Herschel Grynszpan 1921-

  • 1921

    28. März: Herschel Grynszpan wird in Hannover als Sohn des jüdischen Schneiders Sendel Grynszpan und dessen Frau Ryfka (geb. Silberberg) geboren. Sein Vater stammte aus Russisch-Polen, war aber 1911 mit seiner Frau nach Hannover übergesiedelt.

  • 1926-1935

    Grynszpan ist Mitglied in der jüdischen Zionistengruppe "Misrachi".

  • 1935

    Er wird aus der Volksschule in Hannover ohne Schulabschluss entlassen und geht nach Frankfurt/Main an eine Rabbinische Lehranstalt.
    Als in Deutschland geborener polnischer Staatsangehöriger erhält Grynszpan vom polnischen Generalkonsulat in Hamburg einen polnischen Pass mit Gültigkeit bis Mitte 1937.

  • 1936

    Er bricht die Talmudstudien ab und kehrt nach Hannover zurück. Er kann dort als Jude aufgrund der Rassenpolitik des NS-Regimes jedoch keine Arbeit finden. Seine Bemühungen um ein Visum nach Palästina scheitern an seiner Minderjährigkeit.
    Er erhält ein Visum für Belgien und reist nach Brüssel, wo er bei Verwandten wohnt. Nach kurzer Zeit reist er illegal nach Frankreich und lebt bei seinem Onkel in Paris. Er geht dort keiner geregelten Tätigkeit nach und hat kaum Kontakte außerhalb seiner Familie.

  • 1937

    April: Grynszpan beantragt in Paris eine ständige Aufenthaltserlaubnis und erhält zunächst eine provisorische Aufenthaltsgenehmigung.
    Mai: Weil er seinen polnischen Pass verloren hat, wird ihm vom polnischen Generalkonsulat eine Zweitausfertigung mit Gültigkeitsdauer bis Januar 1938 erstellt.
    Ende des Jahres bemüht sich Grynszpan bei der deutschen Botschaft um eine Erlaubnis zur Wiedereinreise nach Deutschland. Er möchte nach Hannover zurückkehren. Das Ersuchen wird vom Polizeipräsidenten in Hannover abgelehnt.

  • 1938

    Januar: Der von Sendel Grynszpan in Hannover gestellte Antrag auf Einreise seines Sohns wird ebenfalls abgewiesen.
    Juli: Das französische Innenministerium entscheidet die Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung für Grynszpan wegen der illegalen Einreise abschlägig und verweist ihn des Landes. Er bleibt jedoch bei seinem Onkel in Paris.
    Oktober: Die französische Polizei sucht vergeblich nach Grynszpan, der sich nach wie vor bei seinem Onkel versteckt hält.
    28. Oktober: 15.000 Juden werden von der deutschen Regierung in einer großangelegten Aktion gewaltsam nach Polen abgeschoben. Es handelt sich größtenteils um Juden ohne Staatsangehörigkeit oder mit polnischem oder deutschem Pass. Sie werden von der deutschen Regierung als "Polen" bezeichnet. Unter ihnen sind auch die Eltern von Grynszpan.
    3. November: Grynszpan erhält eine Postkarte von seiner Schwester, die ihm über die Abschiebung seiner Familie berichtet und ihn um Hilfe bittet.
    7. November: In Verzweiflung über das eigene Schicksal und das seiner Familie kauft Grynszpan einen Revolver und geht zur deutschen Botschaft in Paris. Dort schießt er den Botschaftssekretär Ernst vom Rath nieder, der ihn empfangen hat. Direkt danach wird er von der französischen Polizei verhaftet. Am Abend weist Propagandaminister Joseph Goebbels die großen deutschen Zeitungen an, das Attentat auf der Titelseite zu bringen.
    9. November: Grynszpans Mord wird propagandistischer Anlass für die Pogromnacht, in der von Angehörigen der Sturmabteilung (SA) und Schutzstaffel (SS) Ausschreitungen gegen die Juden in Deutschland ausgehen. Über 1300 Juden sterben, 30.000 jüdische Männer werden verhaftet. Mehr als 1000 Synagogen und Gemeindehäuser sowie über 7500 Geschäfte werden verwüstet und zerstört.

  • 1939/40

    Grynszpan bleibt trotz eines deutschen Auslieferungsgesuches in Paris in Haft, wird aber nicht vor Gericht gestellt.

  • 1940

    Juni: Von der französischen Staatsanwaltschaft wird er des Mordes angeklagt.
    Juli: Die Vichy-Regierung liefert ihn an das Deutsche Reich aus, wo er im Konzentrationslager (KZ) Sachsenhausen und im Gefängnis der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in Berlin-Moabit inhaftiert wird.

  • 1941

    Grynszpan wird von der Gestapo verhört und der Homosexualität beschuldigt. Der Prozess wird jedoch zunächst aufgeschoben. Grynszpan gelingt es, durch falsche Hinweise seine Motivation zu dem Mord zu verdecken und so die Vorbereitungen für einen Prozess in die Länge zu ziehen.

  • 1942

    Auf Befehl Adolf Hitlers wird der geplante Schauprozess gegen ihn endgültig aufgeschoben. Um ihn nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu verurteilen, bleibt Grynszpan in Berlin und Sachsenhausen in Haft.
    Sein weiteres Schicksal ist ungeklärt: Einerseits gibt es zahlreiche Vermutungen, dass er nach der Befreiung durch die Alliierten nach Paris zurückgegangen ist, wo er aus Angst vor der französischen Justiz unter falschem Namen gelebt habe. Andererseits gibt es Berichte über seinen Tod während des Kriegs.

  • 1960

    Herschel Grynszpan wird vom Amtsgericht Hannover für tot erklärt.

  • 1961

    Im Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem sagt Sendel Grynszpan aus, dass er trotz aller Bemühungen keinen Beweis für ein Überleben seines Sohns gefunden hat.

Manfred Wichmann
14. September 2014
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