1899-1964
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Veit Harlan
Schauspieler, Regisseur
- 1899
- 22. September: Veit Harlan wird in Berlin als Sohn des
Bühnenschriftstellers Walter Harlan und dessen Frau Adele
(geb. Boothby) geboren.
- 1915
- Nach einer Silberschmiedlehre und Schauspielunterricht
am Seminar von Max Reinhardt steht Harlan zum ersten Mal
öffentlich in einem Theaterstück auf der Bühne.
- 1916-1918
- Teilnahme am Ersten Weltkrieg.
- 1920/21
- Schauspieler an der Berliner Volksbühne.
- 1922/23
- Schauspieler am Landestheater Meiningen (Thüringen).
- 1924-34
- Harlan ist festes Ensemblemitglied am Berliner Staatstheater.
- 1927
- Er übernimmt Nebenrollen in mehreren Filmen.
- 1929
- Heirat mit Hilde Körber, mit der er bis zur Scheidung
neun Jahre später drei Kinder hat.
- 1933
- März: In einem Interview im Völkischen
Beobachter bekennt sich Harlan nach der Machtübernahme
der Nationalsozialisten zu deren Politik.
- 1934
- Nach seinem erfolgreichen Debüt als Regisseur mit
"Krach im Hinterhaus" wechselt Harlan ganz in das Filmgeschäft
über.
- 1937
- Die Verfilmung der "Kreutzersonate" wird ein
großer Kassenerfolg.
- Joseph Goebbels wird durch den im Propagandastil des NS-Regimes
gedrehten Film "Der Herrscher" auf Harlan aufmerksam
und macht ihn zu einem der führenden Regisseure. Für
den Film erhält er den "Nationalen Filmpreis".
- 1938
- Harlans Film "Jugend" ist das Deutschlanddebüt
für die schwedische Schauspielerin Kristina Söderbaum,
die seine Geliebte wird und künftig in fast allen seinen
Filmen auftritt.
- Mit "Verwehte Spuren" stellt sich Harlan in den Dienst
der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP).
Er nimmt für diesen Zweck Teile der NS-Propaganda
als Elemente in seine Filme auf.
- 1939
- Heirat mit Söderbaum. Aus dieser Ehe gehen zwei
Kinder hervor. Das Ehepaar betreibt in seinen technisch herausragenden
Filmen mit monumentalen und melodramatischen Bildern eine bewußte
Unterstützung der NS-Propaganda.
- 1940
- Von Goebbels erhält Harlan den Auftrag für
den antisemitischen Hetzfilm "Jud Süß". Harlan
ist am Drehbuch beteiligt und führt Regie, seine Frau hat
ebenso wie Heinrich George eine Rolle darin. Dieser Film,
in Osteuropa während des Zweiten Weltkriegs zur Unterstützung
der Deportationen von Juden in Konzentrationslager (KZ)
gezeigt, wird später zu einem Hauptanklagepunkt gegen ihn.
- 1941
- Mit dem monumentalen Heldenepos "Der große
König" über Friedrich II. (1712-1786) glorifiziert
Harlan Patriotismus, Pflichterfüllung und nationale Opferbereitschaft.
- 1942-1944
- Die Farbfilme "Die goldene Stadt", "Immensee"
und "Opfergang" entstehen.
- 1943
- Zum 25jährigen Jubiläum der Universum-Film
AG (Ufa) erhält er den Professorentitel.
- 1944/45
- Harlan dreht den Durchhaltefilm "Kolberg",
der einen dringenden Appell vermittelt, den Kampf bis zum Ende
zu führen. Dieser Film ist mit 8,5 Millionen Reichsmark Kosten
der bis dahin teuerste der deutschen Filmgeschichte. Dazu erhält
er die uneingeschränkte Unterstützung durch die Wehrmacht
und die staatlichen Organe.
- 1945-1947
- Nach Kriegsende wird Harlan mehrere Male verhaftet
und vor Gericht gestellt, schließlich aber als "Entlasteter"
eingestuft.
- 1947-1950
- In drei weiteren Prozessen vor dem Hamburger Schwurgericht
muß sich Harlan aufgrund seiner Propagandaunterstützung
für das NS-Regime verantworten. Für "Jud Süß"
wird er wegen Verbrechen an der Menschlichkeit angeklagt. Harlan
wird vorgeworfen, durch den Film eine Mitschuld an der Judenvernichtung
zu tragen. Er streitet sowohl seinen Antisemitismus als
auch seine Komplizenschaft zu den Nationalsozialisten ab und behauptet,
diese hätten seine Kunst "mißbraucht" und
ihn zur Regie zu "Jud Süß" gezwungen. Harlan
wird schließlich in allen drei Prozessen freigesprochen.
- 1950
- Er zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück.
- 1951
- Mit seinem ersten Nachkriegsfilm "Unsterbliche
Geliebte" gelingt Harlan ein Comeback als Regisseur. Dies
löst aber zugleich Gegendemonstrationen und Boykottversuche
aus.
- 1952-1958
- Er dreht noch mehrere Filme mit seiner Frau in
den Hauptrollen, u.a. "Die blaue Stunde" (1952), "Sterne
über Colombo" (1953), "Verrat an Deutschland"
(1954) und "Das dritte Geschlecht" (1957).
- 1964
- 13. April: Veit Harlan stirbt während eines Urlaubs
auf Capri (Italien).
- 1966
- Seine während der Nachkriegszeit geschriebene Autobiographie
"Im Schatten meiner Filme" wird veröffentlicht.
(mw)
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