1890-1978
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Hanns Johst
Schriftsteller
- 1890
- 8. Juli: Hanns Johst wird als Sohn eines Volksschullehrers
im sächsischen Seerhausen geboren. Nach dem frühen Tod
des Vaters lebt er einige Zeit mit seiner Mutter auf dem Bauernhof
der Großeltern in Kolka (Sachsen).
- Nach der Wiedervermählung der Mutter zieht die Familie nach
Leipzig, wo Johst das Gymnasium besucht.
- 1907
- Da Johst zunächst eine missionarische Tätigkeit
anstrebt, wird er als Pfleger in dem von Friedrich von Bodelschwingh
aufgebauten diakonischen Werk in Bethel tätig.
- ab 1908
- Studienaufenthalte in Leipzig, München, Wien
und Berlin, wo er Medizin, später auch Philologie und Kunstwissenschaft
studiert.
- Kurze Zeit ist er auch als Schauspieler tätig.
- 1914
- Den Ersten Weltkrieg erlebt er als Kriegsfreiwilliger.
- Sein erstes Werk, das Drama "Die Stunde der Sterbenden",
erscheint.
- 1915
- Heirat mit einer Tochter aus einer Nürnberger Patrizierfamilie
und Niederlassung in Oberallmannshausen am Starnberger See.
- 1916/17
- Mit den Dramen "Der junge Mensch" und "Der
Einsame" feiert Johst erste Erfolge als expressionistischer
Schriftsteller. Das Drama "Baal" von Bertolt Brecht,
den er als jungen Mann kennenlernt, ist als Gegenstück zu
"Der Einsame" konzipiert.
- ab 1918
- Nach Kriegsende widmet er sich ganz seiner Arbeit
als freier Schriftsteller.
- 1923-1927
- Stücke wie "Propheten" und das Erfolgsdrama
"Thomas Paine" dokumentieren seine Annäherung an
die völkische-nationalistische Ideologie. In der Weimarer
Republik genießt er den Ruf eines "markanten Schriftstellers
der politischen Rechten".
- 1932
- Eintritt in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
(NSDAP).
- Johst fungiert als Reichsleiter der "Fachgruppe Schrifttum"
in dem von Alfred Rosenberg 1929 gegründeten "Kampfbund
für deutsche Kultur".
- 1933
- Das Drama "Schlageter", das bekannteste und
meistgespielte nationalsozialistische Stück, welches den
NS-Märtyrer Albert Leo Schlageter verherrlicht und
Adolf Hitler in "liebender Verehrung und unwandelbarer
Treue" gewidmet ist, erscheint den Nationalsozialisten als
"stärkste dichterische Gestaltung der Gesinnung und
Haltung unseres neuen Deutschland". Johst selbst gilt nun
als "Vorzeigedramatiker" und "Paradedichter"
der NS-Literatur.
- Er wird Dramaturg am Berliner Schauspielhaus. Die Sektion für
Dichtkunst in der Preußischen Akademie der Künste wird
nach dem Ausscheiden von Heinrich Mann mit Johst neu besetzt
und in "Deutsche Akademie der Dichtung" umbenannt.
- 1934
- 17. Januar: Ernennung zum Preußischen Staatsrat.
- 1935
- Johst erhält auf dem Reichsparteitag in
Nürnberg den erstmals verliehenen Preis der NSDAP für Kunst und
Wissenschaft. Im weiteren werden ihm die "Goethemedaille",
der "Kantate-Dichterpreis" der Stadt Leipzig und die
"Wartburg-Dichter-Rose" verliehen.
- 1935-1945
- Johst hat als Präsident die Leitung der Reichsschrifttumskammer
(RSK) inne,die für die Säuberung des Schrifttums von
allen "artfremden" und "volkschädlichen"
Schriftstellern verantwortlich ist. In dieser einflußreichen
Position besitzt Johst im literarischen Bereich eine Machtposition,
die es ihm erlaubt, entscheidend bei der Gleichschaltung
der deutschen Literatur- und Theaterszene mitzuwirken.
- 1942
- Er erhält den Ehrenrang eines Gruppenführers
der Schutzstaffel (SS).
- 1945
- Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangt er als führender
Propagandist der nationalsozialistischen Ideologie zeitweilig
in Internierungshaft, wo er sich mit der Übersetzung neuerer
französischer Dichtung befaßt.
- 1949
- 7. Juli: Von einer Münchner Spruchkammer wird er
zunächst als "Mitläufer" eingestuft, dann
aber wird Johst in einem von ihm selbst angestrengten Berufungsverfahren
als "Hauptschuldiger" zu dreieinhalb Jahren Arbeitslager
verurteilt und mit zehnjähriger Berufsbeschränkung belegt.
- 1955
- Nach seiner Haftentlassung erscheint der Roman "Gesegnete
Vergänglichkeit", der ohne literarisches Echo bleibt
und mit dem Johsts schriftstellerische Tätigkeit endet. Er
zieht sich nach Oberallmannshausen zurück und tritt nicht
mehr an die Öffentlichkeit.
- 1978
- 23. November: Hanns Johst stirbt in Ruhpolding (Oberbayern).
(ip)
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