Chronik 1849

FEBRUAR
  • 9.2.
    Revolutionäre rufen in Rom die Republik aus. Kurz darauf übernehmen die Freiheitskämpfer Carlo Armellini (1777-1863), Giuseppe Mazzini (1805-1872) und Aurelio Saffi (1819-1890) die Regierung der bis zum 3. Juli 1849 bestehenden Römischen Republik. Papst Pius IX. (1792-1878) war bereits im November 1848 nach Gaeta geflohen.
  • 26.2.
    Eröffnung des Preußischen Landtags in Berlin.
MÄRZ
  • 7.3.
    Der habsburgische Kaiser Franz Joseph I. löst den österreichischen konstituierenden Reichstag auf und oktroyiert eine Verfassung. Sie sieht einen einheitlichen Gesamtstaat, einen aus Oberhaus und Unterhaus bestehenden Reichstag und einen beratenden Reichsrat vor. Mit Ausnahme der Bildung des Reichsrats wird diese Verfassung jedoch nie umgesetzt und 1851 wieder aufgehoben. Als der Kaiser die Verfassung auch in Ungarn oktroyieren will, bricht ein Aufstand für die Unabhängigkeit Ungarns aus.
  • In Bourges beginnen die Prozesse gegen 20 namhafte französische Revolutionäre, unter Ihnen der Sozialist Louis Blanc (1811-1882), der in Abwesenheit zur Deportation nach Übersee verurteilt wird.
  • 12.3.
    Beginn einer Revolution in dem zu Österreich gehörenden norditalienischen Königreich Lombardo-Venetien. Karl Albert von Sardinien-Piemont (1789-1849) stellt sich erneut an die Spitze der italienischen Einigungsbewegung und erklärt Österreich den Krieg.
  • 23.3.
    In der Schlacht bei Novara wird Karl Albert von Sardinien-Piemont von den österreichischen Truppen unter Feldmarschall Joseph Wenzel Graf Radetzky (1766-1858) geschlagen. Karl Albert dankt zugunsten seines Sohnes Viktor Emanuel II. (1820-1878) ab.
  • 28.3.
    Die Frankfurter Nationalversammlung verkündet die Reichsverfassung und wählt den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. mit 290 Stimmen - bei 248 Enthaltungen und 20 Gegenstimmen - zum deutschen Kaiser.
APRIL
  • 1.4.
    Dänemark kündigt den Waffenstillstand von Malmö auf: Fortsetzung des Krieges zwischen Dänemark und dem vom Deutschen Bund unterstützten Schleswig-Holstein. 
  • 3.4.
    Friedrich Wilhelm IV. empfängt im Berliner Schloss die Kaiserdeputation der Frankfurter Nationalversammlung, die ihm die deutsche Kaiserkrone anträgt. Der preußische König lehnt die Krone vorläufig mit der Begründung ab, er könne ohne das Einverständnis der deutschen Fürsten und freien Städte keine Entschließung fassen.
  • 14.4.
    Eine Mehrheit von 28 deutschen Einzelstaaten nimmt die Reichsverfassung an. Zwölf Tage später folgt auch Württemberg als einziges Königreich diesem Schritt.
  • Der ungarische Reichstag erklärt unter Führung des Freiheitskämpfers Lajos Kossuth (1802-1894) die Unabhängigkeit des Königreichs Ungarn von Österreich.
  • 21.4.
    Die erste Ausgabe der von der Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters gegründeten überregionalen "Frauen-Zeitung" erscheint .
  • 28.4.
    Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. erklärt die endgültige Ablehnung der Kaiserwürde. In Reaktion auf die Ablehnung der Kaiserwürde tritt Reichsministerpräsidenten Heinrich von Gagern am 10. Mai von seinem Amt zurück.
MAI
  • 2.5.-14.6.
    Die zum Königreich Bayern gehörende Pfalz erhebt sich gegen die bayerische Regierung, da diese die Reichsverfassung ablehnt. Sie bildet eine provisorische Exekutive und sagt sich von Bayern los. Von der Münchener Regierung zu Hilfe gerufene preußische Truppen schlagen den Aufstand nieder.
  • 3.5.-9.5.
    Die Dresdener Mairevolution gegen den reaktionären Kurs des sächsischen Königs wird von preußischen Truppen in viertägigen Straßenkämpfen niedergeschlagen.
  • 6.5.
    Der katholische Geistliche Adolf Kolping (1813-1865) gründet den „Kölner Gesellenverein“, der wandernden Handwerksgesellen eine soziale und religiöse Heimstatt bietet. Seit 1935 nennt sich der daraus entstehende katholische Sozialverband nach seinem Initiator „Kolpingwerk“.
  • 11.5.
    Mit einer Soldatenmeuterei in der badischen Bundesfestung Rastatt beginnt der bis zum 23. Juli andauernde badische Aufstand. Großherzog Leopold von Baden (1790-1852) muss ins Elsaß fliehen. Eine provisorische Regierung übernimmt die Regierung und lässt eine verfassunggebende Landesversammlung wählen.
  • 13.5.
    Wahlen zur gesetzgebenden Nationalversammlung in Frankreich.
  • 21.5.
    Kaisertreffen in Warschau: Zar Nikolaus I. (1796-1855) sagt dem österreichischen Kaiser Franz Joseph I. militärische Unterstützung gegen die Aufständischen zu.
  • 26.5.
    Im Dreikönigsbündnis erreicht Preußen die Zustimmung der Königreiche Hannover und Sachsen zu seiner Unionspolitik mit dem Ziel einer kleindeutschen Einigung unter preußischer Führung.
  • 30.5.
    Die nach der Abberufung der österreichischen und preußischen Vertreter noch verbliebenen Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung verlegen ihre Sitzungen nach Stuttgart.
  • In Preußen wird per Verordnung das Dreiklassenwahlrecht für Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Gemeindevertretungen eingeführt.
JUNI
  • 5.6.
    Mit Unterzeichnung des Grundgesetzes des Königreichs Dänemark durch König Friedrich VII. (1808-1863) wird Dänemark eine konstitutionelle Monarchie. Die Verfassung hat im Wesentlichen bis heute bestand.
  • 18.6.
    Die württembergische Regierung unter Ministerpräsident Friedrich von Römer (1794-1864) lässt das in Stuttgart tagende "Rumpfparlament" gewaltsam auflösen.
  • 21.6.
    Die von Großherzog Leopold von Baden angeforderten preußischen Truppen erzielen bei Waghäusel den entscheidenden Sieg über die badischen Aufständischen.
  • 25.-27.6.
    150 Abgeordnete mehrheitlich kleindeutsch-liberaler Ausrichtung stimmen auf einer Versammlung in Gotha dem preußischen Unionsplan zu.
JULI
  • 3.7.
    Französische Truppen nehmen Rom ein und beenden die im Februar gegründete Römische Republik.
  • 23.7.
    Mit der Kapitulation der badischen Revolutionäre in der Festung Rastatt nach dreiwöchiger Belagerung durch preußische Truppen unter Führung des „Kartätschenprinzen“ Wilhelm von Preußen fällt die letzte Bastion von Anhängern der Revolution in Deutschland.
AUGUST
  • 6.8.
    Im Friedensvertrag zwischen Österreich und Sardinien-Piemont erhält Österreich die Kontrolle über das Königreich Lombardo-Venetien zurück.

  • 11.8.
    Unter dem Druck einer österreichisch-russischen Interventionsarmee dankt der ungarische Reichsverweser Lajos Kossuth ab und flieht zunächst ins Osmanische Reich.
  • 13.8.
    Die ungarische Revolutionsarmee unter Artur Görgey (1818-1916) kapituliert in der Nähe von Arad (heute Rumänien) vor den auf Bitten des Wiener Hofs entsandten russischen Interventionstruppen. Damit endet die Revolution in Ungarn.
  • 22.8.
    Kapitulation Venedigs vor österreichischen Truppen. Vorläufiges Ende des italienischen Unabhängigkeitskampfes.
SEPTEMBER
  • 25.9.
    Der österreichische Komponist und Kapellmeister Johann Strauß (1804-1849) stirbt in Wien an Scharlach.
OKTOBER
  • 6.10.
    Hinrichtung von 13 ungarischen Generälen und Offizieren der ungarischen Revolution.
  • 7.10.
    Der US-amerikanische Schriftsteller Edgar Allan Poe (1809-1849) stirbt in Baltimore.
  • 17.10.
    Der polnische Komponist und Pianist Frederic Chopin (1810-1849) erliegt in Paris seinem jahrelangen Tuberkuloseleiden.
NOVEMBER
  • 1.11.
    Das Königreich Bayern gibt die erste Briefmarke in Deutschland heraus, den „Schwarzen Einser“.
  • 27.11.
    Der Zeitungsverleger Bernhard Wolff (1811-1879) gründet in Berlin das Wolff’sche Telegraphenbüro, die erste deutsche Nachrichtenagentur.
DEZEMBER
  • 7.12.
    Durch einen Abtretungsvertrag kommen die dem preußischen König verwandtschaftlich verbundenen Fürstentümer Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen zum preußischen Staatsverband.
  • 10.12.
    Erzherzog Johann (1782-1859) legt das Amt des Reichsverwesers, zu dem ihn die Frankfurter Nationalversammlung am 24. Juni 1848 gewählt hatte, nieder.

Dorlis Blume
8. März 2017

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