Johannes R. Becher 1891-1958

Schriftsteller, Kulturpolitiker

  • 1891

    22. Mai: Johannes Robert Becher wird als Sohn des Amtsrichters Heinrich Becher in München geboren.

  • 1910

    Den versuchten Doppel-Selbstmord mit seiner Geliebten überlebt nur Becher.

  • 1911

    Nach dem Abitur veröffentlicht er die Kleist-Hymne "Der Ringende" sowie den Lyrikband "Verfall und Vernunft", in dem er die Gesellschaftsordnung des Kaiserreichs angreift.

  • 1911-1918

    Er studiert Philologie, Philosophie und Medizin in München, Berlin und Jena, ohne einen Abschluß zu machen. Als Mitarbeiter an den Zeitschriften "Aktion" und "Die neue Kunst" gehört er zu den Wortführern des Expressionismus.

  • 1914-1918

    Wegen Morphiumabhängigkeit wird Becher in einer psychiatrischen Klinik behandelt.

  • 1916

    In seinem expressionistischen Lyrikband "An Europa" will Becher durch sprachliche Zertrümmerung des Bestehenden den Boden bereiten für die Erneuerung der Menschheit.

  • 1917
  • 1918

    Becher wird Mitglied im Spartakusbund.

  • 1919

    Nach seinem Eintritt in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) veröffentlicht er die bekenntnishafte Gedichtsammlung "An Alle".

  • 1920-1922

    Enttäuscht über die fehlgeschlagene Novemberrevolution, läßt er seine KPD-Mitgliedschaft ruhen und wendet sich der Religion zu.

  • 1923

    Nach der Beschäftigung mit den Schriften Wladimir I. Lenins leistet Becher Parteiarbeit in der KPD.

  • 1925

    Veröffentlichung des Antikriegsromans "Levisite oder Der einzig gerechte Krieg".
    Er wird wegen "literarischen Hochverrats" angeklagt. Das Verfahren wird jedoch 1928 nach nationalen und internationalen Protesten eingestellt.

  • 1926

    In seinem Lyrikband "Maschinenrhythmen" thematisiert Becher den proletarischen Alltag in modernen Produktionsprozessen. Er postuliert die Notwendigkeit eines revolutionären Kampfes.

  • 1928

    Als Mitbegründer und Erster Sekretär des "Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller" (BPRS) gibt er dessen Organ "Die Linkskurve" heraus.

  • 1931

    Bechers Buch "Der große Plan. Epos des sozialistischen Aufbaus" erscheint.

  • 1932

    Feuilleton-Redakteur der "Roten Fahne".

  • 1933

    Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten emigriert Becher zuerst nach Prag und von dort aus nach Paris.

  • 1934

    Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft.

  • 1935

    Er geht nach Moskau, wo er Chefredakteur der Exilzeitschrift "Internationale Literatur - Deutsche Blätter" sowie Mitglied des Zentralkomitees der KPD wird.

  • 1938

    In dem Gedichtband "Der Glücksucher und die sieben Lasten" reflektiert er den deutschen Faschismus.
    Durch die Freundschaft mit dem Philosophen Georg Lukács (1885-1971) wendet er sich dem klassischen Erbe zu und entdeckt die Form des Sonetts für sich. Ähnlich wie Thomas Mann will Becher als literarischer Stellvertreter des deutschen Volkes dessen bessere Tradition verkörpern.

  • 1940

    Publikation des autobiographischen Romans "Abschied" (1968 verfilmt).

  • 1943

    Mitbegründer der Widerstandsvereinigung Nationalkomitee "Freies Deutschland" (NKFD).

  • 1945

    Juni: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrt Becher nach Berlin zurück, wo er den "Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands" mitbegründet und dessen erster Präsident wird. Er bemüht sich um die Rückkehr verschiedener Schriftsteller.
    Er gründet außerdem den Aufbau-Verlag, die Monatszeitschrift "Aufbau" und die Wochenzeitung "Sonntag".

  • 1946

    Eindrücke des Exils, die er mit der Möglichkeit eines Neuanfangs verbindet, schildert er in der Lyriksammlung "Heimkehr".
    Becher wird Mitglied des Parteivorstands (später des Zentralkomitees) der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).

  • 1949

    Mitbegründer der Literaturzeitschrift "Sinn und Form".

  • 1950

    Für den Text der Hymne der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erhält Becher den Nationalpreis der DDR.
    Er verfaßt "Neue Deutsche Volkslieder" in der Tradition des Arbeiterlieds.
    Volkskammerabgeordneter.

  • 1951

    Im Rahmen eines Festakts zu seinem 60. Geburtstag wird Becher die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität verliehen.

  • 1952

    Theoretische Erörterungen über den Zwiespalt zwischen dichterischem Selbstverständnis und politischer Funktion finden sich u.a. in dem Band "Verteidigung der Poesie. Vom Neuen in der Literatur".

  • 1953-1956

    Becher ist Präsident der Deutschen Akademie der Künste, die er 1950 mitbegründet hat.

  • 1954-1958

    Er ist erster Minister für Kultur, verliert jedoch ab 1957 seinen politischen Einfluß. Er bemüht sich um Kontakt mit westdeutschen Schriftstellern und sympathisiert zeitweilig mit den Ideen der Neuerer unter den kommunistischen Schriftstellern.

  • 1958

    Als Lebensbilanz und Epochenrückblick gilt sein letzter Gedichtband "Schritt der Jahrhundertmitte".
    11. Oktober: Johannes R. Becher stirbt in Berlin.

(lh/iz)
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