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    WIEDERENTDECKT

 

WIEDERENTDECKT

Wiederentdeckt – so heißt unsere filmhistorische Reihe, kuratiert von CineGraph Babelsberg, die einmal im Monat vergessene Schätze der deutschen Filmgeschichte vorstellt. Zu sehen sind Werke, die oftmals im Schatten jener Filme stehen, die den deutschen Filmruhm begründet haben. Sie sind Zeugnisse einer wirtschaftlich leistungsfähigen und handwerklich ambitionierten Filmindustrie. Erstaunlich viele dieser Filme „aus der zweiten Reihe“ sind erhalten. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv und der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen recherchieren die Mitarbeiter von CineGraph Babelsberg diese Filme und analysieren sie im historischen Kontext. Sie erstellen Begleitblätter für das Publikum, führen in die Filme ein und dokumentieren ihre Forschungsergebnisse im Filmblatt, der Zeitschrift von CineGraph Babelsberg.
Eine Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit CineGraph Babelsberg, dem Bundesarchiv-Filmarchiv und der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen

 

 

WIEDERENTDECKT
Roman einer jungen Ehe
DDR 1952, R: Kurt Maetzig, B: Bodo Uhse, Kurt Maetzig, K: Karl Plintzner, D: Yvonne Merin, Hans-Peter Thielen, Willy A. Kleinau, Hilde Sessak, Harry Hindemith, 104’ 35 mm

Von seinem ersten Film Ehe im Schatten (1947) an verstand Kurt Maetzig Film als eine vorrangig aufklärerische Kunstform. Die Filmkunst solle zur Bildung und Besserung ihrer Zuschauer beitragen. Alle seine Filme hat Maetzig an diesem Anspruch ausgerichtet. In dem Film Roman einer jungen Ehe machte Maetzig „den künstlerischen Versuch, eines der größten Probleme unserer Zeit, das heute jeden ehrlichen Deutschen bewegt, nämlich die Zerreißung unseres Vaterlandes und die Möglichkeit seiner Wiedervereinigung, zu gestalten.“ (Maetzig, 1951). Dieses leidenschaftliche Anliegen kleideten Maetzig und seine Mitarbeiter, vor allem der Romancier Bodo Uhse als Autor, in eine episch strukturierte Liebesgeschichte. Sie nahmen in deren Erzählfluss zahlreiche aktuelle Ereignisse und Anspielungen zur Frühzeit der Spaltung Deutschlands im geteilten Berlin auf, die zeitgenössische Zuschauer rasch entschlüsseln konnten. Dabei geriet eine überzeugende, sinnlich nachvollziehbare Synthese zwischen der epischen Erzählung und dem zentralen Liebes- und Ehekonflikt oft in Widerspruch zu pathetisch-einseitigen Absichtserklärungen. Aber nicht zuletzt wegen der authentischen Berlin-Bilder bildet der Film heutzutage ein zeithistorisch aufschlussreiches Dokument. (ga)

Einführung: Günter Agde
am 7.1.2011 um 18.30 Uhr

 

 

WIEDERENTDECKT
Die Lieblingsfrau des Maharadschas, 3. Teil
D 1920/21, R: Max Mack, B: Marie Louise, Adolf Droop, D: Gunnar Toelnaes, Fritz Kortner, Erna Morena, Aud Egede Nissen, 94’ 35 mm

Exotik und Erotik sind stets Attraktionen populärer Medien. Die Kombination von beidem ist es um so mehr. Dies gilt für Heftchenromane und Belletristik ebenso wie für den frühen Film. Das Fremde, Ungesehene, Unerlaubte und Unerlebte öffnet weite Assoziationsfelder insbesondere auch für das Kinopublikum bürgerlicher Mittelschichten, das in den 1910er Jahren überwiegend weiblich gewesen sein soll. Eine dafür kreierte Figur ist der schöne, edle, aber verschlossene Orientfürst, den attraktive Schauspieler mit besonderer Aura verkörpern. Zu ihnen gehört nicht nur Rudolph Valentino. Heute kaum noch bekannt ist ein europäischer Star der späten 1910er Jahre: der Norweger Gunnar Toelnaes, Held in den Filmen Die Lieblingsfrau des Maharadschas, die 1916 und 1918 in Dänemark entstanden. 1920/21 verfilmte die Ufa den Stoff mit einem dritten Teil, in Zeiten, als das Kino aufgrund schwierigster wirtschaftlicher Lage abermals ein Ort der Sehnsucht war.
Toelnaes spielt erneut den indischen Prinzen, in den sich eine Engländerin verliebt. Mutig reist sie ihm nach, fällt aber dem abgrundtief bösen Bruder des Maharadschas in die Hände. Wie an jedem Fürstenhof gibt es auch in Indien vor allem männliche Intrigen, die entweder durch Gewalt, ein Rudel Löwen oder durch die Hingabe der Lieblingssklavin des Maharadschas aufgelöst werden. Schließlich erkennt auch er die Liebe der fremden Frau, die bereit war, für ihn zu sterben. Nicht nur die Backfische Berlins waren 1921 sentimental entflammt. Regisseur Max Mack bemühte sich redlich, neben den Träumen und Schaureizen schöner Frauen auch den Zauber Indiens mit den Mitteln des Ufa‑Ateliers zu entfalten. (jük)

Klavierbegleitung: Peter Gotthardt
Einführung: Jürgen Kasten

am 4.2.2011 um 19.00 Uhr

 

 

WIEDERENTDECKT
Und finden dereinst wir uns wieder...
D (West) 1947, R: Hans Müller, B: Ernst Hasselbach, M: Michael Jary, D: Lutz Moik, Hans Neie, Paul Dahlke, Käte Haack, Willi Rose, Carl Raddatz (Sprecher), 91’ 35 mm

Einer der ersten Nachkriegsfilme, der in die NS-Zeit zurückblendet und die Verführung der deutschen Jugend im „Dritten Reich“ thematisiert. Eine Gruppe von Schülern, die aus Berlin nach Westfalen evakuiert wurde, bricht im März 1945 heimlich auf, um am „Endkampf“ in Berlin teilzunehmen. Unterwegs begegnet sie einem Lehrer, der die Jungen immer wieder im Sinne der NS-Politik beeinflusst hatte und der sie nun auffordert, seine SA-Uniform verschwinden zu lassen: ein „Wendehals“. Dagegen öffnet ihnen ein von seiner Einheit versprengter Gefreiter mit seinen Berichten vom Krieg in Russland die Augen. Der kleinste der Jungen stirbt einen letzten Opfertod; die anderen begraben ihn am Straßenrand. Ihr „Idealismus, für Führer und Vaterland in den Kampf zu ziehen, weicht schließlich der Auffassung, dass der Führer als Initiator des Krieges ein Verbrecher ist“ (Peter Pleyer).
Und finden dereinst wir uns wieder... steht für eine Tendenz im (west-)deutschen Nachkriegskino, die Schuld für Krieg und Mord einzig und allein bei der NS-Obrigkeit, nicht aber beim einfachen „Mitläufer“ zu suchen. Die vermeintliche Alleinschuld Hitlers wird zum Alibi für eigene Verstrickungen: Durch ihn sind alle anderen Deutschen zu „Opfern“ geworden. Paul Dahlke als sympathischer Lehrer und Autoritätsperson fordert am Ende des Films zum Blick nach vorn auf: „Zu sterben für eine Idee kann gut sein. Zu leben aber, zu arbeiten für sein Volk, das ist viel, viel größer als der Tod.“ (rs)

Einführung: Ralf Schenk
am 4.3.2011 um 19.00 Uhr

 

 

 

 

 

 

 
 
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