LORBEERKRÄNZE FÜR DEN KÖNIG

Unsere Volontärin Charlotte Röttger berichtet über ihre erste Ausstellung: Die Sonderpräsentation „Fokus Königgrätz“ in der Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums.

Die wissenschaftlichen Volontäre aus den Sammlungen des Deutschen Historischen Museums, Charlotte Röttger, Christopher Jütte und Marcel Kellner, sind erleichtert: Die Sonderpräsentation „Fokus Königgrätz“ im Obergeschoss der Dauerausstellung ist pünktlich aufgebaut. Im Team haben die drei jungen Volontäre gemeinsam ihre erste Ausstellung konzipiert und umgesetzt – eine große Verantwortung.

Am 3. Juli jährt sich die Schlacht bei Königgrätz, in der die Preußen auf die Armeen Österreichs und Sachsens stießen, zum 150. Mal. Kaum jemand weiß heute noch, dass diese Schlacht die Zukunft Deutschlands entschied: Der Sieg der preußischen Armeen begründete die preußische Vormachtstellung in den deutschen Staaten und legte den Grundstein zur Gründung des Deutschen Reichs unter Kaiser Wilhelm I.

INTENSIVE RECHERCHEN, EINZIGARTIGE ZEUGNISSE

Röttger, Kellner und Jütte haben nach rund eineinhalb Jahren wissenschaftlicher Ausbildung einen guten Einblick in die Sammlung des Deutschen Historischen Museums. In nur vier Monaten gelang es ihnen, teils noch nie gezeigte Objekte für die Präsentation auszuwählen.

„Es war gar nicht so einfach für uns, aus der Fülle der Objekte einzelne, für das Ereignis repräsentative Exponate auszuwählen, denn die Sammlungen des Deutschen Historischen Museums umfassen insgesamt fast 1 Million Objekte. Wichtig war uns, nicht nur den Ablauf einer Schlacht zu zeigen, sondern auch Reaktionen aus der Bevölkerung. Hierfür haben wir einen Feldpostbrief und ein Tagebuch gefunden“, beschreibt die studierte Kunsthistorikerin Charlotte Röttger ihre Recherchearbeit in den Sammlungsdepots.

Fest stand für sie, dass der Mittelpunkt der Ausstellung das beeindruckende Gemälde „Die Schlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866“ von Georg Bleibtreu sein sollte. Es gehört zu den bekanntesten Werken im Zusammenhang mit dem Ereignis. Daneben sind die jungen Wissenschaftler besonders stolz auf zwei weitere Objekte: die Lorbeerkränze aus Gold und Silber.

ÖFFENTLICHE SIEGESFEIERN UND GESCHENKE FÜR DEN KÖNIG

Volksvertreter stifteten die Lorbeerkränze in Dankbarkeit für den König. Während die Übergabe des goldenen Kranzes nicht hundertprozentig belegt werden kann, sind Zeitpunkt und Umstände der Übergabe des silbernen Lorbeerkranzes genau dokumentiert: Am zweiten Tag der öffentlichen Siegesfeiern zur Schlacht bei Königgrätz in Berlin, am 21. September 1866, hatten sich schon frühmorgens die sogenannten Gewerke wie Maurer und Zimmerleute zu beiden Seiten der Linden-Promenade aufgestellt um König Wilhelm I. zuzujubeln. Dieser ritt auf seinem Schlachtross mit seinem Gefolge vom Brandenburger Tor durch die Linden, bejubelt von den Zuschauern.

Auf der Höhe der Fischer-Innung hielt er an und wurde, wie man später in den Zeitungen lesen konnte, „von drei weißgekleideten Jungfrauen, Töchtern von Fischermeistern, begrüßt. Frl. Johanna Bild richtete einige herzliche Worte an den König, wobei Frl. Bertha Bruckhoff dem Könige einen massiv silbernen Lorbeerkranz, Frl. Pauline Bild dem Kronprinzen einen grünen Lorbeerkranz überreichte.“* Danach setzte er seinen Ritt zum Königlichen Schloss fort.

Volontärin Charlotte Röttger: „Für unsere heutige Zeit können wir uns so etwas gar nicht mehr vorstellen, deswegen haben wir uns für diese beiden Kränze als Zeitzeugnisse entschieden. Auch stehen sie symbolhaft für die bei Königgrätz errungene Vormachtstellung Preußens und für die spätere Gründung des deutschen Reiches unter preußischer Führung.“

Wer die Kränze selbst anschauen möchte, hat dazu noch bis zum 31. Dezember 2016 Gelegenheit. Nach Ende der Sonderpräsentation gehen sie als Dauerleihgabe des Deutschen Historischen Museums zurück auf die Burg Hohenzollern in Baden-Württemberg.

Charlotte Röttger, Christopher Jütte und Marcel Kellner streben nach ihrem zweijährigen Volontariat noch eine Promotion an, denn diese ist, ähnlich wie das wissenschaftliche Volontariat, beinahe Voraussetzung, um einmal eine der begehrten Wissenschaftlerstellen in einem Museum zu ergattern.

*„Neue Münchener Rundschau: (Organ des „Vereins zur Hebung des Credits“). 17.Oktober 1866, Seite 18“