Georg Gothein 1857-1940

Politiker

  • 1857

    15. August: Georg Gothein wird in Neumarkt in Niederschlesien als Sohn des Arztes Hugo Gothein und dessen Frau Marie (geb. Ehm) geboren. Sein älterer Bruder Eberhard (1853-1923) wird ein bedeutender Historiker und Nationalökonom.

  • 1877-1884

    Gothein studiert in Breslau (heute: Wroclaw/Polen) und an der Berliner Bergakademie Hüttenwesen.

  • 1884

    Er ist als Bergassessor in Saarbrücken und Gleiwitz tätig.

  • 1885-1887

    Gothein ist Generalsekretär des Oberschlesischen Berg- und Hüttenmännischen Vereins und gleichzeitig Bergrevierbeamter.

  • 1886

    In Leipzig heiratet er Anna Mangelsdorf. Aus der Ehe gehen drei Töchter hervor.

  • 1887

    Gothein veröffentlicht "Die Oberschlesische Montanindustrie".

  • 1887-1892

    Er ist Bergrevierbeamter in Schlesien.

  • 1888

    Gothein erhält den Titel Dr. ing. und wird Bergrat für Bleierz- und Kohlebergbau.

  • 1889-1893

    Er ist parteiloser Stadtverordneter in Waldenburg (Schlesien).

  • 1892

    1. Oktober: Gothein scheidet aus dem Staatsdienst aus.

  • 1892-1901

    Er ist Syndikus der Handelskammer Breslau, hält sich aber hauptsächlich in Berlin auf.

  • 1893-1903

    Als Abgeordneter der Freisinnigen Vereinigung ist Gothein Mitglied des preußischen Landtags.

  • 1901-1918

    Mit seiner Veröffentlichung "Der deutsche Außenhandel" und mit einer Biographie über Reichskanzler Georg Leo von Caprivi erlangt er Beachtung in politischen Kreisen.
    Gothein ist Reichstagsabgeordneter. Er spricht sich gegen den Ausbau der Flotte aus. Den deutschen Flottenbau bezeichnet er als friedensgefährdenden Weltmachtanspruch Deutschlands.

  • 1910

    Gothein wird Mitglied der Fortschrittspartei.

  • 1914-1918

    Während des Ersten Weltkriegs setzt er sich für eine Reform der Fortschrittspartei ein.

  • 1917

    Mit der Veröffentlichung "Das selbständige Polen als Nationalitätenstaat" zieht er Verleumdungen nationalistischer Kreise auf sich.

  • 1918/19

    Er ist Mitbegründer der aus der Fortschrittspartei hervorgehenden linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP).

  • 1919

    Gothein wird Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und Schatzminister im Kabinett von Philipp Scheidemann.
    20. Juni: Wegen der Bestimmungen über die Kriegsschuld lehnt Gothein den Versailler Vertrag ab. Das Kabinett Scheidemann hält einen dauerhaften Frieden auf Grundlage dieses Vertrags für unmöglich und tritt zurück.

  • 1920

    Gothein kritisiert in der Schrift "Warum verloren wir den Krieg?" die deutsche Kriegspolitik und deren expansive Kriegsziele.
    Er ist Vorstandsmitglied des "Außenhandelsverbands" und Mitglied des "Vereins für Sozialpolitik".

  • 1920-1924

    Gothein gehört nach der Reichstagswahl vom 6. Juni 1920 für die DDP dem Reichstag an.

  • 1921

    September: Er wird Vorsitzender des "Vereins zur Abwehr des Antisemitismus".
    Nach der Ermordung des früheren Finanzministers und Zentrum-Politikers Matthias Erzberger äußert Gothein in einer Rede auf der Jahrestagung des Vereins seine tiefe Besorgnis über militante und antisemitische Tendenzen rechtsgerichteter Organisationen.

  • 1924-1929

    Für das "Berliner Tageblatt" und die Wiener "Neue Freie Presse" arbeitet Gothein als Autor.
    Aufgrund seines angegriffenen Gesundheitszustands schränkt er seine politischen Aktivitäten stark ein.

  • ab 1930

    Nach einem Schlaganfall lebt Gothein zurückgezogen in Berlin.

  • 1940

    22. März: Georg Gothein stirbt in Berlin.

mü/Arnulf Scriba
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