Alfred Krupp 1812-1887

Industrieller

  • 1812

    26. April: Alfred Krupp wird als zweites Kind und ältester Sohn des Industriellen Friedrich Krupp und dessen Frau Theresia (geb. Wilhelmi) in Essen geboren.
    Gemeinsam mit den Kindern des Essener Erfinders Franz Dinnendahl (1775-1826) wird Krupp zunächst von dessen Privatlehrer unterrichtet und besucht später das Essener Gymnasium.

  • 1826

    Nach dem Tod des Vaters bricht Krupp den Schulbesuch ab. Anstelle einer Lehre tritt er in die väterliche Kruppsche Gussstahlfabrik ein und übernimmt die Firmenleitung. Der mit 10.000 Talern hochverschuldete Betrieb beschäftigt sieben Angestellte und produziert hauptsächlich Werkzeugstahl, Feilen, Gerbergeräte, Münzstempel und Walzen.

  • 1830

    Erstmals liefert Krupp statt der bisherigen, bei unsachgemäßer Behandlung häufig gesprungenen Walzenrohlinge fertige Walzen aus Gussstahl mit Qualitätsgarantie aus.

  • 1831

    Krupps jüngerer Bruder Hermann (1814-1879) tritt in die Firmenleitung ein.

  • 1832

    Ein neues Gussstahlerzeugungsverfahren ermöglicht Güsse aus mehreren Tiegeln. Ihm gelingt ein Guss von 75 Kilogramm aus vier Tiegeln.

  • 1834

    Krupp reist mehrmals durch Süddeutschland, um nach der Gründung des Deutschen Zollvereins neue Absatzmärkte für seine Erzeugnisse zu finden. Die Ausweitung des Kundenkreises verschärft jedoch das Problem der ungleichmäßig verfügbaren und häufig zu schwachen Wasserkraft für den Betrieb des Schmiedehammers.

  • 1835

    Durch den Erwerb einer Dampfmaschine vereint Krupp sämtliche Arbeitsgänge der Stahlherstellung, beginnend beim Schmelzen, Gießen bis hin zum Ausschmieden und abschließender Bearbeitung unabhängig von vorhandener Wasserkraft an einem Ort.
    Der Betrieb beschäftigt 67 Arbeiter, für die Krupp zwecks langfristiger Anbindung an die Firma eine freiwillige Hilfskasse für Krankheits- und Todesfälle einrichtet.
    Mit der Entwicklung von Spezialwalzen gelingt Krupp die Herstellung der in der Tressenindustrie dringend benötigten, hochfeinen und zugleich sehr robusten Silber- und Goldfäden.

  • 1838/39

    Krupp bereist 15 Monate Frankreich und England, um auch im europäischen Ausland neue Abnehmer zu finden.

  • 1840

    Um dem krisenbedingten Auftragsrückgang zu begegnen, entwickelt die Firma komplette Walzwerke, Justierwerke und Vorstreckanlagen. Die Anlagen finden allerdings nur einen kleinen Kundenkreis.

  • 1841

    Die erste Krupp-Auslandsvertretung wird in Paris eröffnet.

  • 1843

    Krupp präsentiert eine Besteckwalze, mit der Löffel und Gabeln gleichzeitig gewalzt und geprägt werden können. Im österreichischen Berndorf gründet er gemeinsam mit dem Bankier Alexander von Schoeller (1805-1886) eine Metallwarenfabrik für die Herstellung von Essbestecken. Deren Bestückung mit Präge- und Walzmaschinen bringt der Essener Firma lohnende Aufträge.

  • 1843-1846

    Auf der Suche nach neuen Anwendungsbereichen für den Gussstahl entwickelt Krupp zahlreiche neue Produkte wie Klavierdraht, Werkzeuge, Maschinenteile, Brustpanzer, hohlgeschmiedete Gewehrläufe und Schusswaffen aus Stahl, die zunächst als Einzelstücke ausgeliefert werden.

  • 1846

    Die Wirtschaftskrise in Deutschland führt zu einem drastischen Auftragsrückgang der Essener Firma. Auch die Berndorfer Metallwarenfabrik verzeichnet hohe Verluste. Mehrmals kann Krupp die Zahlungsunfähigkeit abwenden.

  • 1847

    Auf der Suche nach neuen Absatzmärkten produziert Krupp die erste Gussstahlkanone, die dem preußischen Kriegsministerium zur Ansicht überlassen wird. Das Militär lehnt jedoch einen Test mit dem Hinweis auf Erfahrungen mit sprödem Eisen und dessen Untauglichkeit zur Geschützherstellung ab.

  • 1848

    24. Februar: Alfred Krupp kauft seiner Mutter die Fabrik für 40.000 Taler ab und wird alleiniger Eigentümer des Unternehmens.

  • 1849-1857

    Mit dem Konjunkturaufschwung der deutschen Industrie und Wirtschaft und vor allem der steigenden Stahlnachfrage für den Eisenbahnbau überwindet Krupp die Firmenkrise. Durch die stetig entwickelte Fähigkeit, immer größere Güsse herzustellen, erschließen sich zahlreiche neue Anwendungsbereiche. Neben Kurbelwellen für Dampfschiffe produziert das Essener Unternehmen vermehrt besonders strapazierfähige Großteile für den Maschinenbau.

  • 1850

    Die Firma Krupp beschäftigt 241 Mitarbeiter.

  • 1851

    Auf der ersten Weltausstellung in London wird Alfred Krupp für seinen 43 Zentner schweren Gusszylinder ausgezeichnet.

  • 1853

    Krupp entwickelt die nahtlos geschmiedeten, später gewalzten Eisenbahnradreifen, die sich auch bei steigenden Fahrgeschwindigkeiten als bruchsicher erweisen.
    Hochzeit mit der 20 Jahre jüngeren Bertha Eichhoff.
    Für seine Mitarbeiter führt Alfred Krupp als einer der ersten Unternehmer in Deutschland eine betrieblich verpflichtete Kranken- und Sterbekasse ein.

  • 1854

    Geburt des einzigen Sohnes Friedrich Alfred (1854-1902).

  • 1855

    Einrichtung einer betrieblichen Pensionskasse.

  • 1856

    Krupp bemüht sich um die Schaffung und Erhaltung einer hochqualifizierten Stammarbeiterschaft zur Sicherung des Unternehmens. Er baut Arbeiterwohnheime und werkseigene Geschäfte und zahlt überdurchschnittliche Löhne. Gewerkschaftliche Betätigung war seinen Arbeitern allerdings untersagt. Damit soll einerseits die Bindung und Loyalität der Arbeiter gegenüber der Firma erhöht sowie gleichzeitig der Einfluss der Arbeiterbewegung auf die Fabriken vermindert werden.

  • 1857

    Vor allem aufgrund zahlreicher Staatsbahnaufträge und eigener Bauvorhaben trifft die einsetzende Wirtschaftskrise die Firma Krupp geringer als andere Industriebetriebe.

  • 1859

    Die preußischen Militärbehörden kaufen über 300 vorgearbeitete Geschützrohre aus Gussstahl, die durch ihr Hinterladesystem den herkömmlichen Bronzekanonen deutlich überlegen sind. Krupp beginnt mit einer umfangreichen Waffen- und Geschützproduktion und liefert Kanonen in fast alle europäischen Staaten.

  • 1862

    Krupp führt als erstes deutsches Unternehmen das in England entwickelte Bessemer-Verfahren ein, das ihm die Massenproduktion von Eisenbahnschienen und Stahlblechen ermöglicht.

  • 1864

    Zur Deckung seines steigenden Kohlebedarfs pachtet Krupp für 20 Jahre die Essener Zeche "Graf Beust".
    Nicht zuletzt wegen der Überlegenheit der Kruppschen Stahlgeschütze gegenüber den dänischen Bronzekanonen gewinnt Preußen den Deutsch-Dänischen Krieg.

  • 1865

    Vom preußischen Fiskus erwirbt er die Sayner Hüttenwerke bei Koblenz. Ihm gelingt ein Guss von 35.000 Kilogramm aus 1.184 Tiegeln. Die Herstellung von Eisenbahnrädern im Stahlformguss wird aufgenommen.
    Die Firma Krupp beschäftigt 8.248 Mitarbeiter, erste Arbeiterfamiliensiedlungen werden errichtet.

  • 1866

    Im Deutschen Krieg stehen sich erstmals zwei Heere gegenüber, die beide von dem Essener Waffenhersteller mit Kanonen beliefert werden.

  • 1868

    Krupp verbessert die Hinterlader-Kanone durch die Entwicklung des Rundkeil-verschlusses.

  • 1869

    Die Einführung des Siemens-Martin-Verfahrens ermöglicht mit den Ausgangsstoffen Altmetall und Roheisen die Herstellung eines Stahls, der dem Bessemerstahl qualitativ überlegen ist und den teuren Tiegelstahl bei manchen Produkten wie Eisenbahnrädern, schweren Kurbelwellen und Achsen ersetzen kann.

  • 1870

    Im Deutsch-Französischen Krieg setzt Helmuth Graf von Moltke (1800-1891) gezielt die Kruppschen Stahlkanonen ein, die im Vergleich zu den französischen Bronzekanonen über eine doppelte Reichweite verfügen.

  • 1871-1873

    Nach der Reichsgründung steigt die Produktion während der Gründerzeit nochmals stark an; die Firma Krupp ist das größte Industrieunternehmen Europas.

  • 1872

    Als Reaktion auf die Streikbewegung veröffentlicht Krupp das "Generalregulativ", das sämtlichen Mitarbeitern strenge Pflichten auferlegt, aber auch weitreichende Rechte und Sozialleistungen zusichert. Gewerkschaftliche und sozialdemokratische Betätigung wird den Mitarbeitern verboten.

  • 1873

    Die Kruppschen Stahlwerke beschäftigen über 16.000 Arbeiter.
    Fertigstellung der Villa Hügel als "Stammschloss" der Krupps. Das 8100 qm große und 269 Räume zählende Haus verfügt über innovative Einrichtungen wie Speiseaufzüge und einer Zentralheizung.

  • 1874-1886

    Nach dem Gründerkrach droht auch Krupp aufgrund hoher Überkapazitäten in der deutschen Schwerindustrie der finanzielle Zusammenbruch des Unternehmens. Verbindlichkeiten von über 30 Millionen Reichsmark zwingen ihn, die Gussstahlfabrik an ein Bankenkonsortium zu verpfänden. Krupp zieht sich in dessen Folge immer mehr aus der Unternehmensführung zurück.

  • 1886

    Die Kruppsche Gussstahlfabrik erreicht wieder die Belegschaftsstärke von 1874.

  • 1887

    14. Juli: Alfred Krupp stirbt in seiner Villa Hügel bei Essen an einem Herzinfarkt. Sein einziger Sohn Friedrich erbt den Gesamtkonzern, der 20.200 Mitarbeiter zählt.

Johannes Leicht
10. September 2014
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