Baldur von Schirach 1907-1974

NS-Politiker

  • 1907

    9. Mai: Baldur von Schirach wird als Sohn des Rittmeisters und Theaterdirektors Karl von Schirach und dessen amerikanischer Ehefrau Emma in Berlin geboren.

  • 1924

    Eintritt in eine Wehrjugendgruppe.

  • 1925

    29. August: Nach einer Begegnug mit Adolf Hitler im Elternhaus Schirachs wird er Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP).

  • ab 1927

    Studium der Germanistik und Kunstgeschichte in München. Schirach schließt das Studium nicht ab.

  • 1928

    Berufung in die NSDAP-Reichsleitung als Führer des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds (NSDStB).

  • 1929

    Januar: Schirach gründet den "Akademischen Beobachter".

  • 1931

    30. Oktober: Ernennung zum Reichsjugendführer der NSDAP. Damit untersteht Schirach dem Obersten SA-Führer (OSAF) und erhält zugleich einen hohen SA-Rang.

  • 1932

    März: Heirat mit Henriette Hoffmann, der Tochter des Hitler-Photographen Heinrich Hoffmann.
    Juni: Schirach übernimmt die Leitung der Hitler-Jugend (HJ).
    ab 31. Juli: Mitglied des Reichstags.
    2. Oktober: Organisation des "Reichsjugendtags" in Potsdam mit 70.000 Teilnehmern.

  • 1933

    29. Januar: Schirach erhebt mit der Verkündung des "Manifests der Jugend" Anspruch auf die Übernahme der gesamten Jugendführung im Dritten Reich.
    5. April: Besetzung der Geschäftsstelle des "Reichsausschusses der deutschen Jugendverbände" und Übernahme des Vorsitzes durch Schirach.
    17. Juni: Mit der Ernennung zum Reichsjugendführer ist Schirach für die gesamte außerschulische Jugenderziehung zuständig.

  • 1933-1935

    Gemeinsam mit Heinrich Hoffmann gibt Schirach eine Reihe von Bildbänden heraus: "Der Triumph des Willens. Kampf und Aufstieg Adolf Hitlers und seiner Regierung", "Jugend um Hitler", "Hitler, wie ihn keiner kennt".

  • 1936

    1. Dezember: Mit dem Inkrafttreten des Jugendgesetzes ("HJ-Gesetz") wird Schirach zum Staatssekretär ernannt, die Reichsjugendbehörde wird zur Obersten Reichsbehörde aufgewertet. Zugleich erfolgt die Zusammenfassung der gesamten deutschen Jugend in der HJ (1936: ca. 6 Millionen Mitglieder). Die HJ wird neben Eltern und Schule dritter Erziehungsfaktor. Ihre politischen Ideale sind Disziplin und sowie ein unbedingter, strikter Antisemitismus. Die Jugendlichen sollen durch Spiele und Abenteuer an den Nationalsozialismus herangeführt werden.

  • 1939

    25. März: Einführung der Jugenddienstpflicht und der Pflichtmitgliedschaft der Jugendlichen in den einzelnen Unterorganisationen der HJ.
    Dezember: Schirach meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst. Nach einem kurzen Einsatz als Leutnant an der Westfront wird er mit dem Eisernen Kreuz, Zweiter Klasse, ausgezeichnet.

  • 1940

    Schirachs Bemühungen, die gesamte Jugenderziehung zu kontrollieren, führen zu parteiinternen Streitigkeiten. Artur Axmann übernimmt von Schirach das Amt des Reichsjugendführers.
    8. August: Ernennung Schirachs zum Reichsstatthalter, zum Gauleiter von Wien und zum Beauftragten für die Inspektion der gesamten HJ.
    ab September: Schirach wird mit der Leitung der Kinderlandverschickung beauftragt. Während des Zweiten Weltkriegs werden etwa 5 Millionen Kinder und Jugendliche aus den durch Luftangriffe bedrohten Städten evakuiert.

  • ab 1941

    Schirach zeichnet verantwortlich für die Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Gau Wien.

  • 1943

    24. Juni: Er fordert von Hitler eine bessere Behandlung der Osteuropäer.
    Seine Frau kritisiert gegenüber Hitler die Art der Durchführung der Judendeportation. Schirach verliert daraufhin das Wohlwollen Hitlers.

  • 1945

    20. November: Schirach wird vor dem "Internationalen Militärgerichtshof" in Nürnberg angeklagt.

  • 1946

    1. Oktober: Wegen seiner erwiesenen Beteiligung an den Judendeportationen wird er zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Ihm kann keine paramilitärische Vorbereitung der Jugend auf die nationalsozialistischen Eroberungskriege nachgewiesen werden.

  • 1950

    Die Gnadengesuche seiner drei Söhne und seiner Tochter bleiben ohne Erfolg.
    Schirach wird von seiner Frau geschieden.

  • 1966

    30. September: Er wird aus dem Berlin-Spandauer Kriegsverbrechergefängnis entlassen.

  • 1966-1974

    Schirach lebt zurückgezogen in Südwestdeutschland.

  • 1967

    Veröffentlichung seiner Memoiren "Ich glaubte an Hitler". Schirach behauptet, keinerlei Kenntnis von den Vernichtungslagern gehabt zu haben.

  • 1974

    8. August: Baldur von Schirach stirbt in Kröv an der Mosel.

(se)
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