Carl Friedrich Goerdeler 1884-1945

Politiker

  • 1884

    31. Juli: Carl Friedrich Goerdeler wird in Schneidemühl (Provinz Posen, heute: Pila) als Sohn des Amtsrichters Julius Goerdeler und dessen Frau Adelheid (geb. Roloff) geboren.

  • 1911

    Seine juristischen Studien in Tübingen und Königsberg schließt Goerdeler in Göttingen mit dem Assessorexamen ab.
    Heirat mit der Arzttochter Anneliese Ulrich. Aus der Ehe gehen fünf Kinder hervor.

  • 1912

    Er wird Erster Beigeordneter in der Kommunalverwaltung von Solingen.

  • 1920

    Nachdem er im Ersten Weltkrieg als Offizier und Verwaltungsexperte in Weißrußland stationiert war, wird er zum Zweiten Bürgermeister von Königsberg gewählt.
    Beitritt zur Deutschnationalen Volkspartei (DNVP).

  • 1923

    Goerdeler beteiligt sich an den antiparlamentarischen Verfassungsplanungen Hans von Seeckts, des Oberbefehlshabers der Reichswehr.

  • 1930

    Nach mehreren Tätigkeiten in Kommunal- und Arbeitgeberverbänden wird er zum Oberbürgermeister von Leipzig gewählt.

  • 1931/32

    Unter Reichskanzler Heinrich Brüning hat Goerdeler das Amt des Reichskommissars zur Überwachung der Preise inne.

  • 1933

    Obwohl er den Beitritt in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ablehnt, bleibt er Oberbürgermeister von Leipzig.

  • 1934

    Erneute Berufung zum Reichspreiskommissar.

  • 1935

    Wegen seiner Bedenken gegen die Wirtschaftspolitik und seines Widerspruchs gegen die Autarkieforderung wird er von Adolf Hitler als Reichspreiskommissar entlassen.

  • 1937

    Obwohl er kurz zuvor wiedergewählt worden ist, tritt Goerdeler als Leipziger Oberbürgermeister aus Protest gegen die Entfernung des Leipziger Denkmals für den jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) durch das NS-Regime zurück.

  • 1937-1939

    Unter der Protektion der Industriellen Robert Bosch und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach unternimmt er zahlreiche Auslandsreisen. Während dieser Zeit versucht er mit Berichten an Hermann Göring, auf die Gefahr des außenpolitischen Kurses des Deutschen Reichs hinzuweisen.

  • 1939

    Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs kehrt Goerdeler nach Deutschland zurück und wird gemeinsam mit Ludwig Beck, zu dem er seit 1935 Kontakt hat, zum führenden Vertreter des konservativen Widerstands gegen Hitler.

  • 1940

    Februar: Goerdeler beteiligt sich an den Planungen der Gruppe um Ulrich von Hassell für einen Staatsstreich zur Ausschaltung Hitlers.
    Juli: In einer Denkschrift warnt Goerdeler, daß trotz des Sieges über Frankreich eine dauerhafte neue europäische Ordnung unter dem "politischen Terror" des NS-Regimes nicht möglich sei.

  • 1942

    In einem Flugblatt zur Atlantik-Charta der Westalliierten fordert er eine Restauration des Deutschen Reichs in den Grenzen von 1914 und spricht sich für eine neue staatliche Verfassung in Deutschland mit Stärkung der Gemeindeverwaltung sowie für eine internationale Völkervereinigung aus.

  • 1943

    Mit Flugblättern und Denkschriften versucht Goerdeler eine Verständigung mit den Westmächten vorzubereiten. Dabei nutzt er auch seine zahlreichen Kontakte im Ausland, wo er Unterstützung für einen Putsch gegen Hitler zu finden hofft.
    Zusammen mit Vertretern der Wehrmachtsführung arbeitet er auf eine Gelegenheit zum Staatsstreich hin. Da er jedoch einen Putsch ohne Attentat erreichen will, bleiben seine Planungen ohne echte Möglichkeit zur Ausführung.

  • 1944

    Mit Generalmajor Henning von Tresckow und Beck entwirft er Planungen für eine Regierung nach dem Sturz des NS-Regimes. Goerdeler selbst ist dabei als Regierungschef vorgesehen. Gleichzeitig verschärfen sich aber die Spannungen zu jüngeren Vertretern des Widerstands im Kreisauer Kreis. Vor allem Goerdelers außenpolitische Absichten bringen ihn auch in Gegensatz zum sozialistischen Widerstand.
    18. Juli: Vor der Verhaftung durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo) rechtzeitig gewarnt, flieht er nach Westpreußen.
    20. Juli: Das Attentat von Claus Schenck Graf von Stauffenberg lehnt Goerdeler aus moralischen Gründen ab.
    12. August: In Ostpreußen wird er in einem Gasthof erkannt und festgenommen.
    8. September: Vom Volksgerichtshof wird Goerdeler zum Tode verurteilt. Von der Gestapo wird er noch mehrere Monate über die Widerstandsbewegung verhört. Außerdem verfaßt er in der Haft noch Schriften zur Wirtschaftspolitik und Gemeindereform.

  • 1945

    2. Februar: Auf Drängen des Reichsjustizministers Otto Georg Thierack wird Carl Friedrich Goerdeler in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

(mw)
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