. um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – KUNST UND KAPITAL
Wüste Westberlin
D 1995, R: Helmut Wietz, 62’ OmeU

Die Westberliner Kunstszene zwischen Mauerbau und Mauerfall – Je enger die Mauern, desto höher der Himmel. In dem besonderen Topos der eingemauerten Stadt formiert sich die Malergruppe der „Jungen Wilden“ und erobert sich den internationalen Kunstmarkt. „Die wichtigste Funktion für diesen Prozess aber hatte die geteilte Stadt selbst, in der die Künstler so anders leben konnten als anderswo: Aus einer Trümmerwüste war eine durchgehend geöffnete Enklave der Kommunikation aller mit allen geworden, ohne sogenannte ‚Gesellschaft’, ohne ‚Reiche’, ohne Rassismus, ohne Sperrstunde, ohne Kriminalität. Im Windschatten der Mauer war ein ganz eigener Rhythmus möglich – in eigenen Lebensformen.“ Zu Wort kommen die Maler Rainer Fetting, K.H. Hödicke, Bernd Koberling, Markus Lüpertz, Helmut Middendorf und Hella Santarossa, die Galeristen René Block und Folker Skulima, der Ausstellungsmacher Christos Joachimidis und die Museumsleiter Thomas Kempas (Haus am Waldsee) und Jörn Merkert (Berlinische Galerie) sowie der Cabaret-Star Romy Haag und der Autor und Leiter des GRIPS-Theaters Volker Ludwig.

am 11.3. um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – KUNST UND KAPITAL
Rendezvous der Freunde
D 1992, R: Maria Hemmleb, Christian Bau, 60’

Ein Film über ein Bild und seine Geschichte. 1922 verewigt der Dadaist Max Ernst seine Pariser Künstlerfreunde in dem Gruppenbild Au rendez-vous des amis. Dargestellt sind u.a. Hans Arp, André Breton, Paul Éluard, die bald darauf den Surrealismus begründen. Als einzige Frau ist Gala Éluard vertreten, Freundin von Max Ernst und spätere Muse Salvador Dalís. Mit von der Partie sind aber auch Giorgio de Chirico, Raffael und Dostojewski. Erst wenig beachtet, dann von den Nazis als „entartet“ verfemt, in den 1950er Jahren mit Desinteresse bestraft, hat das heute im Museum Ludwig in Köln hängende Bild den unangefochtenen Status eines Klassikers erlangt. Die rätselhafte Zusammenstellung gilt mittlerweile als ein Schlüsselwerk des Surrealismus. Die Geschichte des Bildes Au rendez-vous des amis ist aber auch eine Geschichte der Galeristen, Kunsthändler und Sammler – erlebte Kunstgeschichte. Im Film erinnert sich Regisseur Christian Bau an das im elterlichen Wohnzimmer hängende Bild: „...soweit ich zurückdenken kann: es hing immer im Wohnzimmer. Ziemlich groß und präsent. Meine Eltern haben mit ihren Bildern gelebt, es wurde geraucht, die Rahmen zuweilen mit Ata abgewaschen und wenn etwas kaputt ging, hat mein Vater das mit dem Pinsel repariert. (...) Für uns ist Rendezvous der Freunde ein Film über Gewinn und Verlust und die damit verbundenen Schicksale.“

am 18.3. um 20.00 Uhr

 

 

KUNST DES DOKUMENTS – KUNST UND KAPITAL
Behauptung des Raums – Wege unabhängiger Ausstellungskultur in der DDR
D 2009, R: Claus Löser, K: Jakobine Motz, 100’ DigiBeta

Spätestens nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns im Herbst 1976 entwickelte sich in der DDR in zunehmendem Maße eine Kultur, die sich bewusst von den offiziellen Apparaturen der Kunstproduktion und -verbreitung abgrenzte und sich eigene Strukturen schuf. Dieser subkulturelle Ansatz fand sich auf dem Gebiet der Malerei und Fotografie ebenso wie in Literatur, Musik und Film. Neben Selbsthilfezeitschriften sorgten auch Galerien für eine öffentliche Wahrnehmung dieser künstlerischen Emanzipationsbewegung. Die Eigen+Art kann in diesem Kontext als Modellfall für zivilgesellschaftliche Courage im letzten DDR-Jahrzehnt betrachtet werden. Hier wurde ein wirksames Refugium geistiger Autonomie geschaffen, in dem sich junge Kreative einen selbst bestimmten Raum des künstlerischen Austausches schufen. Dieser geschaffene Freiraum konnte jedoch nur innerhalb eines Prozesses behauptet werden, an dem viele Akteure zuvor als Wegbereiter beteiligt waren. Es waren verschiedene, bis in die 1970er Jahre zurückführende Einzelinitiativen, mit denen die Erosion der staatlichen Kontrolle stückweise vorangetrieben wurde. Sie stellen sich dadurch als Facetten einer gesellschaftlichen Entwicklung dar, die schließlich in die friedliche Revolution des Herbstes 1989 mündeten. Der Film erzählt die Geschichte dieser „anderen DDR-Kultur“ in einem Dialog zwischen aktueller Betrachtung und dokumentarischen Aufnahmen. Er verweist auf Hintergründe und Widersprüche und gräbt nach den  Wurzeln, die zu ihrer Entstehung führten.

In Anwesenheit von Claus Löser

am 25.3. um 20.00 Uhr

 

 

 
 
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