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Gebrauchsmusik, Arbeitermusik und Kampflieder

Gegen die Massenkultur und den neusachlichen Medienkult der Weimarer Republik bildete sich die gegenteilige Meinung heraus, dass das wahre Musikerleben nur durch Selbstmusizieren entstehe könne. Das Angebot an Gebrauchs- und Hausmusik war reichhaltig: Neben vielen älteren Werken, die durch Neudrucke wieder zugänglich waren, wurden auch eine Reihe moderner Kompositionen verlegt.

Das Konzept der wertneutralen Gebrauchsmusik wurde jedoch bald von stärker aktivistisch orientierten Gruppen durch das der "Gesinnungsmusik" ersetzt. Dieses beruhte nicht mehr auf einer pluralistisch-liberalen Gesellschaftsauffassung, sondern drängte auf eine politische und soziale Verbindlichkeit der künstlerischen Aussage hin. Ein eigenes Profil gewann so die Arbeitermusikkultur in Arbeiterkampfliedern und Arbeiter-Sängerbünden.

Nach der Weltwirtschaftskrise nahmen die linksbürgerlichen, sozialistischen und kommunistischen Stimmen zu, die sich gegen das Unverbindliche der Gebrauchsmusik wandten. Zu ihnen gehörten Kurt Weill, Hans Heinz Stuckenschmidt (1901-1988), Stefan Wolpe (1902-1972) und Hanns Eisler. Den nun einsetzenden Bemühungen um eine sozialistische Musikkultur wurde durch die in den Jahren 1928 bis 1932 einsetzende Resignation in den eigenen Reihen sowie durch die völkischen, präfaschistischen und nationalsozialistischen Stimmen ein Ende gesetzt.

Katrin Pieper
Dezember 1998

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