Die Säule von Cape Cross

Die Säule von Cape Cross

Koloniale Objekte und historische Gerechtigkeit

Symposium am 7. Juni 2018

In der Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums befindet sich die Wappensäule von Cape Cross – ein umstrittenes Exponat. Sie zeigt das portugiesische Wappen,  gekrönt von einem Kreuz. Auf ihr ist in Lateinisch und Portugiesisch der Herrschaftsanspruch des portugiesischen Königs João II. über das Land festgehalten, der sich über die aufgestellte Säule manifestierte. Die Wappensäule ging im 19. Jahrhundert in deutschen Besitz über, als das entsprechende Gebiet Teil der Kolonie „Deutsch-Südwest-Afrika“ geworden war. Kaiser Wilhelm II. ließ an der Stelle der Cape Cross-Säule ein eigenes Herrschaftszeichen errichten. Dafür aber wurde die von den Portugiesen aufgestellte Säule aus dem 15. Jahrhundert nun ins Deutsche Kaiserreich verfrachtet.
Namibia hat im Jahr 2017 einen Anspruch auf die Wappensäule bekundet. Das Deutsche Historische Museum möchte die Diskussion um die Säule zum Anlass nehmen, um Fragen historischer Gerechtigkeit zu erörtern. Dazu werden Philosophen, Historiker, Völkerrechtler, Ethnologen, Politiker und Experten aus der Museumswelt Europas und Afrikas miteinander ins Gespräch treten.

Programm

Stand: 16.04.2018

8.30–9.30 Registrierung

9.30–11.00 Begrüßung und Ansprachen

  • Raphael Gross
    Präsident, Deutsches Historisches Museum, Berlin
  • Monika Grütters MdB   
    Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin
    Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
  • Katrina Hanse-Himarwa
    Ministerin für Bildung, Kunst und Kultur, Namibia

Rahmenvortrag

  • Koloniale Objekte: oktroyiert, angeeignet, ausgetauscht, Francisco Bethencourt, King’s College, London

11.00–11.30 Pause

11.30–13.00 Panel I: Postkolonialismus und historische Gerechtigkeit

Moderation: Susan Neiman, Einstein Forum, Potsdam

  • Gerechtigkeit in der Zeit. Normative Überlegungen zur Rückforderung von Objekten aus der Kolonialzeit, Lukas H. Meyer, Karl-Franzens-Universität, Graz
  • Gerechtigkeit unter postkolonialen Vorzeichen, Achille Mbembe, University of the Witwatersrand, Johannesburg
  • Die Säule von Cape Cross und das Völkerrecht, Sophie Schönberger, Universität Konstanz

13.00–14.30 Mittagspause

14.30–16.00 Panel II: Namibisch-deutsche Geschichte(n) und ihre museale Präsentation

Moderation: Larissa Förster, Humboldt-Universität zu Berlin

  • Daniel Karikos Widerstand in Cape Cross. Deutsche Kolonialherrschaft und afrikanischen Ortsgeschichte in Namibia, Dag Henrichsen, Basler Afrika Bibliographien, Basel
  • Das Reiterdenkmal – ein umstrittenes Denkmal in Windhoek, Namibia, Goodman Gwasira, UNAM University of Namibia, Windhoek
  • Museale Objekte, Erinnerung und Identität in Namibia, Jeremy Silvester, Museums Association of Namibia, Windhoek

16.00–16.30 Pause

16.30–18.00 Abschlussdiskussion: Historische Gerechtigkeit im Museum

Moderation: Julia Voss, Leuphana Universität Lüneburg

  • Achille Mbembe, University of the Witwatersrand, Johannesburg
  • Winani Kgwatalala, Botswana National Museum, Gaborone
  • Lukas H. Meyer, Karl-Franzens-Universität, Graz
  • Sebastian Conrad, Friedrich-Meinecke-Institut, Freie Universität Berlin
  • Ruprecht Polenz, Sondergesandter der Bundesregierung für die deutsch-namibische Vergangenheitsbewältigung

Anmeldung

Anmeldung erforderlich bis 24. Mai 2018 unter events.dhm.de

Teilnahme kostenfrei

Konferenzsprachen

Deutsch und Englisch

Kontakt

Vera von Lehsten
tagungsbuero@dhm.de
Tel. +49 (0)30 20304-392

Veranstaltungsreihe Historische Urteilskraft

Das Deutsche Historische Museum versteht sich als ein Ort zur Stärkung historischer und politischer Urteilskraft. Diese brauchen wir, wenn wir Ereignisse der Gegenwart im Lichte der Vergangenheit reflektieren, uns an vergangenes Geschehen erinnern oder es erforschen. Historisch-politische Urteilskraft bildet sich in der Diskussion vielfältiger, oft gegensätzlicher Meinungen. Für solche Diskussionen ist das Deutsche Historische Museum ein zentraler Ort. In ihnen geht es weder darum, Vergangenheit möglichst vollständig und lückenlos auszustellen, noch darum, eine große Erzählung der deutschen Geschichte zu erschaffen oder umgekehrt große Erzählungen vollständig in unendlich viele subjektive Erzählungen aufzulösen.

Ziel ist vielmehr, im Sinne eines aufklärerischen Impulses immer wieder nach Wahrheit zu suchen und eine Verständigung über Geschichte herbeizuführen, um diese dann erneut im Lichte neuer Fakten und Ereignisse in Frage stellen zu lassen. Auch um eine wertfreie oder emotionslose Beurteilung von Geschichte geht es nicht. Historische Debatten werden stets auch von Emotionen getragen und ohne Wertungen könnten wir nicht zwischen "wichtig" und "unwichtig" unterscheiden. Aber Gefühle können unangemessen, Wertungen irreführend sein.

Zur historischen Urteilskraft gehört die Fähigkeit, sich ihrer Bedeutung bewusst zu werden und auch Gefühle moralischer Empörung, die von vielen geteilt werden, durch Gründe infrage stellen zu können. Dazu gehört insbesondere die Fähigkeit, Fakten in ihrer Eigenständigkeit zu sehen und nicht in Meinungen aufzulösen. Meinungen müssen sich den Einspruch von Quellen gefallen lassen.

Im Zentrum der neuen Veranstaltungsreihe "Historische Urteilskraft" stehen zentrale Themen deutscher Geschichte mit ihren aktuellen politischen und musealen Bezügen. Die Reihe richtet sich an ein interessiertes Publikum aus Berlin, Deutschland und der ganzen Welt ebenso wie an die Fachöffentlichkeit aus Wissenschaft und Politik.

Die neue Veranstaltungsreihe des Deutschen Historischen Museums "Historische Urteilskraft" wird gefördert von Christiane und Nicolaus Weickart.