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Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)

In den Wirren der Revolution von 1918/19 gründeten Vertreter des Spartakusbunds und der "Internationalen Kommunisten Deutschlands" in Berlin Ende Dezember 1918 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Mit der neuen Partei wollten sie sich deutlich von den als zu gemäßigt empfundenen beiden anderen parteipolitischen Vertretungen der Arbeiterbewegung - der SPD und der USPD - absetzen. Ziel der stark bolschewistisch geprägten KPD war die Vollendung der Revolution in Deutschland nach sowjetrussischem Vorbild. In Wladimir Lenins rücksichtslos geführten Kampf gegen jegliche Oppositionsregung in Sowjetrussland sahen die Kommunisten ihr politisches Leitbild. Die insbesondere von Rosa Luxemburg geforderte Freiheit für Andersdenkende spielte in der KPD keine Rolle.

Kampf um die Räterepublik

In der Partei waren die politischen Positionen von Luxemburg und Karl Liebknecht nicht mehrheitsfähig. Während die beiden führenden Köpfe der Spartakusgruppe Anfang 1919 auf eine Beteiligung an den bevorstehenden Wahlen zur Nationalversammlung drängten, um auch das Parlament als Bühne für den Kampf gegen den demokratischen Parlamentarismus zu nutzen, wollte die Mehrheit der KPD-Mitglieder die Diktatur des Proletariats ausschließlich durch Massenstreiks und bewaffnete Aufstände errichten. Der Berliner Spartakusaufstand vom Januar 1919 wurde aber im Auftrag des sozialdemokratischen Volksbeauftragten Gustav Noske durch regierungstreue Freikorps-Einheiten blutig niedergeschlagen. Dabei gerieten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Gefangenschaft: Am 15. Januar wurden sie von Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützendivision ermordet. Diese den regierenden Sozialdemokraten angelasteten Ermordungen der beiden populären Persönlichkeiten der KPD verfestigten nachhaltig die tiefe Spaltung der Arbeiterbewegung und führten zu einer weiteren Radikalisierung innerhalb der Kommunistischen Partei.

Im Gegensatz zu den Bolschewisten in Sowjetrussland konnten Spartakisten und Kommunisten während der Revolution 1918/19 keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitermassen erlangen. Vielmehr verbreitete die KPD auch in den Anfangsjahren der Weimarer Republik durch die Radikalität ihrer Agitation und durch bewaffnete Aufstandsversuche wie im März 1920 das "Schreckgespenst des Bolschewismus" in Deutschland: Als sich die KPD am 6. Juni 1920 erstmals an Reichstagswahlen beteiligte, erhielt sie lediglich 2,1 Prozent der Stimmen und durfte mit Clara Zetkin und Paul Levi (1883-1930) nur zwei Abgeordnete in den Reichstag entsenden. Der von der KPD unter dem Vorsitz Levis nur widerstrebend eingeschlagene Weg einer Beteiligung an Wahlen hatte zuvor zur Spaltung der Partei geführt: Auf ihrem Gründungsparteitag im April 1920 lehnte die anarchistisch orientierte Kommunistische Arbeiterpartei (KAPD) jegliche Teilnahme am Parlamentarismus entschieden ab. Die zu diesem Zeitpunkt rund 90.000 Mitglieder zählende KPD verlor durch die Abspaltung nahezu die Hälfte ihrer Parteigenossen an die KAPD, der aufgrund von Richtingskämpfen und Abspaltungen allerdings keine lange Lebensdauer beschieden war.

Inflation und Umsturzpläne

Der KPD gelang dagegen eine beträchtliche Steigerung ihrer Mitgliederzahl, als sie im Dezember 1920 mit über 300.000 Linken der USPD den Zusammenschluss zur Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands (VKPD) vollzog, die schon bald wieder unter ihrem alten Namen KPD firmierte. Ihre Zentren besaß die Partei in den Großstädten und Industrierevieren in Nord-, West- und Mitteldeutschland. Sie bekannte sich zur Kommunistischen Internationalen (Komintern) und zu deren Plänen einer Weltrevolution. Damit stellte sich die KPD in den Dienst der außenpolitischen Interessen der Sowjetunion und erhielt ihre Weisungen aus Moskau.

Als Deutschland 1923 in der Inflation und im politischen Chaos zu versinken drohte,offerierte sich die KPD als "Rettungsring in aussichtsloser Lage". Gleichzeitig schien die Situation für den ersehnten Putsch gegen die verhasste Weimarer Republik nach Vorbild der russischen Oktoberrevolution von 1917 günstig. Von Hamburg, Sachsen und Thüringen aus bedrohte im Herbst 1923 ein von der KPD in Zusammenarbeit mit der sowjetischen Führung geplanter "Deutscher Oktober" die Republik, den Reichspräsident Friedrich Ebert mit Hilfe der Reichswehr gewaltsam beendete. Das anschließend verhängte reichsweite Verbot der KPD wurde bereits im März 1924 wieder aufgehoben. Bei der Reichstagswahl am 4. Mai 1924 gewannen die Kommunisten beachtliche 12,6 Prozent der Stimmen und damit 62 Reichstagsmandate. Der Beginn einer relativen politischen und wirtschaftlichen Stabilisierung ab 1924 und damit die Abwendung vieler Deutscher von radikalen politischen Losungen machte sich für die KPD aber bereits bei der folgenden Reichstagswahl am 7. Dezember 1924 bemerkbar, als sie lediglich neun Prozent der Stimmen erhielt. Auch ihre Mitgliederzahl fiel in den nächsten Jahren, bis 1930 auf etwa 120.00 Genossen.

Der Kampf um die Straße

Mit Ernst Thälmann wurde 1925 einer der führenden Funktionäre der als besonders radikal geltenden Hamburger Kommunisten zum Vorsitzenden der KPD bestimmt. Er brachte die Partei wieder auf strikt moskautreuen Kurs, den seine um unabhängige Parteiführung bemühte Vorgängerin Ruth Fischer (1895-1961) zum Ärger Josef Stalins verlassen hatte. Bereits 1924 war Thälmann erster Vorsitzender des neugegründeten Roten Frontkämpferbunds (RFB) geworden. Die selbsternannte Kampforganisation der KPD diente zur Demonstration eigener Stärke und lieferte sich in den folgenden Jahren blutige Straßen- und Saalschlachten mit der Polizei, der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA) sowie dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Neben dem RFB waren für die KPD vor allem die von ihr herausgegebenen Kampfblätter und Tageszeitungen wie die "Rote Fahne" und die "Arbeiter-Zeitung" wichtigstes Agitationsinstrument.

Parteizeitschriften und parteinahe Organe wie die "Die Kommunistin" und "Die Kämpferin" sollten Frauen politisieren und für den revolutionären Kampf gewinnen. Der Anteil weiblicher KPD-Mitglieder stieg von Anfang der zwanziger Jahre bis 1933 von unter 10 auf rund 15 Prozent. Organisiert waren Kommunistinnen im 1925 als überparteilich konzipierte Massenorganisation gegründeten "Roten Frauen- und Mädchenbund" (RFMB). Seine Arbeit galt nicht nur der politischen Agitation wie dem Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen 218 und für die Emanzipation der Frauen, sondern er konzentrierte sich hauptsächlich auf die Bekämpfung der Not proletarischer Bevölkerungsgruppen. Ebenfalls 1925 gründete sich der "Kommunistische Jugendverband Deutschlands" (KJVD) als Nachfolger der "Kommunistischen Jugend Deutschlands" (KJD). Er wollte mit attraktiven Freizeitveranstaltungen und Agitationsstunden die vor allem aus dem Arbeitermilieu stammenden Jugendlichen politisch sensibilisieren und indoktrinieren.

Hoffnung auf ein "Sowjetdeutschland"

Die straff organisierte und zentralisierte KPD versuchte in der Weimarer Republik unablässig, ihren Einfluss in der Arbeiterbewegung gegenüber der konkurrierenden SPD zu erhöhen. Ab Ende der 1920er Jahre warfen die Kommunisten den Sozialdemokraten immer häufiger Verrat an der Arbeiterbewegung vor. Auf dem 12. Reichsparteitag der KPD in Berlin-Wedding im Juni 1929 - dem letzten in der Weimarer Republik - erklärten sie den Kampf gegen den sozialdemokratischen "Sozialfaschismus" zu einem Hauptziel ihrer zukünftigen Politik. Beiderseitige Vorbehalte verhinderten nach Beginn der Weltwirtschaftskrise mit dem Aufstieg der NSDAP deshalb die häufig propagierte Bildung einer "Roten Einheitsfront gegen den Faschismus".

Politisch profitierte die KPD neben der NSDAP am stärksten von der Weltwirtschaftskrise mit ihren sozialen Auswirkungen. Bis Ende 1932 wuchs die Anzahl ihrer Mitglieder auf fast 300.000. Bis zur Reichstagswahl am 6. November 1932 konnte die KPD einen kontinuierlichen Stimmenzuwachs verzeichnen und als drittstärkste Partei schließlich nahezu sechs Millionen Wähler mobilisieren. Viele von der existenzbedrohenden Arbeitslosigkeit betroffene und vergeblich in langen Reihen vor den Arbeitsämtern wartende Menschen verbanden mit dem Kommunismus ihre letzte Hoffnung. Die Kommunisten entfesselten zu Beginn der 1930er Jahre eine für die KPD bis dahin beispiellose Agitation gegen die demokratische Ordnung sowie das "herrschende Finanzkapital" und die "regierende Bourgeoisie". Darin sahen die Kommunisten die Hauptschuldigen der wirtschaftlichen und sozialen Misere, als deren Folge sie den Kapitalismus am Ende und das von ihnen ersehnte "Sowjetdeutschland" in greifbarer Nähe glaubten. Die Innenpolitik im Deutschen Reich verlief aber entgegen der von der KPD erhofften Richtung, denn die revolutionäre Stimmung kam vor allem der NSDAP zugute.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme begann im Februar 1933 die Verfolgung politisch Andersdenkender. Gegen die KPD erließen die Nationalsozialisten Demonstrations- und Publikationsverbote und besetzten ihre Parteizentrale, das Karl-Liebknecht-Haus in Berlin. Mehrere tausend kommunistische Funktionäre wurden innerhalb weniger Wochen in ganz Deutschland von SA-Mitgliedern in "Schutzhaft" genommen, ermordet oder zur Flucht ins Ausland gezwungen. Angesichts des Terrors und stark eingeschränkter Wahlkampfmöglichkeiten bewies die KPD mit 12,3 Prozent bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 noch einmal beachtliches Potential. Die 81 kommunistischen Abgeordneten besaßen aber keine Möglichkeit, die Arbeit im Reichstag aufzunehmen: Ihre Mandate wurden auf Grundlage der Reichstagsbrandverordnung am 8. März 1933 annulliert. Zwar wurde die KPD im NS-Regime offiziell nie verboten, ihre Strukturen aber vollständig zerschlagen und ihre Mitglieder - soweit nicht in Konzentrationslager verschleppt - ins Exil oder in den Untergrund gedrängt. Von dort aus versuchte die Parteileitung, den Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur zu organisieren.

Arnulf Scriba
8. September 2014

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