Lilian Harvey 1907-1968

Schauspielerin, Sängerin

  • 1907

    19. Januar: Lilian Helen Muriel Pape wird als Tochter von Ethel Pape (geb. Laughton) in London-Hornsey geboren. Die Vaterschaft ist ungeklärt. Der aus Magdeburg stammende Kaufmann und Ehemann der Mutter Walter Bruno Pape kommt wegen eines mehrjährigen Auslandsaufenthaltes als Vater nicht in Betracht.

  • 1907-1914

    Während der Schulzeit in London nimmt Pape ohne das Wissen ihrer Mutter Ballettunterricht.

  • ab 1914

    Zu Beginn des Ersten Weltkriegs hält sich die Familie Pape zu Besuch in Magdeburg auf und kann wegen des Kriegsbeginns nicht nach Großbritannien zurückkehren. Die Kriegsjahre verbringt Pape in Solothurn (Schweiz) bei ihrer Tante, während sich ihre Familie in Berlin niederlässt.

  • 1923

    Abitur in Berlin.
    Sie besucht die Ballettschule der Deutschen Staatsoper und erhält Engagements als Tänzerin in Ungarn und Österreich.
    In dieser Zeit nimmt sie den Mädchennamen ihrer Großmutter an und nennt sich Lilian Harvey.

  • 1925

    Als Partnerin von Otto Gebühr erhält Harvey in "Leidenschaft" ihre erste Hauptrolle.

  • ab 1925

    In den nächsten Jahren dreht sie mit Eichberg zahlreiche weitere Musikkomödien, in denen sie die Hauptrolle spielt. Der erste der großen Erfolge ist 1925 "Liebe und Trompetenblasen".

  • 1926

    In der Operettenverfilmung "Die keusche Susanne" steht sie erstmals mit Willy Fritsch vor der Kamera, mit dem sie insgesamt noch elf weitere Filme dreht.
    Harvey erhält Angebote von der Universum-Film AG (Ufa) und der amerikanischen Produktionsfirma Universal.

  • 1928

    Nach drei Arbeitsgerichtsprozessen wechselt sie mit einer Ablösesumme von 75.000 Reichsmark zur Ufa.
    In England spielt sie in Lupu Picks (1886-1931) Komödie "Eine Nacht in London" mit.

  • 1932

    Bei den Dreharbeiten zu "Ein blonder Traum" lernt sie den Regisseur Paul Martin (1898-19567) kennen, der ihr Lebensgefährte wird.
    Frühjahr: Harvey unterzeichnet einen Vertrag bei der amerikanischen Produktionsfirma 20th Century Fox. Auch für Martin erwirkt sie einen Vertrag.

  • 1933/34

    Aufenthalt in den USA. In Hollywood tritt sie in vier wenig erfolgreichen Filmen auf.

  • ab 1935

    Rückkehr nach Europa. In England dreht sie den Film "Invitation to the Waltz".

    Harvey kehrt nach Deutschland zurück. Unter der Bedingung, dass die Filme von Martin inszeniert werden, schließt sie erneut einen Vertrag mit der Ufa ab. Sie kann an frühere Erfolge anknüpfen und spielt nun nicht mehr nur in Komödien, sondern stellt auch Charakterrollen dar.

  • 1937

    Harvey verhilft dem inhaftierten Choreographen Jens Keith (1898-1958) aus dem Gefängnis und hilft ihm anschließend bei der Flucht in die Schweiz. Daraufhin wird sie von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) vernommen und überwacht. Sie legt bei Joseph Goebbels Beschwerde ein und wird nicht weiter behelligt, allerdings gilt sie dem NS-Regime zunehmend als unzuverlässig. Da sie jüdische Kollegen weiterhin bei sich zu Hause empfängt, erhält sie anonyme Drohbriefe.

  • 1938

    Trennung von Martin.

  • 1939

    "Frau am Steuer" ist Harveys letzter Film im NS-Regime.
    Frühjahr: Sie emigriert nach Frankreich und muss den größten Teil ihres Vermögens zurücklassen, reist aber vor Beginn des Zweiten Weltkriegs noch zweimal kurz nach Deutschland.

  • 1940

    Die Einkünfte ihres Historienfilms "Sérénade" kommen verletzten französischen Soldaten des Ersten Weltkriegs zugute.

  • 1941

    März bis Mai: Gesangstournee durch die Schweiz.
    Juni: Wegen der drohenden Besetzung Südfrankreichs durch deutsche Truppen emigriert Harvey über Barcelona und Lissabon in die USA.
    Oktober: Sie lässt sich in Hollywood nieder.

  • 1942/43

    Die ihr angebotenen Filmnebenrollen lehnt Harvey ab. Stattdessen verkauft sie wertvollen Schmuck, den sie retten konnte, bemalt in Heimarbeit Puppen und Glas und ist ehrenamtlich als Schwesternhelferin beim Roten Kreuz in Los Angeles tätig.

  • 1943

    2. Februar: Harvey wird die deutsche Staatsbürgerschaft, die sie neben der englischen besitzt, aberkannt und ihr Vermögen in Deutschland eingezogen.

  • 1943-1946

    Sie erhält mehrere Bühnenengagements in verschiedenen Städten. Seit ihrer Hauptrolle in dem erfolgreichen Stück "Blithe Spirit", mit dem sie durch die USA tourt, ist Harvey eine gefragte Theaterschauspielerin. Für das Office of War Information wirkt sie an Radiosendungen auf deutsch und italienisch mit.

  • 1945

    31. Dezember: In der Carnegie Hall in New York tritt Harvey in einer Benefizshow für deutsche und österreichische Juden auf.

  • 1946

    Dezember: Rückkehr nach Paris.

  • 1948

    Gesangstourneen durch Dänemark und Ägypten.

  • 1949

    September: Für ein Gastspiel kehrt sie erstmals nach Deutschland zurück und wird freundlich empfangen.

  • 1949-1953

    Harvey tritt in der Bundesrepublik Deutschland, Dänemark und Spanien im Theater auf.

  • 1950

    Aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung längerer Aufenthalt in einem Schweizer Sanatorium.

  • 1953

    Harvey heiratet den dänischen Theateragenten Hartvig Valeur-Larsen.

  • 1955/56

    Gastspielreisen unter anderem in die Deutsche Demokratische Republik.
    Sie lernt Else-Pitty Wirth kennen, die ihre Lebensgefährtin und Mitarbeiterin wird.

  • 1957

    Scheidung von Valeur-Larsen.
    Als Wiedergutmachung für ihr beschlagnahmtes Vermögen erhält Harvey von der Bundesrepublik eine Rente.

  • 1957-1961

    Sie lebt zurückgezogen mit Wirth in Juan-les-Pins, eröffnet eine Boutique und vermietet Ferienbungalows.

  • ab 1961

    Mit mehreren Hauptrollen am Theater unternimmt Harvey Comeback-Versuche als Bühnenschauspielerin. Ihre Auftritte finden weder bei Kritikern noch beim Publikum den erhofften Erfolg.

  • 1965

    Für langjähriges hervorragendes Wirken im deutschen Film erhält sie das Filmband in Gold des deutschen Filmpreises.

  • 1967

    Bambi für langjährige Verdienste um den deutschen Film.

  • 1968

    27.Juli: Lilian Harvey stirbt in Juan-les-Pins an einer verschleppten Gelbsucht.

Claudia Prinz, Lucia Halder
03.07.2015
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