Wilm Hosenfeld 1895-1952

Militär, Widerstand

  • 1895

    2. Mai: Wilhelm (Wilm) Hosenfeld wird als viertes von sechs Kindern des katholischen Volksschullehrers Adalbert Hosenfeld und dessen Frau Friederike (geb. Krick) in Mackenzell (heute ein Stadtteil von Hünfeld, Hessen) geboren.
    Nach der Grundschule in Mackenzell Besuch der Lateinschule in Hünfeld.

  • 1910

    Zur Vorbereitung seines geplanten pädagogischen Studiums Wechsel an eine Präparandenanstalt im hessischen Fritzlar.

  • 1913

    Wechsel an das katholische Lehrerseminar in Fulda (preußische Provinz Hessen-Nassau).
    Hosenfeld lässt sich von den Idealen der Wandervogel-Bewegung prägen.

  • 1914

    8. August: Erfasst von patriotischer Kriegsbegeisterung, beendet Hosenfeld mit einer vorgezogenen Reifeprüfung, welche die "1. Lehrer-Prüfung" beinhaltet, sein Studium am Fuldaer Lehrerseminar und meldet sich zum Kriegsdienst.
    November: Teilnahme an der Schlacht bei Ypern (Belgien).

  • 1915

    Juni: Nach schwerer Verwundung Versetzung zur Reserve-Infanterie an die Ostfront. Beteiligung an den Kämpfen in Litauen und Kurland.
    Oktober: Beförderung zum Unteroffizier.

  • 1916

    April: Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse für "tapferes Verhalten vor dem Feind auf dem östlichen Kriegsschauplatz".
    24. September: Verlegung nach Siebenbürgen auf dem Balkan.

  • 1917

    27. Januar: Beförderung zum Vizefeldwebel.
    Nach schwerer Verwundung Einstufung als "felddienstuntauglich".
    Herbst: Hosenfeld knüpft wieder Kontakte zur Wandervogel-Bewegung. Dabei gibt er sich den Namen "Wilm".
    30. September: Teilnahme am "Gauführertag" der thüringischen Wandervogel-Gruppe. Hosenfeld tritt dem "Jungdeutschen Bund", einer von Otger Gräff (1893-1918) gegründeten völkisch-rassisch-antisemitischen Gruppierung bei, interessiert sich aber v.a. für deren Impulse für die Reformpädagogik und die Volkshochschule.

  • 1918

    Zu Beginn des Jahres Entlassung aus der Armee, wohl aus gesundheitlichen Gründen.
    1. Mai: Anstellung als Referendar an der Dorfschule in Rudolphshan bei Mackenzell. Während dieser Zeit Gründung einer eigenen Wandervogel-Gruppe.
    8. August: Hosenfeld lernt bei einem Wandervogeltreffen seine spätere Ehefrau, die Protestantin Annemarie Krummacher, Tochter des Malers Karl Krummacher (1867-1955) aus Worpswede (bei Bremen) kennen.
    Oktober: Referendariat in der Volksschule in Roßbach (Spessart).

  • 1919

    Unter dem Druck der Dorfbewohner und des Pfarrers muss Hosenfeld seine Wandervogelgruppe in Rudolphshan auflösen.

  • 1920

    23. Mai: Hosenfeld heiratet nach erheblichen Widerständen seiner Eltern seine Verlobte Annemarie Krummacher in der katholischen St. Johannis-Kirche in Bremen. Aus dieser Ehe gehen fünf Kinder hervor.

  • 1921

    4. Februar: Abschluss des Referendariats mit der 2. Lehrer-Prüfung. Übernahme in den Beamtendienst.
    1. Juni: Antritt einer Lehrerstelle im Dorf Kassel bei Roßbach.

  • 1923

    Gründung einer eigenen Fortbildungsschule. Dort Angebot eines umfangreichen und anspruchsvollen Bildungsprogramms für die Dorfbewohner.

  • 1927

    1. April: Antritt einer Lehrer- und Direktorenstelle in der Volksschule in Thalau (bei Fulda).
    Nebenverdienste als Kirchenorganist und Unterricht in der Fortbildungsschule. Leitung des örtlichen Gesangsvereins.
    Mitglied im Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge.

  • 1933

    15. April: Eintritt in die Sturmabteilung (SA), später Aufstieg bis in den Rang eines Scharführers.
    25. August: Eintritt in den Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB), nachdem sich der Katholische Lehrerverband, dem Hosenfeld bis dahin angehört hatte, im Zuge der Gleichschaltung auflösen muss.

  • 1935

    1. August: Eintritt in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP).

  • 1939

    Als Angehöriger eines Landesschützenbataillons kommt Hosenfeld, im Rang eines Feldwebels, bei Beginn des Zweiten Weltkriegs nach Polen.
    Mitte September: Beteiligung an Aufbau und Betrieb eines Kriegsgefangenenlagers in Pabianice (bei Lodz).
    Ende November/Anfang Dezember: Nach Auflösung des Lagers in Pabianice Mitte November Verlegung seines Bataillons nach Wegrów, später nach Jadów (beide Generalgouvernement).

  • 1940

    1. Februar: Beförderung zum Leutnant. Tätigkeit als Zugführer und Ausbilder.
    9. Juli: Versetzung nach Warschau in ein Wachbataillon. Tätigkeit als Ordonnanzoffizier.

  • 1941

    15. März: Hosenfeld wird Sportoffizier, ab November Leitung der von ihm aufgebauten "Wehrmacht-Sportschule" in Warschau (später "Sportamt der Kommandantur Warschau").
    12. Mai: Rückwirkend zum 1. April Beförderung zum Oberleutnant. Auszeichnung mit dem Kriegsverdienstkreuz II. Klasse.

  • 1942

    Sommer: Beförderung zum Hauptmann.
    Hosenfeld wird angesichts der Ermordung der Juden und des Besatzungsterrors in Polen zum entschiedenen Gegner des Nationalsozialismus.

  • 1943/44

    Hosenfeld gelingt es, zahlreiche jüdische und nichtjüdische Polen, z.T. durch Anstellung im Sportamt, unter hohem persönlichem Risiko zu retten.

  • 1944

    Mai: Letzter Heimaturlaub bei seiner Familie.
    1. August: Hosenfeld wird mit Beginn des Warschauer Aufstands vorübergehend Dritter Generalstabsoffizier ("Ic-Offizier") bei der Wehrmacht-Kommandantur in Warschau, verantwortlich für die nachrichtendienstliche Tätigkeit.
    November: Tätigkeit als Kompanieführer in seinem früheren Landesschützen-Bataillon, kurz darauf vorübergehend im Stab seines früheren Wach-Regiments.
    17. November: Erste Begegnung mit Wladislaw Szpilman, den er in den Ruinen Warschaus antrifft. Ihm verschafft er auf dem Dachboden des Hauses, in das kurze Zeit später der Stab der Festungskommandantur Warschau einzieht, ein Versteck und versorgt ihn mit Lebensmitteln sowie Mantel und Bettdecke.
    12. Dezember: Letzte Begegnung Hosenfelds mit Szpilman, da er wieder als Kompanieführer tätig wird.

  • 1945

    17. Januar: Hosenfeld gerät bei Blonie (bei Warschau) in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Ein erster Rettungsversuch Szpilmans scheitert. Hosenfeld wird nach mehreren Zwischenstationen in der Untersuchungshaftanstalt in Minsk inhaftiert. Da das Sportamt organisatorisch zur Abteilung Ic gehört, die neben der Truppenbetreuung auch für nachrichtendienstliche Aufgaben zuständig ist, wird er dem "Strengen Verhör" ausgesetzt und in Isolierhaft genommen.

  • 1946

    Verlegung ins Lager Bobrujsk (Weißrussland).

  • 1947

    Er erleidet einen ersten Schlaganfall, der zeitweise die rechte Körperhälfte lähmt.
    Rettungsversuche seiner Frau und eigene Versuche, aus der Haft entlassen zu werden, scheitern.

  • 1947/48

    Mehrere Verlegungen in unterschiedliche Lager.

  • 1948

    Zweiter Schlaganfall.

  • 1949

    Rückverlegung in das Lager in Minsk. Hosenfeld erleidet mehrere Schlaganfälle, sein Gesundheitszustand verschlechtert sich deutlich und nachhaltig. Er unterliegt harten Haftbedingungen und einem Schreibverbot.

  • 1950

    27. Mai: Obwohl ihm keine Verbrechen nachgewiesen werden können, wird er nur aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Abteilung Ic als Kriegsverbrecher zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Die von ihm Geretteten dürfen nicht zu seinen Gunsten aussagen, auch letzte Gesuche eines von ihm geretteten Polen und Hosenfelds Frau zu seiner Freilassung scheitern.
    Verlegung ins Kriegsgefangenenlager Stalingrad.

  • 1952

    13. August: Wilm Hosenfeld stirbt nach weiteren Schlaganfällen im Kriegsgefangenenlager in Stalingrad.

  • 1998

    Deutsche Erstausgabe der Erinnerungen Wladyslaw Szpilmans unter dem Titel "Das wunderbare Überleben - Warschauer Erinnerungen 1939-1945", mit Auszügen aus dem Warschauer Tagebuch von Wilm Hosenfeld und einem Kommentar von Wolf Biermann.

  • 2002

    Verfilmung dieses Buches unter dem Titel "Der Pianist" durch Roman Polanski (geb. 1933), mit Adrien Brody (geb. 1973) als Wladislaw Szpilman und Thomas Kretschmann (geb. 1962) als Wilm Hosenfeld.

  • 2007

    Oktober: Posthum verleiht der polnische Präsident Lech Kaczyñski (1949-2010) Hosenfeld den zweithöchsten polnischen Orden Polonia Restituta, in Anerkennung seiner Verdienste bei der Rettung jüdischer und nichtjüdischer Polen während der deutschen Besatzung.

  • 2009

    Februar: Posthum ernennt die zentrale israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Wilm Hosenfeld zum "Gerechten unter den Völkern". Nach Antrag durch Wladislaw Szpilman 1998 und langjährigen Bemühungen von Szpilmans Sohn sowie nach Berücksichtigung der Tagebücher und Briefe an seine Familie wird ihm diese Auszeichnung für Nichtjuden, die während des Zweiten Weltkrieges Juden vor dem Tod bewahrten, verliehen.

     

     

Marian Bertz
19. Januar 2016

lo