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    WELTRAUMKINO
EINE RETROSPEKTIVE

 

WELTRAUMKINO - EINE RETROSPEKTIVE

Anlässlich des 50. Jubiläums des ersten bemannten Weltraumfluges präsentiert die Retrospektive WELTRAUMKINO eine Geschichte des Science-Fiction-Films. In ihrem Mittelpunkt stehen phantastische Visionen der Handlungssphäre Weltraum: Eroberungen des Kosmos, die Entdeckung extraterrestrischer Welten und die Begegnung mit fremden Zivilisationen in fernen Galaxien. Doch auch ihr komplementäres Motiv – die Landung der Außerirdischen auf der Erde und deren Eindringen in „unsere“ Zivilisation – prägt eine zweite, kleinere Gruppe der für die Retrospektive ausgewählten Filme. Seit den frühen 1950er Jahren ein eigenständiges Genre und bis heute von einer anhaltenden Vitalität und Popularität, ist der Science-Fiction-Film ein kaum fassbares Genre geblieben: mitunter philosophischen Reflexionen nicht abgeneigt, zeitweise von einem schier grenzenlosen Fortschrittsglauben beseelt, doch immer häufiger auch von skeptischen Zukunftsvisionen durchzogen. Unabhängig von solchen, je unterschiedlichen Konfigurationen von Expansion oder Invasion, Utopie oder Dystopie hat kein anderes Medium unsere Vorstellungen von Weltall, außerirdischem Leben und zukünftigen Erfahrungsräumen so nachhaltig geprägt wie das Kino. Die umfassende Retrospektive spiegelt das Weltraumkino in seiner ganzen Bandbreite, legt dabei jedoch einen Schwerpunkt auf die Filme der 1950er bis 1970er Jahre.
Eine Retrospektive in Zusammenarbeit mit der Emmy Noether-Forschergruppe „Die Zukunft in den Sternen: Europäischer Astrofuturismus und außerirdisches Leben im 20. Jahrhundert“ der Freien Universität Berlin.

 

 

WELTRAUMKINO
Le voyage dans la lune
Die Reise zum Mond
F 1902, R: Georges Méličs, D: Georges Méličs, Bleuette Bernon,Victor André, Henri Delannoy sowie Tänzerinnen des Théatre du Chátelet und Akrobaten des Folies-Bergčre, 16’ 35 mm, dt. ZT

Excursion dans la lune
F 1908, R: Segundo de Chomón, 7’ 35 mm

Himmelskibet
Flug zum Mars
DK 1918, R: Holger-Madsen, D: Nicolai Neilendam, Gunnar Tolnaes, Zanny Petersen, Lily Jacobson, Svend Kornbeck, Alf Blütecher, Frederick Jacobsen 80’ 35 mm, dän. + engl. ZT

Nach Motiven von Jules Vernes und H. G. Wells beschreibt Le voyage dans la lune„in einer faszinierenden Mischung aus umwerfender Naivität und beeindruckendem tricktechnischen Erfindungsreichtum“ (Lexikon des Internationalen Films) die Mondexpedition einer Gruppe von Wissenschaftlern. In einer der berühmtesten Szene der Filmgeschichte landet ihr Raketengeschoss direkt im Auge des Mannes im Mond, der schmerzhaft das Gesicht verzieht. Auch die erste Begegnung mit Außerirdischen verläuft eher brutal: Mittels der mitgeführten Regenschirme werden die angreifenden Seleniten kurzerhand vernichtet, bevor die Reisegruppe überstürzt die Flucht zurück zur Erde antritt. Als professioneller Zauberkünstler und Besitzer eines Theaters war Méliès’ Film so erfolgreich, dass Adaptionen desselben Stoffes nicht lange auf sich warten ließen. Excursion dans la lune stellt ein solches frühes Remake dar.
Himmelskibet (Flug zum Mars)ist der erste abendfüllende Weltraumfilm der Filmgeschichte. Eine internationale Expedition unter Leitung von Kapitän Avanti Planetaros reist mit dem propellergetriebenen Luftschiff Excelsior zum Mars. Nach gefahrvoller Fahrt treffen sie dort auf eine technisch und moralisch deutlich fortgeschrittenere Zivilisation. Die Begegnung mit dem radikal Fremden droht dramatisch zu scheitern, bis sich eine interplanetarische Liebesbeziehung entwickelt. Zuletzt erklärt sich die Tochter des Chefastronomen bereit, zusammen mit der Mannschaft die Rückreise zur Erde anzutreten, um dort den Menschen die Marsianer-Botschaft von Liebe, Reinheit und Frieden zu verkünden.
Auf einem Buch von Sophus Michaëlis basierend und unverkennbar Motive aus Kurd Lasswitz’ Auf zwei Planeten aufgreifend, beeindruckt dieser im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs gedrehte Weltraumfilm durch sein handwerkliches Können und die eindeutig pazifistische Botschaft. „Wen reichlicher Aufwand von frommweißen Gewändern, blondhaarigen Jungfrauen, feierlichen Schrittübungen und Opferfeuern vom Jammer dieser Welt auf ein paar Stunden erlösen können, der fahre mit diesem Himmelsschiff, das wohl als Goldschiff gedacht ist“, befand die Vossische Zeitung am 14. März 1918. Himmelskibet wurde 2006 vom Dänischen Filminstitut aufwändig restauriert. (ag)

Klavierbegleitung: Eunice Martins
Einführung: Alexander C.T. Geppert

am 1.4.2011 um 21.00 Uhr

 

 

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Destination Moon
Endstation Mond

USA 1950, R: Irving Pichel, D: John Archer, Tom Powers, Warner Robinson, Dick Wesson, 92’ 35 mm, OF

Amerika, irgendwann in den Fünfzigern. Eine Rakete mit einem Satelliten an Bord geht verloren, vielleicht durch Sabotage. Visionäre Industrielle ermöglichen nun den Bau eines atomgetriebenen Raumschiffs, das nach vorzeitigem Start vier mutige Männer, darunter den Konstrukteur, glücklich zum Mond trägt. Aber gelingt auch die Rückkehr zur Erde?
George Pal, als György Pál Marczincsak 1908 in Ungarn geboren, in den frühen 1930er Jahren Leiter eines Berliner Trickfilmstudios und seit 1940 in den USA tätig, produzierte 1950 den ersten amerikanischen Science-Fiction-Film, der die Raumfahrt physikalisch korrekt darstellte. Destination Moon basiert auf einem Roman des Zukunftsautors Robert A. Heinlein, verrät aber auch Kenntnisse der V2-Raketen, die 1945 von Deutschland in die USA transportiert und dort zu Forschungszwecken gestartet wurden. Unter der Regie von Irving Pichel entstand ein mitunter lehrhaftes, aber nie langweiliges Technikdrama, das den Kalten Krieg andeutet, doch weitgehend unmilitärisch daherkommt – der General im Film ist pensioniert.
Die Mondlandschaften und Erdansichten malte der berühmte Weltraumkünstler Chesley Bonestell. Destination Moon gewann 1951 gegen Samson and Delilah den Oscar für die besten visuellen Effekte und erhielt im Juni bei der ersten Berlinale einen Bronzenen Bären in der Kategorie „Kriminal- und Abenteuerfilm“. Dennoch blieben die deutschen Einnahmen bescheiden. „Es ist zu wenig Erotik drin“, zitierte Der Spiegel einen Verleiher, „da fehlt das große Frauenpublikum“ (30.1.1952). (rb)

Einführung am 2.4.: Ralf Bülow
am 2.4.2011 um 19.00 Uhr
am 10.4.2011 um 21.00 Uhr

 

 

WELTRAUMKINO
The Day the Earth Stood Still
Der Tag, an dem die Erde stillstand

USA 1951, R: Robert Wise, K: Leo Tover, M: Bernard Herrmann, D: Michael Rennie, Patricia Neal, Sam Jaffe, Billy Gray, 92’ 35 mm, OF

Auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs landet der Außerirdische Klaatu (Michael Rennie) in Begleitung des riesigen Roboters Gort mit einem Raumschiff in Washington, D.C. Als interplanetarischer Abgesandter will er die Staaten der Erde vor einem Atomkrieg warnen, dessen Ausbruch die Zerstörung des Planeten durch eine interplanetarische Allianz zur Folge hätte. Bevor Klaatu seine Botschaft jedoch übermitteln kann, wird er irrtümlicherweise von dem herangezogenen Militär angeschossen. Auf der Flucht vor Armee und Polizei bemüht sich Klaatu, mit Hilfe der Witwe Helen Benson (Patricia Neal) und ihres Sohnes Bobby seiner Botschaft unter den Menschen Gehör zu verschaffen.
The Day the Earth Stood Still steht am Anfang einer Strömung des ernsthaften Science-Fiction-Films und hat wenig von seiner visuellen und dramaturgischen Eindrücklichkeit verloren, die ihn zu dem bis heute einflussreichsten Weltraumfilm der 1950er Jahre gemacht hat. In dem Bemühen um eine quasi-dokumentarische Glaubwürdigkeit setzt Robert Wise weniger auf Spezialeffekte als auf die Kraft eines tiefgründigen Drehbuchs (Edmund H. North) und hervorragende Schauspielleistungen. Die Form der Science Fiction ermöglichte Wise eine tiefgreifende Reflexion des Kalten Kriegs, in dessen Hochphase die Produktion des Films fiel. Klaatu barada nikto! (tk)

Einführung am 2.4.: Till Kössler
am 2.4.2011 um 21.00 Uhr
am 3.4.2011 um 21.00 Uhr

 

 

WELTRAUMKINO
Frau im Mond
D 1929, R: Fritz Lang, D: Klaus Pohl, Willy Fritsch, Gerda Maurus, Gustav von Wangenheim, Fritz Rasp, Gustl Stark-Gstettenbaur, 184’ 35 mm

Das von einer spannungsreichen Wechselwirkung zwischen science und fiction gekennzeichnete Melodrama Frau im Mond gilt als Höhepunkt des „Raketenrummels“ der Weimarer Republik. Um seine Visionen so realistisch wie möglich zu gestalten, hatte Regisseur Fritz Lang die maßgeblichen Experten der frühen Weltraumbewegung als Berater engagiert, unter anderem Hermann Oberth und Willy Ley. An der Premiere im Berliner UFA-Palast am Zoo am 15. Oktober 1929 nahmen Albert Einstein, der amerikanische Botschafter und der Pressezar Alfred Hugenberg teil. Frau im Mond schuf eine eigene, lange nachwirkende Bildsprache für die neuen extraterrestrischen Vorstellungswelten und lief mit großem Erfolg auch in englischen, französischen und amerikanischen Kinos.
Wie schon Metropolis basierte auch Frau im Mond auf einem Drehbuch von Langs Noch-Ehefrau Thea von Harbou, die er kurz zuvor für die Frau im Mond selbst, die attraktive Gerda Maurus, verlassen hatte. Der Film inszeniert die erste Mondlandung zugleich als Technikspektakel, Psychodrama und komplizierte Dreiecksgeschichte. Während Lang für sich in Anspruch nahm, mit dem Film den Countdown erfunden zu haben, urteilte sein Mitstreiter, der deutsch-amerikanische Wissenschaftspublizist Willy Ley einige Jahrzehnte später, „Frau im Mond was, and (with allowances for improved movie making techniques) still is one of the best science fiction movies ever made“. (ag)

Klavierbegleitung: Stephan von Bothmer
Einführung: Alexander C.T. Geppert
am 3.4.2011 um 17.00 Uhr

 

 

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It Came from Outer Space
Gefahr aus dem Weltall

USA 1953, R: Jack Arnold, D: Richard Carlson, Barbara Rush, Charles Drake, Russell Johnson, 80’ 35 mm, 3D-Kopie, DF

Anfangs glaubt ihm niemand. Der Hobbyastronom John Putnam steigt als erster in den tiefen Krater, den ein herabstürzender Himmelskörper in die Wüste Arizonas gerissen hat, und will seinen Augen nicht trauen: ein Raumschiff. Doch nach einem Einsturz liegt es nun unter Erdmassen begraben. Polizei und Presse gehen von einem Asteroiden aus. Nicht einmal Johns Freundin Ellen ist sich sicher, ob sie ihm glauben soll. Doch bald passieren seltsame Dinge in der nahegelegenen Kleinstadt. Bewohner verschwinden, tauchen wenig später wieder auf, sind aber nicht mehr sie selbst. Unter der Bevölkerung bricht Panik aus; gewaltsamer Widerstand formiert sich gegen die fremde, unsichtbare Macht. Doch wer stellt für wen die größere Gefahr dar: die Außerirdischen für die Menschheit – oder umgekehrt?
Aufwändig als einer der ersten Filme überhaupt im 3-D-Verfahren produziert und in Stereosound vertont, setzte It Came from Outer Space nicht nur in technischer Hinsicht Maßstäbe. Auf der Erzählung The Meteor von Ray Bradbury basierend, erwies sich der erste Science-Fiction-Film des Regisseurs Jack Arnold als stilbildend. Eindrucksvolle Filmaufnahmen aus der Perspektive der Außerirdischen kehren den Betrachtungswinkel um und zeigen Menschen aus extraterrestrischer Sicht. Der Hauptdarsteller Richard Carlson verkörpert in seiner Rolle als John Putnam den Prototypen des Science-Fiction-Charakters schlechthin: ein von seinen Mitmenschen nicht ernst genommener Außenseiter und Amateurwissenschaftler, dem alleine die Rettung der Menschheit gelingen kann. „A genuine classic“ (Bill Warren). Wir zeigen eine 3D-Kopie des Films. (tr)

Einführung: Tom Reichard
am 8.4.2011 um 21.00 Uhr

 

 

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Conquest of Space
Die Eroberung des Weltalls

USA 1955, R: Byron Haskin, P: George Pal, D: Walter Brooke, Eric Fleming, Mickey Shaughnessy, Phil Foster, Benson Fong, 81’ 35 mm, OF

Conquest of Space erzählt von einer Gruppe von Wissenschaftlern, die auf einer radförmigen Weltraumstation arbeiten und sich auf eine Reise zum Mond vorbereiten. Doch das Ziel der Reise wird geändert und ein fünfköpfiges Team macht sich auf den Weg zum Mars. Conquest of Space beabsichtigt, basierend auf dem gleichnamigen Sachbuch von Willy Ley und Chesley Bonestell die alltäglichen Herausforderungen des Lebens im All so realistisch wie möglich zu schildern, nimmt sich aber am Ende auch einer religiösen Thematik an. Der Kommandant beginnt plötzlich am Sinn der Mission zu zweifeln, da der Mensch nicht das Recht habe, den Weltraum zu erobern. Er versucht das Raumschiff zu sabotieren und wird dabei von seinem eigenen Sohn getötet, der die Mission erfolgreich zum Abschluss bringt.
Die ehrgeizig inszenierten Spezialeffekte wurden von Rezensenten gelobt, doch der Film war ein kommerzieller Misserfolg, der George Pals Karriere bei Paramount beendete. Erst 1960 kehrte er mit The Time Machine zum Science-Fiction-Genre zurück. Im Rückblick lässt sich Conquest of Space als origineller und mutiger Beitrag in eine Reihe von Versuchen der 1950er und 1960er Jahre einordnen, die als unumgänglich erachtete Eroberung des Weltalls wissenschaftlich fundiert darzustellen und darüber hinaus weltanschaulich zu deuten. (tw)

Einführung: Thomas P. Weber
am 9.4.2011 um 19.00 Uhr

 

 

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Ikarie XB 1
CSSR 1963, R: Jindrich Polák, D: Zdenek Stepánek, Radovan Lukavský, Frantisek Smolík, Otto Lackovic, 81’ 35 mm, OmeU

Im Jahre 2163. Verzweifelt irrt ein Kosmonaut der Ikarie XB1 durch die labyrinthischen Gänge des Raumschiffes. Es drängt ihn zurück zur Erde, doch die Fahrt geht in die Zukunft: zum Sternsystem Alpha Centauri. Auf der Suche nach neuem Leben im Weltall trifft das internationale Team der Ikarie XB1 auf tödliche Gefahren.
Angelehnt an Stanisław Lems Roman Gast im Weltraum (1955) entwirft Regisseur Jindřich Polák das Bild einer künftigen Gesellschaft. Wissenschaft und Technologie sollen für ein besseres Leben aller Menschen eingesetzt und nicht für Profit- und Kriegsinteressen missbraucht werden – eine kritische Antwort auf die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts. Fern von plumper Politpropaganda wirft Poláks Film Fragen auf, die heute nicht minder aktuell sind. Das Verhältnis von Mensch und Maschine, die Rolle der Wissenschaft und ihrer Grenzen, die Bedeutung von Raum und Zeit sowie das Motiv des Ikarus-Mythos werden reflektiert. Uraufgeführt ein Jahr nach der Kuba-Krise 1962 steht Ikarie XB1 merklich im Kontext des Kalten Krieges. Seitdem zu Unrecht in Vergessenheit geraten, gehört er nicht zuletzt dank der fesselnden Regie, der schauspielerischen Leistungen und seiner nach wie vor aktuellen Gesellschaftskritik zu den interessantesten Filmen der wissenschaftlichen Fantastik des früheren Ostblocks. „Zweifellos ein bemerkenswert eigenständiges Werk“ (Dario Magno). (kr)

Einführung: Katja Rippert
am 9.4.2011 um 21.00 Uhr

 

 

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Forbidden Planet
Alarm im Weltall

USA 1956, R: Fred McLeod Wilcox, D: Walter Pidgeon, Anne Francis, Leslie Nielsen, Warren Stevens, Jack Kelly, 99’ 35 mm, OF

Forbidden Planet ist der vielleicht vielschichtigste Weltraumklassiker der 1950er Jahre, an dem sich nicht zuletzt die enorme Popularität ablesen lässt, die die Psychoanalyse zu dieser Zeit in Hollywood genoss. John J. Adams (Leslie Nielsen in seiner ersten Rolle), Commander des Weltraumkreuzers C-57-D, hat von der Regierung der Vereinten Planeten den Auftrag erhalten, zum Planeten Altair IV zu fliegen, um dort das Schicksal einer vor zwanzig Jahren verschollenen Expedition aufzuklären. Nur der wahnsinnig gewordene Leiter des damaligen Unternehmens, Professor Morbius, hat zusammen mit seiner ebenso schönen wie unschuldigen Tochter Altaira (die kürzlich verstorbene Anne Francis in ihrer ersten bekannten Rolle) überlebt. Heimlicher Held des Films ist jedoch Robby, ein omnipotenter Roboter.
Die Mischung aus Freudschen Theoremen, elektronischer Musik (Bebe und Louis Barron) und unverhohlenen Anleihen bei Shakespeares Tempest machen Forbidden Planet zur letzten großen space opera vor den 1970er Jahren. Zugleich wirft der Film große Fragen nach der Beherrschbarkeit der Technik wie des Selbst auf. „Outer Space is unthinkable without monsters, and it must be becoming more and more difficult to invent a new and satisfactory brand. The way Forbidden Planet solves this particular problem is masterly“, befand die Times am 11. Juni 1956, während ihr New Yorker Pendant anspielungsreich titelte: „Forbidden Planet is out of this world“ (4.5.1956). (ag)

Einführung: Alexander C.T. Geppert
am 22.4.2011 um 21.00 Uhr

 

 

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Der schweigende Stern
DDR/PL 1960, R: Kurt Maetzig, D: Yoki Tani, Oldrich Lukes, Ignacy Machowski, Julius Ongewe, Michail N. Postnikow, Kurt Rackelmann, Günther Simon, Eva-Maria Hagen, 95’ 35 mm

1960, keine zweieinhalb Jahre nachdem Sputnik I als erster künstlicher Satellit die Erde umkreiste, kam Der schweigende Stern als erster Science-Fiction-Film der DEFA in die Kinos. Einer ihrer Gründungsväter, Kurt Maetzig, führte Regie bei dieser deutsch-polnischen Co-Produktion nach dem Roman Die Astronauten von Stanisław Lem. Eva-Maria Hagen ist in einer Nebenrolle zu bewundern. Bereits diese wenigen Eckdaten verorten Der schweigende Stern mitten in der DDR-Kulturgeschichte.
1970 entschlüsselt ein internationales Team von Wissenschaftlern bruchstückhaft eine Botschaft von Venus-Bewohnern und bricht zu einer Expedition ins Weltall auf. Dort entdecken und erforschen sie in tricktechnisch meisterhaft inszenierten Sequenzen das Overkill-Szenario der atomar zerstörten Venus. Maetzig knüpfte an Bilder aus Fritz Langs Frau im Mond an und verbrauchte eine ganze DDR-Jahres-Produktion an Leim. Die Helden müssen schließlich unter Opfern fliehen und warnen die Menschheit, auf der Venus etwas gesehen zu haben, „was uns zugedacht war“. Zwischen spannungsreicher Inszenierung und eindeutiger Botschaft oszillierend, ist Der schweigende Stern nicht nur dem Science-Fiction-Genre verpflichtet, sondern auch als Spielart des DDR-Gegenwartskinos zu begreifen. (af)

Einführung am 23.4.: Anna Frank
am 23.4.2011 um 19.00 Uhr
am 24.4.2011 um 21.00 Uhr

 

 

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Invaders from Mars
Invasion vom Mars

USA 1953, R: William Cameron Menzies, D: Jimmy Hunt, Helena Carter, Arthur Franz, 81’ 35 mm, OF

Vor dem House Committee on Un-American Activities wurde in der McCarthy-Ära nicht nur die Integrität hochrangiger Wissenschaftler in Frage gestellt, sondern auch prominente Köpfe der Hollywood-Industrie diskreditiert. Die Angst vor gesellschaftlicher Unterwanderung richtet sich in Invaders from Mars allerdings nicht direkt gegen ein vermeintlich kommunistisches Eindringen. Vielmehr ist es ein in einer Sandgrube vergrabenes UFO, von dem aus Außerirdische eine amerikanische Kleinstadt zu infiltrieren beginnen und binnen kurzem ihre soziale Grundlagen erodieren lassen.
Invaders from Mars verfolgt die beunruhigenden Vorkommnisse aus der Perspektive des zehnjährigen David MacLean. Dieser wird Zeuge, wie seine Eltern und andere Stadtbewohner in der verdächtigen Sandgrube verschwinden, um kurze Zeit später wesensverändert zurückzukehren. Verzweifelt offenbart sich David einem Astronomen und einer Ärztin, die als einzige die der gesamten Menschheit drohende Gefahr erkennen wollen. Alles deutet darauf hin, dass die Außerirdischen beabsichtigen, die Entwicklung einer atomaren Weltraum-Abwehrrakete in einer nahegelegenen Militärbasis zu sabotieren.
Invaders from Mars inszeniert das Motiv der gesellschaftlichen Unterwanderung in temporeicher Science-Fiction-Manier und zugleich als bösen Traum eines aufgeweckten Kindes. Davids familiäre Idylle schlägt in Entfremdung und Misstrauen um, vertraute Autoritäten bedrohen die innere Sicherheit einer verunsicherten Nation. Menzies, der als Genie des Set-Designs galt und spätestens seit seiner Verfilmung von H. G. Wells’ Roman Things to Come (1936) zu den großen Science-Fiction-Regisseuren zählte, schuf mit Invaders from Mars einen ebenso phantasievollen wie verstörenden Klassiker, der das gesamte Genre nachhaltig prägte. (fm)

Einführung: Friederike Mehl
am 24.4.2011 um 19.00 Uhr

 

 

WELTRAUMKINO
2001: A Space Odyssey
2001: Odyssee im Weltraum

USA 1968, R: Stanley Kubrick, D: Gary Lockwood, Keir Dullea, William Sylvester, Douglas Rain (HALs Stimme), 141’ 35 mm, OF

Während der space race zwischen den Supermächten in seine Hochphase eintrat, lief in den Kinos einer der kühnsten und einflussreichsten Science-Fiction-Filme aller Zeiten an, Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey. Basierend auf einer Kurzgeschichte des britischen Schriftstellers Arthur C. Clarke erneuerte 2001 wie kein anderer Weltraumfilm ein Genre, das sich bis dahin vor allem durch unglaubwürdige Darstellungen glotzender Monster und verrückter Wissenschaftler ausgezeichnet hatte. 2001, schrieb die F.A.Z. am 31.12.1969, „versetzt in einen Wachtraum oder in eine Halluzination. Das Technologische wird zum Vehikel der Verwandlung des Sensoriums. Der Film antizipiert, weil er an wissenschaftliche Erkenntnisse und reale Erfahrungen anknüpfen kann, die Epoche. Er versetzt magisch in eine Zeit, die hinter der Jahrtausendschwelle liegt.“
Eingerahmt von der Entdeckung mysteriöser schwarzer Monolithen, erzählt der Film eine Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Von der Erfindung des Werkzeugs in prähistorischen Zeit bis zum Routineflug zum Mond im Jahr 2001, über verschiedene Orte, Sphären und Zeiten hinweg scheinen die außerirdischen Artefakte unbekannter Herkunft tiefgreifende Auswirkungen zu haben. Auf der Suche nach ihrem Schöpfer dringt der Mensch in immer entlegenere Gefilde vor, findet jedoch nur zusehends verlorenere Spiegelbilder seiner selbst. Kubricks Obsession für Ausstattungsdetails zusammen mit dem atemberaubendem Soundtrack (u.a. Richard Strauss, Johann Strauß) erschaffen weit mehr als ein nur ehrfürchtiges und realistisches Weltraumdrama. Vielmehr berührt 2001 auch die unermesslichen Sphären imaginärer Welten, die unsere Träume und Taten miteinander verbinden. „Wenn Sie 2001 vollständig verstanden haben, haben wir versagt: Wir wollten viel mehr Fragen stellen, als wir beantwortet haben“ (Arthur C. Clarke). (wm)

Einführung in englischer Sprache am 27.4.: William R. Macauley
am 27.4.2011 um 20.00 Uhr
am 30.4.2011 um 18.00 Uhr

 

 

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I Aim at the Stars
Wernher von Braun (Ich greife nach den Sternen)

BRD/USA 1960, R: J. Lee Thompson, D: Curd Jürgens, Victoria Shaw, Herbert Lom, James Daly, 107’ 16 mm, OF

Der bereits im Vorfeld kontrovers diskutierte Wernher-von-Braun-Film mit Curd Jürgens in der Hauptrolle feierte seine Premiere am 19. August 1960 in München. Der berühmte Raketenpionier, für dieses Ereignis eigens aus den USA angereist, äußerte sich zufrieden: die Darstellung entspreche weitgehend den Geschehnissen. Während er mit den Schauspielern feierte, kam es außerhalb des Kinos zu Protesten mit Handzetteln. Gerade auf einen Direktorenposten bei der NASA gewechselt, sah sich von Braun zunehmend Kritik an seiner Vergangenheit als Waffenentwickler für die Nationalsozialisten und für das amerikanische Militär ausgesetzt. Der Film, so wurde befürchtet, versuche die Weste des Deutsch-Amerikaners reinzuwaschen.
Tatsächlich unterschlägt I Aim at the Stars, der die Lebensgeschichte Wernher von Brauns von dessen Jugend über seine Zeit als Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde bis in die Tage bei der US Army erzählt, verschiedene unbequeme Details. Erstaunlich offensiv versucht der Film jedoch auch, moralische Fragen zu thematisieren, allerdings ohne eine politische Seite für sich gewinnen zu können. So beklagte die F.A.Z. die bemühten „Entblößungen des Helden“: „Obwohl der Film einen englischen Regisseur hat und außer Jürgens kaum einen wesentlichen deutschen Darsteller zeigt, ist zu befürchten, daß das Urteil der Europäer über den in diesem Falle aufgewandten Takt auf das Konto der Nation kommt, aus der Braun stammt. Das ist Pech.“ (1.9.1960). (db)

Einführung: Daniel Brandau
am 29.4.2011 um 21.00 Uhr

 

 

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Dark Star
USA 1974, R: John Carpenter, D: Dan O’Bannon, Cal Kuniholm, Brian Narelle, Dre Pahich, Joe Saunders, 82’ 35 mm, DF

Seit zwanzig Jahren durchkreuzt das Raumschiff Dark Star viele Parallaxensekunden von der Erde entfernte Galaxien. Seine Mission ist es, mit Hilfe intelligenter Atombomben instabile Planeten zu zerstören. Seit der Kommandant nach einem Unfall in Kryostase aufbewahrt wird, häufen sich an Bord die Probleme, selbst die Bodenstation hat das Raumschiff aufgegeben. Die vier zunehmend resignierten Crew-Mitglieder machen weiter Dienst nach Vorschrift und entspannen bei Country-Musik in der Kajüte. Das Arbeitsmotto von Sergeant Doolittle, der das Kommando übernommen hat, lautet „Who cares?“. Die unendliche Langeweile im All lässt die Reise der Dark Star eher als verlorene Mission denn als Abenteuer im Weltraum erscheinen.
Der Debütfilm von John Carpenter entstand unter Mitarbeit von Don O’Bannon mit einem Budget von nur 60.000 Dollar. Gemeinsam übernahmen sie Regie, Drehbuch, Produktion, Musik, Schnitt und Special Effects. O’Bannon spielte zudem die Rolle des Sergeant Pinback. Das zeitgenössische Urteil über den Film fiel positiv aus. Dark Star „could well be the best news for the cinema in a long time“, schrieb die Times am 10.3.1978. Kultstatus erreichte der Film als Parodie auf Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey. Auch in Dark Star entwickeln der Bordcomputer und vor allem Atombombe Nummer 20 ein unberechenbares Eigenleben. Am Ende stellt sich für die Crew – und das Publikum – die Frage, ob es Sergeant Doolittle gelingen wird, die Bombe unter Anwendung cartesianischer Logik von der Sprengung des Raumschiffs abzuhalten. (os, abs)

Einführung am 30.4.: Olga Sparschuh und Anna Barbara Sum
am 30.4.2011 um 21.00 Uhr
am 1.5.2011 um 21.00 Uhr

 

 

WELTRAUMKINO
Signale – Ein Weltraumabenteuer
DDR/PL 1970, R: Gottfried Kolditz, D: Piotr Pawlowski, Jewgeni Sharikow, Alfred Müller, Gojko Mitic, Helmut Schreiber, 91’ 35 mm

In ferner Zukunft bewegt sich im zweiten Science-Fiction-Film der DEFA ein internationales Astronauten-Team durch das weitgehend erschlossene Weltall. Die sechsköpfige Mannschaft um den eigensinnigen Kommandanten Veikko sucht mit der Laika – entgegen aller pessimistischen Computer-Prognosen – zwischen Jupiter und Mars nach dem verschollenen Raumschiff Ikarus. Während die Laika-Mannschaft auf den Unglücksort zusteuert und ihre Gedanken dabei um menschliche Beziehungen, Haltungen und Schicksale kreisen, kämpfen die Kosmonauten auf der Ikarus um ihr nacktes Überleben. Es spielen unter anderem Alfred Müller, Hauptdarsteller im 1965 spektakulär verbotenen Maetzig-Film Das Kaninchen bin ich, und Gojko Mitic, Hauptdarsteller in mehreren DEFA-Indianerfilmen.
Signale ist als teuerster Film der DEFA-Geschichte eine Inszenierung der technischen Möglichkeiten und zugleich Ausdruck einer Hinwendung zu individuellen Helden im Spielfilm: „Was da an raumfahrttechnischen Konstruktionen in eindrucksvollen Trickaufnahmen im Bild erscheint und kaum einen Vergleich mit Hollywoods Superschau 2001: Odyssee im Weltraum zu scheuen braucht, basiert auf heutigen Erfahrungen und nimmt nur wahrscheinliche künftige Entwicklungen vorweg“ (Der Tagesspiegel, 10.1.1971). (af)

Einführung: Anna Frank
am 1.5.2011 um 19.00 Uhr

 

 

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Soljaris
Solaris

UdSSR 1972, R: Andrei Tarkovski, D: Donatas Banionis, Natalya Bondartschuk, Jurij Jarvet, Anatoloij Solinicin, 171’ 35 mm, OmeU

Solaris hat keine Eile und lässt dem Zuschauer Zeit, durch den imaginären Raum zu schweben und zu irren. Erinnerungen und Panoramen des Selbst irgendwo im Weltraum, eine mysteriöse Intelligenz, mit der nicht kommuniziert werden kann und die unverständlich intelligenter als der Mensch ist und ihn zugleich spiegelt. Dieses Meisterwerk des Science-Fiction-Genres, eine Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Stanisław Lem, stellt zugleich eine Reflexion über die Verbindung von Realität und Imagination dar, über die Darstellung menschlichen Lebens in der Kunst und nicht zuletzt über Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey von 1968.
Der Psychologe Kris Kelvin erhält den Auftrag, über das Fortbestehen von wissenschaftlichen Untersuchungen im Orbit des Planeten Solaris zu entscheiden, welcher von einem sonderbaren Ozean bedeckt ist. Dort angekommen, findet er eine desolate Raumstation und nur noch zwei Besatzungsmitglieder vor. Als Kris den Ort erkundet, trifft er auf seine Jahre zuvor verstorbene Ehefrau Hari und beginnt einen Kampf mit sich selbst, während sich das Schicksal von Mensch und Solaris immer weiter verweben.
Zählt Solaris heute zu den herausragenden Werken Tarkovskijs, schien er zeitgenössischen Kritikern in Ost und West vor allem dessen systemübergreifendes Außenseiterdasein zu bestätigen. „Perhaps it is an indirect reflection of his own situation in the Soviet cinema – an accute and aggravated instant… – that all Tarkovsky’s films have dealt with man’s survival in alien worlds,“ schrieb die Times am 4. Mai 1973. (jb)

Einführung: Julia Breittruck
am 4.5.2011 um 19.30 Uhr

 

 

WELTRAUMKINO
The Man Who Fell to Earth
Der Mann, der vom Himmel fiel

GB 1976, R: Nicolas Roeg, D: David Bowie, Rip Torn, Candy Clark, 138’ 35 mm, DF

„In Brueghel’s Icarus, for instance: how everything turns away / Quite leisurely from the disaster“ – diese Zeile aus einem Gedicht von W. H. Auden und das Bild von Pieter Brueghel, das es beschreibt, stehen am Beginn von Nicolas Roegs The Man Who Fell to Earth. Der Film erzählt von Thomas Jerome Newton, einem humanoiden Alien, der auf die Erde kommt, um Wasser für seinen vertrocknenden Heimatplaneten zu sammeln und seine verdurstende Familie zu retten. Dank seines extraterrestrischen Wissens erlangt Newton binnen kurzem unermesslichen Reichtum, aber seine Mission scheitert. Unter dem betäubenden Doppel-Einfluss von Alkohol und Fernsehen wendet er sich von dem Desaster seines Planeten ab, nachdem sich zuvor seine irdischen Freunde von seinem Desaster abgewendet haben. Ikarus fällt zur Erde und zerbricht an ihrer rauen Realität.
Thomas Jerome Newton ist eine Rockstar-Existenz: bewundert, überlegen und doch einsam. David Bowie verkörpert diese Figur. 1976, auf dem Höhepunkt seines Starruhms und Drogenkonsums, bedarf er keiner Maske, um „alien“, fremd und entfremdet, zerbrechlich und isoliert zu wirken. Diese Stimmungen evoziert auch die collagenartige, episodische Inszenierung von Nicolas Roeg. „Mit seinem Film hat das Science-Fiction-Genre, oft fälschlich als trivial geschmäht, einen neuen Höhepunkt erreicht.“ (Die Zeit, 27.8.1976). (tb)

Einführung: Tobias Becker
am 6.5.2011 um 21.00 Uhr

 

 

WELTRAUMKINO
District 9
USA/NZ/ZA 2009, R: Neill Blomkamp, P: Peter Jackson, D: Sharlto Copley, Jason Cope, David James, 112’ 35 mm, OF

Anfang der achtziger Jahre brachte ein über Johannesburg gestrandetes Raumschiff dessen außerirdische Passagiere auf die Erde. Seit die anfängliche Neugierde der Menschheit gegenüber den harmlosen Aliens erloschen ist, leben diese zusammengepfercht im District 9 getauften Slum, wo sie als Opfer von Schikane und Ausbeutung zunehmend in Apathie verfallen. Doch nicht alle Gettobewohner fügen sich in ihr Schicksal, als ein multinationales Unternehmen beauftragt wird, die so genannten prawnsin ein weiter entferntes Lager umzusiedeln. Zum unverhofften Verbündeten und Wanderer zwischen den Welten mutiert der graue Verwaltungsangestellte Wikus van der Merwe. Seinen kafkaesken Erlebnissen folgend, avanciert der Film zur Fabel für Segregation und Xenophobie.
Der selbst aus Johannesburg stammende Regisseur Neill Blomkamp, ein Protegé des Produzenten Peter Jackson, inszenierte mit District 9 einen modernen Klassiker, dessen Authentizität im Arrangement ausgereifter Spezialeffekte und Elementen des cinéma vérité fußt. Dank pseudodokumentarischer Passagen und dem „Dreck des Gettos“, durch welchen „die gesamte Geschichte des Filmgenres“ (F.A.Z., 15.9.2009) gezogen wird, entstand ein beklemmend realistischer Science-Fiction-Film. Eine unkonventionelle Marketingstrategie bescherte dem vergleichsweise günstig produzierten Werk großen finanziellen Erfolg, zu welchem sich zu Recht Zuspruch aus Hollywood (vier Oscar-Nominierungen) und Fachkreisen (Bradbury Award-Gewinner) gesellte. (cj)

Einführung am 7.5.: Christian Johann
am 7.5.2011 um 18.30 Uhr
am 8.5.2011 um 21.00 Uhr

 

 

WELTRAUMKINO
Contact
USA 1997, R: Robert Zemeckis, D: Jodie Foster, Matthew McConaughey, Tom Skerritt, John Hurt, 150’ 35 mm, OmU

Als Contact 1997 in die Kinos kam, hatte der Stoff des Films schon eine lange Vorgeschichte. Der Autor und Astronom Carl Sagan, selbst ein Pionier der SETI-Forschung (Search for Extra-Terrestrial Intelligence), hatte bereits Ende der 1970er Jahre die Filmidee entwickelt, um das umstrittene Forschungsfeld SETI in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Contact nähert sich der Frage, ob im Weltall intelligentes Leben existiert, zunächst auf durchaus irdische Weise. Die erfolgreiche Wissenschaftlerin Ellie Arroway (Jodie Foster) sieht sich bei ihrem Forschungsprojekt, Radiowellen auf Zeichen aus dem All abzuhören, mit Skepsis und Misstrauen aus der männlichen Wissenschaftswelt und religiösen Kreisen konfrontiert. Dabei stellt der Regisseur Robert Zemeckis weitreichende Fragen und inszeniert diese mit bisweilen humoristischen Zügen. Er setzt weniger auf Spezialeffekte, sondern rückt die Story in ein scheinbar reales Umfeld, in dem wiederholt CNN-News und Bill Clinton eingeblendet werden. Erst als Ellie Signale vom Stern Vega empfängt, nimmt die Geschichte eine entscheidende Wendung. Dennoch: „In dem Augenblick, als das Fremde konkret wird, verliert es jeglichen Reiz und zurück bleibt die traurige Erkenntnis: wie man ins All ruft, so schallt es hinaus.“ (F.A.Z., 9.10.1997). (kh)

Einführung: Katharina Hochmuth
am 7.5.2011 um 21.00 Uhr

 

 

WELTRAUMKINO
La planète sauvage
Der fantastische Planet

F/CSSR 1973, R: René Laloux, Originalzeichnungen: Roland Topor, 72’ 35 mm, OmeU

Der einzige, 1973 in Cannes preisgekrönte, Zeichentrickfilm in dieser Retrospektive besticht durch seine ungewöhnliche Ästhetik, mit der Regisseur René Laloux und Zeichner Roland Topor eine bedrückende Parabel erzählen. Auf dem weder in Raum noch Zeit fixierten Planeten Ygam leben die Draags – riesengroße, blauhäutige Androiden, deren Zivilisation ein so hohes Niveau erreicht hat, dass sie sich ausschließlich der Meditation widmen können. Die wenigen, Oms (= hommes) genannten Menschen, die die Draags vom Planeten Terra haben retten können, halten sie sich als Haustiere und Spielzeug für ihre Kinder. Als es einem dieser Oms gelingt, aus seinem Luxusgefängnis auszubrechen, organisieren sie sich und zetteln eine brutale Revolte an. Das Machtverhältnis kippt erst, als die Oms eine verlassene Raketenbasis einnehmen und von dort zu einem fremden Planeten fliehen, wo sie den Draags ihr Geheimnis entreißen können.
„Unheilvolle Fabeltiere, fleischfressende Pflanzen, die ihre Beute in langen Fangarmen und Schlingkäfigen zu Tode schütteln, Bäume und Sträucher mit krallen- und säbelförmigen Dornen beherrschen die metaphysischen Landschaften. Das bedrohlichste ist, daß das Phänomen, welches Topor in Abfolgen grausiger Allegorien schildert, auf erschreckende Weise zeitlos und demnach beliebig reproduzierbar ist,“ schrieb die F.A.Z. (28.2.1976), während das Lexikon des Internationalen Films trotz der mitunter überraschenden Brutalitäten von einem „Markstein in der Geschichte des Zeichentrickfilms“ spricht. (ag)

Einführung: Alexander C.T. Geppert
am 8.5.2011 um 19.00 Uhr

 

 

 

 

 

 

 
 
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