Ernst Toller 1893-1939

Dramatiker und Lyriker

Im Ersten Weltkrieg entwickelt sich Toller zum Kriegsgegner und Linkssozialisten, 1918/19 ist er in München einer der führenden Köpfe der Revolution und Münchner Räterepublik. Verurteilt zu fünf Jahren Festungshaft, verfasst er in dieser Zeit seine wichtigsten expressionistischen Dramen, darunter „Die Wandlung“ und „Masse Mensch“. 1927 eröffnet die Piscator-Bühne in Berlin mit Tollers Geschichtsrevue „Hoppla, wir leben!“. In zahlreichen Schriften und Reden warnt Toller Ende der 1920er Jahre vor den Nationalsozialisten, deren Verhaftung er in der Schweiz entgehen kann. Ab 1934 lebt er in London und emigriert 1936 in die USA, wo er sich unermüdlich für den internationalen Kampf gegen den Nationalsozialismus engagiert. Im Mai 1939 nimmt er sich in New York das Leben.

  • 1893

    1. Dezember: Ernst Toller wird in Samotschin (heute: Szamocin, Polen) als Sohn des jüdischen Kaufmanns Max Toller geboren.

  • 1914

    Nach dem Abitur studiert er in Grenoble Jura, meldet sich jedoch kurz darauf als Freiwilliger für den Ersten Weltkrieg.

  • 1917

    Januar: Aus gesundheitlichen Gründen wird Toller vom Militärdienst freigestellt. Er setzt sein Studium in München fort.
    Mai: Er nimmt an der ersten "Lauensteiner Tagung" teil, die die nationale Elite der Künstler und Wissenschaftler zu einen versuchte. Es kommt allerdings zu einem Konflikt zwischen der älteren Generation um Max Weber, der für ein Durchstehen des Krieges eintritt, und der jüngeren Generation um Toller, der eine Beendigung des Krieges durch eine Revolution fordert.
    Toller zieht nach Heidelberg, flieht von dort aber aus politischen Gründen nach Berlin, wo er mit Kurt Eisner zusammentrifft, dem er nach München folgt.

  • 1918

    Januar: Nach Beteiligung am Munitionsarbeiterstreik wird Toller inhaftiert, kurz darauf in die Psychatrie zwangseingewiesen.
    November: Nach Ausrufung der Republik wird er Zweiter Vorsitzender des Zentralrats der Bayerischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte.

  • 1919

    März: Nach der Ermordung Eisners wird Toller Vorsitzender der bayerischen Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD).
    In der Münchner Räterepublik ist Toller Vorsitzender des Zentralrats sowie Abschnittskommandant der "Roten Garde".
    Juli: Nach Zerschlagung der Räterepublik wird er wegen Hochverrats zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt.
    Uraufführung des Dramas "Die Wandlung" in Berlin, in dem er seine geistige Entwicklung zum Revolutionär schildert.

  • 1920-1924

    Während der Haft schreibt Toller seine wichtigsten expressionistischen Dramen, wie "Masse Mensch" und "Der deutsche Hinkemann", in denen er seine durch die Kriegserlebnisse erlangte pazifistische Haltung umsetzt.

  • 1924

    Juli: Entlassung aus der Festungshaft. Er zieht nach Berlin, weil er aus Bayern ausgewiesen wird.

  • 1927

    Uraufführung des Zeitstücks "Hoppla, wir leben!".
    In verschiedenen Gruppen und Aktionen engagiert sich Toller weiterhin für einen revolutionären Pazifismus.

  • 1933

    Ausbürgerung durch die Nationalsozialisten; Aufenthalt in der Schweiz. Im Exilverlag "Querido" erscheint die Autobiografie "Eine Jugend in Deutschland".

  • 1934

    Übersiedlung nach London, anschließend in die USA. Während seiner gesamten Exilzeit engagiert er sich gegen den Faschismus.

  • 1935

    Heirat mit der Schauspielerin Christiane Grauthoff (1917-1974).

  • 1939

    Trennung von seiner Ehefrau. Als letzte große Veröffentlichung erscheint (in englischer Sprache) das Drama "Pastor Hall".
    22. Mai: Ernst Toller nimmt sich in New York das Leben.

Levke Harders, Antonia Meiners
16. März 2021

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