Chronik 1928

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JANUAR
  • 1. 1.
    Die Jazzoper "Jonny spielt auf" von Ernst Krenek (1900-1991) hat in der Wiener Staatsoper Premiere.
  • 6. 1.
    In Rom erläßt Papst Pius XI. (1857-1939) die Enzyklika "Mortalium animos" und erteilt damit den Bemühungen um Überwindung der Konfessionsgrenzen eine Absage.
  • 11. 1.
    Tod des britischen Schriftstellers Thomas Hardy (1840-1928) in Max Gate bei Dorchester (England).
  • 13. 1.
    Österreichische Nationalsozialisten rufen zu einer Protestkundgebung gegen die "freche jüdisch-negerische Besudelung" der Wiener Staatsoper auf. Die Jazzoper "Jonny spielt auf" bleibt jedoch wegen des großen Publikumszuspruchs bis März auf dem Programm.
  • 14. 1.
    Reichswehrminister Otto Geßler (parteilos) erklärt aufgrund der "Phoebus"-Affäre seinen Rücktritt. Die in Konkurs gegangene "Phoebus"-Filmgesellschaft hatte von der Reichsregierung Darlehen und Bürgschaften in Höhe von fast 9 Millionen Reichsmark erhalten. Von diesem Geld wurden geheime Aufrüstungsaktivitäten der Marine finanziert.
  • 16. 1.
    Der Schriftsteller Gerhart Hauptmann erklärt sich bereit, der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste beizutreten. Im Mai 1926 hatte er die Berufung mit der Begründung abgelehnt, es könne keine "bewusste Führung auf dem Gebiet der Dichtkunst geben".
  • 16.-18. 1.
    In Berlin findet die Erste Reichskonferenz der Länderregierungen über die Frage der Reichs- und Verwaltungsreform statt. Die Beratungen verlaufen ergebnislos.
  • 17. 1.
    Josef W. Stalin verbannt Leo D. Trotzki nach Alma-Ata. Im November 1927 war Trotzki mit zwei weiteren oppositionellen Politikern aus der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) ausgeschlossen worden.
  • 18. 1.
    Generalleutnant a.D. Wilhelm Groener (parteilos) wird als neuer Reichswehrminister vereidigt.
  • 23. 1.
    An Erwin Piscators Theater am Nollendorfplatz werden "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" als Drama uraufgeführt. Die Bühnenbilder hat George Grosz entworfen.
  • 28. 1.
    In Schleswig-Holstein demonstrieren 140.000 Bauern gegen die Landwirtschaftspolitik der Reichsregierung.  
FEBRUAR
  • 4. 2.
    Die Wiener Nationalsozialisten fordern ein Auftrittsverbot für die amerikanische Tänzerin Josephine Baker (1906-1975).
  • Der Leiter des Bauhauses, Walter Gropius, bittet um die vorzeitige Entlassung aus seinem Amt. Er begründet diesen Schritt mit seinem verstärkten Engagement für neuere Bauvorhaben. Nachfolger von Gropius wird der Schweizer Architekt Hannes Meyer (1889-1954).
  • 9. 2.
    Der Reichstag verabschiedet ein neues Mieterschutzgesetz, das den Kündigungsschutz einschränkt.
  • 10. 2.
    Zwischen Deutschland und den USA wird der drahtlose Funksprechverkehr aufgenommen.
  • 11.-19. 2.
    Die II. Olympischen Winterspiele finden in St. Moritz (Schweiz) statt. Nach dem Ersten Weltkrieg nimmt erstmals wieder eine deutsche Mannschaft an Olympischen Spielen teil.
  • 15. 2.
    Die Verhandlungen der Regierungsparteien über ein neues Reichsschulgesetz werden ergebnislos abgebrochen. Die Mitte-Rechts-Koalition aus Zentrum, Deutscher Volkspartei (DVP), Deutschnationaler Volkspartei (DNVP) und Bayerischer Volkspartei (BVP) ist heillos zerstritten.
  • Tod des britischen Politikers Herbert H. Asquith in London.
  • 20. 2.
    Die Reichsbahn nimmt den Betrieb elektrischer Schnellzüge auf.
  • 23. 2.
    Der Kunstflieger Ernst Udet landet mit einem 20-PS-Flugzeug auf der Aussichtsplattform der Zugspitze.
  • 25. 2.
    Uraufführung der oratorischen Oper "Oedipus Rex" von Igor Strawinsky in Berlin.
  • 27. 2.
    Die Reichsregierung beschließt ein Nothilfeprogramm für die deutsche Landwirtschaft in Höhe von 100 Millionen Mark.  
MÄRZ
  • 1. 3.
    Reichswehrminister Groener setzt sich vor dem Haushaltsausschuß des Reichstags für den Bau des Panzerschiffs A ein. Die erste Rate in Höhe von 9,3 Millionen Reichsmark wird am 30. März mit 200 gegen 170 Stimmen bewilligt. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) und die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) stimmen dagegen.
  • 10. 3.
    Die amerikanische Regierung gibt das in den USA beschlagnahmte deutsche Vermögen wieder frei. Die Beschlagnahmung war nach Ende des Ersten Weltkriegs erfolgt, um die Begleichung der deutschen Kriegsschulden zu garantieren.
  • 12. 3.
    Die Mittelmeerinsel Malta wird zum britischen Dominion erklärt und erhält damit den Status eines Kronlands innerhalb des "Commonwealth of Nations".
  • 13. 3.
    Der Vorsitzende der Reichstagsfraktion der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), Wilhelm Frick, erklärt gegenüber dem Reichsinnenministerium, seine Partei strebe die "vollkommene Umwälzung des Staates" auf legalem Wege an.
  • 14. 3.
    Uraufführung des Films "Oktober" von Sergej M. Eisenstein (1898-1948).
  • 23. 3.
    Unterzeichnung des Staatsvertrags über die Angliederung des Freistaats Waldeck an Preußen.
  • 30. 3.
    Die italienische Regierung unter Benito Mussolini verbietet alle nichtfaschistischen Jugendorganisationen. Die Maßnahme richtet sich vor allem gegen Verbände der Katholischen Kirche.
  • 31. 3.
    Der Reichskanzler gibt die vorzeitige Auflösung des Reichstags bekannt. Mit größeren gesetzgeberischen Arbeiten sei nicht mehr zu rechnen. Die Neuwahlen werden auf den 20. Mai festgesetzt.
  • Aufhebung des am 6. Mai 1927 über die NSDAP in Berlin-Brandenburg verhängten Verbots.  
APRIL
  • 4. 4.
    Im Kampf um die Deutsche Meisterschaft im Schwergewichtsboxen schlägt Max Schmeling seinen Gegner nach Punkten.
  • 8. 4.
    Die türkische Nationalversammlung unter Kemal Atatürk verabschiedet einen Antrag auf Verfassungsänderung, mit dem die Trennung von Staat und Religion vollzogen wird.
  • 11. 4.
    Auf der Opel-Rennstrecke in Rüsselsheim wird der erste Rennwagen mit Raketenantrieb getestet. Das Auto beschleunigt in acht Sekunden auf 100 km/h.
  • 12. 4.
    Auf den italienischen König Viktor Emanuel III. wird bei der Eröffnung der Mailänder Internationalen Messe ein Bombenanschlag verübt, dem 17 Menschen zum Opfer fallen. Der König bleibt unverletzt. Als Motiv für die Tat wird das neue Wahlgesetz der faschistischen Regierung angesehen.
  • 13. 4.
    Mit dem einmotorigen Junkers-Flugzeug "Bremen" gelingt der erste deutsche Atlantikflug, der in Deutschland größeren Jubel als der Lindbergh-Flug auslöst. Nach 35stündigem Flug landet die Maschine auf Greenley Island bei Neufundland (Kanada). Es ist zugleich der erste Atlantikflug in Ost-West-Richtung überhaupt.
  • 19. 4.
    Einführung einheitlicher Autokennzeichen im Deutschen Reich. Das neue Kennzeichen ist weiß mit einem schwarzen Rand und enthält eine schwarze Kombination aus Buchstaben zur Kennzeichnung der Herkunft und einer Registriernummer.
  • 25. 4.
    Eine Wahlversammlung von Reichsaußenminister Gustav Stresemann (DVP) im Münchner Bürgerbräukeller wird von Nationalsozialisten massiv gestört.  
MAI
  • 2. 5.
    Das Reichsgericht lehnt den Antrag von Reichsinnenminister Walter von Keudell (1884-1973)(DNVP) ab, den kommunistischen Roten Frontkämpferbund zu verbieten.
  • 7. 5.
    In Großbritannien erhalten Frauen nach Vollendung des 21. Lebensjahrs das aktive und passive Wahlrecht. Frauen sind damit den Männern gleichgestellt. Zuvor durften nur Frauen über 30 Jahre wählen.
  • 11. 5.
    In New York wird das erste Fernsehprogramm nach einem regulären Zeitplan ausgestrahlt. Es wird dienstags, donnerstags und freitags jeweils eine halbe Stunde gesendet.
  • 12. 5.
    In Köln wird die internationale Presseausstellung "Pressa", die größte Schau ihrer Art, eröffnet.
  • 18. 5.
    Deutsche Erstaufführung des Films "Anna Karenina" mit Greta Garbo (1905-1990). Entgegen der amerikanischen Fassung enthält die deutsche Version kein Happy-End.
  • 19. 5.
    Tod des Philosophen Max Scheler (1874-1928) in Frankfurt/Main.
  • 20. 5.
    Bei den Reichstagswahlen erleiden die gemäßigten bürgerlichen Parteien sowie die rechtsgerichtete DNVP zum Teil erhebliche Verluste. Die SPD gewinnt 22 Mandate hinzu, die KPD neun.
  • In der Türkei werden die in Europa gebräuchlichen Ziffern eingeführt.
  • 25. 5.
    Der italienische Flugzeugkonstrukteur und General Umberto Nobile (1885-1978) stürzt mit seinem Luftschiff "Italia" im arktischen Eis nach erfolgreicher Überfliegung des Nordpols ab.  
JUNI
  • 6. 6.
    Uraufführung der Oper "Die ägyptische Helena" von Richard Strauss in Dresden. Der Text stammt von Hugo von Hofmannsthal.
  • 8. 6.
    Die nationalrevolutionären Kuomintang-Truppen unter General Chiang Kai-shek (1887-1975) erobern Peking.
  • 12. 6.
    Nach der Wahlniederlage tritt Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum) mit seiner Regierung zurück. Reichspräsident Hindenburg beauftragt Hermann Müller (SPD) mit der Bildung einer neuen Regierung.
  • 14. 6.
    Tod der englischen Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst (1858-1928) in London.
  • 15. 6.
    Der Regisseur Erwin Piscator muß aus finanziellen Gründen das Theater am Nollendorfplatz in Berlin aufgeben.
  • 18. 6.
    Der norwegische Polarforscher Roald Amundsen (1872-1928) stirbt bei dem Versuch, den Kapitän Nobile und die Besatzung des abgestürzten Luftschiffs "Italia" zu retten. Amundsen hatte zwei Jahre zuvor mit Nobile seinen ersten Nordpolflug unternommen.
  • 27. 6.
    Der polnische Ministerpräsident Józef Klemens Pilsudski legt aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder. Er bleibt jedoch Kriegsminister. Unter seiner zunehmend autoritären Herrschaftspraxis kommt es immer häufiger zu Rechtsbeugungen.
  • 28. 6.
    Reichskanzler Müller stellt sein neues Koalitionskabinett aus SPD, DDP, DVP und BVP vor. Stresemann bleibt Reichsaußenminister.  
JULI
  • 1.-5. 7.
    In Kopenhagen findet der 2. Internationale Kongress für Sexualreform statt. Die Sexualreformer wenden sich insbesondere gegen die strafrechtliche Verfolgung der Homosexualität.
  • 3. 7.
    Dem Schotten John Logie Baird (1888-1946) gelingt in London die erste Fernsehübertragung in Farbe.
  • 13. 7.
    Der deutsche Reichstag verabschiedet ein Amnestiegesetz für politische Straftaten. Keine Amnestie erhalten Verurteilte, die sich des Landesverrats, des Mordes aus politischen Motiven und des Verrats militärischer Geheimnisse schuldig gemacht haben. Für diesen Personenkreis werden die Strafen herabgesetzt.
  • 17. 7.
    Der italienische Politiker Giovanni Giolitti stirbt in Cavour (Piemont). Als Ministerpräsident von fünf Regierungen hat er eine ganze politische Ära in Italien geprägt.
  • 17. 7. - 1. 9.
    Auf dem VI. Weltkongress der Kommunistischen Internationale (Komintern) wird eine ultralinke Taktik als Generallinie ausgegeben. Der Kampf der Komintern soll sich in erster Linie gegen die "sozialfaschistischen" Sozialdemokraten richten.
  • 19. 7.
    Während des 10. Sängerbundfestes in Wien wird immer wieder der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich gefordert.
  • 28. 7.
    In Amsterdam werden die IX. Olympischen Sommerspiele eröffnet. Unter den knapp 3.000 Teilnehmern sind 288 Frauen, die erstmals auch in der Leichtathletik antreten. Mit zehn Goldmedaillen in 120 Wettbewerben erreicht die deutsche Mannschaft den zweiten Platz in der Nationenwertung hinter den USA.
  • 29. 7.
    Der Hamburger SV wird mit einem 5:2-Sieg über Hertha BSC Berlin deutscher Fußballmeister.  
AUGUST
  • 6. 8.
    Außenminister Stresemann erleidet einen leichten Schlaganfall.
  • 10. 8.
    Die Reichsregierung beschließt, die Mittel für den Bau des Panzerkreuzers A freizugeben. Auch die SPD-Minister stimmen zu, obwohl die SPD sich im Wahlkampf gegen den Bau ausgesprochen hatte.
  • 14. 8.
    Tod des Dichters Klabund in Davos (Schweiz).
  • 15. 8.
    In Hamburg laufen die Passagierschiffe "Europa" und "Bremen" vom Stapel. Die beiden Ozeanriesen mit 49.746 bzw. 51.656 BRT und einer Höchstleistung von 135.000 PS haben je 900 Mann Besatzung und können 2.100 Fahrgäste aufnehmen.
  • 16. 8.
    In der Sowjetunion wird mit einem neuen Wehrgesetz die allgemeine Wehrpflicht eingeführt.
  • 18. 8.
    Die Reichstagsfraktion der SPD bedauert die Zustimmung der SPD-Minister zum Bau des Panzerkreuzers A, lehnt jedoch den Austritt der SPD aus der Regierungskoalition ab.
  • 27. 8.
    In dem von den Außenministern Frankreichs und der USA, Aristide Briand und Frank Billings Kellogg (1856-1937), initiierten Briand-Kellogg-Pakt verpflichten sich in Paris 15 Nationen zur Ächtung des Krieges. Bis 1929 schließen sich dem Pakt 63 Staaten an.
  • 30. 8.
    Tod des Malers Franz von Stuck in München.
  • Tod des Physikers Wilhelm Wien (1864-1928) in München.
  • 31. 8.
    Uraufführung der "Dreigroschenoper von Kurt Weill und Bertolt Brecht in Berlin.  
SEPTEMBER
  • 5. 9.
    Entdeckung des Heilmittels Penicillin durch Alexander Fleming (1881-1955).
  • 8. 9.
    Tod des Politikers Ulrich von Brockdorff-Rantzau in Berlin.
  • 9. 9.
    Erste öffentliche Vorführung von Fernsehbildern während der Funkausstellung in Berlin.
  • 11. 9.
    Uraufführung der Oper "Judith" von Arthur Honegger (1892-1955) in Darmstadt.
  • 13. 9.
    Tod des italienischen Schriftstellers Italo Svevo (1861-1928) in Motta di Livenza (Treviso).
  • 15. 9.
    In London wird eine Modellausstellung eröffnet. Ihre Hauptattraktion ist ein künstlicher Mensch, der sich "bewegen und sprechen" kann.
  • Eröffnung des von Erich Mendelsohn erbauten Lichtspielhauses Universum (heute: Schaubühne) am Lehniner Platz in Berlin.
  • 16. 9.
    Am Rande der Völkerbundversammlung in Genf vereinbaren Deutschland, Großbritannien, Frankreich, die USA, Belgien und Japan die Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine vorzeitige Räumung des Rheinlands und die abschließende Regelung der Reparationen.
  • 17. 9.
    Das Reichsinnenministerium genehmigt das von der KPD geforderte Volksbegehren gegen den Bau des Panzerkreuzers A.
  • 23. 9.
    Der rechtsgerichtete "Stahlhelm" fordert ein Volksbegehren zur Änderung der Verfassung. Die Position des Reichspräsidenten soll gestärkt, die Rechte der Reichstagsabgeordneten sollen eingeschränkt werden.
  • 28. 9.
    Aufhebung des Redeverbots für Adolf Hitler in Preußen. Es wurde nach seiner vorzeitigen Entlassung aus der Haft Ende 1924 erteilt.
  • 30. 9.
    Massenkundgebung der NSDAP gegen den Dawes-Plan im Berliner Sportpalast. Es kommt zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten.  
OKTOBER
  • 1. 10.
    Beginn eines Streiks der Werftarbeiter. Sie fordern die 48-Stunden-Woche (bisher 52-Stunden-Woche) sowie die Erhöhung der Stundenlöhne um 12 Pfennig.
  • In der Sowjetunion tritt der erste Fünfjahrplan zur Förderung der Wirtschaft in Kraft.
  • Uraufführung des surrealistischen Stummfilms "Ein andalusischer Hund" von Luis Buñuel (1900-1983) und Salvador Dalí (1904-1989) in Paris.
  • 6. 10.
    Mit einer neuen Verfassung wird Chiang Kai-shek neuer Präsident der Republik China.
  • 7. 10.
    In Abessinien (heute: Äthiopien) wird Haile Selassie (1892-1975) zum König gekrönt.
  • Der finnische Langstreckenläufer Paavo Nurmi (1897-1973) stellt in drei Läufen in Berlin neue Weltrekorde auf: über 15 km, über 10 Meilen und im Einstundenlauf.
  • 8. 10.
    Die Firmen Siemens, AEG und Telefunken gründen die "Klangfilm-Gesellschaft" zur Weiterentwicklung des Tonfilms.
  • 13. 10.
    Die Reichspost schafft die Telefonpauschale ab. Fortan wird nach Einzelgesprächen abgerechnet.
  • 16. 10.
    Das Volksbegehren gegen den Bau des Panzerkreuzers A scheitert, da sich nur rund 1,2 Millionen Stimmberechtigte in die Listen eintrugen. Damit wurden die für einen Volksentscheid erforderlichen zehn Prozent nicht erreicht.
  • 19. 10.
    Gründung des Bunds proletarisch-revolutionärer Schriftsteller in Berlin.
  • 20. 10.
    Der Verleger Alfred Hugenberg wird zum Vorsitzenden der DNVP gewählt. Hugenberg ist scharfer Gegner der parlamentarisch-demokratischen Republik.  
NOVEMBER
  • 3. 11.
    Die Bayerischen Motorenwerke (BMW) übernehmen die Automobilfirma Dixi-Werke in Eisenach. BMW, bislang Hersteller von Motorrädern, geht damit zur Produktion eigener Automobile über.
  • 6. 11.
    Der Kandidat der Republikanischen Partei der USA, Herbert C. Hoover (1874-1964), wird zum neuen US-Präsidenten gewählt.
  • 10. 11.
    Die "Vossische Zeitung" beginnt mit dem Vorabdruck des Antikriegsromans "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque.
  • 16. 11.
    Der Reichstag lehnt einen Antrag der SPD-Fraktion ab, den Bau des Panzerkreuzer A zu stoppen.
  • 20. 11.
    Der Reichstag stimmt mit Zweidrittelmehrheit gegen einen Misstrauensantrag der NSDAP gegen Außenminister Stresemann.
  • 21. 11.
    Tod des Schriftstellers Hermann Sudermann (1857-1928) in Berlin.
  • 22. 11.
    Uraufführung des Balletts "Bolero" von Maurice Ravel (1875-1937) in Paris.
  • 23. 11.
    Max Schmeling gewinnt im New Yorker Madison Square Garden den ersten Kampf seiner Amerikareise durch K.o. in der achten Runde.  
DEZEMBER
  • 3. 12.
    Die Opel-Werke in Rüsselsheim werden in eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 60 Millionen Reichsmark umgewandelt.
  • 5. 12.
    Wilhelm Miklas (1872-1953) wird im dritten Wahlgang zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt.
  • Wilhelm Furtwängler lehnt einen Wechsel von den Berliner zu den Wiener Philharmonikern ab.
  • 9. 12.
    Der Prälat Ludwig Kaas wird zum Vorsitzenden der Zentrumspartei gewählt. Diese vollzieht damit einen deutlichen Rechtsruck.
  • 10. 12.
    Der Maler George Grosz und der Verleger Wieland Herzfelde werden wegen Gotteslästerung zu jeweils 2.000 Reichsmark verurteilt. Das Urteil bezieht sich u.a. auf die Grosz-Zeichnung "Christus mit der Gasmaske".
  • 13. 12.
    Uraufführung der symphonischen Dichtung "Ein Amerikaner in Paris" von George Gershwin in New York.
  • 16. 12.
    Stalin fordert den verbannten Trotzki auf, sich jeglicher oppositioneller Aktivitäten zu enthalten.
  • 20. 12.
    Anerkennung der chinesischen Regierung unter Chiang Kai-shek durch Großbritannien.
  • 22. 12.
    Das Deutsche Reich, Großbritannien, die USA, Frankreich, Italien, Belgien und Japan einigen sich über die Einsetzung einer Sachverständigenkommission zur Neuregelung der Reparationsfrage.
  • Die Schriftstellerin Anna Seghers erhält für ihre erste Buchveröffentlichung ("Der Aufstand der Fischer von St. Barbara") den Kleistpreis, die renommierteste Literaturauszeichnung der Weimarer Republik.
  • Außerdem:
  • Walter Benjamin: Einbahnstraße (Philosophische Fragmente)
  • Walter Benjamin: Der Ursprung des deutschen Trauerspiels (Habilitationsschrift)
  • André Breton (1896-1966): Nadja (Erzählung)
  • Erich Kästner: Emil und die Detektive (Jugendroman)
  • Klabund: Borgia (Roman)
  • D. H. Lawrence (1885-1930): Lady Chatterley's Lover (Roman)
  • Ludwig Renn: Krieg (Roman)
  • Jakob Wassermann (1873-1934): Der Fall Mauritius (Roman)
  • Virginia Woolf: Orlando (Roman)

Dorlis Blume/Manfred Wichmann
9. Mai 2015

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